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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-04-08 · 4 (8.4.1938) · p. Seite 8

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
4 (8.4.1938)
Date
1938-04-08
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Jüdisches Gemeinde blatt Nummer 4 seinerseits, alles Mögliche in dieser Hinsicht zu tun. Der Abend " fand mit dem Gesang der Techesakna und der Hatikwa zwar formell seinen Ausklang; ein größerer Teil der Teilnehmer versammelte sich aber trotz der vorgerückten Stunde noch zu einem kurzen Beisammensein im Gemeindehause. Rothenbaumchaussee 38. bei welchem Herr Dr. Fritz W a r b u r g Herrn Dr. Ruppin nochmals namens .des Vorstandes des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg begrüßte, den ein großer Teil der Anwesenden durch Zeichnungen für seine Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds noch besonders ehrte. Dr. M. Spitzer-Berlin aul dem Kulturabend des Religionsverbandes Am 4. d. M. sprach auf Einladung des Jüdischen Religions- -Verbandesder Leiter des Schocken Verlags. Herr Dr. Spitzer, im Theatersaale des Gemeinschaftshauses über Kulturprobleme des jüdischen Buches. Dr. Spitzer ist weiten jüdischen Kreisen bekannt als der Herausgeber des Almanachs des Schocken Verlages, der seit einer Reihe von Jahren erscheint und jedesmal von neuem überrascht durch die Fülle wertvoller Beiträge aus den mannigfachen Gebieten jüdischen Wissen.1) Er ging bei seinem Vortrag davon aus, daß die Ausschließung von der Mitwirkung an.der allgemeinen Bildung in den letzten Jahren die Judenheit j-n Deutschland vor ein neues Problem stelle. In der Emanzipationszeit lassen sich drei Wege des judischen Buches in deutscher Sprache unterscheiden. Den einen Weg hätten Schriftsteller wie Aron Bernstein, Ludwig Kompertu. a. beschritten; sie schilderten das Ghettoleben, in dem sie selbs* noch groß geworden, aus dem sie aber herausgewachsen waren, in verklärendem Licht. Als ein sehr ernster Versuch müsse der zweite Weg gewertet werden, der Wen der ..Wissenschaft des Judentums", den zuerst Leopold Z u n z beschritt. Sein und seiner Jünger Bemühen .ging dahin, die Schätze der Vorzeit zu sammeln und wissenschaftlichkritisch zu beleuchten, bevor djese Gefahr liefen, völliger Vergessenheit anheimzufallen. Den dritten Weg gingen Hermann tuhen und andere bedeutende jüdische Gelehrte; ihnen ging es darum, durch eifrige Mitarbeit an der europäischen Bildung den besonderen Wert des Judentums herauszustellen. Diese Wege sind infolge der Krise, in die wir eingetreten sind, nicht mehr gangbar; es gilt vielmehr, die Situation der Gegenwart klar zu erkennen und ihr Rechnung zu tragen. Jetzt kommt es darauf an. vom Judentum a u s die Welt derallgemeinen Bildung zu erfassen, wie es Franz Rosen - zweig in vorbildlicher Weise versucht hat. Ein schwerer Fehler aber wäre es. so betonte der Redner wiederholt, wollte unser Schrifttum uns in das Ghetto mit seiner Enge zurückfuhren. Die neue Empfänglichkeit für jüdisches Geistesgut, hervorgerufen durrh die neue Not. darf uns nicht dazu verführen, etwa auf die Werte des abendländisch-christlichen Kulturkreises zu. verzichten, die wir in der Zeit der Emanzipation in uns aufgenommen haben. Es wäre verkehrt, ja unmöglich, die. letzten 150 Jahrezu verleugnen und aus Verbitterung über unser Geschick so zu tun. als wären sie nicht gewesen. Auf der andern Seite aber haben wir unser Eigenes zu vertreten. Das Bewußtsein ■ des auserwählten Volkes gilt es aufrechtzuerhalten; aus diesem Bewußtsein müssen wir immer wieder die Kraft schöpfen.