Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 4 (28.8.1926)
- Date
- 1926-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Nr. 4 Leite S Geiueindeblatt der Israelit ischeu ReligionSgeineiude Dre§J>eit ieb miter« Kt-: bell». isw. icbe Ter 1. ,Suii wirb von Baus Tankner, der 2. Zug von siegs r .'{immeruiii geführt. Tie Siihrerfcbrtft fetjt fich zusamnwn a .'bitiit- Tanfner, Tietifrieb Ziininerinn unb £*e_in.y Boß, bie ,viibri irtinrnr-lemnui liegt bet Bn»-: Tankner. * Vliifcbrift beU;tn 2i>eriie^ Tiobinak, Mozartilruße 5, Telephon t:ls»s; tflii|clinft 2.;jmie-:-: Tiegfrieb Simmering, '.llbreduimtiie 2», Telephon 22 »tenaninelbnngen nnb 2>n-:-knnste betreff-:- Peranfialtungen erbitten wir bei bieieu Äbrefien. Bericht des Züdiichen -lationalfonds, Tresden. Es ginge» im Monat stnli: '.Ins Büchfenleerungen äI2 _2tiiläiiltdi 'iebiirt nnb ber Brilh Miioh eines »tinbes des -i.r^ Ltronß w>> l l Baume geitiftet, Lumme M M. Bei einer Amiiilieiifeiei öiTiife des Bereu Berinnnn Twocken würben von ber,eannlie — eti;» efbren ihrer (ilteni H««i M. geinften '.Inbenfen bec- T :age-: Be in-:- innere Beer ,>vmicit- 2i*> M. unb -»t Ehren des iabrigen hochgeschätzten Boritanbe-:- ber Zioniitenortsarnppe, Be i. '^ioiifon*fii, wnrben von verschiebenen Leite» U2 Bänine p»lnn;i- Tie zweite Nummer der Zedakah, Zeitschrift ber jübisciien Wohl fahrlc-pslege, Heransgegtt'en you ber Zentrnlwohlfnhrtsiielle ber benkschen stubeu, ist nnninehr erschienen. Beitellungen sinb an bi le.eschäftsitelle der ,-jenlralwohlfahrtssielle- 'der benlscheu o‘,ben, Berlin C 2. Roseniirnße 2», zn richten. Ttbi ein ber eil im ulen es- ,igrrn ge- 'en oes agl, Die Behandlung des schwer erzlehda jüdischen Kindes' Bon Tr. med. et Phil. K. Eliasberg Wenn in der lledcrschrift die Schwcrerziehbarkeit jiidischen »lindehcrausgchoben wird, so ist damit gek daß, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gcmei.tsc,a,r nämlich der jüdischen, besondere Bedingungen für die Er« Ziehung schafft. 3n jeder Gemeinschaft bestehen zwischen dem Ganzen und dem Einzelnen Wechselwirkungen: der einzelne braucht die Geineinschafl, um zu einer entwickelten Individualität zu werden: er wird es nur in ihr und durch sie; aber die Gc n.einfchafl braitcht nicht weniger den einzelnen und nan enl lich das »lind und den Jugendlichen, denn in ihnen ve^örpcrt sich das ^elbstbewußtsem und der SclbstcrhaltungS villc der Gemeinschaft. Taß cs so etwas wie eine jüdische Gemeinschaft gibt, wird üirri) der nicht bestreiten, dem sich die Zerrissenheit in Frak lionen aller Art ausdrängt. Asstmilantcntum, Orthodoxie, bürgerliche und sozialistische jüdische Vereinigungen, zionisrische Parteien und bodenständige Parteien des Golus haben mehr, als sie selbst, oft bemerken, ihre gemeinsamen! Be« ziehnnaspunkte gerad^ in einer die Gegensätze vereinigesideu jüdischen Gemeinschaft. Es braucht an dieser stelle Nicht erörtert zu werden, ob rassisch-biologische oder historisch-, kulturelle Momente für eine kausale Betrachtungsweise! der eigentliche Träger der Gemeinschaft sind. Uns interessiert ja nur die histcrisch-kulturelle Realität, von der die Erziehikngrwirkungeu ausgchen, die das Kind zum „jüdischen" Lind zeichnen. Tie Erziehungsschwierigkciten nun des jüdischen Kindes sind durchaus nicht nur imd vorwiegend in seiner biologi chen Anlage, sondern auch zn einem erheblichen Teile gerade im Wesen des jüdischen Milieus, wie es'jetzt ist, zu suchen.! Wir sind heute, stark beschäftigt mit dem Studium! der abwegigen Individualität, geneigt, diesen Gesichtspunkt! zurncktrcten zu lassen. Zu Unrecht! Tie moderne Willens« und Erziehungsforschung beginnt sich wieder darauf zst besinnen. daß es keine stärkeren pädagogischen Wirkungen! gibt als diejenigen, die in einer Weltanschauung ihren Grund haben. Tas hat neuerdings Lindworfkh auf Grund tinee Uedersicht der experimentellen Untersuchungen des Willensdargclan. Willenskraft, die Fähigkeit, Motive für das Handeln bestimmend werden zu lassen, ist nicht eine mystische Fähigkeit für sich, sondern sie beruht auf