Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 10 (28.2.1927)
- Date
- 1927-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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feine p&iiröe erst durch diese (Gerechtigkeit. Es ist allerdings nickt leicht, so ,;n Ende zu denken, über das Interesse hinweg jn dem Rechte des anderen hinzudenken. Hingehen znm andecki isr zudem ja fast immer auch ein 2eid?n. Hinausdenkeii über das Interesse in wie ein Tragen, welches mit dem anderen nutträgt. Tas ^nendedenken schasst die Menschen wer Tragik.. Im Buche des Propheten Jesaja steht das wunaeri'ame Bild vom neckte (Lottes, von dem Manne» der das (.teid der ^anderen auf fick nimmt. Jeder Mensch des (Geistes, jeder, :der zu Ende denkt, we.iß darum, er weih voit solchem Erfahren., von den Wunden in dem (tampse, den er für den anderen und darum so oft mit ibm führt, von hiefein Ringen mit dem widerstand der Materie/ ob sie.nun in Tingen oder in Menschen sei. Aber niemand kann ein Mensch des (Geistes fein, wenn in ihm nickt etwas wenigstens in von dem .Ztneckte (Lottes. £0 boch es klingt, so ist darin dock die geistige Ausgabe der Wohlfahrtspflege bestimmt. Ter Ttaat kann nickt zu Ende denken. Er würde sich dann negieren. Ter Ltaat ist nicht ein Ttaat der Menschen, sondern ein Ttaat des festgesetzten, der (besetze. Aber Woblfabrtspflege ist Aufgabe der Menschen. sie führt Menschen als Menschen zueinander -- und Menschen find dock die stärksten Realitäten, stärker als Tatzungen nnd (besetze Benschen. welche Menschen des (Geistes fein sollen, indem sieimmer wieder bindenken zu dem Neckte des anderen, io das-, es.il,neu;um (Gebote wird, zu dem Gottesgebote. das ne nie loslöst. da es nie ganz ersüllt ist, das unendlich üch vor ibnen detmt, io, wie die (Gerechtigkeit, die (flott gebietet, obne Ende ist. Tie iw gleicbfgm unendlich. Bo» jedem Menschen geht eine Unendlichkeit gleichsam ans, von jedem dieser endlose Weg des ('tebotes. den er befchreiten, den er ivagen, den er balnien foll. Bon ihm gebt der Weg"aus: alles Zuendedenken bebt mit einem Anfängen an. Es gibt Menschen, die bis zu Ende batten denken wollen, aber sie liaben vergessen, zu beginnen. Wir kennen fo viele, denen in ihrem t!eben immer eines noch fehlt; dieses Anfängen. Anch dieses Beginnen ist unerläßlich: in ibm gewinnt das Wobltnn seinen Tinn und feine Pflicht. Tas Wobltnn ist dieses notwendige Beginnen. Anfängen nnd dock;u Ende denken, bis zu,Ende denken und t'iKii anfangen das ift Woblfabrtspflege, nnd das ist ihr geistiger (Gehalt. In jenen zrvei (flesabren droht ihr die Geistlosigkeit. im fatalismns mit seiner Resignation nnd im Interesse mit seinem Ztompromiß. Mit beiden Tann sich das bloße Wobltnn vereinen, nnd wir möchten auch die Wohltaten. die hier ijeiibt werde», nie missen. Aber ein Bic»sch des (iteistes, ein Mensch der (Gerechtigkeit, im Tinne der Zedakab. ist in der Woblfabrt nur. der Mensch des Gebotes, der. welcher beginnt nnd bis zu Ende denkt. Bis zu Ende bandeln, ist'uns Menschen nicht gegeben, wir sehen vor uns den weg des Gebotes. der sich kein Ende znfchreiben läßt, aber wir find dock bineingesetzt in eine Endlichkeit. die uns festbält. Wir denken uns hinein in das Unendliche. aber sind dock gebannt in ein Irdisches hinein. Toch gerade bierin liegt vielleicht das Ttärkne und das Beseligende, das der (item der Woblfabrt gibt. Wir denken weiter nnd weiter, auch deshalb, weil wir wissen, daß der weg über uns. binansgeht. Turch die Jabre, die uns gewäbrt find, schreiten wir. und »ach uns lverden andere kommen. Auch für sie, da mit sie noch weiter gehen können, arbeiten wir. Wir sind Menschen „von Geschlecht zu (Geschlecht". für den Menschen des Interesses und für den Menschen des Tchicksalsglaübens ist die Zukunft nur ei» Uebermorgen. und wenn es. viel ist, ein Uebermorgen deS Uebermorgens für den Menschen des (freistes ist Zukunft die Zukunft der Menschheit, der kommende Tag der Erfüllung, die Zukunft des Messianischen, dieser Weg von (Geschlecht zu (Geschlecht. Tolche Gewißheit gibt die .(traft, nicht müde zu werden, wenn Resignation nnd Paktierest znm Lchlnsse aller Weisheit wer ■öen wollen. Jetzt wird die Zukunft dem (tämpsenden znm Tinne seiner (Gegenwart. Tic besagt nicht ein Geschichtliches nur, das nur. was vielleicht sein wird, sondern ein Religiöses, das, was sein soll, für uns gibt es kein soziales, daS nickt ein Religiöses ist, nnd kein Religiöses, das nicht ein Toziales wäre, und darum/.ist uns alles Toziale ein Messianisches. Gebot nnd Berbeißung der Zukunft. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: die Zukunft fordert eine Gegenlvart, eine GegcnN'art der Gerechtigkeit. damit die Gegenwart zur Ber W Camillo Enterlein Waiscnhaussttaßc 23 Das ladigesdiät/ lür Koffer und feine Lederwaren liindigung der Zukunft werden kann. Tie Bibel nennt das arich den „Trost", der dem Menschen gegeben ist. Er ist nickt jener Trost, welcher beschwichtigt. sondern der. welcher über den Tag und die Alltäglichkeit binausträgt, der Trost dessen, der beginnt nnd inn das Ende weiß. „To tröstet der Ewige sein Bolk." Tas ist der geistige Gehalt der Wohlfahrtspflege. Er gibt es uns, Daß wir mit dem, was als Geschick dör Menschen gilt, ringen,, um darzutuu, daß es kein (beschick ist, und 'daß wir den (täwps des Glaubens gegen den Unglauben führen, um darzütun, daß nicht das Interesse, sondern das Gebot des Guten die Wirklichkeit ist. Immer wieder kann der Geist formen und gestalten, immer lvieder die Materie durch dringen. Er führt und drängt iveiter und iveiter diesen weg des Gebotes und der (fterechtigkeit, das nie ganz ersüllt ist. und doch immer wieder ersüllt werden soll. Jn ihm hat die Wohlfahrtspflege ihre (traft und ihre Gewißheit, in diesem Geist, der aus dem Gewissen, aus dem Herzen kommt. A fr 'Tg^r Serreffraße 5-7 »f l Marnjven BÖSENBERG Wollwarenhaus Saxonia Wilsdruffer Straße 46 / Faik & Posener / Wilsdruffer Straße 27 Das gediegene Spezialkaüfhaus für Strümpfe, Wollwaren, Trikotagen, Herrenartikel Wäsche und Baum wollwaren