Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 4 (6.4.1936)
- Date
- 1936-04-06
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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Seile 18 Gemeindeblatt der Deutseh-tsraelitis rh en Gemeinde Nummer 4 Jüdische Auswanderungspolitik heute Die Arbeit des Hilfsvereins Wir veröffentlichen an anderer Stelle dieaer Nammer einen Vufruf de» Hilfsver. (iai der Judeji in Deutachland, hincn hinblick in aeiae vietaeitiiie Tat-'-seit eröffnet Ji« nachstehende Darateltanil. die daa Ergebnis aus den ihm ra<e+ie«- dett Berichte« araedergibl. Der Au-waiideriiiig-drung, der die jüdische Bevölkerung d>* Reiche« seit dein letzten Summer und besonders'seit Lrlaß der Nürnberger Gesetze erfaßt hat. i«t an Starke nur dein vergleichbar. .K r »Irr Panik des. Frühjahrs I1*" entsprang. Während aln-r damals r urtht iiikI Sihrecketi vor dein Ungewissen sdiicks. i die Auswanderung bestimmten und Tarisentlc* ohne geri:mif berufliche oder fachliche'Schulung, ubne kenntnis <ler Vi-rtliiItnisse i"' Kinwaiideruiagsland einfach atd gut Glück au«- /.i>grfi, um zunächst in einem Nachbarland — wie r rank reich. 11>>lUi(■• f Oder der I «dM-cho«low nkei — die nadi-lt- Zukunft ab- >M warten. v% 111 beute dej jüdische Auswanderer die lleiinnt V .tU-mmi. »eil er keine I r« .rbsmöglichkeiten mehr sieht. Kr - Iii nicht "mit dem \\ un-cii hinaus, irgendwo auf die Möglich» kleit.der liuekkelir /u warten, »Indern mit dem int-ehluH. w.oniöglkh eilte neue lleim.it zu finden. Deshalb will er .siel) "v irlier «nrgl.iltig über die Au— ichteu' iu den I inw ändernngs- Jitideru unter richten und besit/f-vielfach die Tatkraft, sich ~fir.i. +i11<Ii und oft audi laernfluh auf «laj« neue leiten vor/u- Iiereilen. Anw der chaotischen, fluchtartigen „Emigration" von lt»T* i«i eine allmähliche, tu hohem Matte planmäßig gelenkte j kli«ihe Au--» arjderuiig geworden. Freilich «tößtldu« lie-treben. planmäßig« jüdische Aiiswandc"- r migspol itik in der Weis*? /u lreiben, dali jeder Auswanderer <l a Ii i n .gebracht wird, »o er im ein—Ii-n'\u--ieU0 auf eine neue r\i-ten/ .hat. auf ungeheure Sdiwier-igkeiten. I ine der größten legt in der Berufet i uktux /der deutschen Juden. Mag audi die .•1 ni«chichtung-bew eg-ang — deren Leitung in den Jländen der I eufi-v erl ret Tilg liegt einen großen Teil der jüngeren und ge«u:id--ii Menschen / ir Handarbeit irm-chuleii. -o besteht dodi che - 11Mehrheit der Alls» auderUHgswiltigeli. die nicht nach I aJü-.iiia gehellt ms kauflc-uten oder Intetlektiiellen. Ar ^iesi-n beitfeii Kategorien In—tehtaber fast nirgend« Redalf; 'im (Gegenteil, der l eberflufl in Akademikern i«t honte ein \ e i! prftblem. da« etwa in Frankreich el«en-n akut i«t wie in!-:i iitt'Uten «ü'daniei ikaili«ehen Landern iiikI die fiidische'T.'itiwalideiHii^ nii-orneht ersdlVvert, >ilder überall wadl-ru l>- Valibnalisnmgerade die jkademi«chen Beritte vor . .,L ebert ' iu Inn-" lurch gt—et/luhe Maßnahmen /\\ «ihützen weil?. 1 prh.iltnisiTläßig le iht «in I unter die-en I m-Janden nur ( 'he- Btkcjr und IngcTiieuare' unterzubringen: die A u-w .ludernng 0 »derer IkademiliT i-t ätißer»t «tti» ierig. \tidi k,iufmäimi-<he Ajue«tel!te und Katifleiite -feilen allgemein die ,ii-u*nde- r-i:i.'