Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 2 (1926-1927)
- Issue
- 2 (28.6.1926)
- Date
- 1926-06-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden v-r> Amtliches Organ des Gemeindevovftandes ——» > * > ) in... ' ) Verantwort!. Schckstleltoaa: B lroülrettor LVIoemacher. Dnibm Verlag: Zftaetlttsche9teligtonSgr«et«-e Dresden - Druck: Kaden LEomp.. Dre«den-A. 2. Jahrgang Dresden, dm 28. Juni 1926 Nummer 2 Die drei Trauerwochen Bon Rabbiner Dr. Wolf , Mehr als jede andre Zeit im Jahre ist die Zeit vom 17. Tamus bis zum 9. Aw erfüllt von Erinnerungen an die Leidensgeschichte Israels. 'In den Tagen vom 7. bis zum 10. Aw 286 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung brannte die Stadt Jerusalem „mit dem Hause des Ewigen lind dein Hause des Königs" nied« r. Juda ging in die Verbannung nach Babel. Der ziveite! Tempel wurde 70 Juhre später, nach der Rückkehr aus den« bachlonischen Exil, im Jahre 516 etzngeiveiht. Fast 600 Jahr« lang bildete dieser ziveite Tempil, mehrere Male erneuert ind verschönt, den geistigen u id nationalen Mittelpunkt der Judenheit. Da zogen die rön ischen Legionen sengend und mordend durchs Land. T ie heilige Stadt. deren Bewohner es gewagt hatten, sich gegm die grausame Römerheri schüft zu erheben, wurde belage t Nichts fruchtete der" heldenmütige Kampf der Verteidig, r. Am 17. Tamus fie^ die i »nere Stadtmauer, dem Feinde wir der Weg geöffnet zum T< mpelbezirk. Hunger gesellte sich c is Bundesgenosse zu den Römern. Es gab keine Opfert» re niehr, und das tägliche Lpfer wurde eingestellt. Seit jene in 17. Tamus ist kein Opsi r mehr dargebrqcht worden. Di ei Wochen später, am 9. Alp des Jahres 70 wurde der Tenisel Judas Söhne singen in die V,rin den andern Städten des groben der Arena mit wilden Tieren zur In den Bergivcrken arbeiteten ie als Sklaven, um die Riichtümer Roms zu mehren. Vi, le Hunderttausende fanden einen schrecklichen lind dennoch?r lösenden Tod. (Gering umr der Rest, der in Palästina zurückgebliebi'n war. Aber die Willkür und die Grausamkeit der Römer sorgten dafür, daß auch in diesem kleinen Rest die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit lebendst blieh. Aber mch der Aufstand des Bar Kochba nahm etu trauriges En, e. Und wieder war der neunte Aw der Tag d;s endgültigen Z» sainmenbruchs. Bethar, >er letzte Zufluchtsort der Aufständi scheu, fiel am 9. Aw ins Jahres 13» in die Gewalt dler Rörncr. Das heilige Lnnd war nun ve ödet. In anden Ländern suchten und fal ben die Heimat osen neue Wohn stätten. Aus der Geschick te des Judentums ist nicht hinweg zudenken die Blütezeit der jüdischen Lite>-atur in Spanien. In diesem Lande hattey die Vertrieben;n gleichjan« ei ie Allein auch hi n siegten Unduld ö. Aw des Jahri s 1492 verlieb m ein Raub der Flammen, bannung. In Rom und .Reiches kämpften sie in Belustigung der Sieger. zweite Heimat gefunden samkeit und Hab- Am gegen 300000 nnglückliiiie Menschen das Vätern und Grohvätern in die Fremde, ddnnoch haben. Es ist natürlich, daß festgehalten wurden. Wenn an» 9. Aw Heimat gewesen tvar, und gingt« die Treue haltend dem lieblos:n Lande, dessen Sprache itie spätgeborenen Enkel jener V,r triebenen als ihre Spra he bis zum heut gen Tage beival rt Land, das ihr m über das Judentum