Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 3 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 G e m e i n d e b I a (t der Dentsch-Israelitisdien Gemeinde Nummer 3 Zur 800-Jahr-Feier des Maimonides Am 30. il. (f. feiert die Judenheil der ganzen Erde und mit ihr sein Geburtsland Spanien die KOI). B iederkehr de* Vages, nti dem zu Cordovtt der bedeutendste jüdisch*' Gestfzesgelenrte und Philosoph des Mittelalters, Moses ben ' Maimon, geboren ururde. Mit dm folgenden Beiträgen — einem Aufsatz ton B.S. Jacobton, dem Krlali des spaniliehen Minister Präsidenten zum Jubiläum und der Angabe der aus Anläli des Jubiläums in dem rührigen Schttckenl erläge erscheinenden MaimonidesSchriften — treten wir im Rahmen unseres Gemeindehlaltes ein in die Reihe ' der Feiernden. » Im übrigen verweisen uir auf die zahlreiche Literatur über Maimonides in unserer ■ Gemeindebibliothek. Maimonides starb am 13. Dezember 1204 und ist in Tiber int begraben. I B.S.Jacobson: Die dreizehn Grundlehren des Judentums nach Maimonides. Li ii L) r trt ungsversu dl. Man li iert Maimonides in diese» \\ ochen mit Hecht ul.- einen der Grüßten unseres Volkes, läßt wieder auf sich wirken die willige Einheit von Lehre und Leben, steht bewundernd vor der Größe seiner Werke, es wird viel gesprochen und geschriehen werden über den Mann und sein werk, beide unvergleichlich groß und einmalig in der* Ger »(buhte un-eres Volkes, aber gerade in diesem Zeitpunkt bekommt liir uns dakluge Wort L e s s i n g s seine malincju.de Bedeutung: W i'r wollen w>eniger. erhoben und L fleißiger'gelesen sein. |: Das Jahr- Mr)l. in welchem <lie Jndenheit der ganzen Welt unseren großen Lehrer Rabbi Mose ben Muimon würdigt, •wird er-t dann seinem Werkeigerecht werden, wenn die Leiern Hie Sehnsucht auslösen, K.imb.mi zu lernen, wenn .i I I e K r<; -e dc-F Judenheit sich nicht nur von seinen p Ii i I o - so ph;i sehen 'Gedankengängen anregen lassen, sondern ihn. <lcii Meister der IIa lach a-, zum .Wegführer wühlen, ihr sie Innfiiln-.t /u Hai alba, jener großen Kunst der I rlleii-ge.-t.iltuiig. \ out Ewigen her. I in jr.ui/ kleiner Bruchteil der Riesenleistung dieses Mannes1 i-t in das religiöse Bewußtsein fast aller Juden ge- Irungcj». Religiöses Bewußtsein bekundet sich im Beten, rührt tmi'die tiefsten Schichten unserer Seele. W enn wir JigctaJ singenin Leiertagsstimmung, wenn es den Kol- Xiore-Gottesdienst beendet, am Totenbett'angestimmt wird, dann sjsgen wir;Lntsdicidendes aus über den Lehrinhalt de« Judentums, wie'/ilin Maimonides zusammengestellt, nein zusainmenge-chaut-hat, <laim wird Erkenntnis <ler letzten Lrgründcj unseres Jüdeweins, zum frommen Bekenntnis. Vergehen wir L-an/ schlicht, statt über ilas Werk und Leben des Maimonides im allgemeinen abzuhandeln,• die I 3 ..(. i u ndi.i.en"' de- Judetitunis, die Wurzeln, aus denen <lneV*S lebendige Judentum wuchst, in ihrer zeitbedingten .lu»wähl und ihrer ileuiiorli ewig gültigen Bedeutung un- '/ii deinen. I m folgemle 13 Grundithren des Judentumpebt ekj Ii Dasein GoHes, Ji seine Einheit. 3i seine. Lnkörperlkhkeit.;-4J seine Ewigkeit. 5) dit> Pflicht, ihn allein m/ubeicn. <>> die Prophetie. "I die L eberlegenheit der i'rophcjtie Moses über alle "anderes Propheten, S) die Göttlichkeit der Ihm. 'Ii "ihre l nveraaderlichkeit. 1t)| göttliche Allwissenheit. Iii Lohn und Strafe, IJ) das Kommen des Messias, |3| die Auferstehung der loten. Drei fcassiingen dieser Lehren sind allgemein bekannt und Kueünglich. . - , Ii D.i- J.i g-d a I g e be t, eine poetische Bearbeitung, lie warschf iiilich aus Italien stammt. ..In einem Sidilur vom Jahre \isf, ist angegeben, dal! es vom Großvater des l!e-it/er.-. iL i. von Daniel ben Jehlida Dajan au- Born, ver-! iBl wurde .. Wir gehen demnach nicht fehl, wenn wir Las Lied .1!