Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 10 (26.9.1935)
- Date
- 1935-09-26
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 O e m e i ti <l e l> I a t t el e r D e u t s e- Ii - I s r a c I i I i s e- Ii e n Gemeinde Nummer Kl Dil- Rciehsv ertrctung als die verantwortliche Führung des Judentums in Deutseh l.nid bat auf der.Grundlageder neuen Rei«hMCeNet/e Maßnahmen in dir Wege geleitet, die für eine plan volle Gestaltung jüdischen Lebens \on entscheidender Bt"d lltuttg sein wc'rtlcn. Dir Reithsvertretuug viril ihre Plaue nach Fühlungnahme mit den beriifeiu-n Slellen bcknn itgehen. fber deit-Frlaß des Reichsministers in Seifen der Xeitrrgetiillg des jüdischen Schulwesens sind Mitteilungen der Rcichsvcrtri-Auug für einen späteren Zeitpunkt /n erw arten. I _ 1 dieses l.eU-ns und «einer Erfahrungen stummen, kommt die . M.'iniM^-fiiUiuki-ir de!r l!elraudlinigsvv eise. Kelche durch ehe verschiedenen Partner deS brieflichen Zw ie-gesprätbs bedingt i»l: i»s eine gewjichllgc Gruppe. Von Briefen, in denen dimh.iiis die | nft philosophischer Diskussion zwischen f-orlgeseh rilte.iien Adepten weht, wie <ir in dein I rcibnrg und Heidelberg jener lade z-H finden waren. Aber daneben sieht die weitaus größere |\lcugc von [{riefen, in denen die. Gedan ki ncnlw ickiung liniuittelbar von den Erfahrungen uiiTl de» Bi-grilli-u de~ Wltags :iii>^rt-l>i I ml endlich werden wir hier die latsachc.- einordnen, daß jeder I i m-i auf einen starken Wandel, ja /Ii w eilen'.in I eine ( cgclisülziichkcil ejc-- I rtcils ubei Mi'nsehefi nur! llp'iige stoßen -wink die wiederum in der Ligenlüinljehkeil des Buche- ,i|s e-iher Sammlung echter Briillc begründe! i-t. Denn der Brief i-t Veiner Natur ■iath hi-diil-t edir eh eins Anliefen lies \trgeiibliik-: er wiriL nur das viui seinem; Gesellst,lüde enthalten, was dein Sehre-iber Ii Ii mit fei It.i i lebendii: i-t. Hur was ihm jetzt gerade wichtig e-rreheint. uui dein anderen Meusiheii -eine frage dc-utliih /II machen oder die -Aulgabe der Stunde /u weisen. Nun ordnet si<h che-c r lieielnnui und diese Ge gc-nsül/lichkeil der Lj n/el-tuc ke. wenn »u *iivom (■uu£i-u des Buche- -ehen. leiiht /ü'r Litiltcit der (.ebeiisentw ickiung. ifie iltireh alle diese Stationen und Gegenstände hindurchgegangen ist. Ihre /weipoligkeil h.it ein Y.iihrufwoi t von IVHl -eheiu umschrieben : .-.Im Jahre- |s.si, geboren.'begann er als .Historiker mit stärkste in philo-ophisehen Einschlug, als Philosoidi und Lrnclieri-ri judi-chen Geistes endete er ein durch schwere» Leiden eiijal volles, aller heroisch getragene», von tiefem gefctigcu Ringen erfülltel eben. Der Weltkrieg machte ihn irre an dein /Herst ve-rfolgte-ii \\ e-ge. die Höhen der dentsihen protestantisihen Kultur zn i-rforsilien: darum flüelrtetc er in Mi- Well .»eine* Blipes....'". freilich, die Erklärung tle-s großen Wandel- ,i|s 'einer Wirkung der pnlili-ehen Welt-, kat.i-nophe I'»L4!»