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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-08-28 · 4 (28.8.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
4 (28.8.1927)
Date
1927-08-28
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 iemeindehlatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. 4 Aufs La indt' . Pi o s s e. St Don Rittergutsbesitzer R u d. S. osse, Stangenhagen Man züchte nicht Serien von Großstadtgoschlechtern, sondern befördere den generationsweisen Austausch von Stadt und Land." Walther Rathenau: »Zur Kritik der Zeit." Tie Zeitepoche der Emanzipation ist für die deutschen Juden im wesentlichen abgeschlossejn. Eingeleitet durch die ersten Besreiungsgesetze im Anfarsg des 19. Jahrhunderts bat sie bis zum Ende des Jahrhunderts zur vollen gesetzlichen Gleichberechtigung geführt, war abtr durch die Verwaltungspraris der Wirklichkeit noch nicht Doll zur Auswirkung gekommen. Erst die Jahre nach.dem Kriege haben die Gleichstellung im öffentlichen Leben' vollendet. Mit der äußeren Emanzipation geht die innere Entwicklung der deutschen Juden gleichlaufend. Es ist die JJctt des Hincinwachsens in die deutsche Kulturgemeinschaft, düe Zeit der Aufnahme des deutschen Kulturgutes in Wissenschaft, Kunst und Dichtung, I bie Annahme deutscher Lebensgestältung, das bewußte Miterlebnis deutscher Geschichte. Tiefer Abschnitt liegt hinter uns. — Was liegt vor uns?!— Wohin weist unser Schicksalswog? ‘ Epochen im Leben von Menschengemeinschaften sind nicht scharf gegeneinander abgegrenzt. Reste der alten Epoche werden in die neue mit hinübergeschleppt, und anderseits kündigt sich das kommende Neste vorgreifend in Einzelerscheinungen der alten Zeit bereits an. Wer einen Blick in die Zukunft tun will, muß bei dvesen Erscheinungen halten. Tie auffälligste Erscheinung biieser Art ist in der letztvergangenen Zeit der Zionismus in Deutschland. Auf den ersten Blick steht er in genauem Gegensatz zu der oben gekennzeichneten Entwicklung des Emanzipationszeitalters. Er erschein: als ein unlogischer Bruch in der Entwicklungslinie der deutschen Juden. Trotzdem kann man eine Erscheinung, die mit so elementarer Macht auf die Gemüter wirkt und sich allen Krisen und Anfechtungen zum Trc^tz lebenskräftig erhält, nicht damit abtun, daß man sie für einü sinnlose Verirrung erklärt. Sie muß irgendwie in unserem Schicksal sinnvoll sein, muß irgendeinen Kern enthalten, dch: Zukunftswachstum hat. * Aus „Zurück »ur Scholle. Jüdisch« Bauernsiedlung io deutscher Heimat". Berta« Ter schild.! Dieser Kern liegt nicht im philanthropischen Zehall deS Zionismus. Der philanthropische Zionismus will den Menschen helfen, die wegen ihres Judentums in ihre n Lande so verfolgt werden, daß ihnen durch Auswanderung < rträglichere Lebensverhältnisse geschaffen werden müssen. <m Deutschland der Nachemanzipation gibt es keine Judenv« rfolgungen, die zum Auswandern zwingen. Auch die Rassen rage scheint nicht der große Hebel zu sein, der die Gemüter so stark bewegt. Tenn nachdem die Juden in Deutschland gleichberechtigte Staatsbürger sind, kann es doch für sie kp n ersehntes Ideal mehr bedeuten, auf die Stufe einer „natic nalen Minderheit" hinunter 511 klettern. In Gesprächen mit vielen jungen deutschen Zionisten in Deutschland un) Palästina konnte ich beobachten, daß weder Rassefrage noch P hilanthropie für sie entscheidend sind. Was sie lockt, heißt Bo lmenschtum, Scholle,. Heimat, Vaterland, .Handarbeit, Gast fteundschaft, Natürlichkeit im Verkehr der Menschen und der Geschlechter, Ursprünglichkeit, Erdhaftigkeit — meist ein unk ares Durcheinander von Gefühlen. Wovon sie los wollen, ist Intellektualismus, Ueberkultur, Großstadt/ Spitzfindig?! it. Sandelsberuf geistige und körperliche Verbiegung und Knickung. Vom Zionismus erwarten sie Erfüllung dieser Sehnsucht: darum folgen sie ihm. Sie empfinden dunkel, da Z der Prozeß der Einwurzelung in Europa irgendwo noch eine Lücke hat, daß irgendein Stück ähasverifcher Unruhe zurüc geblieben ist und nach Verdrängung durch Bodenständigk« it verlangt. tanbarbeit, Heimat, Scholle — das ist die Sehnsucht unserer ugend, das zieht sie am Zionismus an. Sl verstanden, gstedert sich der Zionismus in Deutschland in die Entwicklung unserer Geschichte ein. Die Emanzipationsepe che hat hier eine Lücke geschaffen, das empfinden auch wir nici tzionistischen Juden. Tie Sehnsucht, diese Lücke zu schließe t, ist keineswegs auf die Zionisten beschränkt. Sie hat auch sonst bei uns deutschen Juden zu immer erneuten Ansätzen l eführt. Bestrebungen zur Seßhaftmachung, zum Ueberganj in ländliche Berufe tauchen seit langem in gewissen Zeitabst inden immer wieder auf, führen zu unzulänglichen Versucht», versanden wieder, um nach einiger Zeit mit verstärkter Stoßkraft wieder in die Erscheinung zu treten. Die Zeit war m Der Krieg, der große Umwühler, scheint Entwicklung den Weg fteigemacht zu haben. Drängt die Siedlungsfrage zur Entscheidung, inch nicht reif, a lch für diese Mit Macht und mit ihr BAUMEISTER WALTER STEINHÄUSER ARCHITEKT ENTWURF, BAULEITUNG FÜR IN¬ DUSTRIE UND WOHNNAUSBAU, GE- WISSENHAFTE, FACHMÄNNISCHE BERATUM IN ALLEN BAU- UND WOHNUNRSSACNEN, GUTACHTEN, FINANZIERUNGEN DRESDEN-A.1, VIKT0R1ASTR.3. TEL18396 Pansdorfs Garte« ««,-»»»tbahi»hof Eck» Neitbahustratz» Groß« und kleine Zimmer zur Sdtznltnn, km kmfnnM« m) Festlich heile» kMfcmnitoftt #*i(n Ruf 14400 Dienstag — Donnerstag — Sonntag V Intim« TnnrnbenS» iiffirhiirfat RniflUlUMI MMMMtt Richter u. Reich Baumeister Dresden- A. Prager Straße 46 Telephon 23931 Ausführung von Neu- und Umbauten Hausabputz Entwässerungsajnlagen Kostenanschlttgi» und sachverständige | Beratung MIliraniflBBWWWWWraMMIWMIMIIl «■willig

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