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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1936-10-16 · 10 (16.10.1936) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
12 (1936)
Issue
10 (16.10.1936)
Date
1936-10-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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?, it. 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitisrhe n G e m e i n J e Nummer 10 Aus den Richtlinien für die Jüdische Winterhilfe 1936 37 -, J 1. Monatliche Geldspenden Als angemessenes Opfer für die Judische Winterhilfe gelten folgende Sätze: 1! ' a) Lohn- und Gehaltsempfänger opfern während der Monate Oktober 1936 bis März 1937 mindestens je 10 Prozent ihrer Lohnsteuer; falls sie nicht lohnsteuerpflichtig sind, monatlich mindestens 0,25 RM. -. j b) Inhaber von offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesellschaften, Gewerbetreibende, Angehörige der freien Berufe sowie sonstige Einkommensteuerzahler epfarn monatlich 1 Prozent ihrer Reichseinkommensteuer für das Jahr 1935; falls keine Veranlagung erfolgt ist, ' monatlich mindestens 1,— RM. c) Festbesoldöte, die neben ihrem Lohnsteüerabzug zur Reichse'inkommensteuer veranlagt werden, opfern 1 Prozent des Einkommensteuerbetrages, der über den Steuerabzug vom Gehalt hinaus für 1935 veranlagt worden ist. An die jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer richten wir die fernere Bitte, die monatlichen Beiträge wie im vergangenen Jahre betriebsweise unter Angabe der Namen und Adressen der Spender zu uberweisen. \t ir bitten höflichst um Ueher Weisung der Monats* eitrige an unser Postscheckkonto Hamburg 15054 oder an -uns,! Konto 1441 hei der .Hamburger Sparkasse ron IH27 oder an eines unserer Konten hei den Bankfinnen '.Union II i r s i Ii I a n d und W". tf. W a r h u r g X C o. ille diejenigen, welche wegen Abwesenheit oder treuen Wechsels der Wohnung ton unseren Sammlern um Einto/ifonntag niehr angetroffen wurden,: fürten wir um I ebett Weisung der E i n I o /i j * /< e n d e un eines der 'rorgennnii- 'en Konten. R ir suchen dringend in allen Stadtteilen ehrenamtliche Sammler für unsere EHntopfsamlnlungen und sind für freundliche Meldungen dankbar. Jüdische Winterhilfe Roth e n h n u m e h ii u s s e e -i H — Fl / / Mi 11. 2. Eintopfsammlungen Die Eintopfsammlungen der Jüdischen Winterhilfe finden einmal monatlich an den Eintopfsammeltagen des Winterhilfswerkes des Deutschen Volkes statt. S tu,Ii b n r ii I i n /. 111 i F r r i ni u n n : Bertha Pappenheim in ihrem Werk Wet jm/ner in den letzten dr-ißig Jahren das öffentliche Lehen-dei Juden in Deutschland mit Interesse verfolgt hat, trauc-de diesen Simmer um I*• ri \ «-rln-t Krrth.i Pnppcnheims. Ahe I ran ii in I Ull i i Mit jeiiem Juden und jcdei Jüdin nendig Mir Angert: nicht jedem bekannt genug, um «'s würdigen 'ii bürgen, daß iler eille kern und -mnlern ul- Mahnung, fiir uns] alle, als Mahnung iWn fesenüber allein I iigemach. -turk zu bleiben .l< r >i hu achen und Hilt-Ifedürf tigen im jüdischen ts Tochter str'-n? siedelte sie nach hreoeinen