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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-08-12 · 8 (12.8.1938) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
8 (12.8.1938)
Date
1938-08-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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I jeite 2 Jüdische s Gemeinde blatt Nummer 8 Fortführung der Konferenz von E v i a n durch einen Au der beteiligten Regierungen und die Schaffung eines stämJ Büros. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß hier ein Orgar schaffen wird für unmittelbare praktische Arbeit. Die Ta£ klang aus in folgender, -einstimmig angenommenen Schließung: huß igen geung Ent- Prasidialausschuß und Rat der ReichsveMretung der Judpn in Deutschland haben die nachstehende Resolution gefaßt: „In dankbarer Würdigung der Tatsache, daß die Einigunc der Kräfte des Judentums in Deutschland wie die Zusammenfassung seiner Mittel nun weiter zum Ziele hingeführt worden ist, sind Präsidialausschuß und Rat über folgende Grundlage und Richtung der gemeinsamen Arbeit einig: Die für die Juden in Deutschland und ihre Gemeinder schlossene neue Satzung hat die Autorität der Reichsvertr und die darin gegebene einheitliche Führung von bestätigt. Die ernstesten Aufgaben liegen vor uns. In einer Lage, die seit Jahren auch in der an Prüfungen reichen Geschichte unseres Volkes kaum ihresgleichen hat, haben wir uns nicht ohne Erfolg darum bemüht, das drohpnde Gespenst des Chaos zu bannen. Allem, was auf uns eindrang, haben wir unser Gottvertrauen und unsere Selbstachtung entgegengesetzt. Die AushöMung unserer Existenz haben wir mit der planmäßigen Erziehung und Schulung, mit der Vorbereitung zur Wanderung nach einer Stätte betung n4uem aufbauender Arbeit beantwortet. Wir haben eine innere Ordnung aufgerichtet und neue Formen der seelischen und materiellen Selbsthilfe erschlossen. Der Reichsverband wird alles daranzusetzen haben, diesen Weg fortzuführen und weitere Möglichkeiten zu finden. Aber es kann auch kein Zweifel darüber bestehen, daß dieser anhaltenden außerordentlichen Anspannung aller Kräfte ihre Grenzen gesetzt sind. Immer enger ist der Bereich unseres Daseins geworden. Die Ausschaltung aus Beruf und Wirtschaft gibt den größten Teil der Juden in Deutschland einer dauernden Arbeitslosigkeit preis. Unsere Kräfte drohen zu versagen. Wir dürfen darum nach Beistand ausschauen. Wir vergessen keinen Augenblick, daß eine um Frieden und Sicherheit bangende Welt nicht ihre ganze und stete Aufmerksamkeit uns zuwenden kann. Wir vergessen nicht, daß auch in anderen Ländern unsere Brüder ihre schwere Sorge und ihre Not kennen. Aber wir dürfen für uns doch das, was uns gewährt zu werden vermag, erwarten: die Oeffnung von Grenzen für Reihen von Menschen in geregelter Einwanderung, einen baldigen Plan der Erstellung von vorübergehenden Notsiedlungen für arbeitskräftige Gruppen. In uns lebt die Sehnsucht nach einem opferbereiten Leben in der freien Luft der Welt. In uns ist der Wille, unser Dasein mit Werken eines friedlichen Aufbaus zu verbinden. Mögen diese Worte in vorgerückter Stunde weithin gehört werden!" Aus deu* UaiMbwcyu (jeM*euAdtle&vi* Sitzung des Repräsentanten-Kollegiums lahm Das Repräsentanten-Kollegium des Religionsverbandes in einer Sitzung, die am 10. d. M. stattfand, in erster Losung einen verfassungändernden Antrag des Vorstandes an, auf dessen die Ersatzlisten für das Repräsentanten-Kollegium teilweise schon völlig, teilweise nahezu erschöpft sind ganzen bzw. neu aufzustellen sind. Wir 'werden über di« gelegenheit nach der> zweiten Lesung ausführlich bericht« n Grund die er- An- Gemeindeabend zum Gedächtnis Theodor Herzls Anläßlich der 34. Wiederkehr des Todestages von Thleodor Herzl am 19. v. M. veranstaltete der Religionsverband ink Gemeinschaftshause einen Gemeindeabend, der einen außerordentlich starken Besuch aus allen Kreisen des Relij;ionsverbandes aufwies. Als erster Redner sprach der Vorsitzende des Vorstandes des Religionsverbandes, Herr R.