Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 12 (28.4.1926)
- Date
- 1926-04-28
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 12 erieiiideblatt der Israelitischen Religionsgemeiiide Dresden tätiger oder milder Zweck nujt verbunden ist. Seitens der Verwaltung >er Israelitischen Religionsgemeinde Seite 5 ist alles geschehen.um die Ate hte der (Gemeinde selbst, ihrer Wohltätigkeitsvereine, Stiftungen i sw. an der Aufwertung, am Altbcsitz und an der Wohlfahrtsmit Kulturrente zu wahren. Von der gleichen Stelle in ihrer Eige ifchaft als Geschäftsstelle des Lach, fischen israelitischen Gemeinde Verbandes werden im Einvernehmen mit der Zentralwohlfahrtsstell: der Deutschen Juden in Berlin die andern sächsischen Gemeinden fortlaufend über die Aufwerlungsfragen unterrichtet.! Fräulein Klein berichtet ül er die im Entwurf vorliegende Ausführungsverordnung zum sächifchen Wohlfahrtspflegegesctz, die am l. April 1926 in Kraft tritt, und führt ungefähr folgendes aus: Die AuSführungsbcstimmulige« beschäftigen sich mit der Für« sorge aller Gruppen von Hilfsbedürftigen: Fürsorgepflicht und Arbeitspflicht, Schub der Pflegekinder, Mitwirkung im Vormundschaftswcsen, bei Schubaufsicht und bei der Fürsorgeerziehung, bei der Beaufsichtigung der Arbeit von Kindern und Jugendlichen, bei dem Mutterschutz vor -nnd na 1> der Geburt, sowie der Wohlfahrt der Säuglinge, Kleinkinder, der schulpflichtigen und nachschulpflichtigcn Jugend, der (Gefährdete ifürsorge, der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und der T> berkulose, der Wohnnngspflege usw. Fräulein Klein beivies durch I ie Schilderung verschiedener Eiilzel» fälle, datz die jüdische Wohlfah tspflegc groftes Interesse daran hat, , snstcmatisch zu arbeiten, däini sic' sich wie die übrige freie Wohl, - fahnspflege gleichwertig neben der amtlichen behaupten kann. Ein «.-Fortschritt in der Zusammena:l>eit der einzelnen Vereine mit der Wohlfahrtöstellc seit der Sib» >g im Juli 1925 hat sich unbedingt ergeben. Einzelne Vereiste si tzen sich in jedem Falle vor ihrem Eingreifen mit der Wohlfahitsstelle telephonisch, persönlich oder „ schriftlich in Verbindung. Ti! Praxis hat ergeben, dag dadurch festgestellt werden konnte, wei wirklich bedürftig und in Notlage ist und wer es nur darauf anb gt, sich aus Arbeitsscheu abwechselnd an alle in Frage kommenden Stellen um Unterstützung zu wenocu. Bei der Wirtschaftsfürsorge im! > bei der Tubcrknlosenfürsorge ergab sich eine ausgezeichnete Zufaiumciiarbeit insofern, als Fälle, die einzelne Organisationen finanziell unvcrhältniSmätzig hoch belasten mutzten, gemeinsam unterstützt wurden und dadurch durchgreifender geholfen werden konnte. Bei der Erziehungsfürsorge stellte sich merkwürdigerweise heraus, dal; die wenigsten Fälle von jüdischer scite gemeldet wurden, datz die Meldungen vielmehr voni städtischen Jugendamt, von den Schulpflee erinnen usw. erstattet wurden. Ein . mangelndes Interesse unserer Gcmeindemitglieder zeigte sich bei de», Kursus über StOafentlgffei lenfütKirge, der von uns gemeinsam mit den anderen Spitzenorgani ationcn der Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege Sachsei abgchalten wurde. Von besonderer Wichtigkeit ist, datz weiteste Kre sc sich mit den Fragen der Wanderfürsorge