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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-10-15 · 10 (15.10.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
10 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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I scherzte laut. Es war so diese Menschen mit den roten Gesichtern zu sehen. weiche Flammen übqr den Wein erscheinen, mußte der Topf sofort heruntergenommen werden! Dann saßen die vielen Gäste an dem langen Tisch, aßen und tranken den süßen Wein dazu. Man redete, lachte. angenehm, abseits zu stehen und Auch Vater bekam-rote in Sprache und Haltung, lt Bäckchen, würde, et 4'as unsicher chte mehr und lauter als sonst Mutter beobachtete ihn ui|id lächelte gütig und mit schamhafter Nachsicht. ■var und der Schnee zu schmelzen begann, schmolz auch] in c en Fässern das zurückgebliebene Eis. Der Wein, der aujs dem Eis entstand, war ganz wässerig. Der Stiefbruder ließ olle Schweine aus dem Dorf bringen. Da gab es ein eigenartiges Schauspiel: Die Tiere schlürften gierig Und so viel, daß sie ganz besoffen wurden und, wig in Spätherbst, während der Weinlese, fröhlich grunzend auf der I-andstraße liegen blieben. und sie mit lauten Flüchen nach Hause schleppten — buchs) üblich, schleppten. Die besoffenen Schweine grunzten über d; s ganze Dorf und lächelten selig, lachten vergnügt, sorglos cer Einmal klopfte es in längst schlief. Manwachte sein — jetzt, zu so ungewo Stiefbruder war mutig. Er zu öffnen Der Knabe war Ein junger, schmächtiger fröstelnd da und hielt an e herrliche Pferde. „Ihr lieber Menschen “ wenig ausruhen “ Der Bruder sah dem Ri schwieg eine Weile — der Unsicherheit- Der Bruder brachte die Mut. diesen Burschen ins staunten alle Familienmitgji Man ging zu Bett. Der Teppiche. Er legte sich auf bald laut, sehr laut! .Da stand der Bruder a hinter ihm her ..Das sind gewiß gestohl^i als er die Stalltür öffnete, anzusehen Die Tiere tfcaren „Was nun?“ schien das ei „Kriegen wir nicht wenig: Augen des anderen. Der Bruder gab beiden schloß den Stall wieder ab und sagte: „St. Leise. Aiji wieder ins Haus. Als der Morgen anbracl im großer) Zimmer. Der Brustseite eine Blechmarktj, pen — ein\Ochsenkopf mit war. Dann wurde der Bur s. Der Aelteste: „Nun spg Pferde her?" „Sie gehören meinem Va „Wer ist dein Vater unql Der Bursche schwieg. „Du hast die Pferde ge: und erhob seinen langen Sjt Und schon stürzten sich ballten die Fäuate. „Was wollt Ihr denn Bursche. „Ich habe die Pför stohlent Bei Gott!" Er bekn rungsgrund. Und die Bauer i Aber da fragte der Bru „Erlaubt euch das Gesgt Religion. Juden zu bestehlejn Der feige Dieb brach in Die Pferde gehörten eind: sei doch nur ein halber C1 Der Dieb und die . Pferd und der Behörde Übergeber i als Held gefeiert! In der ersten christlichen jugend außerhalb des Dorf läuten, wie alljährlich, ein Nacht, als man schon längst, auf und erschrak! Wer könnte es mter Zeit? Doch nur Räuber! Der ^agte aufzustehen und die Flurtiir' ihm gefolgt. Bursche, dürftig bekleidet, stand nem Strick ein paar wundervolle. bat der Bursche, „laßt mich ein rschen in die Augen, ins Gesicht. Bursche verriet sich durch seine?fcrde ip den Stall und hatte den Haus hineinzulassen! Darüber jeder. Doch niemand sagte etwas. Bursche erhielt zwei wollene den Fußboden — und schnarchte if, schlich sich hinaus, der Knabe ne Pferde“, flüsterte der Bruder, um sjch noch einmal die Pferde hungrig, müde, aber auch erregt, ne Pferd verwundert zu fragen. $tens etwas Heu?" stand in den t futtern und sagte: „Komm.“ Er' riahm den Knaben bei der Hand f den Zehen.“ Dann gingen sie versammelten s Aelteste“ trug a auf der das bes zwei großen Höf: che vernommen rhein Junge. ch viele Bauern uf seiner linken;arabische Wapnern — geprägt tvo hast du die tgr.“ wo wohnt er?“ ftohlen!“ schrie r ock. einige Bauern a von mir?!