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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-08-12 · 8 (12.8.1938) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
8 (12.8.1938)
Date
1938-08-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 8 Julian Lehmann: Vom jüdischen Sport in Hamburg Unsere Sportvereine haben in den letzten Wochen ihre; regelmäßigen Wettkampfe fortgesetzt, u. z. in allen Sportarten, die isie betreiben Im Mittelpunkt ständen " einige größere Veranstaltungen, eine Schau des jüdischen Sports bildeten und bewiesen, d^ß fleißig gearbeitet wird. Die Rasensportarten haben monate keine große Bedeutung: die verschiedenen die hier für die Simmer- Treffen der Hamburger Vereine dienten mphr der Uebung und-der Erprobung neuer KrSfte. da die Vereine alle durch die Auswanderung starke Verluste erleiden. Hervorzuheben ist. daß in Makkabi Altona den! Mannschaften von Bar Kochba und Schild ein. Gegner erstanden ist. der garnicht leicht genommen werden darf, und wenn ihm" auch Erfolge gegen die Hamburger , Mannschaften nur sehr vereinzelt gelangen, so bietet er doch immer neue interessante Kämpfe. Iln den Mt isterschaften der jüdisahen. Sportverbände hatten die Harfiburger Vereine* zwai gute Leistungen zu verzeichnen, es fehlte aber das letzte Quentchen Glück. So'wohljBar Kochba als auch Schild verloren* ihre Vorschlußrunden nach gleichwertigen Kämpfen erst in der Verlängelung. so daß sie also beid£- kaum weit von den Spitzenvere'inen en:-, fernt sind. Im Sommer beherrscht im allgemeinen die Leichtathletik den Plan. So haben auch die Hamburger Vereine hier verschiedene Verapstaltungen abgehalten, welche besonders die Jugend im ftampfe sahen und einen sehr beachtenswerten Nachwuchs an den Start brachten. Die Jirgendmeisterschaften des Bai Kochba und des; Schild waren * gut verlaufene Meetings, die .zum Teil sogar Höhepunkte brachten. In der Hauptsache aber fand das Interesse ein Talg des jüdischen Sportes in Lokstedt, bei dem einige hundert junge Sportler und Sportlerinnen von Bar Kochba und Schild aufmarschierten, gemeinsame: Freiübungen zeigten und in leichtathletischen und Rasenkämpfen ihren Kampfgeist und ihre Stärke bewiesen. Die B'esucher aus al'en Kreisen unserer ' Gemeinschaft konnten sich von den ""Fortschritten unserer Jugend überzeugen. Den schönsten Triumph erlebten die Hamburger aber bei dem Sportfest des Berliner Jüdischen Box-Gtubs. bei fdem die Hamburgerin Ruth Lief mann drei Siege* errang und eintn neuen Schildrekord im Weitsprung aufstellte. Z,e I I e i vom Sc'.Jä die 200 Meter davontrug und Blank von Bai Kochba den Weitsprung gewann. Auch die anderen Hamburger placierten steh, und die Viererstaffel des Schild siegte sogar in ihrem Rennen, wenn sie auch außer Konkurrenz laufen mußte, da ein Teilnehmer ein Jahr zu alt wtar. Bei den Meisterschaften der Verbände weiden die Hamburger gewiß eine gute Rolle spielen. AifBfer in den erwärjnteti Sportarten wurde auch in anderen eifrig ueaibeitet. Die T e,r. n 1 s Äieler schnitten in Hannover ehrenvoll ab. wenn sie auch infolge starken Abgangs nicht siegen konnten. Die Turner trugen einen Pokiai aus. den ein ausgewanderter Schildturner aus-Amerika gesandt hatte, die Kegler -kämpften in Bremen und in. Hamburg gegen ihre Bremer. Freunde. Em besonderes Aktivur* für den jüdischen Sport in Hamburg bedeutet es. daß auch die beiden jüdischen Schule*^ Sporttage in Lokstedt austrugen. Dabei! wurden die Ausscheidungskämpfe für die W e t t k a m'p f e der jüdischen Schuljugend Deutschlands in Berlin vorgenommen, und gute Leistungen erzielt. Auch sonst darf man festkeilen, daß die prächtigen Plätze in Lokstedt in immer weiteren Kreisen benutzt weiden. Die Tagesferienkolonie der Altonaer Kinder fand, wie schon seit drei Jahren, auch diesmal wieder draußen -tart. und an Sonntagen sieht man viele jüdische Sportler mit ihren