beschäftigen. Es hat s ch ergeben, das; bei den Wanderern, die von. Ort zu Ort ziehen — teils einem bestimmten Ziel entgegen, teils aber nur aus Wenderlust und Arbeitsscheu —, zwei Gruppen unterschieden werden müssen: 1. solche, denen man auS ihrer Notlage heraushclfen kann durch Verschickung an ihr Reiseziel oder durch Beschaffung von Art eit, und 2. solche, die sich die Leichtgläubigkeit und Gutmütigkeit zunutze machen und durch schwindelhafte Angaben Gelder zufamm »schnorre». ES sind in letzter Zeit von der Wohlfahrtsstelle verschiedene Wanderer erfasst worden, die unter falschem Rainen mit falsck cn Papieren reisten, nnd auch solche, die gar nicht der jüdischen Re igion angehörten, eS aber geschickt verstanden, durch privates Vorst rechen bei den Gemcindemitgliedrrn deren Mitleid zu erwecken. E, ist dringend nötig, datz, wenn ein solcher Wanderer sich bei Priv «tpersonen meldet, i» jedem Falle, bevor etwas gegeben wird, bei der Wohlfahrtöstellc. (14 051) tele, phonisch Auskunft erbeten wird. Die WohlfahrtSjtelle verfügt durch die regelmätzigen Meldungen > ller jüdischen ltzemeinden Deutsch-' landö an-die Hauptstcllc Berlin und wieder durch deren Mcldeliften über ein umfangreiches Name iregister, aus dem zu ersehe» ist, ob der Betreffende bedürftig i t oder sich das Herumreisen zum Beruf macht. Es ist wohlbekannt, dast die nieisten einem Bittsteller lieber eine kleine Unterstützung geben, um ihn schnell loszuwerdcn, gls datz sie sich die.Mühe mache« , ein Telephongespxäch anzumelden. Es mutz sich aber jeder darüber klar sein,- datz eck nicht das gute Herz ist, das dann spricht, sond, rn datz es nur der Standpunkt der Bequemlichkeit ist, womit dem Hilfsbedürftigen in keinem Falle sinnvoll geholfen wird. Es werden noch verschiedene Anregungen Über Erholnnzsfürsorgc, ärztliche Behandlung usw. gegeben. Jeder Verein erhält ein Exe «iplar der erste» Nummer der Zsitschrift der jüdischen Wohlfahrt «pflege, Zedakah, in der wertvalle Artikel über jüdische Wohlfghrt «pflege enthalten sind. Ferner bekommt jeder eine Anzahl von Meldebogen an die Wohlfahrtöstellc, die ein reibungsloses und schnell:s Zusannnenarbciten gewährleisten sollen. Der Vorsitzende eröffnet hie rauf die Aussprache (Punkt 2 der Tagesordnung), Frau Elise Hirsch erklärt, da; voin Schwesternverein der Fraternitasloge U. Q. B. B. Dame« bereit sind, Schuhauffichten > nd Vormundschaften zu übernehmen. » iäikü Herr Mar Le sie r regt an, das; im Gemeindeblatt in ähnlicher Art, «nie der Vortrag gehalten ivar, von Zeit zu Zeit Veröffentlichungen üb»r die Arbeit der WohlfahrtSjtelle gemacht iverden. Herr Professor Tr. Winter erklärt sich bereit, geeignete Persönlichkeitc» zur lleberuahme von Vormundschaften oder schutzanfsichtcn von Fall zu Fall auf Anforderung der Woblfahrtöstelle herauzuziehcn. Zur Frage delc Wanderfürsorge äustern sich die Herren Professor Tr. Winter, Vogel nnd Pelz. Herr Pelz teilt mit, das; zu ihm öfters Wanderer kommen mit Empfehlungöschrciben. Herr Professor Dr. Winter hat des öfteren verschiedene Empfehlungsschreiben geprüft und gefunden, das; es sich brtbci fast ausscklicsstich um. Fälschungen gebandelt bat. Alle, die sich z«i der Frage der Wanderer äustern, einigen sich darin, das; stets bei der Wohlfahrtöstellc nach