Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 3 (11.3.1938)
- Date
- 1938-03-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Jüdische! Gemeindet» latt Nummer 3 f--<1 Montag, 14. März 19381 pünktlich 20.15 Uhr, im Theatersaale de« Gemeinschaftshauses Hartungstr. 9/11, GEMEINDE ABEND veranstaltet von der Reichsvertretung der Duden in Deutschland und derrOüdischen Religionsverband Hamburg Schaffender Wille Juden werden Bauern und Handwerker Ein Filmbericht aus der Arbeit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland?• I Redner: Herr R.-A. Dr. Kurt Alexander -Krefeld, >> Mitglied des Präsidialausschusses der Reichsvertretung Zutritt nur für Angehörige des Jüdischen Religions- ' Verbandes und nur gegen Karten, die im Verwaltungsgebäude Rothenbaumchaussee 38 und im Büro des Kulturbundes erhältlich sind V__---;-J Veranstaltungen der Jüdischen -Mädchenschule Die Jüdische Mädchenschule veranstaltete am 15. und 16. v. M. zwei Schulfeiern im Jüdischen: Gemeinschaftshaus, dessen Theatersaal aus" diesem - Anlaß voll besetzt war. Von den ■ Kleinsten bis zu den Größten gaben die - Schülerinnen Proben ihres Könnens auf allen Gebieten schulischen Lebens und schulischer Arbeit. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß alle Darbietungen auf. einer anerkennenswerten :Höhe standen, sowohl die musikalischen und gymnastischen Leistungen wie auch die Szenen, welche die Schülerinnen in hebräischer, englischer und deutscher Sprache vorführten. Allgemein herrschte - über das Gebotene die größte Befriedigung, erweckte es doch das Bewußtsein, daß^in der Schule mit ebenso viel Fleiß wie Interesse und Liebe gearbeitet, gelehrt und gelernt wird. — Die_ Veranstaltung fand einen solchen Beifall, daß sie am 6. d. M. wiederholt werden mußte. - * \udem Verein selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender zu Groß-Hamburg von 1906 e. V. Der Verein der selbständigen jüdischen Handwerker und Gei werbetreibenden gewinnt in letzter Zeit für diejenigen, die ihre Auswanderung planen, besondere Bedeutung, da dieser Personenkreis vielfach Anlehrstellen sucht, um sich auf. handwerkliche Berufe umzustellen und sich dadurch eine Grundlage für die Existenz in dem Einwanderungslande zu schaffen. Es ist dem Verein gelungen, solchen Umschichtlern Anlehrstellen' als Polsterer, Möbellackierer und Tischler zu vermitteln. Nach wie vor ist eines der Hauptgebiete des Vereins die Betreuung der Handwerkslebrlinge: die Bedeutung ■ dieses Arbeitsgebietes wächst aus verständlichen Gründen von Tag zu Tag. Der Verein hat mit Rücksicht, auf die am 1. April d. J. einsetzende Buchfuhrungspflicht im Einvernehmen mit Ider Handwerkskammer Buchführungskurse eingerichtet, die in' den Händen des Herrn M Mich e 1 sei) liegen. Die Kommission für das Bau- und » Grundstückswesen des Jüdischen Religionsverbandes hat bei dem Verein angeregt, bei Uc-bernahme größerer Arbeiten arbeitslose jüdische Gehilfen zusatzlich einzustellen; ferner ist an den Verein die Anregung ergangen, daß seine Mitglieder bei der Ausführung größerer Aufträge oder Lieferungen einen gewissen Betrag zur Betreuung von Lehrlingen zur Verfüguni» stellen. — Die letzte Mitgliederversammlung beschloß, dem Vorsitzenden des Vorstandes des Jüdischen Religionsverbandes, Herrn R.-A. David, mit ihren Grüßen die herzlichsten Wünsche für eine baldige vollkommene Wiederherstellung zu entbieten, damit er sein schweres und verantwortungsvolles Amt binnen kürzester Frist wieder übernehmen könne. * t \ * Abschlußprüfung an der Talmud Tora Oberschule Am Donnerstag. 3. März, fanden unter Vorsitz des Herrn Oberschulrats Dr. Oberdörffer die Abschlußprüfungen an der Talmud Tora Oberschule statt. — Das Abschlußzeugnis, das dem früheren Reifezeugnis für die Obersekunda entspricht, wurde allen 51 Schülern der beiden Obertertien und allen 38 Schülern der Untersekunda zuerkannt. — Die Abiturientenprüfung bestanden sämtliche Schüler und Schülerinnen der ■ beiden Primen. Es erhielten das Zeugnis der Hochschulreife: Kurt Adler. Dieter Ahrend. Joseph Bachrach, GerhardBuxbaum, losef Elias. Heinz El lern. Helmut Fels, Fritz Gotthold, Manfred Pohoryles und Lea Bamberger, Renate May, Elisabeth Salfeld und Ruth Tuteur. Aus Mi* \tockatyS9äUi*\ Herr Dr. Arthur Kuppin in Hamburg Am 24 d. M. wird Herr Dr. A. Ruppin in Hamburg weilen und auf einem ihm zu Ehren stattfindenden Abend einen Vortrag halten. Nähere Mitteilungen folgen in den wöchentlichen Mitteilungen