- um der Wahrung unserer heiligsten Güter willen ..gegen den Strom zu schwimmen". Der Glanz der abendländisch-christlichen Kultur .darf uns nicht dahin bringen, daß wir (um mit Rosenzweigs Worten an seinen aus Ueberzeugung zum Christentum übergetretenen Freund Rosenstock zu sprechen) den inneren Glanz des Judentums übersehen. Und hier ljegt das Problem des heutigen in deutscher Sprache geschriebenen jüdischen Buches. Wir benötigen Bücher, die uns das Judentum in seinem inneren Q1 a t\ z zeigen. Das Problem ist schwierig, und die Bücher werden nicht immer leicht zu lesen sein. Besonders schwer hat es in unserer Zeit der jüdische Dichter (die Unterhaltungsliteratur bleibt hier außer Betracht), er steht einsam in der jüdischen Welt da; in einer so unruhigen Zeit kann er nicht zur -Reife gelangen. Ein Grund zum Veriagtsein liegt dennoch nicht vor. Dr. Spitzer erinnerte an eine ähnliche Krisenzeit in der deutschen Judenheit um die Mitte des 14.' Jahrhunderts, an die Zeü des ..schwarzen Todes". Die Werke, die damals geschrieben wurden, gehören nicht zu den bedeutenisten. Maharil in itOX fünf Jahrgänge (auf die Jahre 5< » -5698) Mainz sammelt die Minhagim im westlichen und südlichen Deutschland, Abraham Klausner in Wien die in Oesterreich usw. Immerhin rettete diese Art schriftstellerischer Betätigung die Literatur über die Krise hinüber. Vielleicht, meinte der Redner, hat das heutige jüdische Buch eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen. Der Redner schloß mit anerkennenden Worten für das jüdische Publikum, das dem jüdischen Buche Interesse entgegenbringt, und mit der Bitte an die jüdische Schule, die jüdische Presse^Jind das jüdische Lehrhaus, das Ihrige zu tun, um dies.es Interesse wach zu erhalten. no. I/o** jiidisckeu Spoct m* Ucmfäcty Meisterschaftskämpfe in Hamburg Der Jüdische TuSpV. Bar Kochba konnte im letzten Monat zwei groß angelegte Veranstaltungen in Hamburg durchführen, die bei den judischen Sportfreunden im ganzen Reich Beachtung fanden. Zunächst die von seiner Schachabteilung Blau-We.ß organisierten jüdischen Schachmeisterschaften für Deutschland, an denen sich sowohl die Makkabiwie die Schildspieler beteiligten. In den schönen Räumen des Gemeinschaftshauses erhielten sie einen vorbildlichen Rahmen, und in vier Turnieren gab es acht Tage lang spannende Kämpfe zwischen den judischen Schachmatadoren aus dem ganzen Reiche. Erfreulicherweise endete der Kampf im Meisterturnier mit einem Hamburger Siege, denn Grüne wald (Bar Kochba-Blau Weiß Hamburg) verlor keine Partie und wurde damit jüdischer Schachmeister von Deutschland für 1937 38. An zweiter Stelle endete Dr. Strauß (Schild Mainz), an dritter und vierter gemeinsam Schainowski I (BK. Hamburg) und Haar (Jüdische Schachvereinigung Frankfurt a. M.). Im Hauptturnier A siegten Lexandrowitz-Berlin vor Katz-Berlin und Lambig-Hamburt;. im Hauptturnier B Glatt-Berlin vor Schainowskj Ii-Hamburg und Spatz- Hannover, im Jugendturnier A Israel-Berlin vor Perlmann Ii-Hamburg, und im Jugehdturnier B endeten Drechsler und Oppenheimer. beide Hamburg, auf gleicher Höhe. Das Turnier zeigte die Hamburger Gastfreundschaft auf, voller Höhe, da nahezu 40 Teilnehmer während der ganzen Woche hier untergebracht wurden. Auf dem Eröffnungsabend begrüßte Herr Dr. Unna im Namen des Vorstandes des Jüdischen Religionsverbandes Hamburg die Teilnehmer. Am Sonnabend wohnten sie den Festgottesdiensten in der Gemeinde-Synagoge Bornplatz und im Israelitischen Tempel bei. wo die Herren Oberrabbiner Dr. Carlebach und Dr. Italiener das Wort an sie richteten. Dem Schachturnier folgten die Ma kkabikegelmeistersc haften, welche der Kegelklub Gut Holz im Bar Kochba organisiert hatte. Auch hier blieben die Hamburger sowohl in den Mannschaftswie in den Einzelwettkämpfen siegreich. Meister wurde der Kegelklub Gut Holz-Bar Kochba Hamburg vor Vbb.