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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-05-28 · 1 (28.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
3 (1927-1928)
Issue
1 (28.5.1927)
Date
1927-05-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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' Seite 6 Temeindeblcdtt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden Nr. t Erez Iifrael Herr Rabbiner Prof. Tr. Winter hat eine mehr- , wöchige Reise nach Palästina nnternommen und übersendet uns nachfolgende Ausführungen, die feine Gcdanken und Eindrücke während seines Aufenthaltes im Lande wiedergcbcn. T. Red. „Das Land Iifrael ist höher als alle Länder" (Zanhedrin .‘»sb, Mfüjdii). icfjt nach seiner natürlichen Beschaffenheit. Aber höher an historischer Würde. Und diese seine historische Würde ist jederzeit (üegenwattsmacht. Sic ergreift das Gemüt jedes Menschen, der seinen fuß auf den Boden des beiligen Landes setzt, er sei Israelit, Christ, Mohaininedaner, ja, welcher Bekennergemeinschaft, welcher Bolksgemeinschaft auch immer zugehörig. Tu fühlst: „Ter Lrt, auf dem du stehst, ist Eiliges Erdreich" (2. B. M. 3, 5), feit Jahrtausenden geheiligt als Luellortder höchsten, den ltzeist der Kulturmenfchheit lenkenden und beherrschenden Urkraft. Ten Tiefen dieses mit dem ^Mättyrerblnt der Glaubenstreuen aller Bekenntnisse getränkten Bodens entschwebt ein Aether, der die Seele weihend drirchdringt. Ruch wer in Gedanken und Worten sich bewußt gegen allo Religion auslehnt, hier, in dem für die Bekenner der drei Weltreligionen heiligen Lande, ersaßt ihn im Unbewußten, im llitterbewußtsein jene Urkraft, die in jeder Menschenseele verborgen waltet. Hier hat sie sich ja ausgewirkt wie in positiven religiöse» und erhabenen Kunstschöpfungen, so auch in deni vieltausendjährigen Bölkerringen um den geheiligten Boden. Tie Israeliten, eben noch Sklaven der Pharaonen, entrissen ihn den Kanaanitern und heiligten ihn. Und von da an kam die Sehnsucht nach diesem Heiligkeitsgute nicht zum Stillstand. Tie Ässyrer, die Babylonier, die Äegypter, ^>ie Syrer, die Römer, die Türken, die europäischen Kreuzfahrer rangen um seinen Besitz. Äuch im letzten Weltkriege ^var's Kampffeld. lind nun hat der Wettstreit um seinen friedlichen Wiederaufbau eingesetzt. freilich hott man aus dem Munde von Gegnern dieser Wiederausbauarbeit gleichsam einen Widerhall der „üblen Nachrede", die einst die von Mose ausgesandten Kundschafter ausbrachten: „TaS Land, das wir durchzogen haben, uin es auszukundschaften, ist ein Land, das seine Bewohner verzehrt" (4. B^ M. 13, 32). Wer unbefangenen oder auch befangenen Zinnes das Land betritt und vorgefaßte Meinung durch Änschauung ersetzt, überzeugt sich bald, daß es eben „üble Rachrede" ist. . „Tie Luft des Landes Israel macht lueiie” (B, batra 158b). Man sieht Sumpfboden, der noch vor kurzem Krankheitskeime barg, in,blühendes fruchtgesilde umgewandelt. Man sieht zahlreiche Siedlungen in verheißungsvoller Entfaltung. Man sieht Männer und Frauen, junge und alte, mit rüstiger Hand und frohen Sinnes deil Boden bestellen, beglückt, ihre Kraft für die Änbahnung einer großen Zukunft einsetzen zu können. Man sieht ein Geschlecht von neuer Art erstehen, verwachsen mit dem Boden und getragen von einem hohen Ideal. Nicht Lustmenschen, sondern den fuß aus Erden und das .Haupt gen Himmel. Tie Menschen schassen neues Land, und das Land schasst neue Menschen. Und es ist zu