Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- 9 (29.1.1926)
- Date
- 1926-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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8e«ei«seblatt der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden <sm b> Amtliche- Organ deS SemeirrdevorstondeS <&m «nm6> ‘ßnanteortt Schristleitcu»-: Büronktor L. Ploemacdrr. Qxtibtn - Bkrlag: Zfrarlitisibr Reltgloa<grmcinbc DreSdru - Druck: Kaüea D Comp.. Dresdea-A. 1926 SS7 Dresden, dm 29. Januar Vä iC i: ry Nummer 9 Ist die Frei-Ügigkeit der Juden in Deutschland bedroht? Bon Tr. Hermann B a d t, Mitglied de» Preußischen Landtag». er d jedes jede n Wir Juden sind es ja jährigen Geschichte nachgera^ braust zu werden, die „luüfc Wenn irgendeine Zeit, so Sephirahzeit mit ihren schm folgungen und Bedrückungen geeignet, uns diese gangenheit ins Gedächtüi unglimpfungen und Bedrückt! erdulden haben, mag demgeg; allzu bedeutungsvoll erschein^ schen Bewegung vermag uns heißt es auch hier, rechtzeitig auf eine ernstliche Erschüt Stellung hindeuten. Dah es sich um die Ahndung, .Angriffe handelt, häufig ve worden. Heute will ich mich eines der Grundrechte d. h. das Recht, sich an Reiches aufhalten zu können, der Reichsverfassung ausdrü^k Juden in Deutschland mehr ..Vom Meer zum Land ginnen wir mit dem Land, Die Reisezeit naht. Wer in seine Erholung im deutschen das in diesem Jahre in der möglich gemacht werden, wirkliche Hochgebirge nur punkte die Alpenhütten benujtze wiederum gehören zum g ' Österreichischen Alpenverein Dezembertagung in Münche r Sektion Donauland auszus Kenner der Verhältnisse weiß als weil Donau land zuviel jil Zeitpunkt ist eine große Beispiel gefolgt und hock den keinen Juden mehr aufzunehjw schränkter Zahl bei sich zi« man hat begonnen, die Ji auszuschließen. Wer trotzig wollte, die Hütten dieser Sektfo Voraussicht nach in diesem gangmen durch die an den inalten Hakenkreuze begrüß Innern der Hütte große Sch sind hier unerwünscht!" ihn dene jüdil An jal Und Sturmi brausen um di« Wette Vom Meer zum Land, vom Land zum Meer. Und bilden vütend eine Kette Der tiefsten Wirkung rings umher. im Laufe unserer vieltausend e gewohnt, von Stürmen umeine Kette" gegen uns bilden, ist gerade die gegenwärtige;rzlichen Erinnerungen an Ver< an blutige und „stille" Pogrome zen Erfahrungen der V e r is zu rufen. Was wir an Lerngen in der Gegenwart zu nüber auf den ersten Blick nicht n. Der laute Lärm der völki *aum noch zu beunruhigen. Doch die Symptome zu beachten, die erung unserer rechtlichen die Gerichte in Fällen, in denen antisemitischer Beleidigungen und r pflicn, ist hinreichend oft erörtert nur mit der Frage befassen, ob Deutschen, die Freizügigkeit, beliebigen Ort des Deutschen ein Recht, das durch Artikel J11 lief) gewährleistet ist, für die nd mehr bedroht wird, vom Land zum M 2 e r." Beum mit dem Meere zu enden, früheren Jahren gewohnt war, Hochgebirge zu suchen, dem wird Mehrzahl der Fälle praktisch un- Jeder Hochtourist weiß, daß das n zugänglich ist, die als Stützn können. Diese Alpenhütten risßten Teil bem Deutschen und Seitdem dieser nun in seiner den Beschluß gefaßt hat, die chließen, und zwar — wie jeder auä-feinem anderen Grunde, sche Mitglieder hat, seit diesein hl deutscher Sektionen diesein Seschluß