Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 11 (28.3.1926)
- Date
- 1926-03-28
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Gemein deblatt der Israelitischen Rel-igionsgemeinde Dresden Nr. 1 l lehr.cn jener Feil, dieser bochile und geiczchletste sland iin jüdi'chcii ^elke. teileselbst Sandeverker waren, oder durch ihre Sprüche und -se-r:ieiizei, dem Handwerk eine hohe Würdiguni, zollten. «Tic Gcschichtc des^ Handwerks in eng verknüpft mit der Geschichte der ^uden.' .stobbc., Dies dürfte auch für Deutschland insbesondere .-.urretsenL sei», von 'der Feit, als die o»den nach Deutschlaird ge? komnien sind, bis jetzt. Wlcvs sic aber als harrdlvcrkcr im deutschen Lande geleistet babcn, tifr_ — abgesehen von der neuesten Fei: - wenig, bekannt, und so sielen gegenteilige Behatlptnngc», ivelche teils aus Unwissenheit, teils ans Bosheit, besonders in Dentichloud. gegen die?ndcn erhoben wurden, das; sic ans Scheu vor köri-erlicher Arbeit und 'Anstrengung den Beruf eines handwerks nrcht ergreifen, bei den anlisemitiselicn »reisen und sogar oftinals bei den eigenen Glaubensgenossen aus fruchtbaren Boden. Wer aber sie Geschichte der siu.den in ihrem Geistes- und Enr>crbslebcn kennt, wird zugebcn, das; sie überall d>z, -ivo ihnen volle Freiheit als gleichberechtigte Bürger des Staates ge.vädrt worden in. Gleichwertiges und teilweise hervorragendes airs dem Gebiet-' des Handwerks geleistet haben. iäs ist cüifach nicht >vabr, das; der jüdische Handwerker seinem chriirli.kx'n .Kollegen nicht ebenbürtig ist. sin allen Großstädtensindcn ivir jüdische Handwerksmeister aller Gelvcrl>c. ivelche an- Fmelligeiiz und r.nalitalsarl>cii keinem ihrer christlichen »ollegen nachitehen. ' - .heute werten sie von ihren Berufskollege» in die sinn'.utgen aufgcncmmcn gind, u'enn sie keine Sbmntztonknrrcnten sind, mit Wolilnvllen n»d »ollegialität angesehen. Glicht selten, das; iie in Sen. Fcnchveibänden tfhrcnämtcr bekleiden. So. verhältnismäßig leicht es iln,cii ibre Berufskollege» 'machen,- so schirr finde nsi: oft Verständnis n«d tvirrkchaitliche'Hilfe bei ihre» Glmtbensgenosseii. Glauben doch, viele, vom sirrlnm befaiigen. dem Anrisemilismus die Wege;n ebne», wen» sie dem jüdischen .handtverker Arbeit geben Unsre chriitlich-en Mitbürger, sind vielmehr erstaunt, daß das io oii und viclqcrükmte, Solidaritätsgcfübl der Fndcn bi.'r .kläglich Schifsbrnch, leidet. Mommt cs doch oft vor, daß ein jüdischer handwercher, der jahrelang;nr Fnsriedenhcit seines Anstraggebers dic ihm übertragenen 'dlrbeiten ausgeführt bat, bei Vergebung gröi;erer Arbeiten übertrugen ivird. Fit das der richtige Weg. nm den jüdisch,:,, handtverksmeincr zu einem selbständigen, freien Meii'ckeinzu ei ziehen, muß er nichit mit Beschämung erkennen, daß man ihn: irobl mit schönen Worten, aber nickt mit Arbeit die Wege ebnerd Muß es de-, indischen handtverker nicht vielmehr mit hrb-ilringg erfüllen, daß mtwi dem chriitlichein »ollegen teilioeise orl größeres Vertrauen enlgcgcnbringbd Darum solltik erläbreii sacke eines jüdisch»«!« Bauherrn sein, das; er deit jüdischen Hand werksmeislep bei Vergebung von Arbeiten mehr berücksichtigt. Ter jüdische Handwerker verlangt keine Ausnahmestellung, aber volle Gle'chberechtigung. Aus. dem letzten Verbaiidstage der jüdisch.'» vxiud-u'rrter Deutschlmids in. Frankfurt a. lvt. hat seinerzeit der Vertreter des büV. den jüdische» handtverksmciiter den Front ioidaie» des Friedens genannt. Dar Frontsoldat, der gewohnt ist. dort zu sieden, N>o der »aurps am sckuvcntcn lobt, tan» aber nur daun I-on Gegner gegcnüMr standhalten, wenn er mit der nöti.ze» Munilio» versehen ivird. Diojc Munition beitcbt bei dem jüdisch?» he.ndtvcrker mis Auftragserteilungen. Sie wolle» liidtt ans Mitleid mit Aufträgen bedacht iverden, sondern sic uwllen llnleritnvt.ug durch, Arbeit, lveil sie ein Recht darauf habe». ' Uitd wenn -w>r heute einen festgefiigten, iitn:r ganz Deutschlai:eorganisierten jüdische» haielaverkerstand habe», so ist die F»- saminensassnng dieser »rüste nicht nur Selchstztveck. Tie jüdisckie Allgcme'iilicik muß das größte Filtere»'»'« dciran halvii, eine Schicht zu Veit große», uns alle interessierenden Anfggt>cn mir heran;»,ziehen, deren Lösung nur unter Teilnahme aller »reise überhaupt möglick sein kann. Wenn der ben:e gewiß dringend »onvendigeii Berussumsch-ichluitg das Wort geredet ivird, so sind bei der Mitarbeit dieser Ausgaben die gewerblichen Miilclstandskreisc ülerbaupt nicht z» e»lbekrc». wenn diese große FukunstSfrage sich nicht aus dein theoretifcheu Gleise tollausen soll. Wenn jüdische: »räfte mehr als bisher der produktiven Tätigkeit zugefnhrt iverden fellcn, so ist auch bieie Ausgabe ohne die Heranziehung der aus 'dem prakN'ch.n Lehen schöpfenden »rüste nickt zu lösen. ' »' Die jüdische» handtverker sind seil einiger Feit in Vereinen zn- >an!me>',-escklosse». Der Berliner Verein zäkll annähernd IKK’ Mitglieder', er hat durch seine unermüdliche Tätigkeit insoscr» eine Fernwirknnq erzielt, als daß sich im Lause -der Fahre in all'».' »«roßen und Mittelstädten Brnoervereine gegründet haben, die ii'nerbalb ihrer Gemeinden frisckpnlsiercndes jiidjschcs Leben ent folteir. Bisher Ä» Ortsgruppen arbeite» mit dem Berliner Verein I am gleichen Fiele, darunter auch die Dresdner, die seit einige»' Monaten wieder »cn gefügt ist und dan<?rnd a» Boden geivinnt. Architekt BDA. L/op. Lustig, Vorsitzender des Dresdner h>tndivcrkervcrc-ns. Das maü§ehende Modehaus in Dresden Große Spezial-Abteilungen Damen-, Backfisch- und Kinder-Bekleidung Niedrigste Preisgestaltung für erstklassige Qualitätswaren