Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-04-28 · 12 (28.4.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
12 (28.4.1927)
Date
1927-04-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4892693-5447354-5769717--0374-4893014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 2 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden! seien liier zwei genannt, ein hebräisches, das Sefer ha-chasidim (Buch der frommen) von R. Jehnda b. -samnel aus Regensburg (um 1200) und ein arabisches Tibbun-nufüs (Heilung der Seelen) von Joseph den Aknin aus Barcelona (einem Zeitgenossen des Maimonides). Tort lesen wir u. a.: Ein Pater soll sagen, so tu ich, so hat mein Bater getan, damit sie (die minder» sich gewöhnen, ebenso zu tun. Ter Pater ist verpslichtet, astch seine Töchter mit den .Hauptlehren des Religion bekanntzumachen. Ter Pater soll bet der Wahl des Berufes die Neigung seiner Söhne beachten: Wer von ihnen das Studium mit sittlichem Ernste betreibt, den lasse er sich dem Studium widmen; wer aber der Lehre nur obliegt, um zu glänzen, aber nicht danach handelt, den bestimme er lieber für eine praktische Tätigkeit. Man achte daraus, das; das Kind alles, was es lernt, verstehe, selbst wenn cs lesen lernt. Man erteile Kindern keine Aufgabe, deren Aussiihrung ihnen zu schwer fällt. In der „.Heilung der Seelen" wird vom Lehrer gefordert, das; er das betätige. wozu ihn sein Wissen nötigt, und das; er die Schüler wie seine Kinder behandle und sie dafür halte. Tie Studien aber erfuhren im Lause der Zeit mannigfache Trübungen. In Spanien war es zuvörderst der Streit über die Schriften des Maimonides. der den Rückgang der allgemein wipenschastlichen Bestrebungen verursachte und auch das Talmudstudium vom rechten Wege abbrachte. A »ch aui der unteren Stufe verschlechterte sich der Unterricht. Zinar wurde, nachdem der Pentateuchkommentar von Raschi bekannt geworden war. dessen lichtvolle Erklärung mit der Lektüre der Bibel verbunden;.die Grammatik aber wurde beim Unterricht nicht berücksichtigt. Vielmehr beeilten sich die Lehrer — und darüber hören wir Einsichtige besonders in Deutschland und Polen bitter klagen — die -Schüler vom unmethodisch und flüchtig behandelten Pentateuch so früh wie möglich — nicht etwa zur Mischna, sondern — zum Talmud zu führen, wie denn mancher Talmudbeflissene über dem Talmud die Bibel vergaß. Im Lesen und Schreiben beschränkte man sich nach wie vor auf die hebräischen Buchstaben. wie denn die Juden, auch wenn sie reines- Teutsch schrieben, sich lange Zeit des hebräischen Alpliabets bedienten. Nur wenige batten einen weiten Blick, wie ihn die Statuteü des Krakauer Talmnd-Tbora (Thora-Studiums-) Instituts bekunden, die unter der Mittvirfung des vortrefflichen Rabbiners Joel Serkes (Sirks) im Jahre UM entworfen wurden. Ta heißt zs: Auch sollen die Lehrer die Kinder die Buchstaben der fremden (polnischen) Sprache lehren, mit rvelchen die fremdsprachlichen Büchek^in ihrer Sprache gedruckt sind, ans daß sie in denselben lesen können. Auch sollen sie die Kunst lehren, mit Buchstaben auch in der fremden Sprache, die wir reden (der deutschen), zu schreiben. Was jene Einsichtigen in Teutschland und -Polen ver Losen kisemrn bsdriksle Nr. 12 gebens gefordert hatten, wurde in Amsterdam erfüllt. In der daselbst 1639 von der portugiesische, Gemeinde errichteten Schule beobachtete der Unterricht, dtn die Rabbiner erteilten, eine methodische Stufenfolge. Ta wurden die Knaben erst nach vollendetem 13. Lebenchahre, und nachdem sie den Pentateuch, die historischen Bücher und die Propheten ins Spanische übersetzt hatten und mit ier Grammatik vertraut gemacht waren, in den Talmud einneführt. In Teutschland und Polen konnte man bei der Ucbersetzung der einzelnen Teile der Bibel Glossare benutze», die reines Teutsch boten.! Daß aber auch deutsche Kinder die Bibel nicht wie bis zum 14. Jahrhundert in reines, soNdeyn in das Jüdisch- Deutsch, ein auf einer früheren Entwicklungsstufe.erstarrtes Teutsch, übertrugen, das mit .hebräischem Sprachgut versetzt war, gehört zu den unseligen folgen das schwarzen Todes. Und mit der Absonderung der Sprache »er Juden ging die Abschließung von der Kultur .Hand in .Hcind. Anders wurde es erst im Zeitalter Moses Mendelssohns Tiefer wirkte auf seine Glaubensgenossen nicht mir durch seine Pentateuch- und Psalmenübersetzuijg ein, die ihnen einerseits das tertgemäße Verständnis dsblischer Bücher ermöglichte und den Sinn für deren Schönheiten erschloß, anderseits den Zutritt zur deutschen Bildutig und europäischen Kultur eröffnete. Im Verkehr mit Freunden und Jüngern war eins seiner Lieblingsthemata „Verbesserung der Erziehung und des Unterrichts und Empfe!)lung der deutschen Sprache". Und die hierüber geführten Gespräche regten David Friedländer, einen seiner Jü-iger, und dessen Schivager Isaak Daniel Jtzig zur Err chtung der „Freischule für jüdische Kinder" an. Tie Freischule hat aber nicht nur diirch ihre unmittelbaren Schüler gewirkt. Sie war das Po:bild mehrerer Anstalten, die in dem letzten Jahrzehnt des ll8. und dem ersten des 19. Jahrhunderts gegründet wurden .so der WilhelmSschnle, die 1791 in Breslau, der jüdischen .Haupt- und Freischule (.Herzoglichen Franzschule), die 1'99 in Dessau,; der Jacobsohnschule, die 1801 in Seesen, und der Samsonschule, die 1807 in Wolfenbüttel errichtet wurde. Im Jahre 1823, als die materielle Lage der Freischule deren Bestand gefährdete, richtete der Ver sin für Kultur.und Wissenschaft der Juden an den Vorstand der jüdischen Gemeinde das Gesuch, die Schule aufrechtziterhalten. In dem j^reinigt Herrenaniüge Fachmännisch gepflegte Habanas und Brasils Robert Hermann Zigarren-Import-Haus Dresden-A.v Prager,Straße 20 Fernsprecher Nr. 20370 Gegründet 1863 Spezialität: Ropera- Fattrlkata Dampfbügeln - ^tägige Lieferzeit Anxug 2.- Mark Chemisch Reinigen von Kleidung HZ Anzug 4.50 Hark Kunstplissee/Kunststopfen / Schneiderreparaturen --—-:-C-r

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.