L' 11IIibretw ifltrii stark zu Uli -/Hin ^ihulz Lei jensk reis Bertha Pappei.lieim wurde IsVi in \\ im , religi'iser' Altern geboreiij Im Jahre. lss| Franklttrl a M. ülier iiiiiL begann "hier ihrelselh-tändig amtliche laligkejt in ijr-r jühsih--ozialeii Arbeit - Diejnst an .Ii i Gfiin'in-ih.ilt dem -ie Iiis yu ihrem 'J ii ii: »•, I >:. ii In ii ihre wunderbaren kiiiltc widmete. Zuerst war sii Malismutter des Judi-jhen Mädchcfnwai'ieuhau-es in Franklin!. Gleichzeitig war sie Mitglied des städtischen Armenaini. - Schon in dem ersten Jahrzehnt ihres Wirkens z."igt Sidi airli ihre ch Trakt, it-ti-.he Nute in der .sozialen Arbeit: .dei Blick für die einfachen Notwendigkeiten, ilie Fähigkeit, Uli i n /u konzipieren ■ ir»<I" in die Tat aufzusetzen, ihr ül>errapeni|e,s ,(rt's«iikii zur Organisation* Sie la-gründctc Aehenhcr 1\l k ksdh ii ien Tür jüdische Mädchen und organisierte einen jüdischen kindergarten — sicher den ersten keiner Art. i'Ha unternahm sie es, die jüdische su/iale 1'raiienai lieit hrinkflirl a. \l. /n-aiinin-n/id i»sen und /u (ir^.ini-ieren: lern damals .lurdiaiis ruull nidil der l\p der Mffhr/.ilil in jüdi^ilieu KreiseHl — einen I r-.ll/ für. die (Inir^enlheit. den Sdiut/. ja \ Prant« m l.i n : - I u!i! delilternlLiises rinden sollten. I' raiikfii rt eentMatxl iler r ra neu-\ereni: Ueildicfie |- iirsnr^e. alliier ein Miidilienkluli. in .Inn l)--rnf~tati^e jnle.'e Maddieu - - aui Ii >i)iiiii erweiti'rle>skfi u ie Ii riim der kreis ihrer Tätigkeit. Ihrer Inifiäfive •luiis <■«. eine L-riilie /alif jildisiher F'rauenrereirtt! ans vielen Ktiidten DeutMhilaiKU j/u einem Jifdis<m-n Pruuealiunde /u «erhin Ien. der «lirilii; d. i- ,Ki evangel ixhen Bl*fl katltolisthen Kraiienfiiin.l-.-ii anieihte. Sie w ir 22 Jahn; lam seine Vorsitzende und Idieli nufi d.iriaeh — iils Idirenvorsit/enile — iinermii<fli<h seine i-'eSsfijie /enliale kkatt. Der Bnnil Ihdeiiti te iIrr nicht etua mir die inedi unedle /u-aiiimenjns-uie,' einer Niel zahl zu eiuei Miliz i hl ,-ius. i c.'etnlu.- Idieli tediui^dieu \'C ihn issen \,: r sn Gründen, sondern sie l>et r ichtete es aussprechen — ..als einh Mission für diejfcfdisthe Frauenwelt. In der jede Judi.ii zum -Iii » uhWjn iIire^l'lIiditi-nkKe zu s(.mer \ er^eist.i'.'iiie.' ki ..,1. nun' ii ll>st elf. ises und s.illn l'T »eiste sjr uiederfum imiumi -u/i ilcjn (.e.Linken in di Tat,um: -ie prüml-te in IsenUurj; Ihm I i inkfuit «las liekanule" vorliildliifii' Heim für gefährdete Miiiicheiii Dort fanden viele, die sonst völlig.verlasse« gewesen und <fer letzten Verwuhr- B^eisge^eben gewe-en u.jren. Schutz uiid Hilfe und. losuni |eht das Bild dieser it das >\'-rk ihres 7ii könaefl und mit lie reiche Fülle, der rnn und die |K-akti-c)ien \i!-;re»tahniii'en dieses Lehens •i i jüilisdien C>emeiiiscfiaf| nicht- Verloren jrehen. Darum ist <— nichtig, dir Werk darzustellen und zu rühmen, nicht um *a« mehr ist. liebevolle, abei ern-thalte Krz.iehunsr zu einein Ibess^rcn I.elien: uneheliche Mütter und ihre Säuglinge, ahrr jauch küeinkiiider und Schulkinder aus gefährdetem Milieu. Sic Idieli Iiis zu ihrem Tode die Vorsitzende dieses Heims, das viillig — feriv von dem Betricdie einer km ii ktion.