Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 14 (1938)
- Issue
- 2 (11.2.1938)
- Date
- 1938-02-11
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Jüdisches G e m e i n d e b 1 a 11 Nummer 2 Pro/. Dr. Isaak Markon: Aus der Bibliothek der Gemeinde Das Werk von Menko Max Hirsch') „Frucht vom Baum des Lebens, Ozer peroth ez chajim" bietet in Deutsch eine Uebersicht über den Inhalt der Responsen des Portugiesischen Rabbinerseminars Ets Haim in Amsterdam, soweit sie in der Responsensammlung Peri ez chajim gedruckt erschienen sind. Unter den Stätten, an denen Torakenntnis vermittelt war, nahm das sefardische Rabbinerseminar in Amsterdam eine besonders hervorragende Stellung ein. In der Geschichte der sefardischen Gemeinde in Amsterdam gilt das 17. Jahrhundert als das_Goldene Zeitalter. In den Jahren zwischen 1593 und 1602 war die erste Gruppe portugiesischer Marranen mit Jacob Tirado an der Spitze in Amsterdam eingetroffen. 1602 kam eine zweite Gruppe mit dem Rabbiner von Emden, Uri halevi,5) der die Marranen ins Judentum zurückführte. Im Jahre 1616 wurde die Schule Talmud Tora gegründet, die auch von aschkenasischen Autoren — Sabbatai Scheitel Horowitz, Rabbiner in Fürth. Frankfurt a. M. und Posen, und Sabbatai Bass, dem ersten jüdischen Bibliographen — rühmend hervorgehoben wird. 1637, also vor 300 Jahren, gründeten Rabbi Saul halevi Morteira, Rohiel (R'uel) Jessurun und die Vorsteher der Gemeinde Bet Jacob, der ersten Amsterdamer Gemeinde, das Ez- Chajim-Seminar in dem Wunsche, daß es ein Geisteszentrum für das gesamte sefardische Judentum werde. Aber das Seminar fand nicht nur bei den Sefardim, sondern in der ganzen jüdischen Welt Geltung. J - Gegen 1690 wurde mit der Drucklegung der Responsensammlung Peri ez chajim begonnen. Aus der geringen Auflage erklärt sich, daß nur wenige Exemplare der Sammlung erhalten sind. Wie Hirsch richtig bemerkt, sind Reihen von einigermaßen beachtenswerter Vollständigkeit fast unauffindbar, zumal das Erscheinen der Responsen, von denen jede nur einige Blatt umfaßt, sich über einen Zeitraum von 116 Jahren erstreckte. Wie Hirsch weiter mitteilt, findet man sie zum großen Teil in ,der Bibliothek des Ets Haim, ebenso in der Bibliotheca Rosenthal iana, in der Universitätsbibliothek zu Amsterdam, in der Stadtbibliothek in Frankfurt a. M., in der Bodleiana in O x f p r d und im British Museum in London; einige Responsen finden sich in der Bibliothek von D. Simonsen -Kopenhagen, in der Straschunschen Bibliothek in W i 1 n a, im Besitz von S. Schocken - Jerusalem; einige Bände befinden sich in der Bibliothek von M. M. Hirsch-Antwerpen. Es wurden 952 Responsen gedruckt, wovon bisher 948 aufgefunden werden konnten. — Die Gutachten stellen stets nicht die Meinung eines einzelnen Rabbiners, sondern die Entscheidung des Seminars und des Rektors dar. Ihr Inhalt erstreckt sich auf fast alle Gebiete des jüdischen Rechts. Einen breiten Raum nehmen die Fragen des Zivilrechts ein, darunter besonders die Fragen des Erbrecht s.