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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-09-28 · 5 (28.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
2 (1926-1927)
Issue
5 (28.9.1926)
Date
1926-09-28
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Seite 9 Nr. 5 Gemeindeblatt der Israelitischen N eligionsgemeinde Dresden Dennoch ist es von Wick tigkeit, daß alle Beteiligten und so auch die Beauftragten ter jüdischen Gemeinschaft über die dabei zu öeachtenden GPchtspunkte orientiert sind, um so mehr, als sie praktisch doch bestrebt sein sotten und dürfen, die Initiative im Rahnen des Jugendamtes zu ergreifen. Ivo immer es sich um Er^iehungsschwierigkeiten des jüdischen Kindes handelt. Wenn aus irgendeinem Grund der natürliche Familienkrcis versagt und in der näheren Verwandtschaft ein geeigneter Ersatz nicht zu finden ist, dann heißt die Frage: Ersatzfamilie-odcr Anstalt. Tai Problem ist auch in der allgemeinen Fürsorgeerziehung bedacht worden. Man hat immer den Hauptwert der Erziehung in der Ersatzfamilie darin gesehen das; sie die natürliche Struktur, in der das gesunde Kind her imwächst, auch dem crziehungsschwicrigen Kinde erhalte. 1 ct Nachteil der Ersatzfamilie liegt darin, daß. abgesehen von persönlicher Unzulänglichkeit, Eigennutz, schlechtem Wil cn. es doch gar zu oft an pädagogischer Intuition, dem pädagogischen Milieu, fehlt. Bis zu einem gewissen Grade finit diesem Uebclstande abgeholfen Iverdcn.! wenn man sich, wie cs Rehm verlangt, einen Stamm von Pflegefamilien, herat bildet. Geeignet hierzu wären z. B. jüdische! Lehrer an Bollsschulen. unter Umständen jüdische Acrzte, ferner die Familien jüdischer Sozialbeamten. Allen diesen Personen, die zni Familicnpflege herangezogen werden sollen, ist die Gclcuenheit zur Ausbildung und Fortbildung in den oben ermähnten Kursen und Veranstaltungen zti aeben. In den Anstalten ist die Möglichkeit zu einer günstigen pädagogischen Beeinfluss mg theoretisch leichter gegeben als in der Ersatzfamilie. Aier es bleibt hier noch sehr viel zu tun übrig. Tie Ausgaben sind, ie nach der Sonderartung der Zöalingc, verschieden.?ie erste und vielleicht schwierigste Aufgabe ist. Pie Rekrutierung für die Sonderanstalten richtig und rechtzeitig durchzufi hren. Wiederum ist das nur möglich. wenn dafür gesorgi ist daß das abwegige Kind frühzeitig an irgendeiner Stelle einem fachlich Vorgebildeten bcaegnen muß. und so zeigt sich auch hier wieder die Notwendigkeit, heilpädagoqische Bildung auszubreiten unter alle jüdischen Volksschul- und Religionslehrer, unter Angehörigen der verschiedenen Wohlsahrtsorganisationen, Leitern und Erziehern an Waisenhäuser t und Anstalten. Erziehungsschwierigk« iten führen nicht nur in die Anstalt, sic entstehen auch erst in ihr. Tie pädagogische Leitung, das gesamte Leben einer An talt darf nicht, wie es früher wac. auf die Magna Charta t er Hausordnung gegründet werden, sondern auf echte, erzie jerische Gesichtspunkte. Taß unter ihnen die Weltanschauung eine hervorragende Rolle spielen muß. wurde schon oben ansgesührt. Wie die jüdische Weltanschauung den Zögling;n zu vermitteln sei, wie überhaupt in der Schule um Welt inschauung gerungen werden kann, das mögen uns auch di« Kämpfe um die Nationalupd die Bekenntnisschule zeigen. Eine wichtige Rolle spielt darin jedenfalls die Geschichte des eigenen Volkes, nicht als toter Historismus sondern als lebensvolle Kenntnis. Wie sehr cs damit noch im argen liegt für die Geschichte des jüdischen Volkes, ist jedem bekanm. Die moderne Geschichtsschreibung hat uns gelehrt. Ideen und materielle Zustände iy ihrer Bedeutung abztrschätzen. Vir haben die Verpflichtung, auf Grund solcher Wissenschaf licher, moderner Geschichtsauffassung die Kenntnis vom Leben unsres eigenen Volkes zu