Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 11 (28.3.1927)
- Date
- 1927-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde DreS den Rr. 1l Jüdische Jugendfürsorge Thea Waitz-scldcr, Dresden Die Entwicklung und die Zukunft einer jeden Gemeinidnift hängt vor allen Dingen von ihrem Nachwuchs ab. Um die Leistungsfähigkeit unserer Nachkommen, beruhend auf körperlicher, geistiger und seelischer Tüchtigkeit, zu fördern, haben der Staat, private Organisationen und religiöse Gemeinschaften die Ergänzung bzw. den Ersatz der elterlichen Erziehung und Fürsorge zu einer Hauptaufgabe der gesamten Wohlfahrtsarbeit gemacht. ' Tie Bestimmungen, die dem Wohle unserer Jugend dienen, sind unter dem Namen „Jngendwohlfahrtspflege" zusammeugefaßt, sie -umfassen die Jugendpflege, Jugendbewegung und Jugendfürsorge. „Die Maßnahmen der Jugend pflege bez,vecken eine Förderung des körperlichen, W. Camillo Enterlein Waisenhßussttaße 23 Das Fachgeschäft für Koffer und feine Lederwaren geistigen und fittlidwii Wohles der Jugend, ohne daß eine unmittelbare Gefährdung der Erziehung vorzuliegen braucht, die der Jugend f ü r f o r g e dagegen bezwecken Schutz und Bewahrung vor einer drohenden Gefährdung der körperlichen, geistigen und sittlichen Erziehung, sowie Rettung der bereits in ihrer Erziehung geschädigten- Jugendlichen." lFriedeberg - Polligkeit, Kommentar zum RJWG.) Die Jugendbewegung hat sich von der Jugendpflege als.Selbstbetätigung der Jugend, als Führung der Jugend durch Jugendliche, mit dem Ziel der Förderung der Jugend, abgezweigt. Eine Behandlung des gesamten Gebietes der Jugendwohlfahrt würde hier zu weit führen, es sollen hier nur die Aufgaben der Jngendfiirsorge besprochen werden. Wie wohl allgemein bekannt, ist seit dem 14. Februar 1624 die gesamte freie und behördliche Jngendwohlfahrtsarbeft durch das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz in ganz Deutschland in einheitliche, grundlegende Formen zusammengefaßt worden? In diesem Gesetz, durch das ein Netz von Jugendämtern, die alle nach den gleichen Richtlinien arbeiten, über das ganze Deutsckie Reich gespannt wird, ist die Notwendigkeit der Mitarbeit privater Bereinigungen stets besonders hervorgehoben. Einmal sollen als stimmberahtigte Mitglieder der Jugendämter, erfahrene und beivährte Männer und Frauen aus allen Bevölkerungskreisen, insbesondere aus den freien Dereini- Mingen für Jugeudwohlfahrt und Jugendbewegung berufen werden". Ferner ist im § 6 bestimmt, „daß die Jugendämter die freiwillige Tätigkeit zur Förderung der Jugendwohlfahrt unter Wahrung ihrer Selbständigkeit und ihres satzungsmäßiaen Charakters zu unterstützen, i anzuregen und zur Mitarbeit herauzuziehen haben." Es wirsd sogar dem Jugendamt die Möglichkeit gegeben, die Erledigung einzelner Geschäfte den Vereinigungen für Jugendhilfe und für Jugendbewegung oder auch einzelnen in der! Jugendwohlfahrt ersahrenen und bewährten Männern uns Frauen widerruflich zu überftagen. Diese Berücksichtigung der privaten Wohlfahrtspflege zeigt, daß" sich der Staat »ollkommen der Wichtigkeit der freien Liebestätigkeit bewußt ist. Private Fürsorgebestrebungen haben eine viel größere Bewegungsfrei, heit als die behördliche Tätigkeit, sie kühnen daher auf immer neue Wege, der Eigenart der einzelnen Notstände entsprechend, eingehen. > Dem Alter der Kinder und Jugendlichen entsprechend teilt man die Jugendfürsorge ein in, i 1. Mutterschutz vor und nach der Geburt. 2. Säuglingsfürsorge. 3. Kleinkinderfiirsorge. i 4. Schulkinderfllrsorge. S 5. Schulentlassenenfürsorge. j . . In unserer Arbeit wird man zum Schutze der hilfsbedürf, tigen Mütter nach Möglichkeit dazu beisragen, ihre Wirtschaftliche Lage besferzustellen, um ein Arbeiten bis kurz vor und bald nach der Entbindung im Jnteresstz der Mutter und des Kindes zu verhüten: die Versorgung m t ärztlicher Hilfe und Arzneien, ebenso mit genügend Wäsche und Kleidungsstücken wird sich in vielen Fällen daran anschlsießen. Die Säuglingsfürsorge gehört eigentlich in das Gebiet der Gesundheitsfürsorge, denn ein Schatz der Säuglinge bezieht sich auf Maßnahmen, die vor ällem einer normalen körperlichen Entwickluirg dienen: Das Fernhalten von schädlichen Einflüssen, wie sie eine falsche Ernährungsweise (Still- Propaganda!), falsche Bekleidung, Unschrberkeit und schlechte Wohnsitten Hervorrufen. Da wir in 5 jüdische Mütterberatungsstelle, über! Poliklinik haben, müssen unsere jüdisö suchen der städtischen Mütter- und veranlaßt werden. Es ist keine leichte jAufgabe, da in jübi schen Kreisen vielfach eine Abneigung gegen Jnanspruchnähme städtischer Einrichtungen jeder Art besteht. Das Erziehen der Mütter zur Sauberkeit unjd Ordnung in ihrer Wohnung, an sich selbst und an ihren j Kindern ist für eine gesunde körperliche Entwicklung der Kinder jedes Alters eine wichtige Aufgabe, sie hat aber im Scjuglingsalter, in dem das Kind am meisten gefährdet ist, eine; für später ausschlaggebende Bedeutung. j Mit Beginn des Kleinkinderalters chuß die Fürsorge ihr Augenmerk neben her körperlichen auch der sittlichen und resden bis jetzt keine, aupt keine jüdische :n Mütter zum Aufäuglingsfürsorgestelle Serre/fkaße 5-7 ttnrnen BÖSENBERG Wollwarenhaus Saxonia Wilsdruffer Strafte 46 / Faik & Posener / Wilsdruffer Strafte 27 Das gediegene Spezialkaufhaus | für! Strumpfe, Wollwaren, Trikotagen, Herrenartikel 1 Wäsche, Handschuhe und Baumwollwaren i I