Familien, die den ganzen Tag über auf den Plätzen sich einen an- , genehmen Sommeraufenthalt verschaffen. Der Schild veranstaltete ferner zur Ausbildung von Uebungsleitern Mnter Leitung des Sportlehrers P. Y. Mayer- Berlin im Cmeinde- - hau. *? Johnsallee einen leidhtathletischen Schulung skurs. dessen piaktischer Te:i in Lokstedt stattfand. In diesem Kurs fand sich viel I itei Material ein. das diel Hamburger jüdischen Sportvereine in Zukunft würdig vertreten wird. Sehr eifrig ist immer die Tätigkeit in der Schachabteilung Blau- Weiß des Bai Kochba N'ajch den jüdischen Schachmeisterschaften gab es noch ein Blitzturnier, feijher ein Viererturnier und einen Zweikampf der Matadore G i ü-n e w.a Id und Schainowski I. der noch nicht entschieden Ist. Aus dem Hilfsverein der Juden in Deutschland Mehr Frauenauswanderung Der Hilfsveiein der Juden in Deutschland tritt in einer angeren Auseinandersetzung, die er der jüdischen Presse- Verfügung sjtellt. für eine Verstärkung der jüdischen zur Fiauenauswander mg ein dieser d a u e r njl a k Wir lassen den wesentlichen Teil u eklen Auseinandersetzung hier folgen, obwohl si« manchen Lesern schon beRannt sein dürfte. . . gibt es eine-wichtige. Kategorie auswanderungsfähiger Menschen. deren Aus wanderungs Willigkeit gesteigert u-erdep könnt'c: ^unsere Mädchen und Frauen. .". , Die bisherige jüdisch«■ Auswanderung aus Deutschland weist einen starken Ueberschuß an Männern auf. ' Das-r-tet nicht unnatürlich. Liegt ies doch in der Natur der Frau, dan sie stärker am Hause, an deh "Eltern und der Heimat hängt als der Mann, und die gerade^ bei --uns Juden traditionell starken Familienbande halten dfs junge Mädchen und die alleinstehende Frau oft vdn der Auswanderung zurück. Anderseits waren auch bisher die Erwerbsmöglichkeiten für die jüdische Fr;iu in Deutschland ver lältnismäßig günstig, konnten sie doch im Burcr. vor allem aber infolge der Nürnberger Gesetze im Haushalt verhältnismäßiü leicht ihr Brot finejen. Deshalb fehlte ihr hautig der Hauptantrieb der Auswanderung: die materielle ,Not Unter diesen Um: tänden wollten viele jüdische Eltern, 'deten Sohne längst in Uebersee weilen, sich einen Trost erhalten: ..Wenigstens unser Mädel bleibt hier!" Und die Töchter *uh!ten die Wichtigkeit ihrer Rolle als seelische und materielle Stutze der Eltern und sahen sich nach keiner Auswanderungsm iglichkeit um. Aber dieser an sich natürliche Vorgang führt als llassenerstheir.ung zu außerordentlich schweren Mißständen. Die He iratschancen der in Deutschland zurückgebliebenen Mädchen sinken, während die jungen Männer in den überseeischen Ländern häufig nicht die Möglichkeit zur; Gründung einer jüdischen Familie finden. In ' den Vereinigten Staaten haben sie zwar die Möglichkeit einer jüdischen Heirat, aber die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zwischen Eingewanderten und Ansässigen lassen oft schon die Eheschließung scheitern oder bringen sofort eine besondere Problematik in die Ehe hinein. Dagegen stehen die jüdischen jungen Leute in Ländern ohne zahlenmäßig bedeutende Judenheit häufig vor der Wähl, ledig zu bleiben oder nichtjüdische Frauen zu heiraten, also Ehen einzugehen, deren Nachkommenschaft der jüdischen Gemeinschaft verlorengeht, und die ,auch wegen der kulturellen, religiösen und sonstigen Verschiedenheit Xler Ehepartner häufig unharmonisch verlaufen. - . Darum tun unsere jungen Auswanderer gut daran, sich vor ihrer Uebersiedlung in ein überseeisches Land an .die künftige Lebensgefährtin zu binden, u. z. in der Regel durch Ehe- , Schließung. Gehen zwei junge Menschen gemeinsam in die Fremde, so finden sie aneinander nicht nur seelisch den besten Halt, sondern in sehr-Melen, ja vielleicht den meisten Fällen wird der weibliche Teil zuerst* einen Broterwerb finden, so daß die EheschBeßung auch den materiellen Existenzkampf eher erleichtert als