Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 6 (17.6.1938)
- Date
- 1938-06-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 6 scheidet über seine Aufnahme. Man mag an dieser ausgedehnten Prüfung erkennen, wie sehr man sich der Verantwortung bewußt ist. eine Auswahl von| Jugendlichen für eingeben der Ar-. be;t in Palästina für den einzelnen als auch fürdas Land zu treffen. Denn die Verpflanzung der Jugendlichen aus Deutschjlr.nd nach Palästina geschieht mitten im Entwicklungsalter, und /es gilt; soweit als möglich |zu erkennen, wie diese Entwicklung ■ \ c: :.:u:cn wird. » < J Wie sieht das Leben dieser Jugendlichen in Palästina au4? Siedlungen -ies Landes. Schulen und Heime haben sich zur Aultne det Jugend-Ahja bereit gefunden. Ihre Bereitwilligkeit erforderte gerade von dejn Siedlungen sehr erhebliche Urrjstellungen. Jugend-Alija-Gruppen können nicht ohne weiteres in den vorhandenen Siedlungen untergebracht werden. Nür solche Herne und Siedluhgen werden belegt, bei denen die i '.'.c G.-r.thmigung durch die Regierung zur Aufnahme vdrj Jugend-Alija-Gruopen vorfliegt, nachdem die Versorgung in ge- ■ r und pädagoiischervHinsicht besonders geprüft igt- Einer besonderen Steile bfi der ..Abteilung für die Ansiedlung \ n Juden aus Deutschland" untersteht (die gesamte Jugend- . i-Arbeh unter Leitung von Henrietta Szold. Wer als Angfhor:£ep-<eder als Mitarbeiter direkt oder indirekt mit dem stinensischen Jugend-JUija-Büro zu tun hat, weiß, in welch verantwortlicher Weise dort gearbeitet wird. Nicht nur dfe ■ grundsätzlichen und praktischen Probleme, die mit der Unter- 'bringung ur.d Erziehung der Jugendlichen zusammenhangen, angefangen von der pädagogischen Leitung bis'zur täglichen Arbeitseinteilung, s-hü Gegenstand der Sorge und Arbeit, viel- -~ s.'.t die Bemühung der Förderung jedes einzelnen Jugendlichen. I . D:e entscheidende Fra$e der Jugend-Alija ist die nach depn Inhalt, der Ausbildung während der zwei Jahre. Jugend- EJ :.l Ir. jeiebener Veranlassung weisen wir darauf hin. daß künstlerische Veranstaltungen jsowie religiöse und weltanschauliche- VoiftRStSptUngen mit künstlerischer Umrahmung (z. B. Stiftungs- :..-te v;n Sportvereinen. Synagogenfeiern mit musikalischer Umrahmung u. a.» außer bei uns beim. Reichsverband cer hen KvltufbtiriQe ih Deutschland. Berlin SW 19. Stallschreibexstraße 44, anzumelden sind. ' Die Anmeldung mjß spätestens drei Wochen vor der Veranstaltung bei dem Reicl sverbar^d eingetroffen sein und enthalten: 1. Veranstaltungsdatum — 2 Veranstaltungsort j(,Saaü — 3W genaues Programm — 4 N'srr.er.. Staatsangehörigkeit, .ständigen Wohnsitz und R.V.- Nu.~rr.er der auftretende^ Künstler — 5. genaue Texte der j eheh eder gesungemen Darbietungen, soweit es sich nicht uni ganz a'.:;err.i:n .bekannte Lied- oder Gedichttexte handelt. 1 Be: Vorträgen genügt einlmindestens vier Seiten langes Expose. Sämtliche Angaben sind |n -Maschinenschrift in doppelter Ausfertigung zu machen. Die Ar.rr.eidung für die Staatspolizei ist wie bisher >ei uns einzureichen. Der Anmeldung muß die Genehmigung des Herrn Reichsi-tulturwalters beigefügt werden. Zentralanmeldestelle für Veranstaltungen der Jüdischen Organisationen Hamburgs. —————__ AH}a will und kann nicht aus 15 bis 17jährigen Jugendlichen Facharbeiter machen, sie ist nicht gleichzusetzen miteiner Berufsausbildung, die nach Izwei Jahren abschließt. Dennoch vferrr.tt teit Jugend-Alija meljir als eine solche „fertige" Berufsausbildung. Innerhalb ihrer* erleben die Jugendlichen etwas. tfras .-:e nicht mehr kannten, was jüdische Jugend nicht mehr wußte, r.