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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-08-20 · 8 (20.8.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
8 (20.8.1937)
Date
1937-08-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 8 Wehn wir als Knechte vor Dir stehen, Empor demütig unsre Augen seh'en, Bis Du das Wort der Gnade hast gesprochen, Bis hell wie Sonnenlicht hervorgebrochen, * Ist unser Recht vor Dir, o Herr, o Heiliger, Erhabener!3) In den vorstehenden dichterischen Uebersetzungen unseres Gebetsstückes werden die Worte mndie wir mit Gerichtstag übersetzten, auf die Erschaffung der-, Welt bezogen: „Heut’ ward die Welt geboren“ übersetzt L ä n d a u , und ähnlich Sachs: ..Heut’ ist der Tag, an dem die Weit entstand.“ Und diese Auffassung von der Bedeutung der Worte m.1 begegnet uns in den meisten Uebersetzungen der Festtagsgebete. R. Isaac Berlin, dessen Machsor-Ausgaben noch in den Händen vieler Hamburger sind, übersetzt vor nun gerade 100 Jahren: Heute ist der Geburtstag der Welt und das Gebetbuch, für die neue Synagoge in Berlin* *) und ebenso das Gebetbuch‘des Israelitischen Tempelverbandes in Hamburg"’) übersetzen: Heute feiern wir den Schöpfungstag der Welt. Aber trotz dieser vielfachen Uebereinstimmung unter den verschiedensten Uebersefzern ist diese Uebersetzung nicht haltbar. Wohl begegnet uns im Talmud und Midrasch die Auffassung. daß die Welt im Tischri erschaffen worden sei");- aber sprachlich'ist die Uebersetzung nicht haltbar, da im Hebräischen T..gebären". niVn 31’ „Geburtstag“ heißt. Diese Schwierigkeit scheinen andere Uebersetzer auch empfunden zu haben, und offenbar aus den hier vorgetragenen Erwägungen übersetzt M. Letteris in seiner Ausgabe des Machsors für Rausch hasehonor) unsere Stelle: Heute kreiste das Chaos und gebar die Welt, wobei das Wort mn sichtlich zu dem Hebräischen mn ..schwanger sein“ in Beziehung gesetzt wird. Und ähnlich übersetzt Joseph' Breuer .in seinem Kommentar zu den ’i Bnsbu 1887. 4| Berlin 1906 S. 158. =•) 1876 S. 197; 1904 S. 256. *1 v B S. J j c o b m n t. a. O. Prag 1864. Sprechstunden der leitenden Herren und Damen in den beiden Gemeindehäusern ■othenbaumchaussee IM: Syndikus Dr N. M. Nathan Montag, Donnerstag 10'—12 Uhr; Dr. M. Plaut Dienstag, Freitag 10—12 Uhr. •eneckestraBe 2: Dr. E. Giickenheiner Montag, Dienstag, Donnerstag Freitag 10—1 Uhr; Fraulein M. Samson Dienstag, Freitag 10—12 Uhr; Fraulein E. Schreiber Montag, Donnerstag 10—12 Uhr; Schwester Thekla Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag 9—10 Uhr; Herr F. Abraham Dienstag, Donnerstag, Freitag 11—12 Uhr. Wir bitten dringend, die Sprechstunden Innexuhalten. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Piutim für Rausch haschono“): Heute geht eine Welt ihrer Geburt entgegen — ein Gedanke, den er dann in. seinem Kommentar des weitereil ausführt. Die richtige Uebersetzung ist aber doch die, welche wir an die Spitze dieser Skizze gestellt haben. Für sie spricht schon überzeugend die Erwägung, daß das ganze Gebetsstück dem Charakter des rtlü.T rin - Festes als bt* gewidmet ist. Aber auch sprachlich ist die Richtigkeit unserer Uebersetzung erweisbar. Kein geringerer als Raschi hat darauf hingewiesen, daß das Targum, die aramäische Bibelübersetzung, die hebräischen Worte rtSH' inal’T (Streit, Hader, Zwist, Prozeß u. ä.) mit mn wiedergibt, und Nathan ben Jechiel aus Ront. der Verfasser des "piy. ergänzt diesen Fingerzeig Raschis durch einen Hinweis auf die syrische! Bibelübersetzung, die sogenannte Peschitta, die das Wort mn in gleichem Sinne gebraucht. Und kein geringerer als David Hoffmann, der seinem Meister Esriel Hildesheimer in seinem Amte als Rektor des Berliner Rabbiner-Seminars folgte, hat diese in Vergessenheit geratene Erkenntnis von der richtigen Bedeutung unseres Wortes in einem im Jeschurun erschienenen Aufsatze uns Heutigen wieder in Erinnerung gebracht. Frankfurt a. M. 1919. Dem Gedächtnis zweier Toten Rabbiner Dr. L. Lichtig — Rabbiner Dr. I. Plato Mit ihren Angehörigen beklagen unsere Gemeinde, zahlreiche Schüler und Verehrer den Heimgang zweier-Rabbinen, die beide mehr als ein Menschenalter in unserer-Gemeinde selbstlos und hingebungsvoll zur Ehre unseres Gottes und zur Ehre seines Wortes gelebt und gewirkt haben. In der Nacht vom 15. zum 16. Juli verschied nach einer kurzen Krankheit Herr Rabbiner Dr. Leopold Lichtig, und eine knappe Woche später, am Abend des 22. Juli folgte ihm nach längerem Krankenlager isn Tode Herr Rabbiner Dr. Immanuel Plato. Seitdem sie in ihr Klausneramt eingetreten waren, haben diese beiden Männer nur ihrem Berufe gelebt, in der Gotteslehre geforscht, zahlreiche Schüler in sie eingeführt