Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-08-28 · 4 (28.8.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
4 (28.8.1927)
Date
1927-08-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4892693-5447358-5769791--0478-4893114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Öec Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Amtliche-Organ de- Gemeindevorstande- Vcraottooctt. Schrtftteiwao: Bürodirckt» Ha^tannabmestckk^ür^ostratt^ar L.P1oewacher. Drrsdn» - Verlag: Istaelittschc Rellglonsgemeinde Duibm Druck: Kaöeri DComtz.. Dre<der>-A. dternlicht, Zcvgtzallsstrabc 2.1. Tclephoa 14651 - Die 29 mm Ron-areillrjcilc tostrt 30 Pf . laufmd Rabatt s LI. Jahrgang «f® Dresden, dm 28. August 1927 Nummer 4 Nenoffenschaflttche Siedlung Bon Prof. Tr. Franz Oppenheimer. Frankfurt Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hat das augenblicklich sehr aktuelle Problem der Siedlung aufaegriffen und er twickelt eine größere Propa ganda zur Ansiedlun, von ausgebildeten jüdischen andwirten in geschlossenen Siedlungen. Dieser Geda>ke dürfte 4« «sechster Herr auch brr chrertrre beschäftigen. Zur Jnformaveröffentlichcn wir in dieser jüdische Qeffentlichkei! tion unserer Leser Nummer einige Auf ätze über dieses Der jüdische Frontkämpserb Thema. D. M. ind ist in eine große Boivegung zum Zwecke der Ansieblung von Juden als Land ivsrte und Gärtner in Deutschland eingetreten. Er dient damit gleichzeitig den wichtigsten i rutschen wie jüdischen Interessen. [ Seit einem vollen Mensch« nalter ist mein ganzes Beleihen darauf gerichtet, die Ueb Erzeugung zu verbreiten, daß dje Siedlung nicht nur eine, sondern geradezu d i e Aufgabe unserer Zeit ist. Ueberall n Europa, mit einziger Ausnahme Deutschlands, ist dieser Gedanke bereits zur Tat geworden. Rußland hat seinen ungeheuren Großgrundbesitz in einem einzigen Akt gewaltsam, r Umwälzung vernichtet: in Rumänien hat die herrschende Klasse in großartiger politischer Klugheit das gleiche geb istet, in der Erkenntnis, daß fi|c ihr in breitester Front an Tc wjetrußland grenzendes Land nicht anders vor dem Bolschewismus retten könne als durch diese tief ins Fleisch schneiden >e Reform. In Südslawien, _ in der Tschechoslowakei hat man wenigstens einen Teil des Weges bereits zuriickgelegt: Anhänger meiner wissenschaftlichen Arbeit waren nicht au etzter Stelle daran beteiligt. So ist das ganze slawische £ teuropa auf dem Wege zur Heilung: und nicht minder reg« n sich in dem einzigen Großnesitzlande Westeuropas, in Gr, ßbritannien, starke und aus-, sichtsreiche Bewegungen (Lloyd George ist ihr Führer), um• qiesen letzten gewaltigen Rest )cs Feudalsystems abzubauen I Und damit zum ersten Male ir aller Weltgeschichte die freie Perkehrswirtschaft herzustellen. In Deutschland aber findet sich kaum der Anfang der tbe, retischen Erkenntnis von der Notwendigkeit der Reform. Rur langsam brechey sich meine Gedanken in der Fachwissenscha t ihre,Bahn, und es war mir ine große Ueberraschung. als vor einiger Zeit kein Ge- * Mit «eaehmtaung der «aoerti, Ziraelitilchen Gemeinde,ciluna.' ringerer als der Exreichskanzler Luther öffentlich den von mir immer und immer wieder gepredigten ^atz aussprach: „Die Siedlung ist nicht eine, sondern d i e Aufgabe der Gegenwart." Wie nämlich wirkt jener Feudairest auf Wirtschaft' und Politik der Kul.urvölker? Und was würde seine Beseitigung bewirken? Im Satire 1893 hat Freiherr von der Goltz, Professor der Agrarpolitik an der Universität Bonn und Leiter der Landwirtschaftlichen Hochschule Poppelsdorf, in einer Untersuchung über die Landarbeiter ein statistisches Gesetz entdeckt: einen Zusammenhang, der besteht zwischen der Verteilung des Grundeigentunrs und der Wanderung: „Mit dem Umfang des Großgrundbesitzes parallel und mit dem llmfaim des bäuerlichen Besitzes in umgekehrter Richtung geht die Wanderung." Das Gesetz hat sich als nicht nur für Deutschland, sondern für alle „kapitalistischen" Länder und für die ganze kapitalistische Zeit unbedingt gültig erwiesen: es wirkt, wie Mar Weber einmal sagte, „mit einem seltenen statistischen.Eigensinn". Während die Bezirke der Bauernwirtschaft ihren Nachwuchs zum allergrößten Teile festzuhalten vermögen, indem sich hier die Betriebe verkleinern und gleichzeitig derart intensivieren, daß dennoch Roh- und Reinertrag wesentlich wachsen und der Wohlstand des Besitzers steigt, stoßen die Bezirke des GroßgrundeigentumS ihren Rachwuchs und oft mehr als ihren Nachwuchs aus, zwingen ihn zur Ä u s iixinderung ins Ausland oder zur A b - Wanderung in die Jndustriedistrikte des eigenen Landes. Das hat für die Großlandwirtfchaft selbst eine vernichtende doppelte Folge gehabt. Erstens: haben die fast ungezählten Millionen von Landarbeitern, die von der Mitte, des 19. Jahrhunderts an nach den Vereinigten Staaten auswanderten, die Ackerfläche der Welt in einem so ungeheuren Maße vermehrt, daß die europäischen Getreidepreise geradezu in den Abgrund gerissen wurden. Das >var die Ursache der heute noch fortwirkenden Agrarkrisis der.siebziger Jahre. Und zweitens: fehlten d-,u Großgrundbesitz infolge der gleichen Bevölkerungsverlustc die Arbeitskräfte, mit deren Hilfe er alleiy der Krisis hätte begegnen können: durch entsprechende Intensivierung der Betriebe, namentlich in Gestalt einer hochentwickelten Viehwirtschast. Nicht minder traurig aber waren die Folgen für die Drcsdcn-A. 1 , 20 — fampitAw J Amerikas bester Lautsprecher: Crossley Supper Musicono eingefroffen! Dresdens Radio-Spezialgeschfift 'Oes. |csdi.W«taxidKi Xcmmandil-öeseUsdiaft Drcsden-A. t Viktariaafraftc 20 — Fcnupctchcr 23C3 Dieser Nummer liegt ein «Aufruf des Gemeinbevorstanöes zür Ablösung von Neujahrswünschen bei!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.