assoziativen Berkeltungen der Motive, und es gibt keine stärkere Motivverkeltung aldie im Rahmen einer Weltanschauung.! Tic Tanfbeweglmg aber, die hinter uns liegt, war nicht nuri wie es für gewöhnlich aufgefaßt wird, eine Summe individueller * i'Vfitr.Uc Wiedergabe <Tfes£3BJr'tijihtcr Stelle im Tnlcf bsiinblichen Anfsntzes.. Vorkommnisse, sondern sie war der Ausdruck einer Schwäche der Gesamtheit und ihres Willens, und es ist kein Wunder, das; von ihr nur schwache erzieherische Wirkungen ausgegangen sind. Tazu kommt noch ein weiteres: Gemeinschaften, die von Schicksalsschlägen verfolgt werden, pflegen zu erstarken, innerlich reicher zu werden, wenn sic nämlich nicht im Moment der. Selbstauslösung betroffen werdcir. Jene Katastrophen aber, die etwa seit dem Beginn der achtziger Jahre in unaufhörlicher Folge die jüdische Gemeinschaft betroffen habe», die Wellen von Antisemitismus, und die Abgründe der Pogrome hätten beinahe auch noch den letzten Rest jüdischer Gc ineinschaft zerstört, denn diese Gemeinschaft hatte schon fast jedes historische Bewußtsein! und damit auch die Fähigkeit. Märtyrer zu haben und zu verehren, verloren. Von all dem Grauen, das sie durchlebt hatte, wäre ihr nichts zurückgeblieben als ein Haufen von Gräbern und eine Schar von Psychopathen. Vor diesem ifurchtbarsten Schicksal, das die Menschen trifft, wenn ihre Gemeinschaft auf die Stufe des HerdenbewußtseinS hinabgeumken ist, sind wir bewahrt gc blieben. Seien wir uns dessen besonders bewußt, wir, die wir jetzt erwachsen sind, wir. die wir erziehen sollen, wenn vom crziehungsschwierigen Kinde die, Rede ist! Was ist Erzichungsschwitrjakeit? Wenn wir jede Hypothese beiseite lassen und nur! den Tatbestand ins Auge fassen ivollen, der. sichtbar zutage lijegt, so ist es eine Gleichgewichtsstörung. Jene Einflüsse, die im Turchschnitt der Fälle die Erziehung gewährleisten, scheinen hier zu versagen. Wenn wir an unsre Ausführungen über das jüdische Milieu denken, so ergibt sich daraus die Fokderung, in jedem Fall, wo ein jüdisches Kind Erzichungsschwierigkeiten bereitet, zu prüfen, ob die erzieherischen Einflüsse seines Milieus ausreichend sind. Von dieser Verpflichtung sind wir niemals entbunden, auch dann nicht, wenn die individuellen Ursachen die in der Beschaffenheit des Kindes liegenden Momente, sich auf drärkgen.! Sicherlich individuell zu verstehen sind diejenigen Fälle, in denen die Erziehungsschwicrigkeit oder eigentliche Unerziehbarkeit nur der Ausdruck einer echten Geisteskrankheit ist. Solche Geisteskrankheiten des Kindes, z. B. neuerdings ie Fclgezuständc nach der endemischen Gehirnhautentzünung. machen das Kind uncrziehdar, weil sie die Möglichkeit cs Hineinwa-chsens in geistige Zusammenhänge aüfheben. ie Aufgabe des Erziehers ihnen gegenüber besteht.eigentlich nur darin, sie aus der Erziehung zu eliminieren, um die törung und Gefährdung andrer Kinder zy vermeiden und -stbare Kraft zu sparen. Praktisch kommt es darauf an, die Wahrscheinlichkeit zu schaffen, daß ein solches Kind rechtzeitig uf jemand stößt, der in der Lage ist, Geisteskrankheit wenig ens zu vermuten. Wir werden im weiteres Verlauf unsrer Erfahrungen noch sehen, wie wichtig es für i die jüdische Gcisieinschaft ist. solche ,Beobachtungsposten"" in der Erziehung s>> schaffen. Wir können uns daher hier nrit dieser Andeuy:ng begnügen. I; Tie Unzulänglichkeit der erzieherischen Einflüsse kann zu ganz verschiedenen Lebensabschnitten des Kindes hcrvortreten und demgemäß durchaus verschiedene Maßnahmen ersordcrljick machen. Typen sind: d^is Waisenkind, däs Kind aus un vollständiger Familie, das Stiefkind, das Uneheliche Kind, der Lehrling ohne Stütze in den Stürmen der Pubertät, das Kind, dessen Familie zu irgendeiner Zeit! von Not, Verarmung, Todesfällen, Pogromen, Krankheiteh usw. betroffen wird, um nur einige zu nennen.!! Ist einmal das Gleichgewicht im Sinne der Erziehung?- schwierigkeit gestört, so pflegen die Folgen manifest zu KOHLEN Brennstoff - Vertrieb . Inh.« Siegfried Plonkc Tal.i S1S4T o PataratraB« 1B o T«sl. > »wskl