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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg · 1937-07-16 · 7 (16.7.1937) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Hansestadt Hamburg
Volume
13 (1937)
Issue
7 (16.7.1937)
Date
1937-07-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt Nummer 7 Hamburg wurde des Abravanel-Jubilüums bereits vor Zeit in einem Vortrage gedacht, den Herr Professor rkon innerhalb der Vortragsveranstaltungen der Fran^^^fenzweig-Gedächtnis-Stiftung hielt. Der Redner führte seine. ^Wbr mit'großen Zügen in die jüdisch-spanjsche Welt de^'ausgehenden 15. Jahrhunderts, in welcher die Gestalt Abravanels erwuchs, schilderte eindrucksvoll sein Wirken an den Union zweier Könige und seine weitgreiferjde Arbeit als Führer seiner .Glaubens- und Schicksalsgenossen wie als Erforscher und Erklärer*des biblischen Schrifttums und ließ ihn wiederholt mit Zitaten'aus seinen eigenen Werken zu den Hörern sprechen. Abravanels Name ist übrigens irr besonderer Weise mit Hamburg bzw. Altona verknüpft. Seine Erklärung zu den ersten Propheten nxet nfTDD wurde 1687 erstmalig zu Hamburg, sein Werk rx> das vorher schon mehrere Auflagen in sephaidischen Gemeinden erlebt hatte, 1750 und 1770 in Altona gedruckt. — Auch lebt sein Name als; eine stete Erinnerung an ihn in den Dreigemeinden bis in unsere Zeit hinein; vgl. M. G r u n w a 1 d , Portugiesengräber auf deutscher Erde, Hamburg 1902. S. 94. Und Träger dieses Namens leben auch heute noch in Hamburg in unserer Mitte1). Ueber die Entstehung und die Bedeutung des Namens 'Abravanöl ist anscheinend nichts bekannt; die Frage nach der Bedeutung dieses Namens wird, soviel ich sehe, in der Literatur überhaupt nicht aufgeworfen. Lediglich die richtige Schreibung und Aussprache des Namens — Abravanel oder Abarbanel — war um 1840 Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen dem Hamburger Tempelprediger Gotthold S a 1 o m o n und dem Ru.-stucker Theologen Hartmann; die Aussprache Abravauel bezeichnet M. K a y s e r 1 i n g in seiner „Geschichte der Juden in Portugal " ,,auf Grund einer alten Urkunde" als allein richtig-). ★ Anläßlich des Abravanel-Jahres ist. gleichfalls auf Veranlassung des Preußischen Landesverbandes, eine kleine Schrift aus der Feder von Abraham Heschel1) erschienen, der anläßlich des Maimonides-Jubiläums die damals allgemein als die beste Maimonides-Gedenkschrift bezeichnete Darstellung des Lebens und Wirkens diesej Großen in .Israel veröffentlicht hat*).' Die kurze, in ihren Formulierungen knappe und überraschende' Darstellung des stäatsmännischen und schriftstellerischen Wirkens Abravanels ist keine Wiederholung dessen, was sonst schon über Abravanel zu lesen ist. sondern e.n durchaus selbständiger Versuch, seinem Leben Sinn, und Bedeutung bis in unsere Tage hinein zu geben. ..Nicht Jeremia, sondern Jesaja und Ezechiel sind — so sagt Heschel in seiner Schlußbetrach- Hing — nach seiner Ansicht die Vorbilder für Israel. Das gleiche gilt auch für ihn. Er empfindet die Vertreibung aus Spanien als das größte Unglück.* das die Juden seit der Zerstörung des Tempels traf; aber die jesajanische Verheißung, nicht die jeremianis^he Klage ergreift und bestimmt ihn." Kein Jude kann diesen Satz in .diesen geschichtlichen Tagen ohne Bewegung lesen! Da- Jüdische Museum in Berlin veranstaltet in diesem Monat eint dem Andenken Abravanels gewidmete Ausstellung, über deren Einzelheiten ein Katalog Aufschluß gibt. Den Katalog, dem der Leiter des Jüdischen Museums Prof. Franz Landsberger und Dr. Alfred Klee Geleitworte voranschicken, hat Dr. Rahel Wischnitzer-Bernstein im Verein mit Dr. Josef Fried bearbeitet. Wir geben ihr im folgenden das Wort zu einem eigenen Bericht und werden in einer der nächsten Nummern des Gemeindeblattes dem Erforscher und Erklärer des Bibelwortes noch eine besondere Studie widmen. II. lim die Abravanel-Ausstellung in Berlin Die am 13. Juni feierlich eröffnete Abravanel-Ausstellung im Jüdischen Mu/eum in Berlin erscheint wie eine kleine Sefardeninsel inmitten einer aschkenasischen Umwelt. Die Torarolle des- Israehtisch- Sef.u drschen Vereins iri Berlin, die in ihrem bestickten Mantel mit dem Auce Gottes, einem