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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1938-04-08 · 4 (8.4.1938) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
14 (1938)
Issue
4 (8.4.1938)
Date
1938-04-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 4 erstatter, die Herren A. Levy und Wolff, am Erscheinen verhindert waren. Dagegen berichtete Frau Zuntz über die Madchenschule des Religionsverbandes, wobei sie zunächst in ehrender Weise der Tätigkeit des früheren Vorsitzenden des Schulvorstandes Herrn Dr. S. B a r u c h , an dessen Stelle jetzt Herr M. Stern getreten sei, und der in der Berichtszeit verstorbenen Herren Bachrach und Feiner dankbar gedachte. Die Schule habe Ostern 1937 660 Schülerinnen in Volks- und Realschule gehabt, im Februar d. J. sei diese Zahl infolge der Abwanderung auf 625 gesunken, und vom Beginn des neuen Schuljahres an werde die Schule nur noch 568 Schülerinnen haben. Einem Zugang von 26 Schülerinnen des 1. Schuljahres und 35 aus hamburgischen Schulen kommenden Schülerinnen stehe nämlich der Verlust der Schülerinnen gegen- ' über, die mit Ablauf des Schuljahres zwei erste Volksschulklassen. die 9. Schuljahrsklasse, die Untersekunda und die Obertertia des Realschulzüges verlassen hätten. (Die Beratung über -die Erteilung der Abschlußzeugnisse fand-am 17. Februar unter dem Vorsitz des Prüfungskommissars der Kultur- und Schulbehörde statt. Das Abschlußzeugnis, das dem früheren Reifezeugnis für die Obersekunda entspricht, wurde 29 Schülerinnen - der Untersekunda und 22 Schülerinnen der Obertertia zuerkannt.) Der größte Teil der zur Schulentlassung gekommenen Mädchen besuche jetzt die Haushaltungsschule der Beratungsstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, ein Teil den gewerblichen Zug, einige Sechzehnjährige die Fachschule für Schneiderinnen. Das habe zu einer starken Belästung der Haushaltungsschule geführt, unter der die Ausbildung der Schülerinnen sicherlich leiden werde. Es zeige sich nach Ansicht des Schulvorstandes schon jetzt, daß die Angliederung eines Frauenschuljahres andie Mädchenschule, für die der Schulvorstand sich ausgesprochen, die der Vorstand des-Religionsverbandes aber abgelehnt habe, das richtige sei, und der Schulvorstand hoffe darum, daß dieses Frauenschuljahr über kurz oder lang doch noch verwirklicht werden werde. ■ Weiter erwähnte die Berichterstatterin die jetzt den Kultusverbänden eingeräumt» Möglichkeit, vor oder nach dem planmäßigen Unterricht Aieii 'Kindern der zu ihnen gehörenden Kreise einen zusätzlichen Religionsunterricht zu erteilen, sowie die dreimalige Veranstaltung des Schulfestes im Gemeinschaftshaus, das ein ausgezeichnetes Bild von den Leistungen der Schule und dem Können der Schülerinnen geboten und in allen Kreisen des Religionsverbandes großen Beifall gefunden habe. Endlich berichtete Fräu Zuntz, daß der Schul vorstand, um Herten und Entlassungen zu vermeiden, bei einer Anzahl von Lehrkräften die Stundenzahl herabgesetzt hätte, nachdem eine Verringerung der Stundenzahl an sich infolge der Verringerung , der" Schulerinnenzahl erforderlich geworden war. — Eine Erörterung schloß sich an den beifällig aufgenommenen Bericht nicht. " ■ In '' nichtöffentlicher Sitzung erledigte das Kollegium eine größere Anzahl von Wahlen, indem es die Herren Siegfried Kleve und Dr. Wilhelm Hesse sowie die Damen-Lilli Veis und Dr. Edda Meyer in die Kommission für das Wohlfahrtswtsen des Religionsverbarides wählte und die Herren Samson Heckscher, Heinrich Mayer und Oberlehrer Heinemann Schloß sowie Frau Recrla Lübke in ihren Aemtern innerhalb der gleichen Kommission bestätigte. In den Vorstand der ' Mädchenschule - wählte das Kollegium an Stelle des verstor- / benen Herrn Bachrach Herrn R.