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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1927-02-28 · 10 (28.2.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
10 (28.2.1927)
Date
1927-02-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 Seite i iemeindeblatt der Israelitischen ReligionSgemeinde Dresden Der soziale Gehalt der jüdischen Wohlfahrtspflege Po» Rabbiner Dr. Bon dein fleiftiflc» Webalt der jüdischen Wohlfahrtspflege luülk’i diese Äussübrnngen sprechen. Was ist wohl Geist — der (»lrist. der in etwas in nnd ihm feinen (behalt und Sinn gibt? Was (»lein in. das sehen wir am deutlichsten, wenn lvir n rs zunächst den (»lcgensatz dazu. das, ivozn der (»leist im Widerspruch neht. vergegenwärtigen. Dir Weilt bedeutet einen Widerspruch vorerst gegen den Glauten an ein Schicksal, solange Menschen über den Tag hinan? denken, sind sie zu diesem (»llanben gekommen, daß es ein l nüberwindliches, Unabwendbares, Unerbittliches gebe, daß. i m ein Bild Maeterlincks zu gebrauche», das Menschenleben einmal in einen langen dunklen (»lang geführt werde, an de i'en finsterem Ende ein ebernes Tor sei. nnansschließbar und undurchdringlich für den Menschen, an das er' ohnmäckit g klopft, an das er verzweifelt schlägt, und es öffnet sich nicht. Wenn Menschen suchten und nicht fanden, wenn das Z!eben ibnen in seinem Drucke sinnlos werden wollte, sind sie zn diesem Glanbeu an das Iatnm. an Las Schicksal gekommui. Auch wenn Menschen über die sozialen (»legeben-, beiten dieser West nachdachten, über alle seine Abhängigkeiten und .v nechtiingen. meinten ne oft/.darin ein Schicksal sehen zu müsse i, ein für immer (»legebenes, ein Unbesiegbares. Auch Arm»t und »A'ot. Elend und Gebrechen. Enge und Finsternis aut Erden erschienen ivic ein Kattun, das man hinnehmen müßt, : vergeblich bleibe es. dagegen anziikämpsen. ja wie ein Ungleiche sei es. das tun zu wollen. Und wie leicht und wie gern 1,'fchwichtigte man stch in diesem Bewußtsein, daß man vor e: »ein (Geschicke stände. ,W 'i» in der Widen'prnch gegen diesen (»llauden an das Schicksal. Den (»leist zu eigen baden und seelisch besitzen wir etwas nur. wenn wir daran glauben bedeutet den Wkiulie» daran'liaben, daß in den »Metüchen. als ein Ebenbild Gottes. etnxis gelegt in. weis alles Starre' >» besiegen, alles .Harte zu löten, alles zu formen, zu gestalten, zu bilden vermag. so daß der »Mensch vor nichts abdanken, vor nichts resignieren muß. Der Weist mciut nie vor einem Tore zu neben. das sich nie austim wird, sondern er liat immer vor sich seine ilnsgabc alles Können des (»leistes ist ja ein Tollen das (lcbot, welches er;n erfüllen liat, das (»lebot.^als ein Schöpfer im »Menschenleben zu formen und zu gestalten, im »Mübcn und Ringen, bis das formlose seine Iorm. das Ungcstal e seinen .Sinn und seinen »Wert erhält. Wer des Weifte* gewiß in. der ficht niemals vor sich ein Unabwendbares Er siebt vielleicht Hemmnisse, Hindernisse. Schranken, die vir ibm ansgerichtet sind, Tore, die sich vor ihm verschlissen. aber er weiß es.»er fühlt diesen starken Glauben in sich, d iß er zu überwinden imstande ist. weil ibm dieses Gebot gegeb n itt, zu schäften nnd zu bilden. »W'nn er daruni »Rot. Elend und Dunkel um sich, erblickt, dann n es'tür ihn kein Jatnm, kein Unabwendbares, sonder» das (»ebot tritt darin;» ibm bin und sckiant ihn an, mahnend und 'ordernd, und wendet tick an ibn. ihn drängend und treibe id. In wem der (»leist Wbt. der verteidigt das »Bestellen )e nicht, nnd er klagt es auch nicht an^sondern