Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 10 (28.2.1926)
- Date
- 1926-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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memtvblatl der Israelitifühen Religionsgemeinde Dresden «NiWWWWiWMiWWiiiiiiiiiilWl!mK3> Amtliches Organ des Gemeindevorftandes <£xiiiHimii!iiiiiiiftiuiM!tiiiimiiiRiiimitumiiiiiiiiiii<s> Verankkoortl 6«f»rifHti(unfl: Bliro-ircktor L.Ploemackn. DrcSdca - Verlag: Israclitiscbr Religionsgemcinbr-Dresörn > Druck: Kaden DEomp.. Dre^den-A. 1926 Dresden, den 28. Februar Rümmer 10 Der alte Dresdner Iudenfriedhof Eine heimatkundliche Studie Bo» Ijbflrtt H nhne >vaId, Trcodcn , Ter alle Dresdner Judcnsricdhof an der Pu/s» nitzcr Strotze ivird im „Jahrbuch Lachsen I 02 6", das in der Helin gschen B « rlcigS - a n st a l t, Leipzig, erschienen ist, von, Edgar Hahne Wald, dem bekemiutcn .Dresdner S-chrrft. steller, mit viel! Sachkenntnis, auf einer Fülle histo rischen Materials ausbauend, geschildert. Ter Ber faffer gibt in seiner bildhaften, gepflegten Spr,nl-e damit zugleich eine interessante Uesersick-t über die Entwicklung unsrer Gemeinde in Dresden. Schöne Abbildungen cus diesem nun fast 60 Jahre geschlossenen Betd Chajim, in dem über 100 Jahre Iriiin die Juden der Stadt zur letzten Ruhe gebettet wurde» und der nun rin wohlgepflegtes Idyll im geräuscl. vollen Grotzsta!41reiben geworden ist, sind der Studie beigegeben. Mit Genehmigung des Berlages können toir diese interessante Studie unser» Lesern bieten und machen sie o»rf das reichhaltige Buch aufmerksam, daS vom ehenaligen Bürgermeister und jetzigen Minister Dr. :fülz herauSgegcben, ein Bild drr geistigen, loirts haftlichen und politischen .Haltung der sächsischen Hcin at gibt. ES sst fiir den mätzigen Preis von 3,50 M dprch alle Buchhandlungen zu beziehen. Diö Redaktion. Hinter der Martin-L Winkel der stillen Dresdich Der Verkehr geht auf dep düng vorbei. Zelten ei Abgeschiedenheit. Hinter schen Teil der Straße z ihr feingegliedectes Gezltz zackigen Blätter des Ahosr dahinter ruhende grüne Hinter dieser Mauer dem lange Zeit die Straß „Heideweg"' angelegt, hie; lang die „Judcnqasse", bis Hausbesitzer nachgab und Begründung umtauste, Straße nach einer Religi Seit fünfundzwanzig Selten wohl holt noch e Ruhenden den Schlüssel einem Grabe zu beten. Laub über dein Gartenfr t ther-. . Kirche liegt einer der stillsten r Neustadt: die Pulsnitzer Straße. Bautzner Straße an ihrer Mün i^nal raffelt ein Wagen durch die der Kirche, in den fast kleinstädti irückgezogen, breiten hohe Lindeil über eine Mauer und die Der alte Judenfriedho; gefchichte. Es ist fesseln! der ausgefransten Akter studieren, die die Jiidif Schränken aufbewahrt. Am Anfang dieser F 1750. Die Geschichte der voraus. Juden baden gelebt. In einer der wird der mit der Mark schuldigt, christliche Krieg! zu haben. Im Jahre 1 eine Jndenordnung, und auh älte i M eig ns beschatten das Tor, das die Welt den Blicken entzieht, liegt der alte Judenfricdhof, nach e benannt war. Ursprünglich als sie dann über ein Jahrhundert 1861 der Rat dem Drängen der die Straße mit der vorsichtigen daß es unangemessen sei, eine ihnsgemeinschaft zu benennen". Jahren liegt der Friedhof still, ner aus dem Geschlecht der dort leim benachbarten Bäcker, um an Ingestört schließen die Bäume ihr eben der Toten. ist ein Denkmal jüdischer Lokalin den alten Schnörkelschristen mit den roten Lacksiegeln zu he Religionsgemeinde in .ihren ji iedhofsakten steht die Jahreszahl