Dreieck im Strahlenkranz, an sichtbarer Stelle prangt, schlagt den Akzent an. Das Begrüßungstelegramm der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde in Hamburg, das bei der Eröffnung vom Vorsitzenden der Jüdischen' Gemeinde Berlin verlesen wurde, bedeutete eine weitere Steigerung. Der Eindruck des Besonderen, Unge- *1 tihir andere heule lebende Mitglieder der Familie Abravanel *. Generali»rieler der Mitte ilanren der Gesellschaft lur iudisciie Familicnforschung, Ui ft 1 -}7. S. 12., -) M. K a v e r ) i n „ . Gescbichie der Juden in PurtugaJ. S. 71. — Der oben ri-’ ■ iinl, iii|i-cl<r Theologe Hartmann i,t wohl identisch mit dem Verfasser von Ahr.,\ r, Io, ,'aphii in E r ■ c.h und Gr übers EncTklopudic- . A. H ■ s c h e 1 . Don Jizchak Abravanel. Erich ReiB-Verlag. Berlin 1937, fi*. 32 s. i 2u en. 4I A. M c s c h e 1 . Maimonides. Eine Biographie (Judentum in' Geschichte und Gegenwart.. Eine Schriftenreihe 1) 288 S. 3.80 irfÄ, in Leinen 4.80 .'i*. Di« Bibliothek dor Gomofndo Ist goöHnot Sonntag 10—13 Uhr. Montag, Dianstag. Mittwoch, Donnerstag 10—13 30 Uhr und 19—21 Uhr; Sonnabend, nur Lesesaat. 12—14 Uhr. ’ * wohnlichen wird durch den Anblick manchen Besuchers bestätigt, der durch matte Gesichtsfarbe und schmäle Kopfform doch irgendwie sefardische Herkunft verrat. Sie leben unter uns. die Nachkommen der portugiesischen und spanischen Juden. <>hne daß wir sonst Notiz von ihrer Andersartigkeit nehmen. Nun lernen wir sie als Vertreter einer alten einheitlichen Uebeiiieferung sehen. Es ist gelungen, in der Ausstellung eine Reihe von Bildnissen zu» sammenzutragen, Bildnissen von Trägem des Namens Abravanel. Da ist der Sanitätsrat Dr. Eduard Abarbanel!. blauäugig, rotblond, in Berlin 1865 gestorben, mit seiner Tochter Jeanette, der Frau des Sanitätsrats Schwerin. Diese Frau mit den versönnenen edlen Zügen, 1899 gestorben, fühlte sich als eine Abrabanell. Neben ihrer allgemeinen sozialen Tätigkeit /and sie Zeit für die Erfüllung eines Herzensbedürfnisses: die Uebersetzung der „Dialoge über die Liebe“ des Leon« Ebreo, ihres großen Ahnen. Da sind die Eltern des Geh. Sanifätsrats Adölf Abarbanell, der 1889 verstarb. Lazarus und Rosalie Abarbanell in * Fraustadt (die Frau stammte übrigens aus Warschau), beide ganz biedermeiertich auf den kleinen Oelbildnisscn. Eduard Abarbanell gehörte ebenfalls zu den Fraustädter At?arbanells. . In Fratistadt geboren ist Zwi Hirsch Abarbanell, Rabbinatsverweser in Lissa, gestorben 1866. ein charaktervoller Kopf auf einer Photographie, die im Besitz zahlreicher Nachkommen begegnet.*/ Einer anderen Lime, deren verwandtschaftliche Beziehung zu der Familie des Don Jjzchak Abravanel ‘sich topographisch verfolgen läßt, gehört der Kapellmeister Maurice dfc AJbravanel, an. früher in Kassel, .seiner Staatsangehörigkeit nach Portugiese, väterlicherseits aus Saloniki v stammend. Wir wissen, daß Saloniki in d*r Lebensgeschichte der nächsten Angehörigen der Abravanel eine bedeutende Rolle spielte. Ein Grabstein der Tochter des Jehuda Abravanel aus dem 16. Jahrhundert ist auf dem Friedhofe in Saloniki nachweisbar. Die Ausstellung zeigt ihn in einer Abbildung. In dieser Stadt sah Amatus LusitanüS, ein Maranne, der später zum Judentum zurückkehrte, die verschollene Schrift Leone Ebreos „Von der Harmonie der Sphären“. Leone Ebreo, der älteste Sohn Don Jizchaks. ist hauptsächlich durch seine. „Dialoge über die Liebe“ bekannt, in denen er uns als Neuplatoniker .entgegentritt. Auch als •- begeisterten Mitarbeiter seines Vaters lernen wir ihn kennen, der seinen Werken. z..B. seinem njsg *) dithyrambische Gedichte voranzuschicken liebte. Das Zeugnis des Amatus, der Arzt war wie Leone, ist noch aus einem besonderen Grunde bedeutsam. Die Schrift des Leone „De harmonia coeli“ soll nämlich eine Widmung an Pico della Mirändola enthalten haben. Don Jizchaks Sohn wird also wohl mit dem großen Humanisten und Mystiker bekannt gewesen sein. So haben wir uns denn den Leone zu denken. zwischen Marsilio FicinoT dem Haupte der Academia Platonica zu Florenz, und Pico, dem unruhig umherstreifenden Geist, dem eifrigen Erforscher der Kabbala. Ficinos Bildnis nach der Büste von Andrea Ferru’ci im Dome zu