• läßt sidi gegenüber der Lulle der neuen Dokumente nicht ai")TrecLiorhallen. Wir werden nun ve'-rwie-eii auf dcn'"viej -lilleren \organg geistiger Klärung, der in wichtigen feilen schein vor dem kriege- /um .Abschluß gekommen 'st:. Ito.en/weiu halte in lebhaftem («edallken- .inst.in-ifi .mit einem j-'reuiideskreis eine besimiinle Ansdniuung von der Vlöglichlveit und-vier Aufgabe der l'hilojophi« in seiner GcgcnwarJ gewonuen. In der grollen Zeit der ()f>eiidlän<l|s(heii S\ »lerne, die -iih mil Hegel ausgelebt hat.- kann der ein/eine Denker seinen Beitrat nur in den (irrn- /eji gestallten, welche dun der objektive Bestand der l'i oblemgesi hielt le /mveist: »eil >i hopenh.i'jer aber ^.-ilt die in iie Kciritt'rung. iluH das philosiiphicr<-mlc IndiCidiiiiiii sein Ich iii der Imin seiner Denkgebilde ausdrücken soll. Daist natürlich durchaus niifil als Viifruf /u irgendweicht r Willkür gemeint: eine neuarlige Biiidniig .in di.e Wahrheit viril deirtiilh: es'^c-lil nirwdie W irkllchkeii deeigenen Idi» und -einer Mi lbing >ur Widt. Diese hinsieht ill ■> djs W esen f/e'ilgenö—i-ifn-n l'hilosophiereiis hatte Inj 4losen/weig /wifi Krgeltiii>sc von pr.iklisiher Becleillllllg. Das erste i»l der (.1.Hille an eine neue Iheologie. die mit dieser Wendling möglich'geworden ist. ohne daH-inan es /unäih-l gemerkt hatte: ..Der \len-<h i»i Weistc-riil><■ i -In- Sache IIMiilosophiel geworden und also ^bereit, die Stininn- Cimte- /n hören (die der Men-ih nie hört, sicrlaiige er michhinter dein Schirm einer Sacfuarbeiten. Die Philosophie vor hei w;at eine Griechin, die das < hrisienijim entdeckte, bei Schopetchaiier und NieJ/sdie i~i sie •eine < hri-tiu..dw vom ( hri-Jeiitum -o Aveni^ weil' wie die inei-ten ( hi i-i. ii. äl« r bis iib«-r die Ohri n in ihris||i«hen Begriffe-Ii iteckt: Lllikehi. i bervvifulung,. W illen-w ende, dc-r Heilige. Wiedergeburt. Mitleid, flärle. Welcher l'hilosoph hat diese Begriffe vorher in den Mund genommen?*' (S. 26"5.) Wir sehen :Jhier M'uBte sich Rösenzweig noch auf demselben Boden wie Seine christlichen (iespräifispartner. Das/weite Krpcbdi« aber gewinnt er allefne: es ist seine Lutsiheidung: (hrnn er gewinnt es als Jude, oder besser: er wird durch seine Gewinnung'Jude von Glaubens' wegen'. \on der neuen Lordcrnng nach Wirklichkeit aus erscheint ihm die' Welt des jüili-iheii Grol'biirgertums. in der er aiifgevv achst-n ist. als ein Schaltelircich der gesellschaftlichen Konvention, durch dir hindurcJi/ubrecheii seine Aufgabe ist. \<>n der neuen Iheologie ans gesehen wird das Ganze des jüdischen Lebens, dem der organische Zusammen ha ng mit seiner \ergangenheit nicht abgeschnitten ist. i-ine sinnvolle Welt. Weg /um letzten Ziel. Anderseits'gew innt er die- ( ber/.eiigung. daß er selbst die neue Theologie, welche ihm von der .Lage des abendlän'disfheu Geistes aus aufgegeben schien, nur aus diesenrZusainiiif uhange heraus verwirklichen konnte. Rosenzweig sudne die Ganzheit des jüdischen in der Lehre- und in den Menschen mit all ihrer Alltäglichkeit, aber er tat es in dem BrwuRtsein, damit ein Arbeiter in der (ieisleswelt des zwanzigsten Jahrhunderts zu sein, in dein das Leben 'eine neue Möglichkeit des Denkens nufgclau halle. " Von hier aus können wir unsere Ausgaiigsfrage nach der ( ä-geuw a rtsbedeulung der Briefe wieder aufnehmen. I nscftf etvster Eindruck war bestimmt von der uuemlliihen Fülle der Probleme, die hier vor uns ausgebreitet sind und wirklich die ganze Welt des deutschen Judentumumfassen. Aber.