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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-02-28 · 10 (28.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
10 (28.2.1927)
Date
1927-02-28
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Nr Hi' Seite 8_Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden._ Serfettteiin Ober-j?locto*>ife \K L» •* ' .. .'«»rrf1 Lunge unserer 'iiMe aus dieser 2tatiüif ersichtlich, sind vier fünftel aller Durchwauderer Ausländer, du? zum grollen Teil entweder nicht in ihre Heimat zurückkehren können oder wollen und sich schon längere Zeit in Deutschland anshalten, oder direkt aus ihrer .Heimat kommen, um sich qußerbalb derselben eine neue Eristenz zu schassen. Daß ein solches Beginnen bei den heutigen rechtlichen und wirtschaitlicben Verhältnissen eine vollkommen aussichtslose 2adie. ist, wollen die wenigsten dieser Personen einsehen: man kanii sülche teilte nur wieder in ihre Heimat zurückbeiördcrn.!olme ihnen damit allerdings iveitergeliolsen zit haben. Das Gebiet der Wanderfürsorgc bietet beute und vorausücbtlicy noch sür lange Zeit beinahe das schwierigste Problem in t*er gesamten Wohlsahrtsarbeit. Man ist leider nicht-in der Lage, der Not der Wanderer nachhaltig entgegenzuwirken, man kann nur die augenblickliche Hilfsbedürftigkeit beseitigen. Bei den Wanderern deutscher Staatsangebörigkeit must man in erster Linie versuchen, sie zu ihrem Wohnb;w. Heimatsiort zu schicken, da sie dort eher in ein Arbeitsverhältnis kommen oder eine sonstige Beschäftigung finden können. Nach unseren Erfahrungen befinden sich unter den jüdischen Durchivanderern nicht viel Menschen, die man als sozial bezeichnen könnte; die meisten davon lmben sich infolge Arbeitslosigkeit, sonniger schlechter Eristenzbedingungen, Krankheiten üsw! aus. die Wanderschaft begeben und hasten in einem andere» Drt oder in einem anderen Lande stch ein neues Leben schassen zu können. Solange wir in Deutschland keine jüdischen Arbeitsstätten — ähnlich den evangelischen und katholischen Wanderherbergen — haben, kann trotz des besten Willens der einzelnen Wohlfahrtsstellen diesen Menschen nicht durchgreifend geholfen werden. Ter Vorstand und der Gemeinderat der Israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden erkennen wohl die ungeheuer große und verantwortungsvolle Ausgabe, vor die die Wohlsahrtsslelle als Zentrale sämtlicher in Dresden befindlicher jüdischer Wohlsahrtseinrichtungen gestellt ist, und haben daher beschlossen, den Etat sür Woblsahrtszwecke für das Jahr 192? um 10 000 M. zu erhöhen: ne und sich aber vollkommen bewußt, daß auch hiermit noch lange nicht die an die Wohlsahrtsstelle herantretenden Anforderungen befriedigt werden können. Es müssen immer neue Wege gesucht und größere Msttel ausgebracht werden, um wirklich aufbauende Arbeit leisten zu können! Das Wohltätigkeitssest der Gemeinde am 19. März bietet allen, die die Not der Armen lindern helfen wollen, Gelegenheit, das ihrige zu tun. Sonnabend de« l-.Mar; WohllüligKeilSfeft -er Gemeinde! Ferienheim der Fraternitaslvge ll. L. B. B. in Lberrochwiv Jedes Jahr in der ersten Jnliwoche rüsten sich gegen 100 minder unserer Gemeinde, um aus den engen Gassen der' (Großstadt hinansznziehen in das schöne Heim Lberrochwiv. Am 4. Juli 1909 wurde das Ferienheim in Lberrochivih in Anwesenheit von Vertretern der Stadt und des damalige» Königs feierlich eröffnet. Vorher schon bestand bereits provisorisch die Ferienkolonie in Ullersdorf und in Loschwitz. bis die Fraternitasloge uitd die Marie-Ascher-Stiftung die Mittel zur Errichtung eines eigenen Heims zur Verfügung stellten. Unter Leitung erfahrener Kräfte leistet hier die Fraternitasloge wertvolle Jugendfürsorge und hilft der Gemeinde in ihren Bestrebungen zur Förderung der Gesundung der Jugend. Hunderte von Dresdner Kindern denken mit Freude an die schönen Tage in Oberrochwitz. . - Verein Mittclstandsküche bc.r jüdischen Gemeinde zu Dresden Als in den Jahren der Inflation und der größten Ver armung die Beschaffung von Lebensmitteln äußerst erschwert >var, fand sich eine Reche von Frauen und Männern zusammen, um insbesondere dem in 'Not geratenen Mittelstand mit Nahrung zu Helsen. Auf Initiative des Herrn Siegfried Pionkowski wurde im Jahre 1923 der Verein Mittelstands küche der jüdischen Gemeinde zu Dresden' gegründet. Von überall flössen reiche spenden dieser hochwillkommenen Ne» gründung zu. Die Fraternitasloge stellte in dankenswerter Weise im Heim des Kinderhorts — Rietschelstraße 13 — Räume zur Verfügung, wo eine streng rituelle Küche eingerichtet wurde. -Täglich wird dort an Arme und Minderbemittelte kräftiges, schmackhaftes Mittagessen, sin Festtagen auch Abendessen, unentgeltlich gereicht. Aber auch im Beruf Stehende haben die Möglichkeit, sich für wenig Geld eine Mittagsmahlzeit zu leisten. Tie Küche steht unter der umsichtigen Leitung von Schwester Lea, ihr stehen einige Damen .unserer Gemeinde, die sich dieser Aufgabe mit Eifer widmen hilfsbereit zur Seite. Der Verein zählt jetzt etwa 260 Mitglieder, die ibu mit einem monatlichen Beitrag unterstützen. Außerdem fließen ihm von Zeit zu Zeit aus Anlaß von freudigen Famisien ereignissen Spenden zu, so daß die Mittelstandsküche kemen Gemeiirdezuschuß erfordert. Die augenblickliche Frequenz ist täglich über 100 Personen. Im Jahre 1926 sind 2 4 8 7 Portionen ausgegeben worden. Auch Auswärtige genossen die Wohltaten der Mittelstands küche: Der Wanderbund Blau-Weiß, gelegentlich seiner Tagung in Dresden, Zöglinge der Gartenbauschule Ahlem bei Hannover, bei ihrem Besuch der Gartenbau-Ausstellung

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