Juden in Dresden geht lange 1 in Sachsen schon in früher Zeit .en sächsischen Urkunden von 1010 Jeifjen belehnte Gras Gunzelin be- Hgefangene an die Juden verkauft 65 erließ Heinrich der Erlauchte in Dresden gab es schon damals eine jüdisclic Genicinde, au deren Synagoge der Jüdenyof am Ncnmarkt erinnert. Noch bis ins sechzehnte Jahrhundert hießen die Tchössergassc und Galeriestraßo, in denen allein die Juden his zu ihrer Vertreibung lvohnen durften, die große und kleine Judcngasse, welcher Name dann später auf die heutige Pulsnitzer Straße übertragen wurde. Und auch der erst 1 RH) zugeschüttete Jüdenteich an her Stelle des jetzigen Georgplatzes erinnerte an die alte Judengemeinde. Tie Judenverfolgungen im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert rotteten diese Gemeinde gänzlich aus. Ein' alte Dresdner Ebronik berichtet ans deni Jahre 1.349 lako nisch: „In den XT,TX Jare worden die Inden gebraut r.z» Vasnacht." Nach der dritten und ärgsten Verfolgung im Jahre 11.30, die auf ausdrücklich verbrieftes Geheiß Friedrichs des Sanftmütigen vor sich ging, waren die Juden ans Dresden verschwunden. Doch zog die Leipziger Messe immer wieder vereinzelte jüdische Händler auch nach Dresden. Im Jahre 1701 lebten jedoch nur drei Juden in der Stadt. Trotzdem klagten 1705 die hiesigen Händler und Krämer in einer an den Kurfürsten gerichteten Beschwerdeschriil darüber, daß Juden nicht nnr auf den Gassen herumliefe» und ihren Handel ohne Scheu trieben, sondern sich auch unterstünden, „ordentliche Logiamcnter gegen Entrichtung 'ährlicheN Zinses zu micthen, ja garGewölbe und Niederlagen einzurichten und mit Waren und Jubelen z» handeln, als ob sie ang'sessene Bürger wären". August der Starke ging.auf diese Klagen nicht nur nicht ein, sondern forderte vom Rat ein Gutachten über die von seinem jüdischen „Residenten" Berend Lehmann für Dresden und Leipzig erbetene Genehmigung zur Niederlassung. Dieser Jude hatte dem Kurfürsten die Gelder zur Krönung in Warschau und später, als der schwedische König Karl XII. in Sachsen einfiel, auch die nötige Anleihe beschafft. „In Erwägung" der, von Berend Lehmann geleisteten Dienste stellte August der Starke ihm 1707 einen Schutzbrief a^is, der seinem Sohne, dem Hofsaktor Lehmann Berend. und seinem Schwager, dem Generalproveditor Jonas Meyer die dauernde Niederlassung als „Schntzjnden" in Dresden ermöglichte. Ter gutbezahlte königlich-kurfürstliche Schutz bewahrte allerdings diese ,.Hofjuden", wie sie genannt wurden.^nicht vor .Drangsalierungen durch Rat, Kaufmannschaft und Innungen. Als Jonas Meyers Tochter starb, durfte die nicht in Dresden begraben werden. Ter Vater mußte die Leiche nach Teplitz schaffen lassen. Als um dieselbe Zeit ein iüdischcs Kind geboren wurde, wollte deswegen der Ttadtrat die Hebamme und den Hauswirt in Geldstrafe nehmen. Die Klage, die der Hofjude Lebmann daraufhin beim Kurfürsten erhob, veranlaßte diesen zum Erlaß des Reskriptes" von 1715. in dem der Fürst an den Rat das „gnädigste Begehren" richtet, „nicht allein zu den Begräbnissen derer Juden, welche allhicr versterben, entweder vorgeschlagener maßen in Lehmanns Garten oder an einem anderen Orte, welcher nicht infam ist, einen Platz aussnchen zu lassen, sondern auch vertasten, daß die Kindermlltter denen jüdischen Weibern, wenn ie in der Geburt arbeiten, ungehindert beispringen mögen". Ein kurz zuvor erlassenes Reskript ordnete aber an, daß außer dem Residenten Lehmann undchem Hofjudcn Meyer mit ihren