Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 12 (28.4.1927)
- Date
- 1927-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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I Seite 6 tHeuieiildek» l aIl Israelitischen ReligioitSgeincinde Dresden Nr. 12 zeigten. Wenn man geschichtlich und soziologisch denkt, wird inan sich darüber nicht wundern dürfen. Eher wird man es bewundern inüsseu, daß trotz allen inneren und äußeren scbiveren Schicksalen die Gesundheit der Juden nicht allzusehr gelitten, hat. Es zeugt gewiß von der inneren Stärke unlr ^iäbigkeit der jüdischen Natur, daß die körperliche Entwicklung nicht noch mehr gelitten hat. Und das ist wohl der von der Religion gebotenen Mäßigkeit des Genusses und der sittlichen Zügelung der Leidenschaft zu verdanken. Die knrze Spanne Zeit seit der Emanzipation vermochte nicht. die.^ebler langer Jahrhunderte gutzumachen. . Die Juden semen auch begreiflicherweise alle ihre Kräfte ein, um ihre geistige Gleichwertigkeit zu beweisen und den .immer schwieriger werdenden Kampf ums Dasein mit Erfolg aufznnehmen. Es blieb daher wenig Zeit und wenig Kraft für förderliche Uebungen übrig. So fand die Neuzeit die Juden noch nervöser und ge- 'tfinvicfiter als die andern und noch mehr der Regeneration durch Sport bedürftig. So stürzten sich die Juden in die Spoitbeivegung der Nachkriegsepocke, und wie in allem, erfaßten ne auch hier die Sacke mit großem Eifer. Bei ihnen ttand ja nicht allein die körperliche Ertüchtigung im Mittelpunkt, sondern es galt auch, die Vorurteile gegen die Juden »u bekäinpien. Tie Eriolge sind schon heute, in der relativ kur zeit Zeit, als glänzend zu bezeichnen. Es gibt heute fast gar keinen Sportzweig. in dem die Juden nicht.Hervorragendes leisten, und ivem die jüdische Ehre und die jüdische Zukunft teuer in. der wird sich über diese Erscheinung freuen. Aber schon heute scheiitt es geboten, zu bremsen und vor Uebertrcibungen zu warnen. Bor allem darf nie vergessen werden, daß Sport ein Mittel zur Ertüchtigung ist und nicht Selbstzweck. Die lörperliche llebung soll dem Leben dienen, aber nicht Lebensinhalt sein. Jede Leidenschaft ttnb jedes Znviel kann hier schädlich werden. Die Natur draußen und dte innere Natur muß stets die Richtung gellen. Ruch beim Sport dürfen wir nie vergessen, daß wir Juden sind. Geht man von diesem volkshygienischen und ethischen Gesichtspunkte aus, dann wird man leicht eine Norm für den jüdischen Sport finden. Man wird von den Wegen der Leidenschaft und der Reklamesucht abrücken. Man wird sich an seiner Körperentfaltung freuen, aber nicht damit prunken. Man wird sich mit der Genugtuung im eigenen Kreise begnügen, ohne gewaltsam nach Rekorden zu streben. Man wird auch nicht allen Zweigen des Sports huldigen. Vor allem wird man jeden Sport, der an Roheit grenzt, meiden. Jede Roheit ist — beim Kulturmenschen wenigstens — pervers. Man erreicht also damit das Gegenteil von der erstrebten normalen Ertüchtigung. Nicht nur den Statuten und der Zusammensetzung nach, sondern auch in der Auffassung des Lebenszieles und der ganzen Art des Wirkens. Und das führt ganz natürlich zum Grundzug der jüdischen Psyche, zur Verbindung von Körper und Geist. Körperliche und seelische Ertüchtigung sollen nicht nebeneinander, sondern ineinander gehend Ter Sport muß vergeistigt werden. Eine veredelte Geselligkeit muß .Hand in .Hand gehen mit der körperlichen Uebung. Lieder, Musik und' Rezitation und heitere und ernste Vorträge lassen sich sehr gut mit deni Sport verbinden. Ter Sport würde dadurch Schwung und Seele erhalten. Unsre Alten haben es ja so gut verstanden, körperliche und geistige Genüsse miteinander zu verbinden. Sport allein macht stumpf, Geistigkeit allein zermürbt, beide müssen einander ergänzen. Wir leben heute in Deutschland, im seelischen Gewirr. Wir sind zwischen zwei Kulturen, tappen im Dunkeln und erverimentieren, ohne einen Ausweg zu finden. Aber wir Juden dürfen uns nicht den Luxus leisten, die Richtung zu verlieren, weil unser Leben doppelt ernst ist. Tie Geschichte Gegr. 18»4 lyr Fernruf *0*11 Setter Mannf) c/> * Pianos und Harmonium haus \r Richard Stolzenberg/Dresden Johann-Georgen-Allee 13 MT Mäßige Preise / Bequeme Teilzahlung "MG Wolle« $ti geschäftliche Geschäftliche Erfolge erzielen Sic durch Insertion im Gemeinbeblatt! Alleinige Annahmestellen für Anzeigen: Iar. Eteralicht, Zeughausstr. 2, Tel. 14051 Oft. Gemeindeamt), und Zeschaustr. 4 l, Tel. 34079 Annahme von Inseraten für sämtliche Zeitungen Täglich 745 oo DIE KOMÖDIE Künstlerische Leitung: Hermine Körner, Arno Großmann, Robert George Lustspiel + Komödie ■>,- Gesellschaftsstücke Prager-/Rcitbahnstraße Kasse (Tel. l 1739, 2£444) von lo Uhr an durchgehend geöffnet Seidenstoffe 1 stets das Neuste. 1 Siricfimoden 1 fesche Wiener. I Strümpfe 1 Der unerreichte GBD-Spezlal / 3.90, 3.73 ■ ViKtoriahaus 1 Waisenhauastraße | Johannes Matthesius Vornehme Wohnungseinrichtungen Innenausbau Dresden', Grun&er Straße 33/33/37 Telephon 14377