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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-09-16 · 9 (16.9.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
9 (16.9.1938)
Date
1938-09-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 9 salsgemeinschaft ist. dieser Gemeinschaft Verbundenheit mit der Bühne. Neu hinzugekommen ist für ihn das absolute Bewußtsein, daß er ein Teil der'jüdischen Schickdaß alle Sorgen, Schwierigkeiten, Nöte unmittelbar die seinen sind. Wieviel Kämpfe. Opfer, Mut gehörten dazu, um diese Spielzeiteröffnung überhaupt zu ermöglichen! Wieviel Fragen tauchten auf, Fragen, wie sie täglich an jede Existenz unserer Gemeinschaft herantreten. Kraft zu dieser Eröffnung gibt uns das Vertrauen auf die Treue jec|es einzelnen, der Glaube an unsere Mission, daß die Bühne dem gegenseitigen Verstehen dienen kann, und das Wissen, daß Einigkeit und Verstehen Quellen sind, die neue Kraft und neue Hoffnung geben. Zu Beginn einer neuen Spielzeit pflegen Publikum und Künstler ihre Wünsche und Erwartungen offiziell bekanntzugeben. Wir jüdischen! Künstler wünschen und erwarten, uns unser Publikum zu erhalten, durch gesteigerte Leistung auch jene zu unserem Publikum zu machen, die es bis heute noch nicht sind, und nehmt« es als gutes Omen, daß beim Abschluß unserer Eröffnungsvotstellungen unsere Schicksalsgemeinschaft sich zum Neuen Jahte Tschono tauwo wünscht. Auf ein gutes Jahr! f < ,. ' * 7 X YZ. Der Kulturbund wart in vielversprechender Weise für seine Winter- ' Spielzeit mit Klabunds ISpiel zu dreien X Y Z. — Die Wahl dieses graziösen Liebeslustspiels gab der Kulturbundbühne die Möglichkeit, in heiterer und temperamentvoller Weise ihre theaterfrohe Unterhaltungskunst zu zeigen! und die Zuschauer, die noch nicht Mitglieder des Kulturbundes sind.; iri die Lust 'der spielerischen Phantasie einzuführen und ihnen dif Gabe des Vergessens einer schweren Wirklichkeit zu schenken. Klabunds Spiel zu drfeien ist ein Lustspiel, das im Grunde nicht aus der handfesten Theaterrjealität entstanden ist, die sonst Unterhaltungsstücke dieses Genres kennzeichnet,, sondern stammt aus einer eigentlich platonisch überlegenen [Einstellung dem gewöhnlichen Liebeslustspiele gegenüber und aus einfr wahrlich feinen komödiantischen Freude an dem theatralischen Aufbau. . So erfordert dieses Stück ein besonderes. Maß an schauspielerischer Einstellung und Wiedergabe, erhebt sich dadurch gleichzeitig über die Ebene des gewöhnlichen seichteren Lustspiels ins gteichnishaft Komödienhafte und gibt dem Zuschauer die Ahnung und die Gewißheit, daß dieses Werbespiel Auftakt und Versprechen ist zu der Eigentlich kulturellen Theaterarbeit des Kulturbundes, von der er in der Zeit seines Bestehens in immer wachsender Bedeutung Zeugnis abgelegt hat. — Julius K o b 1 e r lieh der Aufführung die leichte Hand des erfahrenen Theatermannes und ließ die drei Akte und die Menschen des Spiels in ihrer scherzhaften und heiteren Bedeutung spielerisch leben. — Als neues Mitglied des Ensembles stellte sich Sympathisch Ursula Perlhöfter vor. Fritz Benscher war ein schmissiger Draufgänger und Fritz Melchior wie immer ein Mann von Haltung und schauspielerischem Charakter. Kurt Schindler gab die wohlausgewogene Charge eines herrschaftlichen Domestiken. Das Bühnenbild Anny G o w a s traf erst im zweiten Akt den schwingenden [ Stil des Stückes. — Vor