gefaßt, entweder fortan en oder Juden nur noch in be- Das heißt also praktisch, vom Besuch der Alpenhütten m den Versuch unternehmen nen aufzusuchen, der wird aller Jahre noch mehr als im ver- Hüttentüren mit Oelfarbe angewerden, oder eS werden im lder Mit der Aufschrift: „Juden zum alsbaldigen Verlassen der d ilden. Hütte zwingen. Selbst wenn sich also Fälle, die sich im vorigen Jahre ereigyeten und in denen jüdisch ausjeheckde Alpenvereinsmitglieder mißhandelt wurden, nicht wieder ereignen sollten, dürften die Judenfeinde im Alpenverein in diesem Jahre praktisch chr Ziel bereits erreicht haben: Die Freizügigkeit des Artikels,111 der Reichsverfassung ist dem deutschen Juden gegenüber, soweit das deutsche Hoä)gebirge in Frage kommt, prakttsch außer Kraft gesetzt. Wie aber, wenn er nun seine Erholung am M e e r e suchm will, am Strande der Nord- oder Ostsee. Auch hier wird — es ist nicht schwer, dies vorauszusagen — in diesem Jahre die Zahl der Orte sehr zunehmen, in denen prakttsch einem Juden der Aufenthalt unmöglich gemacht wird. Und Schuld daran haben — das sei mit allem Freimut gesagt — in diesem Falle nicht nur private Judenfeinde, die Schuld hieran trifft nicht zuletzt auch die Rechtsprechung preußischer Gerichte. Die Bestrebungen, die Seebäder judenrein zu machen, gingen bekanntlich seft vielen Jahren von der Nordscernsel Borkum aus; sie haben dann auf eine erhebliche Anzahl anderer Nord- und Ostseebäder übergegriffen. Man suchte dieses Ziel in der Praxis dadurch zu erreichen, daß der völkische Teil der Badegäste im.Anschluß an die tägliche Musik der Badekapelle jndenhetzerische Lieder sang und die Kapelle — sehr oft gegen ihren Willen — zur Begleitung dieser Lieder zwang. Am bekanntesten ist das sogenannte „Borkumlied" geworden. Aehnljche Lieder werden in anderen Bädern gelungen, z. B. im Ostseebade Zinnowitz. Aus Gründen des guten Geschmacks seien an dieser Stelle wörtliche Zitate unterlassen. We haben sich nun die- Gerichte, wie haben sich die Verwaltungsbehördech insbesondere die Organe der Polizei, diesem Treiben gegenüber verhalten? Als im Jahre 1908 die Vorgänge in Borkum erstmalig in einem deutschen Parlament, im Preußischen Hervenhause, erörtert wurden» da war es das mutige Mitglied des Herrenhauses, Oberbürgermeister Dr. S t r u ck m a n n, der mit den schärfsten Worten diese Vorgänge als einen öffentlichen Skandal brandmarkte und den Minister des Innern zu sofortigem Einschreiten aufforderte.' Er führte aus, .es handle sich hier um sttafbare Handlungen und begründete das folgendermaßen: „Eine ganze Klasse von. Menschen wird beleidigt^ Denn wenn hier angedroht wird, daß, wenn bestimntte Personen sich in Borkum sehen lasten, sie hinausgeworfen werden, wenn dies öffentlich mit Musik angedroht wird, so ist das eine grobe Beleidigung gegen die betreffende Klasse von Menschen. Und wenn auch einzelne Mitglieder dieser Klasse nicht anwesend sind, da sie, um sich keinen Unanneh.'ilichkeiten auszusetzen, gezwungen fernbleiben, so töird dadurch die Sache nicht anders: aus der Ferne wird die ganze Judenschaft beleidigte Wenn sie sich dadurch beleidigt fühlt, auf das bitterste beleidigt fühlt, so finde ich das durchaus DieLES T T Lj* ist täglich von 7— 10 Uhr abends J. u. Sonntags v. 11 — 1 Uhr vorm. geöffnet