erschwort. Darüber hinaus aber werden 'jene Gefahren fürtLeib, und Seele des Auswanderers und auch die Gefahren verfViieden. die Verlust wertvollster Substanz für die jüdische Gemeinschaft führen müßten. In dieser Hinsicht wird es besonders auf die jüdische Haltung der jungen Frauen ankommen*, von denen die Atmosphäre des Hauses und die Erziehung der Kinder abhängen. Von den jüdischen Eltern aber muß man mit Bestimmtheit erwarten, daß sie ihre Töchter nicht, vor allem nicht aus egoistischen Gründen, von der Auswanderung zurückhalten, wenn sie darüber klar sind, daß sowohl die beruflichen Aussichten wie die Heiratschancen in den überseeischen Ländern sehr viel besser sind als in Deutschland. . - Allerdings ist nicht jedes Mädchen ohne weiteres zur Auswanderung geeignet. Es muß. abgesehen von einer gewissenhaften Ausbildung, bestimmte menschliche Qualitäten besitzen, insbesondere auch eine gründliche Beherrißhung der Hauswirtschaft und die Bereitschaft, wenigstens vorübergehend eine Stellung im Haushalt anzunehmen selbst wenn ein anderer Beruf als Ziel vorschwebt Die jüdischen, Auswanderungsorganisationen des In- und Auslandes, in erster Linie der Hilfsyerein, werden künftig der Frauenauswanderung besondere Aufmerksamkeit widmen. Das heißt einmal, daß der Auswandererberater mit dem jungen Auswanderer erörtern soll, ob er sich nicht vor der Uebersiedlung binden solle — wobei die zweckmäßige; Form (Eheschließung- oder nur Verlobung) je nach dem Einwanderungslände und je nach seinem (und ihrem) Beruf zu wählen sein wird. Darüber hinaus wird der Hilfsverein in engster Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Frauenbund um eine geeignete Auswahl auswanderungswilliger Mädchen bemüht sein,und zusammen mit den überseeischen Komitees und Frauenorganisationen die Betreuung alleinstehender" Mädchen und Frauen soweit zu gewährleisten suchen, daß der Auswandererberater den Eltern gegenüber die Verantwortung dafür übernehmen kann, wenn sie ihre Tochter allein den Weg in die Ferne antreten lassen Tüchtige Kräfte,, die bereit sind, sich einzuordnen, 'die Sprache des Einwanderungslandes beherrschen und gesundheitlich wie menschlich allen Anforderungen der Fremde entsprechen, werden nichtnur sich selbst ihren Weg bahnen, sondern auch dazu beitragen, daß neue Zellen jüdischen Lebens sich bilden, durch die vielleicht noch ihren Eltern, sicher aber ihren Kindern die Fremde zur Heimat werden kann. Aus dem Fragebogen des Hilfsvereins Die brennendste Fr>*£e für den Juden in Deutschland lautet wohl heute: Wann und} wohin werde ich auswandern können? Wie erhalte ich das Vfjum usw.? Gleich danach aber drängen sich andere Fragen auf, vor allem das Problem: Wie wird sich mein Leben nach der Auswanderung gestalten? Wird es mir gelingen, eine wirkliche neue Heimat zu finden, oder wird es ein Umherziehenohne festen Halt geben? Der Hilfsverein, dessen große und schwere Aufgabe lh der Betreuung der gesamten nichtpalästinensischen Auswanderung besteht.,hat über das Schicksal der Ausgewanderten eine Fülle von Material gesammelt, das als Grundlage für die weitere Beratung der Auswandernden dient. Als eines der besten Mittel, die Ausgewanderten'wirklich zum Reden über ihre Erlebnisse in Uebersee zu bringen, haben sich die sogenannten grünen Fragebogen erwiesen, die der Hilfsverein in Tausenden von Exemplaren verschickt und in Hunderten bereits sorgfältig beantwortet zurückerhalten hat. Hier werden dem Auswanderer ganz präzise Frägen gestellt: Welches war Ihr ursprünglicher Beruf — welches ist Ihr jetziger? Wie lang ist Ihre Arbeitszeit — wie hoch Ihr Verdienst? Wie verteilen sich Ihre Ausgaben auf die verschiedenen Hauptposten, wie Nahrung, Kleidung. Wohnung usw.? Wie sind die Schulverhältnisse? Mit wem verkehren Sie (Juden aus Deutschland, Ostjuden, Landesbevölkerung) usw.?

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