Hereingebrochen ist, als Tage der Trauer liefe Tage, an deren so viel Ungli> in unfern Gottes Häusern die Klage des Propheten Jercmiah um den Untergang der heiligen Stadt gelesen wird, empfindet uiau den ganzen Schmerz des Judcntuins. Jene Klage verliert ihren zeitlich begrenzten Sinn und wird zum Ausdruck des ewigen Schmerzes des Judentums. Und es hätte nicht erst der künstlerischen Darstellung des Propheten aus den Trümmern Jerusalems bedurft, um vor unseri» Auge das Bild des klagenden Sängers erstehen zu lassen, wie er. einsam zurückgeblieben, das Schicksal der Heimatstadt beweint: „Wie sitzt einsam die Stadt, die volkreiche, ist einer Witwe gleich geworden, die Herrin über Völker! Die Fürstin über Länder ist zinsbar geworden. Sie weint in der Nacht, ihre Tränen bleiben auf ihren Wangen, niemand tröstet sie von all ihren Freunden, all ihre Vertrauten sind ihr treulos geworden, wurden ihr zu Feinden. Jirda ivandert aus vor Druck und schwerer Fron, weilt unter den Völkern, findet keine Ruhe. Alle ihre Verfolger erreichten sitz zlvischen den Marken. Die Wege Zions trauern, weil niemand zum Feste kommt, alle ihre Tore sind verödet, ihre Priester seufzen, ihre Jungfrauen wimmern, und sie — ihr ist so ivehe ..." Zeitlos ist diese Klage, weil es gleick-gültig ist, ov Babel der Unterdrücker, ob Rom der Zerstörer. Der Schmerz um x das Leiden Israels klingt daraus, das ja selber fast zeitlos erscheint, da immer seit jen-n altcu Tagen ein neuer Feind erstanden ist, ein neuer Länger die Hand erhoben hat. Und es ist zugleich die »ftohd um das zerstörte Heiligtuni. Einst, so hatte prophetischer Mund in der Porzeil verkündet, würden zu diesem Heiligtuni hinströmen alle Völker, und sie würden sich bekennen zum Gotte Jakobs, daß sie seine Wege lernten, in seinen Pfaden »nandelten. Das daniederliegcnde Heiligtum ist wie ein Shmbol des Taniederliegens dieser Hoffnung, dast alle Mensckien Gott erkennen, dab Friede und Eintracht auf Erden »veilen werden. Mit diesem Tempel der ein Heiligtum für alle Völker sein sollte, sank Israels Hoffnung und Stolz danieder. Wie viele Jahrhunderte lang hatte inan sich bemüht, ihn auch äusierlich, seiner hohen Bedeutung entsprechend, schön und herrlich zu gestalten. Welcher Stolz spricht doch aus den Worten des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus, der den Krieg seines Volkes für römische Leser beschrieben hat: „Der äußere Anblick des Tempels bot alles dar, n»as Auge und Herz entzücken konnte. Aut allen Seiten mit schlveren goldenen Platten bekleidet, schim- - werte er bei Sonnenaufgang in hellstem Feirerglanz und blendete das Auge gleich den Strahlen des Tagesgestirns. Fremden, die nach Jerusalem pilgerten, erschien er von fern . wie ein schneebedeckter Hügel: denn Ivo er nicht vergoldet | »Dar, leuchtete er in blendender Weiße. Seine Spitze starrte von scharfen goldenen Spießen ..." Versunken ist der Tempöl. die Herrlichkeit Israels. Trauernd gedenkt Israel in den Wochen vom 17. Taiirus bis zum 9. Aw einstiger Größe, beklagt das Schicksal der Menschen, die für ihr Volk und ihre Religion Tod und Lualen Die Lefehall« von 11 bis 12'/, ist in der Aeit vom 17. Ihr mittags rtnd Mittwo 'Mai bis 3. Oktober dieses Jahres Sonntags Hs von 7 bis 9 Uhr abends geöffnet. .i