ämlich die Einheit des Zieles der Erziehung mit ihrem Inhält. Die .Jugendlichen korhmen in Gruppen unter der gleichen Führung wie bisher in die Siedlung. Sie werden in besonderen Jugend-Ali ia-Häusern gruppenweise untergebracht. In den ersten Wochen-werden sie zur eigenen Eingewöhnung, zur Beobachtung ihrer Interessen, ihrer Befähigungen überall in der Wirtschaft beschäftigt, und erst nachdem die pädagogisch leitenden Menschen sie einigermaßen kennen, werden ■ sie an einen oeoimmten Arbeitsplatz gestellt. Dort erst werden sie in ilen Arbeitsprozeß eingeführt. Sie arbeiten durchschnittlich am Vormittag 4—6 Stunden körperlich und erhalten am Nachmittag theoretischen Unterrichte Er erstreckt «ich auf Hebräisch, jüdische Geschichte. Bibel, palästinensische Landeskunde, naturwissenschaftliche Fächer und — fakultativ — Englisch oder Arabisch. Gemeinschaftsveranstaltungenr seien es Diskussicnsabende. seien es künstlerische Darbietungen, "ergänzen das Bild ihrer gemeinsamen Ausbildung. Die erzieherische Arbeit der Jugend-AlijaTGruppen unl ersteht dauernder Prüfung durch die Zentrale der Jugend-Alija in Jerusalem. Fürsorgeri^ch. ärztlich und pädagogisch geschulte Mitarbeiter besuchen regelmäßig die Gruppen, beraten über ihre Ausbildung, ihre Einordnung, ihre Entwicklung, und treffen tnit der Gruppe oder mit derrj einzelnen Jugendlichen Vorbereitunken für spätere Entscheidungen nach der Jugend-Alija-Zeit. Einen besonderen Raufn nimmt die religiöse Jugend-Alija c.n. Sie hat ihre eigenen Unterbringungsmöglichkeiten in - Heimen und Siedlungen. Ihre Ausdehnung steht durch die Eröffnung des K f a r n o ä r dati, des religiösen Jugenddorfes, bevor. Damit "wird der notwendigen Erweiterung der religiösen Jugend-Alija, die sich in der allgemeinen Ausbildung nicht von der übrigen Jugend-Alija unterscheidet, Rechnung getragen. Nichts vermag ein klareres* Bild über die Jugend-Alija und ihren erzieherischen Wert zu geben als die Entscheidungender aus der Jugend-Alija Entlassenen. 958 Jugendliche haben bereits die Vorbereitungszeit abgeschlossen. Von ihnen sind 73 Prozent in landwirtschaftliche Arbeit gegangen, 9 Prozent haben ein Handwerk ergriffen, 3.'Prozent sind in Haushalt und Kinderpflege, die übrigen verteilen sich auf ergänzende Ausbildungen. Diese Zahlen über die eigentliche berufliche Entscheidung sprechen sehr klar. Es ist gelungen, diese Jugend dem Lande und der Arbeit zu verbinden. Entscheidungen, wie sie die Jugendlichen der Jugend-Alija getroffen haben, kommen aus einem Werterlebnis. Diese Jugend ist nicht erzogen worden z u einem bestimmten Typus, sondern sie ist m i t einer Wirklichkeit, die sie geformt hat, gewachsen. Die Verbindung des Zieles der Erziehung mit ihrem täglichen Inhalt hat sie geprägt und innerlich dem palästinensischen Leben eingeordnet. Wer diese Entwicklung einer Generation sieht, die vor dem Zusammenbruch stand, weiß auch, welche Aufgabe gestellt ist, weiß, daß Jugend- Alija der jüdischen Jugend ein sinnerfülltes Leben erschließt und damit den Grundstein der jüdischen Zukunft in Palästina festigt. i ★ Jugendausbildung in Palästina Bezüglich der Einwanderung von Jugendlichen nach Palästina bestehen grundsätzlich keine Beschränkungen. Die Zahl der Zertifikate hängt allein von der Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze ab. Daher wendet sich das allgemeine Interesse vornehmlich den Institutionen des Landes zu. in denen Ausbildungsplätze bestehen. Vorab sei hier die Jugend-Alija. erwähnt, die in den fünf Jahren ihres Bestehens mehr als 2000 Jugendliche in landwirtschaftlichen Siedlungen und anderen Ausbildungsstätten ausgebildet hat. Für Madchen von über 18 Jahren bietet die Wizo vorzügliche Und- und hauswirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten in Schulen und Lehrfarmen. Das Technikum in Haifa und die Hebräische Universität in Jerusalem können Studenten Zertifikate erwirken. Eine ganze Reihe weiterer Schulen im Lande, die allen Zweigen der allgemeinen und Fach-Ausbildung dienen, hat das gleiche Recht. Die Einzelauswanderung von Schülern und Schülerinnen kann somit einen beträchtlichen Umfang erreichen und sollte ernsthaft erwogen werden, zumal.keine transfermäBigen Hindernisse, bestehen. Die Vorzüge einer solchen Auswanderung liegen klar zutage. Die Schulausbildung in einem Lande, dessen Wirtschafts- und Berufsleben die Schulentlassenen sofort aufnehmen kann; die Orientierung dieser Ausbildung auf die besonderen Erfordernisse der künftigen Berufstätigkeit, die hier ganz leicht und selbstverständlich erfolgt und keine spätere Umschichtung erforderlich macht; die.Tatsache, daß die Einreise zu Ausbildungszwecken mit dem vollen Einwanderungsrecht verknüpft ist; endlich die unproblematische Einfügung der Schüler in den jüdischen Kulturkreis, der in Palästina der Kreis des jüdischen Lebens selber ist: das alles sind Faktoren.