*) Das jüdische Erbrecht gilt noch heute für die einheimischen Juden in den französischen Gebieten der afrikanischen Mittelmeerküste, für die sefardischen Juden in der Türkei und für die Juden in Palästina, die palästinensische Staatsangehörige sind, und zwar auch vor den staatlichen Behörden. Die Sterblichkeit war damals sehr hoch, und oft wurden Leute in mittleren ') S. Gemeindeblatt Nr. 7 vom 16. Juli d. J. ') Ahnherr einiger angesehenen Familien in Amsterdam (Jacobsohn, Pnns. Salomon-Prins) und in Antwerpen (Prins — Schwiegereltern des Herrn Menko Max Hirsch). ') Unter den vielen Cutachten dieser Art sei hier eines (Nr 142 vom Jahre 5409—1649) zitiert, in dem Hamburg erwähnt wird. Ein Amsterdamer heiratete eine Frau aus Hamburg. Nach den nv »V3"n» den sieben Segenssprüchen der Trauung.' reisten beide in Begleitung der Brüder der Frau ab. Die Ehe war nicht vollzogen worden, auch hatte nach der Trauung Kein Alleinsein zwischen Mann und Frau stattgefunden. Die Frau wurde krank, und die Reise mußte unterbrochen werden. In dem fremden Ort starb die Frau nach etwa einem Monat. Wegen ihres Nachlasses gab es Zwist zwischen den Brüdern und dem Gatten: dieser hatte allen Besitz mit in sein Haus genommen. Er behauptete, in dieser Zeit (auf der Reise) hätte ein Alleinsein stattgefunden, wofür die Wahrscheinlichkeit spreche. Der Beweis des Gegenteils liege den Brüdern ob.. Jacob Chiskljahu Athias spricht in Anlehnung an die Responsen des R. Salomo Hakohen. 3. Teil Response 27, den Nachlaß dem Gatten zu. Jähren dahingerafft. Es kommt in den Responsen eine ganze Reihe von Fällen vor, in denen der Großvater unmittelbar von seinen Enkeln beerbt wui1 Von großer Wichtigkealsihd diese Responsen für die Wirtschaftsverhältnisse der Jddejl in der damaligen Zeit. Das große Risiko verursachte häufig, daß ein reicher Mann mit einem Schlage verarmte, wie umgekehrt jemand leicht über Nacht reich werden konnte. Die Preise der Waren sind überaus schwankend. Die Meere werden von Piraten unsicher gemacht, die Landstraßen von Räubern bedroht. An der Tagesordnung sind noch Menschenraub und Verkauf in die Sklaverei. Auch die Kaperschiffahrt blüht. Das jüdische Leben der damaligen Zeit spiegelt sich in dieser Responsensammlung in seiner ganzen Mannigfaltigkeit. Viele Gutachten zeigen, wie streng ein großer Teil der sefardischen Juden in Holland sich an die Ritualgesetze hielt. Die Unkenntnis des Hebräischen war sehr groß. Es kam vor, daß jüdische Mädchen in Amsterdam nicht einmal die hebräische Trauformel kannten und verstanden. Viele Gutachten beschäftigen sich mit den Marranen. Manche zeigen, wie groß die Bedeutung Hamburgs schon damals in dem Welthandel gewesen ist und welch große Rolle die Juden in diesem Handel gespielt haben (Nr. 443, 756). Aus einem Responsum (Nr. 747) ergibt sich, daß im 18. Jahrhundert ein Amsterdamer Jude ein Grundstück in Hamburg besessen hat. M. M. Hirsch hat das große Verdienst, diese Quelle der jüdischen Forschung zugänglich gemacht zu haben, denn in dieser 13bändigen Sammlung steckt ein großes historisches und jüdisch-rechtliches