sich selbst fühlt er angeklagt. »Was nnvollkommen, niedrig und gewöl nlich. was hart und roh ist. stellt als ein »Borwurs vor ibm. als ein »Borwurs, der sich gegen ibn richtet, der ihn nicht losläf t. solange er lebt. Leo B (i c ck, »Berlin Darum ist der »Mensch des Geistes ja auch nie der Mensch des guten Gewissens. Es gibt kein geistloseres Wort und auch ksin gottloseres, als das vom guten Gewissen. Das gtite Gewissen ist das sanfte Ruhekissen, aus dem alles Geist lose und Gottlose gern ausruhen. Wer Geist in sich hat. dessen (»lewissen ist nie befriedigt, nie beruhigt. Immer neue »Borwürfe stehen vor ihm, immer neue Anklage erhebt sich gegen ihn, immer neu rust ihn das Gebot. Immer wieder tritt all das Unvollkommene, das allzu Irdische, das Gewöhn liche an ihn heran und verlangt von ihm, daß er ein Schöpfer an ihm werde; es bilde und forme, ein Chaos zu einem Kos mos werden lasse. So ist der Geist der »Widerspruch gegen allen Fatalismus, gegen alle Resignation, die stch so leicht absindet und so rasch kapituliert, weil sie ein Schicksal, ein Unüberwindliches vor sich zu erblicken meint. Jedoch hiermit ist noch nicht alles gesagt. Geist ist »Wider spruch auch gegen ein anderes noch. Geist ist der Widerspruch auch gegen das Interesse. Denn Geist bedeutet Denken, und Denken bedeutet weiter nnd weiter denken, bis zu Ende hin denken. Und darum steht der (»leist gegen das Interesse; denn Interesse bedeutet: nur bis zu einem bestimmten »Punkte hin denken, bis zu dem »Punkte, Ivo das Interesse eben beginnt, sei es das eigene Interesse, der »Borteil, die Bequem lichkeit, das Behagen, sei es das Interesse des Kreise^/in den man hineingesetzt ist, der Familie, der Partei, der (»)e samtheit. des Volkes, des Staates bis dorthin also nur, wo diese mannigfaltige »Nützlichkeit ihre Forderung, nicht weiterzudenken, erhebt. »Alle Geschichte ist daher, im Grunde ge nommen, ein Kamps des Geistes gegen das Interesse. Oder wie Goctbe es einmal sormtiliert hat: der Kamps des Glaubens gegen den Unglauben; und beides ist im wescnt liehen dasselbe. Denn auch Glauben bedeutet doch dies: bis zu Ende denken, und Unglaube dies: nur bis zu einer bestimmten Xstnie hin denken. Alle wahre Geschichte, alles Draiüa der »Menschheit, und man darf hiüzusügen, die Lssen barung Gottes im Menschen ist dieser Kamps des Geist.es gegen das Interesse, dieser Kamps des Glaubens gegen den Unglauben. Geist ist daher immer ein Unbegnemes; er stört das gute (»jewissen, und er beeinträchtigt das satte Denke». Er ist etwas ganz anderes^darum als die bloße »Bildung. Der »Mensch des Geistes kann arm an dieser »Bildung sein, und der Gebildete ist nur zu ost einer der (»leistlosen. »Bildung bot Gedanken aus »Borrat und nach »Bedarf. Sie nimmt Wc danken ei» nnd gibt (»ledanken aus. Sie weiß deslmlb immer »Bescheid, sie hat immer Antworten, während der Geist immer neue fragen vernimmt; er kennt die ewigen »Probleme, mit denen ihm alles immer wieder zur »Ausgabe wird. »Bildung KSCI reinigt u. färbt Frühjahrsgarderobe ^acKmännrsch gepfUgie Habanas und Brasils Robert Hermann Zigarren-Import-Haus Dresden-A., Prager Straße 20 Fernsprecher Nr. 20370 :: Gegründet 1863 Spezialität: Rohara- Fabrikate Ges. fcsdi.Wjrcazckfcca JcmmaadU-6fseiluha)1 Dresden-A. I Amerikas bester Lautsprecher: Crossley Supper Musicono eingetroffen! Dresdens Radto-Spezlalgeschält Ge*. fCMk.WarcaxcidK* JloMMU»ätl-6eseUsdii(t Dresden-A. 1 VikioriastraAc 20 — FtrasprcAcr 23*2.'

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