der Aufführung, die sich eines durchschlagenden Erfolges erfreute, trat Leo Raphaeli (Willy Hagen) vor den] (Vorhang und wies mit klugem und warmem Humor auf den Zweck] der Werbeveranstaltung hin. ' Erika Gütcrmann. *. Aus dem Institut für jüdische Filmarbeit KOL-NOA, das Institut für jüdische Filmarbeit, dessen. Gründung behördlich genehmigt istJ weist darauf hin, daß mit Rücksicht auf die Einhaltung der behördlich vorgeschriebenen Zensurwege und Vorschriften sämtliche Filmaufnahmen, die zum Zwecke der Vorführung »vor der Jüdischen Oeffei-tlichkeit in Deutschland gemacht werden, nur im Einvernehmen mit | Kol-Noa gemacht werden sollen. Jeder Filmstreifen (Normalodev j Schmalfilm), der zur Vorführung über den engeren Familienkreis {hinaus aufgenommen worden ist bzw. wiedergegeben werden soll. \<k KOL-NOA, Institut für jüdische Filmarbeit (im Reichsverbande der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland), Berlin W 15. Meinekestfaße 10. zur weiteren Veranlassung einzureichen. SÜ1BI [| * Frtt2 Melchior: Ich erzähle Märchen*) Ort der Handlunc: ein Klassenzimmer, eine Turnhalle, ein Sälchen oder ein richtiger Vortragsraum. Dann 43, 30. 300 oder mehr Jungen und Mädel im Alter von 6 bis 14 Jahren. Lehrer gehen ernst umher und wecken in einem Albträume vergangener Jugendzeiten! Die Kinder machen einen Mordskrach. Man serbst steht vorläufig i noch etwas verängstigt und lampenfiebrig in einem verborgenen Ecjtthen: Kinder sind ja so lieb, und Kinder sind ja so grausam! Schrecklich die Idee: ihnen nicht zu gefallen. Der Direktor kommt auf einen zu. man muß ein Händeandiehosennahtgefühl unterdrücken^ das Lampenfieber verbergen und schreitet zur Tat. — Da sitzen diel kleinen Raubtiere mit gezückten Krallen, bereit, einen zu zerfleischen. -Vorläufig sind sie noch voll gespannter Erwartung und hören sieh gnädig die einleitenden Worte an, die ich spreche.- Nun begmitt das Märchen. Es spielt in China. Die Hauptfiguren sind der Kaiser und sein Hofherr. Ich beginne — es ist mäuschenstill — die beiden mit schwarzer Kreide auf einen großen Bogen Papier zu zeifhinen: oben rechts in der Ecke ein' waagerechter Strich, zwei serUcrecrjti. verbunden durch eine' sich schlängelnde Linie. Ich höre auf und fräse: ..Was ist das?" A tempo ertönt es im Chor: „Eine Krone." Ich äußere meine Bewunderung über soviel Klugheit und zeichne weiter Zwei schräge Linien für die Augen: das erste Lachen steigt! Schnell einen Haken für die Nase, eine Linie für den Mund, der Umriß des Kopfes mit starken Backenknochen, rechts und links unter der Nbse zwei nach unten geschwungene Linien als Chinesenschnurrbart. Erfreutes Staunen bei den Kindern, daß da schon so schnell und so ulkig ein Chinesenkopf fertig ist. Mit der Versicherung, daß die Chinesen natürlich a u c hvOhren haben, zeichne ich sie schnell. Großer Lacher! Nun rasch mit ein paar Strichen den Körper gezeichnet. Großes beifälliges Gemurmel. — Frage von mir, was nun 'noch fehlt. ..Ein Zopf!!" schreien die kleinen Raubtiere, die nun bereits die Krallen eingezogen haben. Der Zopf wird nachgeholt und erregt viel Freude. Als ich nunmehr mit bunter Kreide den Kaiser *) Xus: Pult und Bühne. Ein Almanach. hrsg. vom Reichsverband der Jüdischen Kulturbünde in Deutschland. 1938. Joachim G o 1 d s t c i n. Jüdischer Buchverlag Berlin. 8". 