- wie wir jet/t sehen, findet das alles seine Linilei! nicht nur durch das Dasein des Menschen, dem llerkunlt und Begabung diesen freien Überblick gestatteten: vielmehr ist es so. claK gerade durch den Ziisanimenklan^ der Gegensätze eine neugewonnene- Anschauung vom W esen des Judentums geformt ist. die in ihrer Verbindung von Wirklichkcjtssiun und Glauben intetwas von der Stiirk-e dein Schiek-al g e g e n ii b e r . geben kann, von der er /u sprechen und in der er /u leben wußte. DR. W4L1ER PINNER.- Der 19. Zionistenkongreß in Luzern \ on |s.i|7 bis /urBalfour- I )ek laraliou waren die Zionistenkongresse Kundgebungen der sich erneuernden Nation. Se-itilern sinci sie me hr und mehr /u Arbeitskongrcsstn am \«-rdenden Staat geworden. Vielleicht ist dieser Bedeulungs- Wundel vielen Delegierten erst auf dem diesjährigen Kongrell recht /um Bewußtsein gekommen: insonderheit solchen, die aus Ländern stammen, deren Jiulenheit dem wirtschafllich'SDzialen Aufbau des jiidisehe-n Paliistina znrzeit iiimIi weniger eng verbunden ist als die Judenheii Mittel- und (>-teiiiop.i-. Gerade wir. die aus Deutschland stamnicnclejri Deh-gierle-ti. hallen \ eraulassung. darauf /u verweisen, dal! dieeigentliche Aufgabe* des Kongresses die Beschäftigung mit eleu Problemen der Kinwunclermig und des Aufbaues y in müsse, und wir dürfen feststellen, tlafl der Kongreß sicfi un-erer Auffassung an-chloH und 'daher die, KiiiMlgebiiugen Mit Lageder Jiidi-fi in den verschiedenen Ländern der Diaspora, die auf früheren Kongressen einen beherrschenden Raum eingenommen hallen, diesmal nur wenige Stunden de- Kojigresscs in Anspruch nahmen, dessen Gesainidaiie* volle 14 I pOf betrug. -. I. \rbe-it am werdenden Staal die--es Wort soll keinen auth'njiolitischen Sinn haben. Die programmatische Kordelrung. das Palästinamandat durch die Aiu-rkennung Palästinas ab Judenstakit /u ersetzen, wurde auf dem Kongrell Hindurch die l'i Delegierten der Judenstaätspart« zur Erörtcirung g0stell*L eine Forderung, in der die Gesamtheit aller anderen fraktionell nur Deklamationen sah und über "die sie schweigend zur I agesorclming überging. 1X-r praktische Sinn der Formel von der Arbeit am werdenden Staat isl vielmehr, daß die- Pnubleme, mit denen sieh der Kongreß in angestrengtester, Kontmissioosarbeil beschäftigte, fast aus-1 schlic-Hlich Aufgaben Itetreffen, die in anderen Ländern eines normalen Lepc'ns von^leii I a nde-pa i la tuen teil zn behandelt sind. EinvvanileriingsiSerechtigungetl und Sellhaftiuaihung der l.invv anderer, ianclvv irtschaftliclie und industrielle Kolonisation. Handels- und Zollpolitik Palästinas. Schulwesen hihI l iiivei-sjtät. Gesundheitswesen und soziale J iirsorge sowie Arbeitsrecht und Recht auf Arbeit im Lande- und