gewinnen und sie unfern Kindern zu übermitteln. Die l Einbettung in «en Rahmen einer Weltanschammg wird in der Anstalt um. p weniger möglich sein, je mehr die Abwegigkeit der einzelnem Persönlichkeit in intellektueller Beziehung unser Tun bchei rschen muß. Dagegen ist, wo hauptsächlich charakterliche Abwegigkeit vorliegt, also bei Psychopathen, .der Versuch, die Werte jüdischen Gemeinschaftslebens heranzuziehen, durchaus gerechtfertigt. Ich sage das in vollem Bewußtsein dessen, daß zur Zeit die modernen pädagogischen Bestrebungen hauptsächlich darauf eingestellt sind, die anschauliche, nicht historische, nicht eine ideelle Gemeinschaft, die Klasse den A beitsverband usw. wirken zu lassen. Vergessen wir nicht, bal; die anschauliche Gemeinschaft niemals die Kultur und bli Konflikte, die den Jugendlichen im Leben erwarten, aus sich heraus zu gestalten vermag! Jedenfalls wäre es ein Dogmatismus schlimmster Art, die ideelle Kulturgeschichte zu vernachlässigen! Wir haben erst recht? keinen Grund, jüdisches Kulturgut ‘ zu vernachlässigen, wo die Verwahrlosung zur »riminalitüt oder zur Prostitution geführt hat. Hermann hat im Hainburger Jugendgefängnis Hahnöfersand einen vorbildlichen Versuch gemacht, Gemeinschastswirkungcn ideeller mit solchen anschaulicher Art zu tiefsten Erziehungswirkungen zu vcreinigen. Wo immer das Problem der Gemeinschaftserziehung Verwahrloster auftritt, sollte von den Bestrebungen, wie sie in seiner darüber veröffentlichten Schrift nicdctgelegt sind, ausgegangen werden. Fassen wir zusammen, was für die jüdischen schwererziehbaren Kinder in Deutschland von der jüdischen Gemeinschaft geleistet wird oder geleistet werden sollte: 1. Das jüdische Gemeinschaftsbeivußtscin muß gestärkt werben. Nur eine lebendige Gemeinschaft kann erziehen. Hilfsmittel dafür geben die Pflege anschaulichen Gemeinschaftslebens, ferner die Unterstützung aller jüdischen Kulturbcstrebungen, die Förderung und Vertiefung der Kenntnis der Vergangenheit. 2. Erzichungsschwierigkcit bedeutet eine Störung des Gleichgewichts zwischen erzieherischen Einflüssen und Er-, ziehungsbedttrftigkeit. Tie Ursachen dieser Störung zu erkennen. ist'nur der heilpädagogisch Vcrgcbildete in der Lage. Daher ist es Aufgabe der jüdischen Gemeinschaften, die heilpädagogische Bildung zu organisieren und zu verbreiten. 3. Anwärter für heilpädagogische Vorbildung sind: jüdische Lehrer aller Art, Pflegefamslien Leiter und Erzieher an Anstalten, Angehörige von Wohlsahrtsorganisationen, Helfer an Jugendämtern, Sozialbeamtc n. dgl. Es ist dafürzu,sorgen, daß dieser große Personenkreis ausreichend Gelegenheit und Beihilfe zur Fortbildung findet. 4. Die eigentliche, heilpädagogische Arbeit bedarf der wissenschaftlichen Fundierung. Hierfür sind jüdische Zentral-Forschungsinstitutioncn zu schaffen. 5. Mehr als irgendeine andre Gemeinschaft muß die jüdische an ihre Zukunft, an ihre Jugend denken. Sie beweise es durch die Tat! Achtung: . , Ächtung! Ium Sabbat und zu Festtagen liefert BARCHES in bekannter Güte seit 30 Jahren Vätkerei Haiti Schützengaffe 3 / Fernsprecher 27 201 Eitftrc frei Sau«! Citfer« frei j&au«i m 1 Frauen über die Frau > W IhllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllflllllllllllllllHIIIII 1 8 Vorträge jj Teilnehmerinnen: - Ü M. Stritt, I. Solinger, E. Büttner, Dr. E. W W Ulich-Beil. E. tzinzelmann, Dr. D. Gerson, jj H A. Ioachimstal-Schwabe. Dr. T. Morgenstern W W Beginn 12. Olt.. y»0 Uhr / KünstlerhauS, Roter Eaal W Programme und Karten: Buchhandlung Bender, Waisen- —- hauSstraße. Gebr, Böhm. WaisenhauSslraße. Helene tzinzel- mann Prager Straße 13,1. llimilHIIIllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllHlllllllllllllllllllHllllllllllllllllllllllllllllllllM

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