-|>olitiker vor eine «rh»ere Aufgabe, zumal diejenii'cu. * ebbe über kein kapital Verfügen, wie die« bei den deut«<hen J ideu «ihon infolge <ler I )e\i«en^e-et/e fa«t die Hegel i«t. Ver- BÄlttiisrnätrig leiiht i-t ditv 1 nteTbringting aller Arten von 1 andwerkeru \ on Haus|aer-onal. I andarbeitern und I andv irleti. die iber bei <ler Kerufs-tniktur der detit-chen Juden all/u «eilen vertreten sind. Zu |u -en grrißeii. unserer sozialen Srfiictitniienrspi ingenden Sihwierigkeilen kommen vor allem <l ie t i ii«endl,nh, :i und im einzelneiTtaglii.il »edi-eltvlen lletnnnrtig-n dej I inwaiidernngspolitik der iiber«et-i-ihen Iminder. I »ie lemlenz der iresanjteii übt r«e. i«cheo Welt, zur l.inwandet an.'-be«dir.iiikiiuj i«t «ihon in der zanzen "Saihk rie_'-zeit - miliar gewe-eu 'hat (!>•■! er«t-ilurdi die Welt« i rl«ihaH«k ri-e 11 Ire v«die Starke erlangt, kein \ u ß e n «. t eil e n d e i in a <h t « i dl einen Begriff \" o n d■ u n n « a g I i ih e u -\l ü Ii e"n . ie'linKer die «en. I Iii « I a 11 d e Ii «.e I b « t eine belli f itlruv i n - w au I e r Ii Ii g « |i o I i t i « ih e l.ji « t u n g r.fji» rd e r f. Vergeht doili ka'uui eine \\ odie. ohne daß die-er «*1 l' ". r i|!>i-r«eei«die Staat neu« i inu~atlderilllg«l>e-tiiiiiiinii- »■nJerl'aHl oder, »a« uiiih häufiger" ler lall i«t. durdi «einer iriiMiIatedie Ibindliabuiider-tridtenilen Bestimniiingeti alliiert. ml d.h. niei«ten«: vi-rsdiarft. All du.....ttß ib,n-o »ie die Uaf|dlnir1jen dep \\ ii l-,diaft.«i a-e in «.iuitlidieu iibexhaupt in Hrage komuieiideu l.iuwan lerniig-l.in.lern — uiul'die jiidi-dif ■ iah h-niii. an« I)eid-ihland hat «uh bidier auf naht enlgei aI« 1\ l.airb-r \ertei!t' fortlaufend' verfolgt und «h u iLsajrdteudeii Au.«»anderting*» iüigen sofort übermittell »erwenn nnlit «di»erster; ofL im» ie lerbringl idier Sdi.i len iiigt^ridile) »erden «oll.- Wenn dodi die /ahllöM-n. die heiitj i|iii<| kennti.... der harte.*; \\ irk I ichk.-it Pinne zur Krrettung der 'in-iheii Juden durdi M i-«< u in-w anderniigen entwerfen, eindit il I mbliik nehmen könnten in die tägliche Arbejt der Stelle-, i Nif l . iinng I.t -Miuteii judi«ihen .tu«» iiKlerurig naiti illeri Ländern, uißer r.ilasliiia. Invertraut ist. für deren Atilor tätijiinreittiem) d i e Tatsadte «p'ridit. daß -ie seit langem vom UeidisiitiuUter des Innern als gemeinnützige Beratungsstelle für jinlisdie Au.«v»ainlerer aiierk.iuut i«t. I « ist der llillsver-ein der Juden in Deulsdil.ind. Wahrend «ith im oberen Stockwerk «einer \ erwaltun^räiimcvon I rüh an die Zahl der RatsndtendeM so staut, daß oft viele Dutzende gleidiz.eitig "warten, fertigen zwei Beamte, von denen einer eine mehr .als ■ dreißigjährige nnersetzb*ne h'rfahruug besitzt, eiru*n künftigen Auswanderer nach dem anderen ab; gleichzeitig -wird in den LbeaVacbbartefl Büro« und vor allem in dem Stockwerk, in dem der Leiter de« Vereins. Dr. W i «ch n i t z e r. seines Amtiis waltet, eine Fülle von Post aus allen Teilen •Deutschlands, besonder« \öii den l> Auswandernngsberatiingssteilen de« Hilfst Vereins im Reiche, und buchstäblich au« allen L«iindcrn der W elt beantwortet — Briefe au« C Ii a r b i n in der M a n d « dl urei. au« Samoa in <ler Südsee, au« Haiti und aus K c u a d o r, und immer wieder Stöße von Briefen .in« A r g'e n - t i n i e n , Brasilien, den Vereinigten Staaten und S ii d a f r i-k a — den zur Zeit wohl wichtigsteh iiber«eei«dieti Finwan<lerungsländern. Zeitungen und Zeitschriften in den verschiedensten Sprachen werden durchgesehen. e\/erpiert. ül»-rsvrtz.t: Ii-mge-prädie au« der Provinz, au« ih-in AilSlanile werden