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Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden · 1926-04-28 · 12 (28.4.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
Volume
1 (1925-1926)
Issue
12 (28.4.1926)
Date
1926-04-28
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Nr. 1-2 Ge»>eint»eblat 1 der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden zur Ursache alles Leins gelangen, und nie können mir das letzte;{iel denkend erfasse», zu dem alles (Geschehen weiter schreitet. Das lilanze könncit wir nicht begreifen, die Gesamtbeit des Geschehens können wir nicht erklären, die Wahrheit bleibt unserem Verstände verschlossen. Lästernd sprach einst ein Gelehrter, er habe das Weltall mit Lupe und Fernrohr durchforscht, nirgends habe er Gott finden können. Wieviel Tausende von Menschen sprechen äbnlich. Rein, du närrischer Weiser, du gelehrter Tor, mit der Lupe in der Hand wirst du Gott nicht finden, ein Vergrößerungsglas wird dein Auge nicht lebender machen. Du weißt ja nichts über dich selber, du kennst noch nicht eininal die Schranken, die deinem Denken gezogen und. Vermagst du, der, du das All durchforscht hast, das kleinste zu.erklären? Ta wächst auf eiilem Graslialni eine Blüte, dicht daneben ein anderer Halm trägt eine Blüte von anderer Form, von anderer Farbe, anderein Duft. Tu sagst, im Samenkorn ist eben die andere Form im Keime vorhanden. Ist das die Erklärung? Lder ist das nicht'erst das Rätsel? Aber steh, du Meister des Denkens, in dem Leben dieser Blume sebe ich das Walten jener Urkraft, die überall im weiten Weltenraum Leben schafft und erhält. In der Pracht der Blüten, im Rauschen der Bäume, im sprudelnden Quell, in der sättigenden .straft der Früchte, überall sehe ich das Walten Gottes. Mtt der Lupe finde auch ich ihn nicht, der denkende rmd forschende Verstand findet nur Ursachen und Gründe, siebt nicht den Grund. Die Ueberlieferlmg weiß von der Lffenbarung am Sinai noch folgendes zu berichten: Die Worte Gottes wurden nicht nur von Israel gehört, sondern gleichzeitig erklang die Stimme in allen siebzig Sprachen der Welt und drang von einem Ende der Erde bis zuin andern. In allen Sprachen spricht l»)ott zu uns. Denn auch der gereiste Mann hörte die Worte anders als der strebende Jüngling, anders die Frau als die Jungfrau. JedenQ Menschen offenbart sich Gott in anderer Weise. Im Lächeln ihres Kindes erlebt die Mutter Gottes 'Liebe, im keimenden Saatkorn siebt der Landmann (Lottes Bialteu. der schneebedeckte Gipfel des Berges läßt den Wanderer -erschauern vor der Allmacht des Ewigen, das wogende Meer läßt den Seefahrer das Knie zur -Andacht beugen. In neuester Feit wird in wissenschaftlichen Schriften, die sich mit dem Problem der menschlichen Erkenntnis de. fchäftigen. bäuiig auf das Erlehnis als Quelle unserer Erkenntnis bingewiesen. Die Wahrheit könne nickt erdacht, sondern nur erlebt werden. Mit innerer Gewißheit könne die Wahrbeit von den Dingen des Lebens nur durch das Erleben ersaßt werden. Diese Einsicht ist nicht neu. Spinoza, nenitt diese Erkenntnis, bei der die Wahrheit, weil sie eben die Wahrheit ist, sich selber offenbart, die schauende Erkenntnis. Der'Menschengeist, der die Wahrheit einmal erschaut hat, ist von ibrer Wahrheit überzeugt, er kann nicht mehr anders denken. Mit selbstverständlicher Notwendigkeit wird sie als wahr empfunden. * Solche ickauende Erkenntnis war die Erkenntnis der X israelitischen Propheten. Das Buch der Reden des Propheten Jeiaija beginnt mit oer lleberschrift „Gesicht (Schau) des Jesaija".' Er liat geschaut, seine Schau war sein Erlebnis, das ihn: Willen und Gewißheit gab. Und der'Inhalt: „Ich sah den Ewigen". Er fragt nicht nach Gründen, er braucht keinen Beweis-. So überwältigend sein Erlebnis, so gewiß