-A. Dr. Gerhard Müller und an Stelle des von Hamburg abgewanderten Herrn Dr." Gustav % Levien Herrn Arje Stahl- Altona, während es die "Herren Carl El lern und Eduard Mathiason in den Vorstand der - Schule wiederwählte. Personalien u. Kleine Mitteilungen Hermann Philipp Als Rabbi Jochanan ben Sakkai seine Schüler fragte, was nach ihrer Meinung den Menschen am sichersten auf den rechten Weg bringe, antworteten sie verschieden. Einer meinte: ein puter Blick, ein anderer: ein guter Freund, ein dritter: eine gute Umgebung, ein vierter: weise Voraussicht. Habbi Elasar ben Arach aber erwiderte: innere Gute. Da erklärte Rabbi Jochanan: Die Antwort Elasars befriedigt mich am meisten, denn «le umfaßt auch eure Meinungen. Sprue* der Vater 2. 13. v Wenn ich in. einem wehmütigen Abschiedsgruß'die Per>< - ■ lichkeit Hermann Philipps zu erfassen suche, so wußte ich kein Wort, das diesen einmaligen Menschen besser kennzeichnete, als die oben angeführte Mischna. Wieviel Weisheit, wieviel Umsicht, welches Maß an Freundschaft und-welche Fülle an Güte .ist mit diesem Manne dahingegangen! Die Hamburger Judenheit war nie arm an Männern, die zu den geachteten Kaufleuten der Stadt gehörten. Es fehlte ihr nie an Söhnen, die das Banner der Tradition hochhielten. Sie war stets gesegnet mit Weisen, die Wissen aus jüdischen Quellen zu schöpfen und weiterzutragen wußten, und sicher war sie nie arm an Mitgliedern, deren Persönlichkeit durch eine universelle Bildung geprägt war. Nie auch fehlte es ihr an Männern, die mit Hingabe und Begabung die Organisation und Führung der Gemeindearbeit, vor allem auf sozialem Gebiete, auf ihre Schultern nahmen. Selten aber waren in einem ihrer Söhne alle diese Eigenschaften so vertreten und zu einer solchen Harmonie verbunden wie in Hermann Philipp. In Jahrzehnten, die es liebten, die Menschen auch in unserem Lager nach Parteien und Richtungen zu scheiden, ging er den allen bestimmten Weg: den Weg der Weisheit, den Weg der Lehre, den Weg der unbestochenen, von Vorurteilen freien Liebe. Schon kurz nach dem Kriege versuchte er. in einem kleinen •Kreise, der seine besondere Förderung genoß, die Jugend auf diesem Wege zu sammeln. Sein Bemühen hatte damals keinen* nachhaltigen Erfolg. Er sah das ohne Bitterkeit, aber auch ohne sich durch einen Mißerfolg von seiner Linie abdrangen zu . lassen. Er. wußte: seine Zeit würde kommen. Und wir wissen, daß diese Zeit ihn bereit fand. Wir sollten uns der Gnade bewußt sein, die uns den rechten Mann zur rechten Zeit stellte. Ohne andere Autorität als die seiner Persönlichkeit, unterstützt von einem kleinen Kreise verständnisvoller Freunde, schuf dieser Mann in der Zurückgezogenheit seines Heimes das jüdische Bildungswei k, das als Franz-Roseri- . zweig-Gedächtnis-Stiftung in den letzten Jahren weiten Kreisen unserer Hamburger Gemeinschaft ihre geistige Heimat wies, ihnen seelischen Halt gab. * Ein Mann ist von uns gegangen, der keinen Feind hatte, ein Mann, der vielen ein Führer \var, ohne daß sie seine Hand spürten, die unmerklich zu leiten wußte, ein Mann, den die nie vergessen werden, die ihm . in Verehrung und Freundschaft nähertreten durften. 