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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-09-16 · 9 (16.9.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
9 (16.9.1938)
Date
1938-09-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeb'att für das Gebiet der Hansestadt Hamburg Das Gemeindeblalt erscheint Mitte Jeden Monats " Bezugspreis 0.45 RM. Vierteljahr!,einschl.Bestellgeld / Anzeigenpreis 8 Pt.die8gesp. mm-Zeile. Geschäftsstelle: Hamburg 36. ABC-Slr. 57. Fernspr. 3407 71 Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für "Volksauiklarung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Nummer 9 Hamburg, 16. September 1938 14. lahrgang ZUR JAHR entbieten wir unseren Brüdern und Schwestern unseren herzlichen Gruß Bedrückten Herzens und sorgenerfüllt überschreiten wir die Schwelle, die ein Jahr vom anderen trennt. Das Wort des Trostes, der Aufrichtung, der Zuversicht will nicht über unsere Lippen Aber wenn das Wort unserer Weisen wahr ist, daß Israel niemals verwaist ist, zu keiner Zeit, an keinem Tage, in keiner Stunde — nicht* in der -Stunde der Not und nicht wenn das Leid uns niederdrückt — ja, wenn dieses Wort unserer Weisen wahr ist, und in der vieltausendjährigen" Geschichte unseres Volkes tausendfältig sich 'bewahrheitet hat, dann haben wir doch, heute und alle Zeit, das Recht und die Pflicht, zu tröstPi, aufzurichten und zur Zuversicht zu mahnen. Gedenkt dankbar der glücklichen Zeiten, die, . t hinter euch liegen, und erfasset aufgabenfroh, was ein neuer Tag, ein neues Jahr an Mühe und Arbeit und Pflichten euch bringt. Reichet einander die Hände. Gemeinsam tragen wir leichter das Leid und meistern. gemeinsam leichter unser Geschick. Und bringt einander Verständnis entgegen und lernet aus euren Sorgen, daß Sorgen auch die anderen bedrücken. So werden wir — Segnung dieser Zeit — schneller und besser zueinander finden N Rabbiner Richter - Mannheim: Ein Gedenkbuch der Juden in Deutschland In diesen Rausch-Haschono-Tagen greift der Keren Kajemct l'jisrael einen alten jüdischen .Gedanken auf. Er schafft ein Gedenkbuch — Sefer Sikaron —, in dem die Namen aller Juden, die jetzt noch in Deutschland leben, eingetragen werden sollen. Jede Gemeinde wird ein eigenes Buch haben, auf dessen ersten Seiten die Bilder der Synagoge, des Friedhois und anderer wichtiger Institutionen der Gemeinde eingefügt sind. Daran schließen sich die Namen der Gemeinde-Mitglieder und ihicr Familien. Später sollen alle diese Bücher in einem großen Bande vereinigt werden, das in der Nationalbibliothck des jüdischen Volkes in Jerusalem aufbewahrt werden wird. Die Mittel, die auf diese Weise aufgebracht werden, jollen dazu bestimmt sein, eine Siedlung von Juden aus Deutschland in Palästina, die den Namen Tel Sikaron — Hügel des Gedenkens —'■ tragen wird, zu errichten. Der Gedanke, der in diesem Plane zum Ausdruck kcmmtw ist von einer außerordentlichen historischen Kraft erfüllt. Der Blick auf die verschlungenen Wege unsere: Geschichte ergreift uns mit eigentülmlicher Gewalt. Alte, vac; gessene Ideen erwachen zu neuem! Leben. Was das vorige Geschlecht als Romantik empfunden! hätte, wird dem unseren zu einer neuen Wirklichkeit. Wir stehen vor unseren höchsten Feiertagen, vor dem Beginne, eines neuen jüdischen Jahres. Die vorherrschenden Gefühle, mit denen wir dieses Ja'hr beginnen, weitden