- die den Eltern den Entschluß, ihre Kinder zur Ausbildung ins Ausland zu senden, sehr erleichtern. Und selbst Eltern, die nicht Palästina als Auswanderungsziel vor Augen haben, sollten es begrüßen, wenn ihre Kinder wenigstens eine gewisse Zeit dort leben und arbeiten; diese Jahre werden ihnen moralisch und kulturell einen jüdischen Rückhalt geben, der für alle spätere Lebenszeit in jedem Lande von höchstem Werte sein wird. Einzelheiten sind aus ejjiem Merkblatt: Schüler - und Studenten zu ersehen, das vom Palästina-Amt, Berlin W 15, Meinekestraße 10, oder von seinen Zweigstellen bezogen werden kann. ★ . Zu diesem Thema schreibt die Jüdische Jugendhilfe E. V., Berlm-Charlottenburg: 1 In Anbetracht des verstärkter. Andranges zur Jugendalija und der in Aussicht gestellten größeren Anzahl von Jugendalija-Zertifikaten, veranstaltet die Jüdische Jugendhilfe seit einigen Wochen laufend vierwöchige Vorbcreitungslager, in denen die zur Jugendalija gemeldeten Jugendlichen auf ihre Eignung für die Alija geprüft werden. Die Bewerber für die Jugendalija können erst dann In ein Vorbereitungslager berufen werden, wenn bei der Jüdischen Jugendhilfe alle Unterlagen des Bewerbers (Fragebogen der Eltern und des Gruppenleiters oder des Lehrers und das ärztliche Attest des zustandigen Palästinaamtsarztes) vorliegen. Diese Formulare sind von der Jüdischen Jugendhilfe, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstraße 158, Nebeneingang II, zu beziehen. Das Vorbereitungslager der Jugendlichen, die für das Kfar hanoar hadati vorgesehen sind, ist vor kurzem beendet worden. Für den Monat Juli ist ein weiteres Vorbereitungslager für religiöse Jugendliche vorgesehen. Anfragen über religiöse Jugendalija sind an die Jüdische Jugendhilfe. Abteilung religiöse Jugendalija, zu richten. — Sprechstunden Montag bis Donnerstag, 16.30—18.30 Uhr. Es sind zwei Merkblätter erschienen: Die Merkblätter Jugendalija und Zur Schulentlassung sind kostenlos von der Jüdischen Jugendhilfe zu beziehen. ah. ' * Zu dem gleichen Thema veröffentlicht der Jüdische Frauenbund einen Aufruf, in dem es u. a. heißt: Der Jüdische Frauenbund hat als besondere Aufgabe übernommen, für die Ausrüstung der Jugendlichen mit Sorge zu tragen. Die Einkleidung jedes jungen Menschen kostet unter Zugrundelegung des unbedingt Nötigen und bei sparsamer Berechnung 450 MW. Diese Summen können weder Angehörige noch Organisationen allein aufbringen. Wi r können helfen, indem wir — in unseren Nähstuben und Haushaltungsschulen — die Anfertigung von Bettwäsche und Kleidungsstücken mitübernehmen. ... In Orten, in denen Nähstuben nicht vorhanden sind, wird es einzelne geschickte Frauen geben, die sich — gegebenenfalls nach Anweisung . einer Schneiderin — zur Verfügung stellen. Die Haushaltungsschulen, Schneidereifachschulen, Mädchenvorlehren werden ebenfalls aufgerufen. Wenn in den nächsten Monaten in allen Kursen für die Einkleidung der Jugendlichen genäht wird, kann das eine wesentliche Hilfe bedeuten und außerdem die Schülerinnen der Ausbildungsstatten mit einer wichtigen jüdischen Gegenwartsaufgabe verbinden. Schnittmuster für Mädchenschürzen, Arbeitshosen (für Mädchen und Jungen; kurz und lang), Arbeitsblusen (für Mädchen und Jungen) werden zur Verfügung gestellt. Gegenstände, die örtlich nicht verwendet werden, sind an das Depot der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Alija. Charlottenburg 2, Kantstraße 158. zu senden. Ottilie S c h ü n e w a l d Hanna Karminski