ermatten, daß diese neuen Menschen einen neuen Geist schaffen, der die gesamte Judenheit beseelen und der gesamten Menschheit zum Segen gereichen wird. „Bon Zion, der Vollendung der Schönheit her erstrahlet Gott" (Pf. 50, 2). Tiefes Psalmwott wird (Tanchuma zu Kedoschim) folgendermaßen erläutert: „Tas Land Israel sitzt in der Mitte der Welt und Jerusalem in der Mitte des Landes Israel sind das heilige .Haus (Tempel) in der Mitte Jerusalems und das .Hechal (das Allerheiligfte) i» der Mitte des heiligen .Hauses und die Lade in der Mitte des .Hechal und der Stein der Grundlegung vor der Lade; ton ihm ans wurde die Welt gegründet. Salomo aber, der >v:ifc war, er-, forschte die Wurzeln, die von ihm nach der ganz n Welt hin ausgehen, und pflanzte an ihnen alle Arten von £ Lumen, und diese trugen Früchte. Teshalb heißt es: Ich machte inir Gätten und Parke und pflanzte darin Bäume jeglicher Frucht, ich legte mir Wasserteiche an, um daraus bau, isprossenden Wald zu bewässern" (Kohalet 2, 5). Solche salomonische Arbeit ivird auch jetzt a if dem verkümmert, geivescnen Boden des Landes verricht!t, das, „in der Mitte der (alten) Welt" gelegen, Europa. Asien und Afrika miteinander verbindet und so geeignet ist Ausgangspnntt für die Belebung und Verwirklichung des annoch nur als Ideal vorschwebenden Begriffs allgemeinen Menschentums zu fein, nach dem jedem Volke wie jedem Einzelmenschen seine Eigenart und seine Würde geivahi t bleibt und nur der Neid und der .Haß gegen das Fremdvollk und gegen den Rebenmenschen ausgctilgt ivird. Biele von jenen ivackeren Arbeitern gebärden sich freilich als nur-Rationaljuden und glauben selbst, nur durch Abstammung, durch Blutsgemeinschaft Juden zu feil. Sie vergessen, nur durch seine Erkenntnis des Einig-Einzigen, nur durch den Bund mit dem Ewigen (Seienden) sich von seinen Brüdern, mit denen er eines Blufes war, absonderte und Stammvater des Volkes wurde, das nachmals den Namen Israel erhielt (1. B. M. 17, 4). Sie vergessen, daß, während kein Volk der Erde vermöge seines Volkstums schon an eine besondere Form der Religion gebunden ist, bei den Israeliten die Religion das Volkstuim schuf und somit nicht ein Akzidens, sondern ein konstitutives Element im Volkstum bildet. In ihrer Arbeit für den hohen idealen Zweck, in der selbstlosen Hingabe ihrer Persönlichkeit an das erhabene Ziel wachsen sie über sich selbst hinaus zu israelitischer Religiosität, zu idealem Menschentum. Sind sie doch völlig piit unserem Schriftentum Verivachsen, iw dem gelehtt ist: „Adam, der erste Mensch — sein Rümpf aus Babel, sein Kops aus Erez Iifrael und seine Glieder aus!den übrigen Ländern. Adam wurde als Einer (zum Stammvater aller Menschen) erschaffen um der Völkerfamilien nsillen, damit die Völkerfamilien nicht in feindseligem Eifer zueinander stehen. Wenn sie schon jetzt, nachdem ihnen Einen als Stammvater gegeben ist, in feindseligem Eifer zueinander stehen, wie iväre es gar, wenn zivei Stammväter erschaffen worden wären?" (Sanhedrjn 38). Und noch immer ist wahr, was R^Seista den Bewohnern von Erez Iifrael nachaerühmt hat: elbst das geivöhnliche Gespräch der Bewohirer von Erez Iifrael ist Thora" (Midrasch r. 34, 7 zu 3. B. M ). Dort wird jetzt in mühsamer, bewunderns-, ja verehrt ngswürdiger Arbeit auch eine neue Geisteswelt aufgebaut. I. Winter. Xerren-u.J(nabenrTüeidww In hßdister Vollendung li|n* Fabrikation johanastraQe, Eckhaus WelQe Gasse

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