Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 11 (12.11.1937)
- Date
- 1937-11-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Gemeindehl tt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg Das Gemeindeblatt erscheint Mifle Jeden Monats / Bezugspreis 0.45 RM. vierteljfihrl. einschl. Bestellgeld z Anzeigenpreis 8 Pf. die 8 gesp. mm-Zeile. Geschäftsstelle: Hamburg 36. ABC-5fr. 57. Fernspr. 3407 71 Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers lür VoUnsautklfirung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulUrell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet * t .. . Nummerll Hamburg, 12. November 1937 13. lahrgeni* "• i"-. AUFRUF Im vergangenen Jahre mußten nahezu 3500 Personen durch die Jüdische Winterhilfe betreut''werden Schon jetzt steht fest, daß in diesem Winter 250 Personen mehr auf sie angewiesen sind Dagegen ist ’d.je Zahl der Opferfähigen stark vermindert. ' Die Jüdische Winterhilfe kann ihre Aufgabe, die schwere Not aller Juden im Sinne der Nürnberger Geselze in Hamburg zu lindern und sie vor Hunger und. Kälte zu bewahren,-nur .dann erfüllen, wenn jeder e.rz Ine, der nach diesen Gesetzen als Jude gilt, ihrem Rufe folgt und das Aeußerste leistet Die Jüdische Wisterhilfe ist mehr als gesetzlicher Zwang Sie ist die (Verwirklichung des Gebotes der Nächstenliebe, welches zu allen Zeiten vor) der Menschheit als das höchste Gebot anerkannt worden ist, Die Leitung der Jüdischen Winterhilfe _ ’ I ’ Zahlungen erbeten an: Jüdische W*interhilfe Hamburg, M. M. Warburg & Co. — Simon Hirschland — Hamburger Sparcasse von 1827, Konto Ö0 1441 — Postscheck-Amt Hamburg 1 50 54 — Kasse der Deutscti-Israel Gemeinde, Rothenbaumchaussee 38 Stadtrabbiner i R. Dr. Paul R i e g e r - Stuttgart: Die Hamburger Tempelgemeinde — die Muttergemeinde der neuzeitlichen Judenheit Zur Feier ihres 12 Die Geschichte des Judentums ist nicht die Darstellung 'des Schicksals seiner Bekenner, sondern die Geschichte seiner Werte und Weisungen. So ernst, so tragisch sich das Schicksal der Judenheit in einzelnen Ländern gestaltet, das Judentum als Meengemeinschaft ging unversehrt, ja, geläutert aus den Tragödien hervor. Phönixgleich hob es sich aus dem Flammenwirbel der Vernichtung zu neuem Dasein. Die Zeiten seiner tiefsten Demütigung waren Perioden höchster geistiger Entfaltung. Der Dornbusch stand im Feuer, aber ditf Flamme verzehrte ihn nicht — es hörte Gott aus dem flammenden Busche. Politisches Geschehen hat wohl die Schicksale der Judengemeinschaften der Erde bestimmt. - Gewiß haben religiöse; philosophische und weltanschauliche Stimmungen und Strömungen der Umwelt auf die Judenheit ernst eingewirkt. In seiner Totalität aber blieb das Judentum eigenartig und eigenwertig. Nur einmal, in der Zeit des Ueberganges vom Ghetto zur bürgerlichen Gleichstellung schien es, als ob die Welt des jüdischen Denkens unter dem Ansturm von draußen zusummenbrechen sollte. Die Ghettomauern, die providentiellen Schutzwälle um das jüdische Leben, waren gefallen. Die völlige Umgestaltung der wirtschaftlichen'Verhältnisse, der Uebergang vom Hausiergewerbe zum freien Handel, das Einströmen der Weltkultur in die bis dahin abgeschlossenen jüdischen Gemeinschaften; mit anderen Worten die kulturelle und religiöse Einordnung in die moderne Welt stellte die Judenheit vor die ernsteste Entscheidung in ihrer Geschichte. Es schien eine Zeit lang, als ob sie diesem Wandel nicht gewachsen sein sollte, als jährigen Bestehens ob die neue Zeit das. Vollbringen sollte, was die’FVind: ■-•liükeit zweier Jahrtausende nicht vermocht hatte. D.e si 'civ.te Kraft des Ititus und der rabbinischen Vorschriften versagte gegenüber den von der Außenwelt her eindringenden Ideen und Eindrücken. Der Gottesdienst, bis dahin die Quelle stets neuer Jugendkraft, bot in seiner damaligen Gestaltung nicht mein.- .-I.e innige geistige Erhebung, zumal die Gebetswunsche nicht mehr ’ mit dem Zeitbewußtsein vereinbar erschienen. Das Judentum im Ghettokleid erschien neben der stolzen Philosophie der. Am- . klärungszeit so armselig, daß es nicht mehr auf die Gefolicstreuc seiner bisherigen Anhänger rechnen durfte. So konnte a Nöchfte Eintopffammlung: Sonntag, 141 November Wir bitten um Ueberweisung des Beitrages fuf den Monat November. j < Zahlungen erbeten an: Jüdische Winterhilfe Hamburg: M ’mI Warburg & Co. — Simon Hirschland — Hamburger Sparcasse von 1-827, Konto 80 1441 — Postscheckamt Hamburg 150 54 -- Kasse dar Gemeinder Rothenbaumchaussea 38. JÜDISCHE WINTERHILFE *