Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1936-01-17 · 1 (17.1.1936) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
12 (1936)
Issue
1 (17.1.1936)
Date
1936-01-17
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/4891256-5444745-5445063--1116-4892237
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde N Ii mm er I lausenden viiii Jahren ein Mensch diese Nöte seines Heivens in «vi 110r unvergänglichen Sprache mit der ganzen Glut einer Dicntcrseele niedergeschrieben hat, werden diese \ erse in ähnlicher Lage in einem verwandten Herzen Widerklingen. Denn \\ .1 ~ sind echte Gedichte? Erstarrtes Leben, das erst unter nem iFener einer aufnehmenden Seele wieder sich zu regen; und zu atmen, beginnt... Lud was unsere I'ro- ji Ii c 1 c 11 uns Heutigen zu sagen haben,'braucht hier'nur angedeutet /u werden. Audi sie werden zu uns sprechen von Menses zu Mensch und von Seele /u Seele, und das lartl '-3T '"anj') w ird von jedem einzelne« iii.seiner überraschenden --(iegeiiw .11 i-liedciitiing und helfenden Menschlichkeit empfunden werden. Wir luihen in den' Sukkaus-Tagen das Buch K i> hfl I c t gelesen. Wer so w ie der biblische Prediger «Jas Nichtige alles Menschlichen erkennt und doch an das Göttliche glaubt, der gibt uns wahrhaft MaRstäne für Zeitliches und Ewiges. Wolche Fülle, welch' ein Reichtum in unserem jüdischen ..Schrifttum, wieviele Quellen, wenn wir nur /u schöpfen verstehen! / •« I «HB» - :".'* ■ . I Mir Kräfte müssen aufgerufen, alle Begabungen genutzt werden. Die M usi k wird uns eine edle Begleiterin auf unserem Wege sein. Sie wird uns wahrhaft'beruhigen. J wen 11 nns des Lehenwilder Kreis umstrickt**. Aber auch alle anderen Jitenuriscben und künstlerischen Neigungen müssen im kleinsten Kreise jetzt erst reiht gepflegt und gefördert werden: Eine \ orre.snng in dem alten würdigen Sinne «es \\ 1 >r 11 ■ - vor wenigen gleichgestimmten Zuhörern ist oft vnn stärkerer W irkung als ein grolinufge/ogencr \ortragsabend. jeder von uns. hat <"ine freundliche Einseitigkeit. Der cum hat vielleicht -wissenschaftlich gearbeitet und seine Verilffciitljdiungcu sind in Zeitschriften'zerstreut, die uns heute nicht mein zugänglich sind. Seine Arbeiten.-von ilmi selbst Belesen, werden einen dankbaren Zuhörerkreis rinden. Fin anderer hat literarische Interessen. Vielleicht hat er seine Erlebnisse In l'rn-.i oder \ersen festgehalten. Auch wenn sie keinen Anspruch auf objektive Geltung machen. -11 intere-'-ieieii sie d»<h als Berichte. Bekenntnisse.. Tagebücher . ei im 1 Seele, /ei <hen einei dea t e 11 S t r e I) e 11 s . das, überall /n fördern i-t. Es*gehl hier-nicht mehr um ästhetische Diure: all ijnserc Beschilftigmig in den kärglichen Stjiinden U-nserer Besinnung wädi-t an- Vier Sphäre des Literarischen , in (Jie Sphäre des \ e r p f I i y Ii t1-11 «I e 11. Ks gibt Gcmeiudemitglicch-r. die ausgezeichnete Lichtbilder besitzen. ." die -ie vielleicht selbst von einer Heise aufgenommen haben, iiili-r was i lien-ii schön isl. Stereoskop-Bilder. Wieviel Kreide könne 11 -ie ihren freunden bereiten, wenn sie von il-fi-1 n Reisen erzählen., und..ihre Erzählung mit eigenen Bildern illustrieren! I heaterbesuihe '»»erden uns in Zukunft wohl nur noch im Rahmen der Kult urbiind-V cranslalniiigi-ii möglich -ein. Ein bescheidener Ersatz, kann, uns dnt frei Ii er vielfach geiibtel Lesen juil verteilten Rollen -ein. \\ i 1 Herden dabei alle- Sehttlineist'ei liehe vermeiden und in /111 lickhaltender Ehrfurcht Mir dem Kunstwerk dareine I luhtei w ort wirken, lassen. I).i/n werden uris alle Kulturh reise zur Ne.rfügcmg stehen, /n denen wir durih Sprache mW Iii I< 11 f 11 _ Zugang liaben. ttas Leben verlob 111 nur um de- I «I <■ a I <■ 11 und G «1 t t e - willen. Nehmt dem' Men-ihen -einen Gott, und er wird verkümmern. W ir e x i - t i e r e 11 in der W ell de- Realen, wir leben in der Welt des Idealen. Dies zu betonen ist gerade in unseren lagen be-onderwichtig, in denen es scheint, als ob 1nur noch auf die nackte Existenz ankomme. Es brechen he'ute mit den Existenzen auch W eltanschauungen zusammen, und mancher Zweifel droht in Verzweiflung überzugehen. Aber wem in Zeiten der Not seine innere Well rasch /u-ummcnhridit. der prüfe doch einmal ernsthaft, ob dieser Zusammenbruch nur ein Zeichen für die Stärke des ■ flfhircii Dimkei-t oder nicht vielmehr auch ein Beweis 1 Trösttt, tröstet mein Volk. Ji--a.ia 40, 1. __ für die Schwäche -einer Weltanschauung. Die Edithen einer grollen Wahrheit, die kraft einer tragenden Idee null' -ich gerade in Notzeiten erweisen. Der religiöse Mensch weil' intuitiv um'diese Dinge: ihm ist Gott im Leide am nächsten! Retten wir aus den Ii Ummern des I ages die-e Wc-fi des Idealen, -ie i-t der heilige Bezirk, in dem unsere Seele ungestört ihren Gottesdienst! halten darf, sie die1 er-, haltende kraft. Hätten un-ere Vorfahren aal ihren Wandorungen nicht das Bich, die Bibel, die Welt des Geistes und des Gemütes, mit sich getragen, da- Judentum hätte die Zeiten nicht überclaupit. Jude -ein heillt: die Lackel, die -ich an der Ewigkeit hinter imentzündet hat. weitertragen in die Ewigkeit vor uns. Die Sage spricht vom ewigen J 11 d e 11 : W i r w issern um den e vv i g e 11 Juden . Proi. Dr. SELIG MANN ■ Berlin: - , Alterssorgen .'■-v -- i.1 I -. ■ I Ii - y t I Die amtlichen Zahlen über den Altersaufbau der jüdische 11 Bevölkerung Deutschlands im Volkszählangsjahr/I9T» liegen jetzt vor. Sie bestätigen im grollen und ganzen die früheren Schätzungen erfahrener Statistiker. Nicht weniger als J00IMMI von nind SOOÖOÖ Juden hatten da- 4B. I.ebensjaIi 1 überschritten. Nimmt man hin/u. «lall -eit dem mehr alzvvei Ja)ue Zurückliegenden Stichtage eine erhebliche A«s| Wanderung stattgefunden hat. die in erster Linie jugericlkräftige Elemente, auch Kinder, mnfal'ic. so besteht kein Zweifel, dal! heule in DeutschlaIII J 11 d e ä I t e r a I - 4"> J a Ii r"e i-t! Demgegenüber hat die Zahl der jüdischer Zukunft in Deutschland. 1 jüngsten Altersklassen erschreckend gibt bierralandc erheblich weniger als Erwachsene iibi-r Mi Jahre! .Die Zahl i-t da* .Wesen ih r Dingi griechische Philosophj So wird auch bau der-deutschen Jndenlüif ihr einrius-eit. beinahe noch stärker, als Widrigkeiten deänRereu Leben-, <i und v> irtschal llichen I leiiiiuiiis-e-. 1 nd Schicksal pocht vernehmlich au die' A llgevv «irdenen und der Altwerdeiid Besitz und Vermögen -diwiiuh n d und Möglichkeiten -olli-i.iiuligen L -I leime zu bereiten. I\* wadlSC'n die rting reil'l die Kuntijieil au-c-iiiaiiih il.i- (.Mick, dankbar den LItc-i 11 den Heim zu bereiten. I - wachsen di«; Migemeiiiheil. Sdlon heule -iud (Iii meiiiih'B uniLgemeiiiiiüj/igeii Verein lange Wartezeiten für die Angemeldet imi Der >er-uch. auf |irivatw irt-ihaltlii}iem bringung in Einzelpflegesteljen. in V Heimen zu sorgen, wird in seinen 1 ziellen Kräften der l'eiisionäre abhält grollen Genteimh'inSfitütionen Weiwli vor die frage ihrer Existenziähigki fast anve-r meid lieh ist. die Steuerkr Verarmung der jüdischen (iesellschafi l nd doch ist es 11 nabueisbar. für ( Liiterkuiiftsstätten Tür unsere Alten von vornherein mit der, Gefahr'des brauchen. DJe (zpfc-rbereitschäfl inner band ist groll genug, um neue lleimi nun hier liehmIi n iferden Otter j «' d . /weit ugendliiheii. der Träger inen namentlich In den 11 liefstanil erreicht: exindl'f Iiizu in Jahren —11 h hrte schon "h l c)er /ahlenmäUige Aul- Sijhicksal weitgehend bei alle Küminernissje .....I - alle -taat-politi-dleil lieslei zahfc'nhestimmt« IMurten der Allen, ih 1 der C'\.-Zeitung mitgeteilten \i Diese Anstalten müssen für lang / Inn. i ej-tuiig.-fähigkeil wirbgehen zurück: Pflichten der jüdi-dieu r und nimmt Kindern I liienplal/ im eigenen Mlidileu der jüdischen Altersheime ih r (ii guqgen So gefüllt, ilufl forderlich werden. Wege für L'nb''- ii-iniien oder privaten folgen von den finaitgig sein: ja selbst die 11in absehbarer Zeit it gestellt, wenn. " US ft scliwindet und die w eiterschreitet. e nächsten Jahre neue /11 Rchaffbn. die nicht Erlic-getis zu rechnen den Juden in Deutschen errichten, ob siesich ich einem kürzlich in in 'Palästina. it lebensfähig bleiben. sie raüssbn ihren In-a— en ein Heim bieten: keine Wohltaten dl läge Gedenket der Jüdischen Winterhilfe Hamburg! Bank AM. M. Warburg & Co.. Simon Hirschland Postscheck : Hamburg 15054

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.