-A. Davi nach Begrüßungsworten, die er insbesondere an die auswärtigen Redner des Abends, die Herren Rabbiner Dr. Berkowits-1 Jerlin und Dr. H. Friedenthal-Berlin richtete, etwa folgendes führte: Die Stunden werden selten, da wir uns frei mache l von dem Tage und seiner Enge. seinen Sorgen und Nöten. In diesen seltenen Stunden blicken wir zurück in die Vergangenheit weil wir gelernt haben, daß nur der seine Zukunft bauen kani* der weiß, woher er kommt. Jüdisches Schicksal enthält die I orderung, stärker zu sein als das Schicksal selbst; das hat uns i nsere Geschichte gelehrt. Daher soll diese Stunde des Gedenkens an Theodor Herzl mehr sein als eine Stunde der Dankbarkeit. Förderung unserer Kräfte. Dienst an uns selbst und an unserer Zukunft. Diese Gedenkstunde kann werden Wecker reinster Kräfte unseres Geistes und unserer Seele, ein Wecker, wie es Theodor Herzl selbst war. der. keiner Partei 'zugehörig dem ganzen Judentum gedient hat. Sein Erbe ist der Aufba x von Erez Israel, mit dem jetzt jeder einzelne unter uns verl nüpft ist, das Land, das so vielen, gerade aus Hamburger jüd sehen Kreisen, zu einer'neuen Heimat geworden ist. Wir nennun die Einwanderung in das Heilige Land Alija, dieses Wort kann uns aber mehr sein und werden, nämlich im Sinne und leiste des Mannes, dessen Gedenken diese Stunde gilt, Antrie ) und Aufstieg zu Höherem, Alija in höherem, geistigen Sinne. Nach Herrn R.-A. David sprach zunächst Herr Rabbiner Dr. Berkowits. Er bemühte sich vor allem, in das Verständnis der großen Persönlichkeit Theodor Herzls einzuführen, die allein erkläre, weswegen ihm, der etwas verkündete, was £ urchaus nicht neu war und was andere längst vor ihm gesagt 1 atten, die Schaffung einer großen Bewegung und die Wiedererwe :kung des jüdischen Volkes gelungen sei. Herzl sei der große Wegweiser des jüdischen Volkes geworden; wenn ihm vom Sc! icksal nicht vergönnt gewesen sei, sein Werk zu vollenden, sc liege diese Aufgabe jetzt in unserer eigenen Hand. Eine Stunde, die dem Gedächtnis Herzls gewidmet ..sei, sei eine Stunde d< s Bekennens zur Ewigkeit des jüdischen Volkes und zu dem Wege, den er gewiesen habe. Und wenn Herzl im Glauben; n die Richtigkeit dieses Weges verkündet habe, daß das jüdische Volk eines Tagesam Ziele sein werde, so solle diese Gedenkstunde uns mit der gleichen Zuversicht erfüllen. Als letzter Redner sprach Herr Dr. Friedenthal. Er schilderte zunächst, wie Theodor Herzl, der zuerst dem Judentum ganz fremd gegenübergestanden habe, zum Schöpfer eines neuen Judentums und eines neuen jüdischen Volkes geworden und den Gedanken an das Wiedererstehen eines jüdischen Staates in dem jüdischen Volke erweckt nabe. Dieser Staat sei jetzt im Werden; um sein Entstehen werde Tag für Tag gekämpft, um ihn zu schaffen, gebe heute so mancher junge Mensch sein Leben dahin. Aber das sei das Große um den Tod dieser Menschen, daß ihr Sterben anders als in früherer Zeit wieder sinnvoll geworden sei und daß auf dem Boden, auf welchem sie ihr Leben dahingehen, das Glück und der Friede des jüdischen Volkes erwachsen werde. Zu dieser Gewißheit berechtige der Erfolg der bisherigen Kolonisationsarbeit auf dem Boden des Heiligen Landes," der zum Glauben an unsere Leistung berechtige. Was aber auch in Palästina geleistet und aufgebaut werde, sei letzten Endes Ausfluß der Wirksamkeit Theodor Herzls, so daß er lebe, solange ein Jude auf dem Boden des Heiligen Landes arbeiten und schaffen werde. In tiefer Ergriffenheit erhob sich die Versammlung. Herr R.-A. David schloß die Veranstaltung mit dem altjüdischen Worte naia^ p'lS "13T und die Versammlung sang die Hatikwa. pjusouaUeu uud läeiue IltitteilCiMtycu. Gedenkstunde für Herrn Rabbiner Dr. Lichtig s. A. Die Beerdigungsbrüderschaft des Religionsverbandes veranstaltete Donnerstag, den 4. d. M., im Gemeindehause Rothenbaumchaussee 38, eine zahlreich, insbesondere auch von den zurzeit in Hamburg anwesenden Rabbinen besuchte Gedenkstunde für ihren verewigten Maggid Herrn Rabbiner Dr. Lichtig. dessen.Todestag sich zum ersten Male jährte. Für den Vorstand des Religionsverbandes war Herr Rechtsanwalt David er- . schienen. Nach einem einstündigen Lehrvortrage des Herrn * Rabbiners Joffe gedachte Herr Oberrabbiner Dr. Carleb a c h in einer ergreifenden Rede der Persönlichkeit des Heimgegangenen und seiner Verdienste urft die Förderung des Tora- . Studiums in Hamburg und würdigte insbesondere den großen Einfluß, den er in jüdischer und menschlicher Hinsicht auf seine zahlreichen Schüler ausgeübt hat. Alfred Lisser gestorben Der langjährige Vorsitzende des Repräsentanten-Kollegiums der Gemeinde, Herr Alfred Lisser, ist am 18. v. M. nach langem Leiden in Amsterdam, wo er seit seinem Fortzuge von Hamburg wohnte, gestorben. Tiefe Trauer erfüllt einen jeden, der Alfred Lisser gekannt hat, insbesondere den Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium unseres Religionsverbandes. Dankbar

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