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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-03-28 · 11 (28.3.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
11 (28.3.1927)
Date
1927-03-28
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 11 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden j Am Gsfrerabcnb Mah nischtane „Warum ist ausgezeichnet diese Nacht?" Wie lang ist’s her, dafj ich zum erstenmal die Worte las? Die Mutter lehrt' es mich. Das Lernen quälte sehr; was wu&te ich von „Sauerteig", und was von „Bitterkraut?" Ich wufjte kaum, was „ausgezeichnet" hiefj.. Und dennoch war ich stolz. Ich ahnte schon, dafe dieses Fragendürfen Ehre war, dafj etwas Heiliges im Lernen lag ... Wie lang ist’s her? Sind es schon vierzig Jahre, seit ich zum erstenmal die Frage tat, und hab’ ich Jahr für Jahr am Sederabend nach Pessach, Mazzoh, Moräur stolz gefragt? Und Jahr für Jahr aus meines Vaters Munde -= die gleiche Antwort stillbewegt gehört? Gehört, dafj wir, der Pharaonen Knechte, aus dumpfer Nacht ins Licht der Freiheit stiegen und, daran nicht genug, zu höh’rer Gnade vor allen Völkern auserwählt — zum Sinai, zum höchsten Amt in dieser Welt bestellt, berufen wurden, heil'ges Volk zu sein, ein. Reich von Priestern, lernend stets zu lehren Ich hab's gehört, weil ich danach gefragt; und hab’ gefragt, weil’s heiliges Gebot. Der Vater wufjt’ es, weil auch er gefragt; und” dessen Vater, Ahn und Elterahn, Urväterreihen, alle fragten sie: „Warum ist ausgezeichnet diese Nacht?" Und dies des alten Brauches tiefer Sinn; Die Frage ist der Weisheit erste Stufe, denn so.bekennst du, dafj du lernen willst, wer lernen will, nur der allein wird weise. Vermagst du auch, die Antwort schnell zu geben, weil Jahr für Jahr du immer gleich gefragt und Jahr für Jahr die gleiche Antwort kam, so weißt du wohl, daß (tu nicht alles weißt, daß alles Wissen eitel Stückwerk ist. Was alles glauben, Toren, wir zu wissen seit jener ersten, heil’gen Pessachnacht? Was alles haben wir seither gelernt, was nannten kühn wir „höchste Wissenschaft"? Und haben sie sich nicht des Wahns vermessen, sie hätten alle Rätsel schon gelöst? Und müssen sie nicht immer wieder sehen, daß heute fällt, was gestern noch gegolten, daß 'Menschenwissen eitel Irren ist, daß einzig nur das große Fragen bleibt? Wie weise waren unsre alten Lehrer: sie heiligten die Fraget Jahr für Jahr erklingt am Sederabend das Symbol, die Weisung; fragt und lernt Tag um Tagt Und dies'ist unsres Stammes hohe Sendung: zu künden, daß das Fragen Ehre ist und Lernen heil'ges Tun — des Juden Stölzl Und dess’ gemahnt des Seders Feierstunde; darum ist ausgezeichnet diese Nacht! L.F. Aus dem Leben der Juden in Venedig im 18.gnßrHlludep Wenige Staaten und Städte haben ei le so große Rolle im Leben der Juden im Mittelalter und weit in das neunzehnte Jahrhundert hinein gespielt, wie Venedig. Die erste Erwähnung der Ebrei in einem Dekret des venezianischen Staates vom Jahre 945 besagt freilich, daß den Kapitänen der im östlichen Mittelmeer segelnden S hisse verboten wird, „Juden oder andere Kaufleute" an Bord ju nehmen — offenbar eine Maßregel zum vermeintlichen C chutze von Venedigs -Handel, die aber bald einer besseren Eins cht gewichen zu sein scheint. Schon der Zensus von 1152 gibt die Zahl der Juden im venezianischen Staatsgebiet aus 1300 i in. Die Stadt selbst durften sie nicht, oder nur in seltenen 3 usnahmefällen vorübergehend betreten; in Spinalunga tzLa Giudecca) und Mestre mußten sie wohnen. Die Klagen über die allzu enge Unterbringung in diesen Gettos führten smit der Zeit dahin, daß einer größeren Anzahl jüdischer Familien, wenn auch zunächst immer nur auf den Zeitraum vcn fünf Jahren, das Wohnen in Venedig selbst gestattet wurdx. . Aus Gründen kluger Geschäftspolitik, weil die Juden als Kaufleute das Ansehen und den Wohlstand Venedigs förderten, erfreuten sich dieselben des besonderer Wohlwollens eines hohen Senates, und man bediente sich ger c. jüdischer Bankiers zur Finanzierung der Kriege gegen Spalier und Türken. Im Jahre 1088 wurden neue Gesetze für die Juden abgefaßt, und der Staat verlangte, daß „den Juden die größtmögliche Ermutigung zuteil werden solle wegen der wichtigen Vox teile, die sie für die Zolleinnahmen unseres Staates bedeute n". Dennoch ist, bevor man sich zu dieser ommerziellen Toleranz erhoben hätte, das Schicksal der Juden in Venedig ein wechselreiches und oft sehr unsicheres gejvesen. Abwechselnd wurden sie in der Stadt geduldet und au8 ihr vertrieben. Die Inquisition wütete gegen den Talmud und die anderen heiligen Schriften der Juden, die in Venedig sehr zahlreich waren, und wurden die ersten hebräischen Büchdruckereien bald nach Erfindung dieser schwarzen Kcsnst dort gegründet. Es entstanden bald zahlreiche, ganz außerordentlich schöne Drucke. Schon dieser Umstand deutet auf den hohen Grad der wissenschaftlichen Lebenskultur der Jwden in Venedig hin. Die jüdische Gemeinde entwickelte sich dort immer mehr und mehr, wurde ob ihres Reichtums dies beneidet und hatte sehr viele Feinde. Ter furchtbaren Ritu-lmordbeschuldigung ist sie nicht entgangen. Es ist bemerkenswert, daß zwar/ein mit den grausamsten Mitteln der Foltep geführter Prozeß gegen einen Beschuldigten stattfand und njit der Verurteilung des armen Sünders endigte; aber der Doge Morenigo (1746) nahm durch ein Manifest die Gesamtheit der Juden gegen die Blutbeschuldigung in Schutz, und so wurden durch die Klugheit des Dogen tausende jüdischer Venezianer den Plänen der unheimlichen Inquisition entriffeni ganz außer Verfolgung gesetzt und Leben und Habe derselben gesichert. Daß die Juden in Venedig inmitten! all der malerischen Pracht dieser Stadt durch ihre eigenartigen Lebensformen, die sich bei durchschnittlicher großer Wohlhabenheit, ja Pracht, entfalten konnten, mit einer besonderen Note mitsprachen, zeigen die sechs Tafeln, die wir dem S^ift und Griffel des venezianischen Künstlers Francesco Novplli verdanken, von denen wir drei veröffentlichen. J i i —ii. ■ i ■ m »i ■ i Hygienische Unte(zeuge nur von SALZMANN Strümpfe ln 1000 Fprben Extra lang Extra-walt Saiden - Strümpfe Prager Str. 23 Jot^annstr. 17

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