112 S. und den inzwischen gezeichneten Hofherrn ..koloriere", werden bewundernde „Ah/s" laut. Die Stimmung ist gut; ich beginne zu erzählen, ganz frei von der Leber weg, nicht „nach Buch", sondern richtig Märchen. Zum Schluß zeichne ich, das ist der Clou, auf Wunsch der Kinder noch ein oder zwei ihrer Mitschüler. Stolz und verkrampft stehen die Beneideten mir Modell, die anderen geben ihre Kritik, während ich zeichne, -*aut, aber nicht immer sehr schmeichelhaft für mich, von sich. Aber das ..Mich auch! Mich auch!" am Schluß zeigt mir, daß man mit mir zufrieden war. Die Kinder betteln um die Zeichnungen, ich schenke sie ihnen gerne und hoffe, ihnen mehr Freude gemacht zu haben, als es mir seinerzeitin meiner Schule die dickbäuchigen Herren machten, die uns eine Stunde lang mit schmetternden Gedichten langweilten. Julian Lehmann: Vom jüdischen Sport in Hamburg Der Sommer ist die Zeit der Leichtathletik. Auch die jüdischen Sportvereine in Hamburg haben alle Anstrengungen aufgewandt, um in . diesem Sportzweig ihre Stellung in der gesamten jüdischen Sportbewegung zu halten und auszubauen. Das ist den jüdischen Spoitlern in Hamburg in eifrigem Training aufs beste gelungen, denn auf allen großen Sportveranstaltungen der letzten Wochen -haben sie eine vorzügliche und oft sogar ausschlaggebende Rolle gespielt. So konnten die Mitglieder des Bar Kochba bei den Juniorenmeisterschaften des Deutschen Makkabi-Kreises in Leipzig sich nicht Kveniger als neun Meisterschaften holen, deren Mehrzahl auf Annemarie H a d r a und Herbert Blank entfielen. Bei den Meisterschaften des Sportbundes Schild in K ö 1 n haben Sportlerinnen und Sportler aus Hamburg fünf Wettbewerbe gewonnen, wobei sich besonders Ruth liefmann auszeichnete. So war es selbstverständlich, daß einige jüdische Kämpfer aus Hamburg auch nach Berlin zu dem „Start [der Besten" eingeladen wurden, wo sie ihre Sache sehr gut machten und sich durch verschiedene Siege und Plätze auszeichneten. Danach war es kein Wunder, daß das große Jugendsportfest des Schild und des Bar Kochba in Hamburg selbst auch von auswärtigen Sportlern zahlreich besucht wurde und dadurch eine weit über das Lokale hinausgehende Bedeutung gewann. An dem Sportfest beteiligten sich über 400 Sportler, darunter starke Abteilungen des JBC. - B e r 1 i n , des Bar Kochba-rtakoah-B e r 1 i n , des Schild - L e i p z i g , sowie Einzelsportler aus anderen StatTOn. In musterhafter Durchführung wickelten sich Wettbewerbe aller Altersklassen ab. Bei den Herren sind vor allem zu bemerken die Erfolge von Herbert Blank- BK. Hamburg im Hoch- und Weitsprung, die Siege von R. W e r t h e n - BK. Berlin in den beiden Langstreckenläufen und der Sieg von. S c h a 11 m a n n - BK. Benin in dem 100-m- Lauf. Die Damenwettbewerbe beherrschte Ruth Liefmann - Schild Hamburg fast restlos, da sie sowohl die Sprungwie die Laufkonkurrenzen, sowie das Kugelstoßen gewann. Die Jugendwettbewerbe wurden in a len . Altersklassen durchgeführt, wobei naturgemäß die älteren Jahrgänge, 1920 21, die sportlic. wertvollsten Ergebnisse erzielten. Zu e wähnen sind die Siege von Heinz Goldstein - Schild Hamburg, der in der Zeit sogar Werthen unterbot, im Speerwerfen und im 800-m-Lauf. die Kurzstreckensiege von Krombach - JBC. Berlin. die Erfolge von S c h e i n f e 1 d - BK. Hamburg in den technischen Uebungen und der Weitsprungsieg von E h r 1 i c h - Schild Leipzig. In d;m jüngeren Jahrgang