des Religionsverbandes. * Herr Dr. Fritz Bamberger-Berlin über Spinozas jüdische Umwelt | Auf dem dritten Kulturabend des ReJigionsverbandes sprach < Herr Dr. F. Bamberger-Berlin über/ die jüdische Umwelt . .Spinozas. Der Redner, den Herr Dr. Eoewenberg namens des Bildungsausschusses einführte, ging den geschichtlichen Ursachen nach, welche das. scheinbar plötzliche Auftauchen einer genialen Individualität vorbereitet haben. Er begann mit einer altgemeinen Betrachtung über das Wesen sefardischer Kultur, die während des klassischen Mittelalters im Vergleich mit den Hervorbringungen des aschkenasischen Lebenskreises eine ausgesprochen persönliche Note gezeigt hat; ihre große Offenheit gegenüber der weltlichen, meist antik bedingten Kultur führte zu einer Freiheit der Auswahl des persönlich Passenden, während J im deutschen und nordffanzösischen Judentum _^ie alleinige Vorherrschaft der' jüdisch-religiösen Tradition den einzelnen in festen _Schranken hielt. Der zweite Teil des Vörtrags! behandelte die bestimmte Situation des holländischen Judentums in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, im Zeitalter des Barocks. Die Hörer bekamen durch eine Fülle von Beispielen einen starken Eindruck von der Einmaligkeit dieser Geschichtstunde, in der eine intensive Begegnung der Juden mit der scheinbar ins Unendliche geweiteten Welt zusammenfiel mit einer völlig ungebrochenen Fortdauer ihrer religiösen Tradition. . So konnte Manasse ben Israel, einer der Lehrer Spinozas an der Amsterdamer Talmudakademie, mit Oliver Crom well, dem Lordprotektor der damaligen englischen Republik. Verhandlungen über'die Wiederzulassung der Juden in England unter weitgespannten handelspolitischen Gesichtspunkten führen, während er im Herzen daran dachte, gerade -dadurch die Voraussetzungen für das Hereinbrechen der messianischen Zeit herbeizuführen; wenn in den Winkeln der Welt (anguli, Wortspiel mit Anglia England), in Brasilien und in Britannien, Juden siedelten, dann schien ihm der größtmöglichste Grad der Zerstreuung erreicht zu sein. — Die Darstellung, wie aus diesen Elementen das Werk des Spinoza sich gestaltete, gehörte nicht mehr zum Thema des Abends, aber die geistige Neugier der Hörer ist durch die Ausführungen in dieser Richtung stark angeregt worden. H. L. * Dr. H. Mandelbaum über die Landschaft Palästinas Auf dem vierten Kulturabend des Religionsverbandes sprach am 7. d. M. Herr Dr. H. Mandelbaum über die Landschaft Palästinas. In schlichter, sachlicher Weise führte der Vortragende an Hand einer großen Anzahl von Zeichnungen und Lichtbildern, die er selbst gefertigt hatte, seine Zuhörerschaft in die Landschaft Palästinas ein.~die so das Heilige Land einmal von einer ganz andern Seite kennen lernte, das Land, wie die Natur und jahrhundertelange Vernachlässigung es gestaltet haben und wie es unter fleißigen Händen wieder aufblühen konnte. Die'Worte des Vortragenden, aus denen bei aller Sachlichkeit doch die Liebe des Redners zu seinem Gegenstände herausklang, fanden den reichen Beifall einer dankbaren und interessierten Zuhörerschaft. + Rabbiner Dr. Vogelstein-Koblenz über die älteste Diaspora-Gemeinde Im Kreise der Franz-RosenTweig-Gedächtnis-Stiftung sprach am- 15. und 16. v. M. Herr Rabb. Dr. V o g e 1 s t e i n - Koblenz vor: einer eifrig mitarbeitenden Teilnehmerschar „Ueber die älteste Diaspora-Gemeinde '. An Hand der Elephantine-Funde, der Papyri-Urkunden aus der Zeit Esras und Nehemias, gewann man Kenntnis von einer Epoche, die bis zur Auffindung der Papyri fast ganz in Dunkel gehüllt war. So erfuhr man Wesentliches über diese, auf der Nil-Insel Elephantine lebende, in persischen Diensten stehende jüdische Militärkolonie, ihr politisches, wirtschaftliches Dasein, ihr religiöses Leben. Besonders aufschlußreich der amtliche Briefwechsel mit persischen Behörden, die Bittschrift wegen WiederaufVichtung des im Jahre 410 v. Chr. von den Priestern des ägypt^chen Gottes zerstörten jüdischen Tempels zu Jeb (Elephantine), der Bericht an eine höhere persische Stelle über Unruhen auf der Insel, die königliche Verordnung betreffend die Feier des Peßachfestes nach vorgeschriebenem Ritus, die Tempelsteuerliste, in der von Geldopfern für fremde Götter die Rede ist, der Niederschlag des Eindringens von Fremdem in den jüdischen Ritus. Durch mancherlei religions- und allgemeingeschichtliche Erörterungen wurde die Arbeitsgemeinschaft bereichert und den Zuhörern interessant gestaltet. S. E.