ist ihm der Grund. Erlebnis und Grund sind eines: Gott So haben die Propheten alle Gott geschaut. Hinter seinen Rindern her geht Ainos, der Hirte aus Tekoab. Das Volk feiert ein Fest. Er, der Hirte aber, der die Schafe hütet, geht allein; er rst ein einsamer Träumer. Ta hört er die Stimme Gottes sprechen: Geb, rede zu meinem Volke, zu den Kindern Israels. Und da tritt er unter das Volk mit flammender Rede, redet, wie er es verkommen hat aus dem Munde Gottes. Er' muß sprechen, iveil er die Wahrheit vernommen hat. weil es keine - größere Gewißheit für ihn gibt. So haben alle die gotterfüllten Männer gesprochen, nicht nach weisem Plan und wohlerwogener Absicht. Sie sprachen, weil sie die Wahrheit erlöbt hatten, weil sie von ihr erfüllt waren, weil Gott sich ihnen offenbart hatte. Und so-hat Israel Gottes Stimme vernommen. Nicht kluge Berechnung hat ihm seinen Weg vorgezeichnet durch die Welt. Tie Klugheit, der denkende Verstand hätte wohl oftmals andere Wege empfohlen. Aber über die Klugheit siegt allemal das Wissen, das unmittelbar, ohne Begründung selbstgewiß in uns lebt. In solchem Wissen erleben wir die Wahrheit, erleben wir Gott. Damals, in der Stunde am Sinai, hat Israel zum ersten Male den Sinn feines Lebens erfahren. Willig hat sich Israel seiner Aufgabe hingeben. Es hat erlebt, daß diese Aufgabe die Wahrheit seines Daseins ist. Nur wem das Leben Erlebnis ist, nur der r»ermag es zu begreifen, nur lvem Gott >ich offenbart, nur der vermag an ihn zu glauben. Das Judentum läßt sich nicht beweisen: aber es ist, und es lebt. Im Lebendigen jedoch gibt es nicht Gründe und Folgen. Ta gibt es nur Erleben dessen, was ist. Indem wir unser Judentum erleben als die Wahrheit unseres Seins, offenbart sich uns der Sinn der Welt, haben wir die Gewißbeit unseres Gottes. Wir fragen nach dem Sin») de8 Judentums, fordern Beweise für die Wahrheit seiner Lehren. So aber lautet die Anstvort: Nicht ein Erdachtes ist das Judentum, das sich beweisen läßt. Nicht ein Vergängliches ist es. das Ursache bat und Wirkung. Ewig ist das Judentum, wie die Wahrheit ewig ist, seiner selbst gewjß, wie die Wahrheit gewiß ist. Denn das Judentum ist Leben, gefühltes, geschautes; es ist Offenbarung. Ein Synagogenkonzert zugunsten erholungsbedürftiger Linder soll' auf, Beschluß des Vorstands und Gemeinderats am Sonntag, dem 16. Mai d. I., vormittags 11^ Uhr, veranstaltet lverden. Ueber 100 erholungsbedürftigen Kindern sollen die Mittel zur Kräftigung ihrer Gesundheit beschafft lverden. Vorstand und Gemeinderat hoffen, daß dgs geplante Konzert,, zu dem namhafte Dresdner Künstler ihre Mitlvirkung zugesagt haben, den guten Zweck reichlich fördern wird. Es sollen seltener gehörte klassische Synagogenmelodien zuin Vortrag kommen. Als Solisten haben sich Kammersängerin Elisa S t ü n z n e r, Tr. Waldemar Staegemann und der erste Konzertmeister der Dresdner Staatsoper, Jan Dahme n, in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt. Es sind ferner Vorträge der Kantoren und des Svnagogenchores vorgesehen. Orgelsolist und Begleiter ist Mar B i r n. Das vollständige Programm wird noch bckanntgegeben. Der Besuch des Konzertes soll das Interesse der Gemeindemitgliedcr für die Pflege unserer Shnagogenm>rsik wie den ostbewährten Wohltätigkeitssinn aufs neue erweisen. Vorstand und Gemeinderat-hoffen, sich nicht vergebens an das jüdische -Herz zu wenden. (Wir verweisen auf die Ankündigung auf der Titelseite dieses Blattes.) X ihbUmffiejßkauer « 8tral*ab*knllal* 20 — AatobmhaltMtaB« Kuwiiriiwplita ♦ — . BEI PREISABBAU TAQESPREISE L Die Lesehalle ist in der Zeit vom 17. Mai bis 3. Oktober dieses Jahres Sonntags von 11 bis 12V, Uhr mittags und Mittwochs von 7 bis 9 Uhr abends geöffnet.

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