Material. Mit Fleiß, Interesse und Sachkenntnis hat Hirsch diese mustergültige Arbeit vollendet, die ihn viele Jahre in Anspruch genommen hat: er hat sie 1928 begonnen; der Druck begann im Februar 1932 und wurde vollendet im Januar 1937. — Hirsch hat sein Werk dem Andenken seines Vaters Dr. phil. Abraham Hirsch aus dem bekannten und hochgeachteten Haüse Hirsch in Halberstadt gewidmet. Am Ende des Buches, welches 368 Seiten umfaßt, gibt Hirsch drei sehr gut zusammengestellte Register: I: Hebräisches systematisches und Schlagwortregister, II: Namenverzeichnis und III: Sachregister. . Die Ausstattung des Buches läßt nichts zu wünschen übrig. Es ist auf erlesenem Büttenpapier (mit dem Wasserzeichen eines Hirsches) gedruckt und mit ausgezeichneten schönen, klaren Typen gesetzt. — Man kann es mit Recht als eine Edition de luxe bezeichnen, für welche jeder Freund der Wissenschaft des Judentums, sowie jeder Bibliophile Herrn Menko Max Hirsch zu Dank verpflichtet ist. Beerdigungen auf den Begräbnis plätten des Religionsverband« Januar 1938 1. ■•grübnltplati Ohlsdorf: 5. Cehen. Sophie geb. Blumenthal. Altrentnerin. Oberaltenallee 60; 74 J. Hamel. Rosalie geb. Meyer, Pensionärin, Kreuzbrook 16; 77 J. 6. Bonifaciu», Bruno, Kaufmann, Klaus-Groth-Str. 18; 45 J. 9. Calmann. Gotthelf. Kaufmann, Andreasstr. 32; 71 J. 7. Loewenthal, Eduard. Expedient, Scbafcrkampsallee 41; 75 J. 10. Philip. Hertha geb. Zadik. Schlütcrstr. 14: 49 J. 11. Scligmann. Edgar M A., Rechtsanwalt. Carolinenstr. 25;'62 J. Nathan, Sara geb. Nathan. Wwe., Meldorfcr Sir. 8; 74 J. 12. Koppel, Max, Kaufmann, Woldsenwcg 4; 74 J. V 13. : Cohen. Agnes geb.' Salonion. Wwe.. Hallersir 70: 82 J. Levy, Caroline, Bundesstr. 35; 81 J. 17. Seckel. Helene geb. Hirschfcldt. Oberaltenallee 60; 72 J. 18. Roscnthal, Albert Sal'omon. Bankbeamter,- Schlankrcyc 73; 91 J. 20. Benjamin, Emma geb. Hirsch, Wwe., Charlottenstr. 6: 78 J. Schwarz, Ernst, Kaufmann, Alsterdorfer Str. 110; 60 J. 21. HcO, James M.. Kaufmann. Isestr. 55: 71 J. 23. Caro, Hedwig geb. Böhmer, Grabenstr. 23; 61 J. 25. Scherr, Israel Nchemias, Kaufmann, Schlachterstr. 46 : 70 J. Katzenstein, Louis. Kaufmann, Poppennusenstr. 7: 68 J. 27. Löw. Eva geb. Kraut, Wwe.. Durchschnitt 1; 79 J. 28. Magnus, Emil. Kaufmann, fsestr. 37; 64 J. 30. Liebes, Emma geb. Fuchs, Wwe.. Rothenbaumchaussee 233; 77 J. Sudheim, Rose geb. Pcarlrcc, Wwe., Haynstr. 8: 74 J. 2. Begiabnisplatz Altona, ■ornkampswog: 21. David,' John, Makler. Nordcrstr. 23; 79 J. I. lagrKbnftplatz Wandsbek: 18 Steinfeld. Albert. Kaufmann. Ncanderstr. 11; 54 J. Uobarf (Inning: 5. Mai. Auguste geb. JJaruch, Wwe., Parkallee 7: 70 1.. nach Scgcbcrg. Versicherungs-Vertreter und -Makler Julius M. Cohn Hamburg 13 Heinrh*i Borth-Strasse 25 Ruf: 55 67 04 Versicherungen aller Art auch Krankenversicherung Louis Glaser Hamburg 1 Kattrepelsbrücke 1 Gegr. 1905 Ruf:330!16 privat557795 Versicherungen oller Art auch Krankenversicherung Siegmund Silberberg Hamburg 36 Königstr. 21/23 Ruf: 34 6818 Versicherungen aller Art Verlangen Sie unsere Anzeigen- Preisliste