und diesen mit dem Wissen unbeirrbare Treue zum Gottesgesetz und unerschütterliches Vertrauen auf diq göttliche Führung des Menschen eingepflanzt. Vielen waren die Heimgegangenen Führer in den entscheidenden Fragen ihres Lebens, Berater in den Nöten, die sie bedrängten, und in den Sorgen, die sie erfüllten. Und nicht das letzte Verdienst der Toten ist es, daß sie allezeit als echte Jünger Arons dem Frieden in Judenheit und Gemeinde zu dienen bestrebt waren, für Frieden. Eintracht und Einheit in Wort und Schrift, lehrend und mahnend, eingetreten sind... Von der allseitigen Verehrung, deren die Verstorbenen sich erfreuten, von der tiefen, ernsten und aufrichtigen Trauer, die ihr Heimgang in weiten Kreisen unserer Gemeinde und ( unserer Nachbargemeinden erweckte, gaben die Trauerfeiern Kunde, die.Freitag, den 16. v. M., und Freitag, den 23. v. M., im Beisein der meisten großhamburgisehen Rabbinen und vieler offizieller Persönlichkeiten auf dem Begräbnisplatz der Gemeinde in Ohlsdorf stattfanden. Beide Malesprach zuerst Herr Oberrabbiner Dr. Carle b a c h als ein beredter Dolmetsch des Dankes der zahlreichen Schüler und Verehrer der Toten, des Schmerzes und der Trauer um sie. als bpredler Verkünder alles dessen, was diese beiden MänneV für die jüdische Gesamtheit unserer Vaterstadt bedeuteten. An der Bahre des Herrn Dr. Lichtig sprachen ferner seine Schüler, die Herren J. Behrend, dieser zugleich namens des Vorstandes der Beerdigungsbrüderschaft der Gemeinde, deren Maggid der Verstorbene gewesen war, und B. I.Jacobson. an der Bahre des Herrn Dr. Plato noch Herr Rabbiner Dr. Holzer, der dem Verstorbenen durch persönliche Freundschaft besonders verbunden gewesen war. Die Beisetzung des Herrn Dr. Lichtig erfolgte in Bystre (Tscheche!) an der Seite seines Vaters, während Herr Dr. Plato seine letzte Ruhestätte in der gleichen Ehrenreihe fand, in der auch Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer zur letzten Ruhe gebettet wurde. ★ Rabbiner Dr. Leopold Lichtig wurde am 18. Adar 5633 (17. Marz 1873) jn Ungarn geboren, erwarb sich seine rabbimsche Ausbildung. zur Hauptsache auf der Jeschiwa in Preßburg, studierte dann in Würzburg. Erlangen und Bern und erwarb sich auf der letzteren Universität den Doktortitel. 1905 wurde er auf Veranlassung von Oberrabbiner Hirsch s. A. als Nachfolger von R. Chaim Weiß an die Wallichs Klaus berufen und übernahm ein Jahr später, auch das Amt des Maggid der Beerdigungs-Brüderschaft der Gemeinde, das er nach dem Kriege' niederlegte, aber nach dem Tode seines Amtsnachfolgers, des Rabbiners Dr. M. Jacobson, erneut übernahm. Nach dem, Tode von Oberrabbiner Dr. Spitzer wurde er im Verein mit seinem Amtsbruder Rabbiner Joffe zum Dajan des. Synagogen-Verbandes berufen . und stand, in dieser Eigenschaft dem Vorstande der Gemeinde zur Seite, als dieser sich zuerst über die grundsatzliehe Frage der Räumung des Grindelfriedhofs und später — nach dem Amtsantritt yon Herrn. Oberrabbiner Dr. Carlebach — über die Einzelheiten der Räumung zu entscheiden hatte. Rabbiner Dr. Immanuel Plato wurde am 7. Tewes 5624 (17. Dezember 1863) in Karlsruhe als Sohn von Rabbiner Dr. Hirsch Plato und Gella Julie Hirsch, der Tochter von Samson Raphael Hirsch, geboren. Seinen ersten Unterricht empfing er von seinem Vater, der später Direktor des Jüdischen Lehrerseminars in Düsseldorf und Köln war und dessen Name seinerzeit im Munde der gesamten Judenheit des Rheinlandes wir. Immanuel Plato studierte dann am Rabbiner- Seminar in Berlin und erhielt die RabbinatsButorisation außer von dem Rabbiner-Seminar auch von R. Jizchok Elchonon Spektor in K o w n o . der bedeutendsten rabbinischen Autorität seiner Zeit. Nach mehrjähriger Wirksamkeit in Brandenburg und Bingen wurde er 1901 an die Levin Salomon Klaus in Hamburg berufen. Ehren wir zuletzt noch die beiden Heimgegangenen durch die Wiedergabe von Worten, die sie gesprochen. Herr Rabbiner Dr. Lichtig sprach vor einer Reihe von Jahren beim Schowuaus-Lernen der Beerdigungs-Brüderschaft der Gemeinde über den 19. Psalm, in welchem Gottes Offenbarung in der Natur neben die Offenbarung ih der Schrift gestellt werde, und erinnerte in diesem Zusammenhänge an das .Wort des Philosophen Kant von dem gestirnten Himmel über ihm und dem Sittengesetz in ihm. — Herr Rabbiner Dr. Plato seinerseits, der Zeit seines Lebens ein gütiger Mensch war. deutete einmal den 5. Vers des 1. Psalms dahin, daß wegen des Verdienstes der Frommen die Schlechten überhaupt nicht vor das göttliche Gericht zu treten brauchten. So groß war sein Glaube an die Macht des Guten im Menschen. E. GAERTNER & Co* Internat. Spedition. 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