- in -Born um I"HM) abgefaßt ansehen."1) I nsei Gt'bvtbudi bringt eine Formulierung, die 'jedesmal mit den Worten beginnt: rtl'O'a y dkd Es erscheint wenig berechtigt, diese Fassung Maimonides selbst /n/ti-<h reiben: /n seinem tiefgründig philosophischen stil palt es nicht, ohne jeden erklärenden Zusatz ..Glaubeiistordertirigcn" aufzustelleu. , "i :Die wichtigste aller am wenigsten zugängliche Quelle i-t die Darlegung, dieunbestreitbar von Maimonides selbst -J.imiiil, In sei Hern cr-ten Hauptwerk, der Erklärung zur 'Mi-dini ifie. arabisch geschrieben, den Talmudausgaben in hebräischer ('lierselzung beigedruckt i-t —" sprengt seine f. 1 b ■> Jen . Uec.'jüdische Gottesdienst, S. 88: vgl. den Siddur «t*o gl niale. einzig- und eigenartige Persönlichkeit \ ielfaclu den II ihmen der Wort- und Sjucberklärung. Wo es nur irgem' m ig lieh ist. soll zu der K e n n t n i s Übermittlung halachiscien Stoffedie iL r k e u n 1 u i s der grundlegenden W ahr heilen des Judentums kommen. Da, wo die Mischnu selbst A dal? gibt, über die b-t/tc-n und tiefsten Wahrheiten des Ji dentiims zu reden, greift Maimonides, der neben und mit B a s ch i >der größte- E!rzieh-er des iiaihtalinudischen Ji dentiims geworden ist. die Gelegenheit auf. in schlicht eindringlicher I orin bisher unklare Begriffe /u deuten. Im aktat Sanhedrin (10.1) wird der berühmte Satz gejirngt: in/ Israel hat Anteil an der zukünftigen Wcdt. Es werden im von der Mischua von «an Q^iy< HCf komiiieiideii Welt, die der Mensch nach seinem I ode gelangt, ausgeschlossen Mein diejenigen, die' sagen: Die Auferstehung der Toten sei nicht von«di r Idra herzuleiten oder die Tora -ei ii, In von Gott. Dje-e. Fuodamentalsätze der Mischua verlassen ' Maimonides nach gründlicher Prüfung''zur Aufuut. seiner 13 Grundlenren in der Einleitung zum IU sti »4 n p"Dn< 13 St tu dem eben erwähnten Abschnitt aus Sanhedrin. »1 Bei Betrachtung dieser Grundlehrei) ist es notwenefig. vir allem, die von ihm selbst stammende Fassung /u berücksichtigen, für die es eine deutsche Übertragung leider ch nicht gibt. Folgende drei Rrobletue driingeu -ich auf. w.enn man die Grundlehren de- Maimonideüberschaut. I. Welche Ibiug haben Grundjehr^n oder Dogmen überhaupt im (■i'samtbaii des Judentums? II. Was war piinzip für Maimonides? III. Welche dieser is Auswahl- Lehren haben eine erhöhte Bedeutung für die Judentumsauffa^sung erer T age I. rt'iTO''- (ii undlehren. zer seiner 1443). sein Fundamente nennt Maimonide.- -clbst seine D'lpJT''W ur/eln nennt der Kritiker und FortdogBaatiscfae| Tätigkeit. Josef All)©)'(1380 "aupiwerk. pie Gfundlehrea dc-s Judentumild I' nndamente, auf denen das Gebäude de Judenis ri|ht. sie müssen4ragfahig -rin und' Widerstand leisten kö inen. W er eleu Bau sieht, bemerkt aber nichts vom Fundament, das iil den ausgeschachteten Boden liinein- Mtui ist. W ur/elu. tief hineinreichend in das Erdreich, >en für StaUim und Früchte Kraft und Entfaltungsmöglichkeit: müssen aber die Wurzeln bloßgelegt werden, so ist es ein Anzeichen von]Krankhein In Zeiten und Ländern, m denen das Judentum sich nach eigenen Gesetzen entfalten und auswirken kann, ohne inneren Zwang, sich mit der l mweltkaitur und anderen Auffassungen des Judentumauseinanderzusetzen, da sind die Griindlchreu unsichtbar wirkende Kräfte, dann bekundet -ich das Judentum vor allem in der Meisterung des Lebens in -einer ganzen TjitTe und Breitedurch das gc- Leiligte Gesetz, dann ist jüdische (iei-tigkeit vornehmlich taOnudische Geisteshultung. [wie sie noch heute lebendig ist in (Ten r>pen des J e - eh i w a - B a ch u r und desTa ( h a <h a m : es bedarf dann keiner f o-rn/u fie Ginn Hehren. In Zeiten und Ländern aber, in denen feile des jüdischen \idkes eingebettet sind in den Zusammenhang mit hochwertigen Geisteshaltungen anderer Völker und Relijgionen, wird das aus Bibel und Talmud sich eigenge.set/lich, „autonom" entfaltende Judentum von innen heraus bedroht durch Atirielinuug gegen elas (leset/ oder die Verbindlichkeit -einer geistig-seelischen Daätinsvoraussetzungj da iniiß eine Abgren/ung gegen das Fremde 'oder das f eindliche erfolgen. Die Aufstellung von Grundlenren ist daher im Judentum immer dann erfolgt, wenn das Judentum zur Synthese mit anderer KultiCi drängte oder von innen her I m i il r t e u ->\.Btlie | '