-aiistalt 4- I vom CiröHten Iiis ins kleinste Spiejrelbild ihrer soüialeij Aulfassung und ihrer Wertschätzung der jiklisdi-traditio|telleii Lehensform ist. B-itrachteto sie doch als die wesentlichen l'.rziehungsraittel dieses- Heims „die Arln it. das kind und das Streiten,zur jüdisch-religiösen Durchleuchtung ,des Lebens?.;üie intensive tägliche Kleinarbeit in einem solchen Heimo verengt leicht den Blict. Nicht so |>ei Bertha l\i|i|>riilic-in|. Schein liinist ersfreckte sich ihr lntere--e iilier die Grenzen Deutschlands hinaus auf alle Jud -u in der Welt, insbesiiuderie auf die Gebiete jüdischer Massensipdlungen, wo «ie kostliarcfs jiidiscfie- Menschengut von Uiifleren und inneren Gefahren am meisten bedroht sah. I ml aus diesem Ihr eine deutsche Jüdrn zu Anfang des Jo. Jahrhumiert^ «liirchaüs iingeuöhiilicfieii Verantwortungsgefühl liir die jüdische (jesamtheil ent.-|ii'ange;n Taten: l'Hft eine Studienreise nach Gulizien und HllHI.illd. I'XK) Bach Rumänien-, wo -ie von Carmen S\l\u in Vuclienui 'empfangen wurde, 1910/11 'Reisen nach dem Balkan, Pajästiru und wiederum nach, Rufiland. 1926 wieder, ja. noch 19"», mit 76 Jahren, nach Polen. Die Mädchen- und Krauenfragen des Ostens, inshes-oijdere die Kragen der Krziehung z-ur .Arlkett und der B."kümpfnng des Madcfienhandels. lieben ihr Geivisseli ihr ganzel.cdien hindurch niemals schlafen. kein W under, dal! Bertha Pappenheim schon vor dem; Weltkriege auch von den Andersgläubigen als repräsentatixe Gestalt der jüdischen Frauenwelt 'in Deutsch laue] angesehen wurde. Auf dem Intel irnlioiialcn Fraiienkongreß in 'jHerlin I9IJ wurde sie im /.iisammenhang von Referaten von Frauen der drei Konfessionen mit dein Referat „Die Frau im Judentum" betraut. Die jiidiscfie internationale Frauentag«!)? in Wien [itXi) hat sie mit .vorbereitet und einberuf-At Ahnlicfie Anregungen gingen noch viele von ihr aus oder wurden von ihr maSgcbenu geistig liestimmf. In der I'ülle die-es. I.elien-werkes überrascht zuiiäch-t die Geschlossenheit in der Durchführung der einen heroischen Aufgabe: Schutz und Hille für die jüdische I ran u id das jii.li-che kind. I>.ergibt sich aber auch, daß dieses Wc rk eih Kunstwerk darstellt: es wuchs um jenes iinverä unliebe Zentrum herum in. immer, weiteren Flächen empor vieine Pyramide mit der breiten Mäche nach oben gewendcM. Jildi-ches Mädchenwaisc>nhaus in Frankfurt a.' M. ^— Jüdischer Frauenbund, ih Deutschland — Jüdi-che Frauenbilfe ib aller Welt —das sjhd <üe wesentlichen Plattformen, von •denen aussich der Reichtum der Wirksamkeit Bertha Pappenheims in <be Bieite und' nach oben rankte. Die Spitze dieser Pyramide sdiwebi aber piefit in der l.uft oder gleitet wurzellös li.'ild da-, bald dorthin I— nein. Bertha Pappenjieims Jüg-nd wjar tief eingebettet u ul unlöslich verwor/elt in dem sicheren und warmen Erdreich der jüdischen Tradition. Zwar hat sie sich .persönlich _ beeinflußt vom Individualismus ihrer Zeit tüber

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