Florenz und Picos Porträt nach dem Original in*den Uffizien sind in der Ausstellung nebeneinander zu sehen. Etwas von der scholastischen Pedanterie des Ficino und von der schwärmerischen Schwermut des Pico wird wohl auch Leone eigen gewesen sein. Von ihm ist kein Bildnis erhalten. Für die physiognomische Rekonstruktion dieses Kbpfes ist besonders . das Bildnis eines Elia de Latas aufschlußreich, das wir auf der Abbildung einer italienischen Renaissancemedaille sehen. Diese ist zwar einige Jahrzehnte naöh Leones Tod hergestellt. Ein zeitgenössisches Porträt bietet demgegenüber die Porträtmedaille der Gracia Nassi von 1528 aus Ferrara. Auf diesen jüdischen Bildnissen bezaubern uns die edlen Züge und die vornehme Haltung der Dargestellten. Schwieriger ist es, eine Vorstellung von Don Jizchaks Aussehen und Haltung zu gewinnen. Da sind wir auf <4e biblischen Gestalten angewiesen. die die Maler unef Bildhauer der Renaissance, sicherlich nicht ohne Beeinflussung durch die von zeitgenössischen Juden empfangenen Eindrücke, schufen. Man weiß, daß die Einwanderung der sefardischen Flüchtlinge nach Italien im Zuge einer Spaniermode vor sich ging. Die Familie Abravanel war durch ihre' weitverzweigten Beziehungen in Italien sicherlich maßgebend für die Anschauungen, die man sich vop den Sefardim bildete. Es sei unter anderem auf eine Figur wie Benvenida Abravanel hingewiesen, die Nichte und Schwiegertochter Don Jizchaks, der w'ir als Erzieherin der Eleonora de Toledo, der Tochter des Vizekönigs von Neapel, späteren’ Herzogin von Florenz, begegnen. Es ist bekannt, wie sich die Gunst der Herzogin in den Lebensschicksalen der Benvenida auswirkte. Menschen, wie die Abravanel. konnten ihrer Umgebung im Lande der humanistischen Studien durchaus den Eindruck beherrschter Würde und verinnerlichter Stärke . vermitteln, den wir in den großartigen biblischen Kompositionen italienischer Künstler bewundern. Leider besitzen wir kein authentisches Bildnis von Don Jizchak. Das Porträt, dessen Abbildung die AussteHung zeigt, dürfte seine Herkunft einer Radierung des 18. Jahrhunderts verdanken. Der Phantasiekopf mit dem wallenden Bart verrät wenig Persönliches. Wir werden* dieses Bild wesentlich korrigieren müssen mit Hilfe all der aus Kunst, Literatur und Zeitgeschichte zu sammelnden Erkenntnisse. Nichts vermag so sehr zur Intensivierung seines Bildes beizutragen, als sein Werk selbst, die kostbaren Frühausgaben, die /um Teil noch zu seinen Lebzeiten erschienen. So will auch die Bildert eihe an den Wänden der Ausstellungsräume nichts anderes als zu den Büchern führen, die in den Schaukästen ausgebreitet liegen, aber bereichert mit der Vision des hintergründigen Zeitbildes, in das sie zu stellen sind. Dr. Rahel Wischnitzer-B ernstein. Wissenschaftlicher Beirat am Jüdischen Museum in Berlin. * Auch das Jüdisch-Theologische Seminar in New York hat in seinem Museum eine Abravanel-Ausstellung veranstaltet. Sie wurde von dem Direktor der Seminarbibliothek, . Herrn Prof. Alexander Marx, organisiert und umfaßt Gegenstände von hohem Seltenheitswert, darunter ein 1511 gedrucktes Exemplar eines Werkes von Abravanel, von dem es überhaupt nur zwei Exemplare gibt. ★ Endlich erwähnen wir die jüngst von dem Aufbringungswerk der Jüdischen Gemeinde Berlin hei ausgebrachte Abravanel- Plakette; Sie bringt auf der Vorderseite Abravanels Bildnis, seinen Namen in hebräischer und lateinischer Schrift sowie die Jahreszahlen 1437 und 1937; auf der Rückseite befindet sich ein Wappen mit den hebräischen Jahreszahlen und t^Xin in der Mitte und den Widmungsworten „dem Helfer seines Volkes — dem weisen, ^gläubigen Juden“. Umrahmt werden Wappen und Inschrift von den Worten: Aufbringungswerk der Jüdischen Gemeinde Berlin und einer Würdigung Abravanels in hebräischer Sprache: Dann ppirwt *rnihn n«* •Vrran «po^sn ..dem vollkommenen Weisen, dem großen Philosophen, dem Fürsten der Tora und dem Führer in Israel“. *) Ein Oelbildnis des Zwi Hirsch Abarbanel) bat die Gemeinde vor einigen Jahren geschenkt bekommen: es ziert den Sitzungssaal des Repräsentanten- Kollegiums der Gemeinde. l) Ueber die Grundsätze des Glaubens. I

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