“ empörte sich der de ja nur von e inem Juden geeuzigte sich. Das wer ein Mildesahen sich auch'gegenseitig an . . der: un der Aelteste uf den Dieb und z. erlaubt euch Tränen aus und gestand: m deutschen Kolonisten! Und der rist! — e wurden in die Stadt gebracht — — der Brt der. indes wurde IV Osternacht, als es unter feierlj großes Feuer eure christliche äie reifere Dorfchem Glock.cnchte und‘-'dazu na Holz benötigte und. „räubern" ging, nahm der Bruder sämtliche großen Kämme, überzog sie mitSeidenpapu-r. setzte sa h mit,dem Knaben vor das Haus und spielte laut, zum Zeichen, daß dieses Grundstück bewacht wurde — hier konnte man weder Holz nck-h Bretter räubern! Aber: wie herrlich war cs .— in dieser dunklen Nacht unter einem tiefblauen südlichen Himmel, aus dem die Milchstraß«? allmählich "h( raustrat und in dem so viele, leurige Sternchen schimmerten! -Und dala-i sah man den Stiefbruder an und, wunderte sich, «laß i-r so schlecht sein konnte --. Ein paar Tage darauf weckte er den „Fremden ' •-Komm komm1 Unsere jüngste Kuh kalbt’“ Man zog sich j;asch an. ging hinaus und sah im Stall ein kleines, liebes Kälbchen, das-die Mutter liebevoll und besorgt beleckte Und im Mai gönnte man sehen, wie die Sf hafe. erst vereinzelt dann massenweise, kleine Lämmer gebären. Da schlich sich der knabe nachts hinaus um das.zu beobachtcri. Die kleinen, jungen Lämmer wurden geschlachtet odei in die Stadt gebracht Man aß sie gern mit ..Mamaliga“ — fester^ Breimasse aus Maismehl und trank Wein dazu. ' * Wie lockten doch die hurtigen, noch wilden, iungen P!et;dchen! die man so gern reiten mochte! Im Sattel, auf dom Rücken eines großen Pferdes, zu sitzen, macht nicht sehr va 1 Spaß: Man empfindet ep als Gnade, auf einem großen Pferde reiten,zu dürfen. Aber adf einem ungesattclten. unaezauntvn. und ungezügelten Füllen wild .dahinzutrahen - das macht’• Freude, viel Freude! ' Wenn der Stiefbruder auch sehr selten ein Wort zu dom'' Knaben sprach — tat er cs dennoch, so geschah es immer im befehlenden Ton und indirekt — so maejate es ihm;iui-«!trscheinlich doch Vergnügen. ihm zu einf-i- Freude zu verhelfen ’ , „Geh zu Pietra und'laß. dir sein kleines Pferdchen i« i.en: sage ihm. ich schenke ihm dafür Tabak.1', Aber P.ietras *Pfcrdchen war zu artig. Auf!« rdeni i-ihrt" dieser langgewachsene Rauer mit dem erschreckend kleinen, knochigen und krankhaft, blässen Gesicht, den kleinen schwarzen Aeuglein Und dem unheimlich langen, ejattpn Haar, dps Pferde-hf h am Zi'c ol Wi ll er cs niemandem anvertraute f . Wenn man auf diesem Pferdchen' -aß. dessen struppigen Haare in den Hfinden hielt und,mit dop Fußen eeeen seinen , I.c'h schlug, schimpfte der Bauet' Der Knabe ging auf das Feld, wo die Pferde weideten. und entdeckte hief* ein hoch un gezähmtes, junges Fuchslcin von wildem Uebermut. — .Wio dieses w enige-Monate alte Kerlchen über die Wiest» dahinsprang die schlanken Hyiterboine von sich warf' Das war eine Freude! Und auf dies«'« Vühs'em hatte der Knabe ein Auge geworfen1 Der Besitzer erlaubte ihm. das Tier zurückzubohalti-ii. bis die ganze Herde im Dorf sei. Dann schwang er sich hinauf. Aller das behaete dem jungen Fuchs nicht, und er warf den Knaben ab . Der zog nun eine dünne Schnur aus der Tas’ he und wollte das Pferd „zäumen'! Doch davon wollte der rothaarige Hengst nichts wissen und —riß aus! Der Knabe lockte ihn durch landläufiges Schnalzen und Pfeifen heran, zäumte ihn. streichelte ihm den langen, kräftigen Hais und den Rücken und .— schon war er oben' Ueber Wiesen und Getreidefelder gine es ini scharfen Trab dahin Eint/ Maus lief quer über den Weg. das Pferd®- erschrak und stürmte noch wilder voran! Und der „Rcitov gifig hoch hnd nieder, hoch und nieder Es'war eine Wonne eine schier unerträgliche Wonne! ‘ Da riß der „Zaum“ entzwei; weil die Schnur aus zwei Teilen bestand- Sie waren gerade so stark zusarhme.ngeknüpft. wie Kinderkräfte es eben zuließen. Nun war es . unmöglich weiterzureiten. Man mußte hinunter! Aber wie“! Das Pferdchen war ja rein wild geworden! Er faßte mit beiden Armen den längen Hals des juiv. <•« Hengstes — und.-obschon das Tier, stark erregt, rücksichtslos duhinstiirmt. rutscht der Reiter vorsichtig, sehr vorsichtig nach vorn und bleibt, mit hochgehobenen Beinen am Hals des erhitzten Pferdes hängen, das. trotz alledem, weiter läuft, nach Hause zu — über das Dorf ... (Bitte wenden!)

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