-Bar Kochba Hamburg. Bar Kochba-Hakoah Berlin und JSK. Berlin. Im Städtewettkampf siegte ebenfalls Hamburg vor Berlin und Hannover, im Einzelwettkampf blieben Markowitz. G. Möller und B. Hausmann, sämtlich Bar Kochba Hamburg, in Front. Julian Lehmann. * Schauturnen des Schild und des Bar Kochba Die Bühne des Gemeinschaftshauses sah gleichfalls im März zwei, große Veranstaltungen der beiden jüdischen Sportvereine Hamburgs. Der Schild veranstaltete ein Bühnenschauturnen zugunsten der Jüdischen Winterhilfe, das ganz vortreffliche Leistungen zeitigte und dem guten Zwecke beträchtliche Mittel einbrachte. Bar Kochba zeigte ebenfalls seine Jugendabteilungen in Schauvorfuhrfingen, denen die Vorführung des Makkabisportfllms folgte. Herr Oberrabbiner Dr. Carlebach ergriff dabei das Wort: seine Darlegungen gipfelten darin, daß der jüdische Sport nur gedeihen könne, wenn er. von wirklich jüdischem Geiste erfaßt sei. Der Schild veranstaltete zur Eröffnung der neuen Kegelbahn im Gemeinschaftshause ein Pokalkegeln, das starke Beteiligung fand. Den Preis holte sich der Kegelklub Wohin rollst Du? (Schild); als Einzelsieger ging Gradenwitz (Schild II) vor Paul Möller (Schild Altona) aus derrt Kampfe hervor. Im Rasensport sind verschiedene Treffen zwischen den jüdischen Vereinen von Hamburg und Altona zu verzeichnen, bei Schild weilte als einziger auswärtiger Gegner M a k k a b i - Rostock, der 6:2 besiegt wurde. Bar Kochba trat gegen Bar Kochba Hannover an und spielte 2:2. Am Ostermontag. 18. April, wird hier das erste Treffen um die Schildfußballmeisterschaft zwischen Schild. Hamburg und Schild Bochum stattfinden. Die auswärtigen Kämpfer sind hier vom Vorjahre her noch im besten Gedächtnis.« ' Julian Lehmann. Der Reichsobmann für Schach im Schild. Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten e. V.. sendet uns unter dem 24. V. M. mit der Bitte um Veröffentlichung die nachstehenden Zeilen: Die große Gastfreundschaft, die unsere Sportkameraden anläßlich des dritten jüdischen Schach-Kongresses gefunden haben, insbesondere auch die. rege Anteilnahme der gesamten jüdischen Bevölkerung Hamburgs an unserer Veranstaltung veranlaßt uns, auf diesem Wege für alles Gebotene herzlichst zu danken. Zu danken der Sportgruppe Blau-Weiß.»Schachabteilung im Bar Kochba Hamburg, für ihre rastlose und aufopfernde Tätigkeit, der Sportgiuppe Schild und dem Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, insbesondere seinen Funktionären für den | freundschaftlichen und kameradschaftlichen .Willkomm und die Betreuung. Ferner für die unvergeßlichen Eindrücke, die wir in den Gottesdiensten in der Gemeindesynagoge Bornplatz und im Tempel empfingen, endlich auch Dank denen, die uns durch die Stiftung der Stadt- und Hafenrundfahrt erfreut haben. Die Hamburger Tage werden uns unvergessen bleiben. FÜR IHRE AUSWANDER UNG Transporte jeder Art naca allen reuen aar wen. seplcatiefarderung. Lagerung. verpacKunq. Versicherung. Brasch & Rothenstein INHABER HARRY W HAMACHER HAMBURG 11/RÖ DINGSMARKT 69/ Fernsprecher 361841

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