die der Sorge sein. Sie aber dürfen nicht die Würde der jüdischen Seele ersticken, Es liegt so etwas wie Neilo-Stimmung Uber unserem heutigen Leben, und wir denken daraln, daß Gedenkbücher, vor allem in den süddeutschen Gemeinden, vor. Neilo gelesen zu werden pflegten. Die jüdische Geschichte unserer Tage hat die .Farbe der Dämmeiung. Aber wir sollen nicht vergessen, daß es eine Dämmjerung gibt, auf die die Nacht, und eine Dämmerung, auf die der Tag folgt. Wenn wir auch hier abbauen und liquidieren, wenn Gotteshäuser, in denen Generationen gebetet haben, aufgegeben werden, so glauben wir doch, daß unsere Zeit neben i dem Zwange zum Abbau und zur Auflösung auch die G nadle des Aufbaus erfährt. Auch drüben in Erez Jisrael ist die bange Sorge und das Rätselraten um die Zukunft zur Begleiterscheinung des täglichen Lebens, geworden. Aber es ist eine Sorge, die doch zutiefst das Wissen in sich birgt, daß auf die Dämmerung ein neuer Tag folgen wird. Während wir hier im Aufbruch sind, schützen drüben starke Arme und heiße Herzen die Keime eines neuen Lebens. Das Opfer der jüdischen Gesamtheit wird dafür zu sorgen haben, daß diese 1) Vgl. den-Aufruf „An die Juden in Deutschland" auf Seile 7. Keime nicht umsonst gelegt sind. Im Gottesdienst des Rausch Haschono-'Festea wird mehrmals, der Satz gesprochen: Hajauni' haras aulom — heute ist der Geburtstag der Welt. Wir Juden glauben, daß sich in jedem Jahre nicht nur die Welt, sondern auch der,Wille zum jüdischen Leben und zur, jüdischen,Tat erneuern. Aus dem Untergang älter Formen wächst das neue". Leben. Darum kann und wird das jüdische Volk weiter unbeirrt den schweren Pfad seiner Geschichte gehen.' Es ist ein Gesetz dieser Geschichte, daß immer dann, wenn eine Stätte jüdischen Lebens zu existieren aufhört, an anderen Stellen der Keim tu neuem jüdischen Leben gelegt wird. Ein bleibendes Zeichen fiu/ das. was unsere Geschichte ausmacht, werden das Sefer Sikaron in Jeruschalajim und Tel Sikaron,. die Siedlung der Erinnerung., inmitten der Felder Erez Jisraels sein. * Anläßlich der Festtage richten wir an alle Mitglieder des Judischen Religionsverbandes Hamburg, der Portugiesisen- Jüdischen Gemeinde und der Kultusverbände die nachstehenden Bitten: 1. die S eilenmieten tunlichst umgehend zu'zahlen Die Kultusverbände kämpfen um ihre Existenz, sie sind auf die Zahlung der Stellenmieten angewiesen , \ 2. .Ansammlungen im Umkreise der Gotteshäuser, während -der Gottesdienste und nach deren Ende auf jeden Fall zu vermeiden und unverzüglich nach den Gottesdiensten sich auf den Heimweg zu begeben. Wir appellieren wie in den Vorjahren an die Einsicht und die Selbstzucht aller Angehörigen unserer Gemeinden und Verbände. 3. während der Sukkaustage die L u I o w i m nicht offen über die Straßen zu tragen. ' * ■ -- I * 4. bei den S i m c h a-s.- T a u r o - Gottesdiensten, des Ernstes der Zeit eingedenk, in der Bescherung der Kinder Maß und Würde zu bewahren. . 5. am Simchas Tauro und am Schabbos Breschis Besuche bei den Herren Chasanim zu unterlassen und etwaige gesellschaftliche Aufwendungen an diesen Tagen durch Spenden für Wohlfahrtszwecke abzulösen. Di* Vorstände des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg, der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde und der Kultusverbände

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