gemeldet Be»ücher aus Holland. Krank reich, Knglaind, Italien und Vmerika empfangen, alle« ^nit «lein eiiieu Ziel, möglichst vielen deutschen Juilen im auslände zu einer neuen F\i«lenz zu verhelfen. I nd neben die \rbeif <ler Berliner Zentrale, die früher nur in Hamburg und Bremen Zweigstellen unterhielt, ist seit einigen W'oiheti die Tätigkeit der)elf neku verpflichteten Aus»andererberater im Reiche getreten, die in den wichtigsten Städten iu engster Kühlung mit iten dortigen Gemeinden tätiLr «ind und die Zentrale von einem Teile der immer mehr wachsenden Arbeil l-llffoslen. hihi andere« Mittel, der jüdischen Oc ffenllidikeit zu dienen und die künftigen \ii-watiderer möglichst gut auf ihr neues ji.Lelmi vor/nbereiten. »ar die Rrfichtmig von Sprachkui-sfii Anfang dieses Jahre«, die /u einem vollen Krfcllge geführt hat: schon lernen Hunderte von künftigen Aus»aii- : derern in den Kursen des Vereins die "sprachen der widfligslen Kinwancterungsläoder. Kngli«ch. Spanisch. Portugiesisch: der \ ereilt rlc-nkt daran, audi im Reichte, soweit nötig, derartige Korse zu errichten oder anzuregen ' So »erden lausende von deutschen Juden das furchtbar teure Lehrgeld «paren. da« jeder Y in» anderer zahlen muß. welcher nid fremder I r<fe. der I andes«lpracbe unkundig, sich eine neue Kxisten/ zu gründen i'ersiichp. . :l Wieviele deiil«che Jlldejn niöireu i in den letztem drei Jahren in überseeischen Landern eingewandert und zu einer tietien l.xistenz gekommen sein? Wir k niu;n die genaue Zahl nilht. dürfen sieal>er auf etwa 50(KKJ bis! 44MHMI schätzen. uihI «oviel Wenigstens »s| -idie.r. daß in Siul.it rika: Brasilien. Argc-nlinien, ■( hiU- und -nicht zuletzt in den Veryjnigteii Staaten Tansentle von deutschen Juden I uß gefaßt haben und vielfach schon ihre - Verwandten nach kommen da-srn und qaß selbst in den Landern, die bisher von der jiidi-cheii Auswanderung (nicht nur aus Deutschland) wenig berührt waren, wie Peru. Kcuador, t'olumbieii'us»'. immer hiiunger Brtc-fe einfreflen. die von dem "täelingen der Gründung neher I \i-teiizen, zuweilen audi schon von der Bildung der ersten Hilfskomitees in diesen Landern zu berichten w isseii. \ll dies biblet für den llilfslvereiii eitlen Ansporn %u weiterer eifriger »Trbcdt. lud die Schuierigkeitc-u wadiU-n . immer neu. Die Verschärfung der deutschen De\ iseiige«c tz.e macht cjic- Vuswanilenin? .«c-ib-t bemitu-ltc-r Llc-menjte zu ettJen kompli/jierleil Problem, «o <laß der llillsverein auch in solchen fallen immer häufiger skchkundige'n Bat' geben muß. Das Studium der v er«ch leden-ten I ra nsfci pro jekte. die, Nerhandlungen mit den Rcichsbehönlen. dje ständige- I ühiungniilime mit dc-r Rc-ichsvertretung «h-r Jiidc-n in Deutschland und <len großen jüdischen Organisjationen <ji-s In- und Anslandes.f iu er-ter Linie mit der K'A und der IHC 'KM. häufig auch die Verhandlungen inil fremden Regierungen, all das gehört zum täglichen Brut der Mitarbeitet des llilf/fereius. Daneben muß der gefährlichen Ifreführpng d.-r jüdischen (>elfentlichkeit durch Projektemacher begegnet »erden: eigene" Veröffentlichungen und die- Entsendung leitender kräftc^ zu Vortragsabenden erfüllen dic'-eii Zweck. . , ' :> :j So «t<dit der Hilfsv erc-in vor einer Fülle neuer Aufgaben, die er weiterhin zu bewältigen hofft, wenn er die Kördernng und ' tälige tnteilriahme dc-r jüdischen tlflc-nllichkeit findet, auf die er berechtigten Anspruch hat.