der Persönlichkeit des Bittstellers nachgefrägt werden soll. Die Versammlung gewinnt im Laufe der Verhandlung die Weber« Zeugung, das; die Fürsorge für die Wanderer durch die Wohlfahrtsstelle in sachgeinäj;er Art behandelt wird und das; nur in Zusammenarbeit nnt dieser die «virklich Bedürfligeg von den Schnorrern nnd Schtvindlern unterschiede» «verden können. Bei der 'Aussprache über die Schaffung eines Kinderheims stellt Herr D. Pelz den Antrag, das; in kleinerem Kreise über WohnungS-, Personal-- und Geldbeschaffung gesprochen werden soll. 'Bis dahin werde» schon diesbezügliche Verhandlungen in Gang gekommen fein, über die zu berichten sein «vird. Auf Grund der praktischen Fälle, die von Fräulein Klein geschildert wnrden, herrscht allgemein die feste lleberzcugung, datz ein besonderes Heim für die jüdischen Kinder in Dresden erforderlich ist. _ Auf Grund der Ausführungen im Referat Fräulein Kleins über Strafentlasseucnfürsorge fetzt Herr Professor Dr. Winter die Anwesenden davon' in .Kenntnis, das; die Strafgefangenen von ihm regelmässig besucht werden, itnd das; er auch in solchen Fällen, die ihm aussichtsreich erscheinen, sich um Arbeitsbeschaffung für die Entlassenen bemüht. Zu Punkt 3 der Tagesordnung, A n t r ä g e , fragt Herr Architekt Lustig, ob für die Lchrstellenvermiltlung jüdischer Jugendlicher Einrichtungen bestehen. Herr Rechtsanivalt Salingcr erwidert darauf, das; an Schaffung eines Arbeitsnachweises mit Lehrftellenvermittlung in Sachsen nicht gedacht «verden könne, «vie auch bei. einer persönlichen Rücksprache, die v'or kurzem im Arbeits- und Wohlfahrtsministerium stattgefunden hat, betont worden ist. Trotzdem «verteil ab und zu'Lehrlinge, vor allen Dingen solche, die am Sonnabend nicht arbeiten, nntergebracht. In solchen Fällen hilft auch der Mendelssohn-Verein gegebenenfalls mit einem Zn schuf; für die Tauer der Lehrzeit. Fräulein Klein beantwortet in ihrem Schlußwort die verschiedenen Fragen, die in der Diskussion gestellt «vorden sind, wie z. B. die Anregung der Frau Hirsch über einen Kursus für VormundschaftSwcsen, sowie Einzelheiten über die Wandersürsorge. Sie bemerkt, das; sie besonders betonen möchte, das; sich nicht etiva die Meinung herausbilden solle, dag nun alle Dnrchwanderer Schwindler feien. Es sind dabei oft entwurzelte Menschen, für die man sich «nix. ganzer Kraft cinfttzen mutz, um ihnen zu helfen, Lebcnsinut zu fassen und eine neue Existenz zu beginnen. Die Vereine werden zuletzt nock« darauf aufmerksam gemacht, das; eS zweckdienlich wäre, «venn jeder ^cin-n ganz kurzgefahten Bericht über seine Tätigkeit im vergangenen Jahre, aus den« die Suinme der Unterstützungen, die Anzahl > der Unterstützten— und der Grund des Eingreifens zu ersehen ist, an die Wohlfahrts- - stelle senden «vürden. Rechtsanivalt Paul Salingcr. Entwickeln Kopieren Vergröfiern *mf 36112 Photohaus Goffßrjß Stephanienstr. 29 ».,»2,..- Daa fOhrende Haue dar Johannstndt Aufnahmen Jadar Art In bastar Ausführung I PaObllder schnellstens SHmtllcKia Badarfaartlkal In PHOTO - KINO - OPTIK Verl. Sie kostenlos uos. Preisliste Leset d.BI. erh. Vorzugspreise! Heimn. Gesellschafts-Aufnahmen SOfarl auf. telephonischen Anruf KOHLEN Brennstof Inh.i Slegfrli Tal.S S1S47 . Vertrieb Plonkowskl la 1S o Tal.s :