beherrschten die Berliner Liebenthal 'und David vom JBC. das Feld, doch trug ■•Rolf Grunert - BK. Hambi rg einen schönen Sieg im 800-m-Lauf davon. Von anderen Jahrgängen fiel noch R. Richheimer-BK. Hamburg durch eine besoniere Leistung im Weitsprung auf. Bei der weiblichen Jugend erwies sich Ann?lore Neuhaus- Schild Hamburg als die bei weitem beste, eine sei öne Leistung war auch hier der Weitsprung von I. Frank-BK. Himburg, die selbst die höheren Jahrgänge übertraf. Sehr abwechslungsreich und interessant verliefen vor allem die Staffeln, welche wechselnde Siege brachten, und die Langstreckenläufe ergaben schöne Kämpfe. Das zahlreiche Put hkum, unter dem sich auch unter Führung des Vorsitzenden des Vo "Standes des Jüdischen Rcligionsverbandes, Herr R.A. David, vieje maßgebende Persönlichkeiten aller Organisationen befanden, folgte den Kämpfen mit Interesse und Beifall. Den Abschluß bildete der Aufmarsch mit den Fahnen der beiden Verbände. Nach einer Gedenkminute für die Gefallenen des Weltkriegs und der Unruhen in Palästina wurde die Preisverteilung vorgenommen. Schild-Hamb irg errang 16, Bar Kochba-Hamburg 15. JBC.-Berlin 11. Bar Koch }a-Berlin 6 erste Preise. Der Hamburger jüdische Kulturbund ieß an die erfolgreichsten Hamburger Sportler noch fünf Sonderpreise in Form von Freiabonnements verteilen, die an Ruth Liefman i. Herbert Blank. Heinz Goldstein. Annelore Neuhaus und Salo Sehe infeld fielen. Der gesellschaftliche Rahmen war. wie immer in Hainburg, zwar ohne großen Aufwand, aber ebenso wie die gastliche Aufnahme außerordentlich herzlich and hinterließ die besten Etndr icke. Beerdigungen auf den Begräbnisplätzen des Religionsverbandes ■ August 1939 1. Begrabnisplatz Ohlsdorf: 2. Bl<>gg. Ricke geb. Oppenheimer, Schlachtcrslr. 46/7: 71 J. 3. Katzenstein. Anna geb. Kajlmcs. Rothcnbaumchausscc I 29,- 72 Wassermann, Ernst. Angestellter, GoOlerstr. 58; 48 J. 4. Ziulkowski. Franziska geb. McycHon. Hufnerstr. 51; 60 J. 5. Bcjohr. Else geb. Freund. Schulterblatt 26'26; 44 J. Elias. Julius. Bote. Hammerdeich 25a Haus 4; 59 J. 7. Eiahholz. Johanna geb. Htimbcrg, Ghndelallec 37; 61 8. Lckus, Michael gen. Max. Kaufmann. Grindelberg 39: 62 Asch. Betty geb. Heinemann. Beim Andreasbrunnen 8; 73 J. Emden. Bertha, Haynstr. 25: 81 J. 9. Kaudcrs, Hugo, Kaufmann, Curschmannstr. 6; 82 J. ßehrend, Bernhard Georg. Rentner. Iscstr. 66; 70 J. Bchrcnd, Henriette, Iscstr. 66: 77 J. 10. Loewcnthal, Emilie geb. Dreyer. Iscstr 141; 67 J. 11. Engländer. Lothar, Vertreter. Rappstr. 10; 31 J. Oppenheim, Ludwig. Rutschbahn 5; 65 J- 12. Pcrker. Amalie. Hallersir. 42: 64 J. 14. Berlin. Frieda geb. Heyn. Wrangchlr. 17; 54 J. Klein. Inageb. Valk. Grindclallee 29 : 56 J. 15. Xussbaum. Max. Reisender, Grindclallee 100; 32 J. Helft. Emil, Kaufmann. Kippingstr. 32; 77 J. 16. Steinhardt, Max. Kaufmann, Jarrcstr. 94; 64 J.« 18. Silbprbcrg, Rosa geb. Kronhcimcr. Sicrichstr. 127; 69 J. Cohen. Mathilde geb. Lindenfeld. Pinneberg. Eichcnhamp; 70 .1. 21. Stapler. Sara geb. Engers, Haynstr. 15; 80 J. 22. Katz. David. Hansastr. 60t 87 .1. 23. Rngozinski. Helene geb. Sonnenberg. Hansastr. 55; 76 J. Katz. Sussmann. Eimsbüttlcrchausscc 81; 72 J. Tisch. Siegmund. Kellner. Belle-Allianccstr. 23 : 58 J. August 1938 2. Begräbnisplatz Altona, Bornkampsweg: I. Pintscber. Anton, Langenhorner Chaussee; 76 J. r .

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