71 '2 "t '1 T ■ Dt. Hans Levien- Jerusalem. * * Rektor i. R. Joseph Feiner gestorben Am 11. v. M. starb im Alter von 75 Jahren der im Ruhestande lebende Rektor Joseph Feiner. Der Verstorbene war lange Jahre ander ehemaligen Stiftungsschule von 1815, die später den Namen Anton-Ree-Schule erhielt, tätig, erwarb sich aber besonderes Ansehen in weitesten Kreisen der Juden in Deutschland durch sein Eintreten' für die Schaffung jüdischer Schulen und die Hebung des jüdischen Lehrerstandes. Lange Jahre war er Vorsitzender des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deut-44*- Pchen Reiche, und gehörte in dieser Eigenschaft auch dem Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an. In Hamburg bekleidete er während zweier Wahlperioden das Amt eines Mitgliedes des Repräsentanten-Kollegiums; außerdem gehörte er dem Vorstande der Mädchenschule des Religionsverbandes an. Bei seiner Bestattung auf dem Begräbnisplatze des Religionsverbandes in Ohlsdorf sprachen die Herren Ober- .rabbiner Dr. 11 a 1 i e n er und AVaisenvater R. Plaut; für den Vorstand des Religionsverbandes wahren Herr M^ Stern, für die Mädchenschule mehrere Mitglieder des Schul Vorstandes und der Direktor ■ anwesend; auch die jüdische Lehrerschaft W'ar durch mehrere Herren vertreten. * Rabbiner Dr. S. Holzer genesen Nach Rückkehr aus einem Urlaub, der seiner Erholung nach monatelanger schwerer Erkrankung galt, hat Herr Rabbiner Dr. Holzer Ende März seine berufliche Tätigkeit wieder in vollem Umfange aufgenommen. Anläßlich seines erstmaligen Wiedererscheinens in der Neuen Dammtor.-Synagoge im Freitagabendgottesdienste am 25. v. M., bereitete ihm seine Gemeinde einen festlichen Empfang, an dem auch Vertreter des Vorstandes und des Repräsentanten-Kollegiums des Religionsverbandes sowie die Vorstände des Synagogen-Verbandes und des Tempel-Verbandes teilnahmen. Der Ehrenvorsitzende der Verwaltung der Neuen Dammtor-Synagoge, Herr Jacob V a 1 k jr., richtete an Herrn Dr. Holzer herzliche Worte der Begrüßung; wie die gesamte Gemeinde um ihn in den Tagen seiner Erkrankung gebangt habe, so sei sie sich jetzt einig in der Freude über seine Genesung und die Wiederaufnahme seiner in so reichem *Maße gesegneten Tätigkeit, in der er sich als Vater der Bedrängten und Tröster der Bedrückten vielfältig bewährt habe. — Den Herren Rabbinern, die Herrn Dr. Holzer während seiner Behinderung vertreten hatten, sprach der Redner den herzlichen Dank der gesamten Gemeinde für ihre hingebende Arbeit aus. Die Ansprache war von Gesängen des Synagogenchors umrahmt. ■ *. Professor Friedrich Adler 60 Jahre alt Am 29v di M. vollendet Herr Prof. Friedrich Adler sein 60. Lebensjahr. " A. ist in Laupheim Württ. geboren als Sohn eines Konditors und einer Modistin. In der elterlichen Umgebung lernte er schon als Kind eine werkgerechte Kunst kennen. 1895—98 besuchte er die Kunstgewerbeschule in München, trat 1902 als Schüler in die Obrist-Debschitz-Schule ein. in der er 1904—07 als Lehrer wirkte. 1907 wurde er nach Hamburg an die Kunstgewerbeschule berufen, der ei bis 1933 in der Klasse für ornamentale Kunst angehörte. Heute leitet er einen privaten jüdischen Fachkursus, in dem er seine Ziele den jungen jüdischen Kunsthandwerkern nahebringt. An die Oeffentlichkeit ist Adler zuerst durch die Ausstellung einer Synagoge auf der Werkbund-Ausstellung in Köln ge-

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