Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 10 (23.11.1934)
- Date
- 1934-11-23
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gemeindeblatt 4er Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nu Himer 10 dichtgedrängte Menge. elkai - diesemletzten Gottesdienste, dieser Ab>ehied»feier teilnehmen will. Sie alle sind gekommen: die beiden ein/igen noch lebeiklen Männer, die an Her hinweikungsfeier des 1 jolteshauses teilnähmet, die \ i>■ K'die an dieser Stiitte ih - erstes Gebet verrichtetfn. die vielen, dir'kirr Barmi/woh wi rden und'die vielfach auch ihm Söhne zur Barmi/u oh frier n dieses Gotteshaus geführt' 'halten: Die im Gehiete der1 Groß-Hamburger Gemeinden -.amtierenden Rabbiner sind'anwesend, die Vertreter ihrer Griiiciudekeirper»challciK die Mitglieder des Vorstandes null des Delegicrteukbllegiums |de» Synagogenveibandei, in .denn Obhut die"" Synagoge nihe/ii 70 Jahre gestanden Jiat. \l- Vorbeter beim Mintboli-jGclict fungiert A.' X u r i r n , der lange Jahre in der Syni gog"e amtiert hat. Nach <lrm Minchoh-Gclx'-t besteigt Rabbiner Dr.-L-ewin die kUn/cl. um in kurze, knappe Worte diejenige /u fassen, was in diese r einzigartigen Stund« das Kridbnis der Seelen der Anwefccndrn i»t. fcr "vergleicht das dein Abbruch verfallene Gotteshaus der Sonne. \\ ie <lie Sonne leucktend auf- und strahlend untergehe. >n >ei von diesem Gottcshüuse Segen l>ei seiner Begründung ausgegangen, um -o werde es auch, wenn Steine lind Main i »inUcn. i-ti den Jler/en derer weiter bestehen, welche in ihm mit Andacht gebetet und in ihm den siegen des Gotteshauses empfunden hau m. Seine Woitc sind getiagen Von Molimin- und Zuversicht und mahnen /.n Kinigkeit. /um ZiisjUiimridiailen und /lii Betätigung echt jüdischer Sedijduiilät in treuer Hilfsbereitschaft, kr erinnert an die 1 iilnel der Gemeinde wäIrrend iles 7>jiibrigen Bestehens-des G(>tte»- hailr.es, aikdie Männer, die ab Verkündcf de* Ge>tlc»wpnes oder aU \ oi-beirr in ihn» gewirkt haben, an die \ orsteliejr de» S\ nagogeu \ ei bunde.s und .in die Synagogenvorstehcr. die m der kohlheifen-Sy nagogV tätig gewesen sind. I nd erneut klingt »eine .Predigt aus in den Huf /ur Kinigkeit. welche.lie Bliirgschall und die Grundlage dafür sei. «Uli! Ilainljuii:» ijideuheit .iiiiHi in dieser schweren und rrnMcii Zeit dem Propheten ruf entsprechend nicht /u fürchten brauche, sondern voll Aertrauen in ,die Zukunft schauen •könne. Der Predigt 'folgt da» Maul iw -Gehet, und dannj beginnen dir kiir/en Minuten de» Abschieds. Die Huiligc I ,i le wird geöffnet, und \or ihr »teilend spricht Obeikaritor, Biirjrer /um letzten ■ Male einer ergriffenen Gemeinde die Schernau» vor. Wie ein •Kaurlchc u gehl es durdi das dicht gefüllte Gotteshaus: da', ist Uohl keiner, der nicht im lnner»ten ergriffen wiirr. und du i»t wohl keiner, der nicht empfände, daß im Schutze de» Gdtle». bau.-es Is.rael geborgen und sicher i-r. wie auch draußen die Well zu ihm stehen mäg.j Dann sind die Bekenntii.isdni le verklungen, die in das Weil* des Yersöhnungstngrs gekleideten T.horarollen werden der IJeiligen Lade eiirnnniinen. und während »ie zum lel/ten Male ihren l mzug durch dir Synagoge halten, ertönt muh ( höre her die wehmütige \Tei»e Ie» Jig<l.il und de» Ada lim Aulom. in d.V» die Gemeinde! einstimmt, I in Irtzlrr Schnfarmf. und (Iii- \b.schie<l»sjunile ikt zu I Ilde. Nur langsam leert sich das Gotteshaus, nicht ohiuj daß i ichnoch einmal zum (Jj'r'ann llakatrdrsch-hinaufsteigen] und noch ein letztes Mal den \ prliang mit ihren Lippen I>eniiIiir Jiaben. - 1.-_ — t. 17lt. ai Wie die Hamburger Gemeinde ihren Oberrabbiner wählte —m%. In diesen Monaten, da dir Wahl eine» llambilrgci Oberi.dibineis be\or»teht und in der Öffentlichkeit «hon mancherlei Di»ku»»ioneii über die ■ V\ ublmethoile eingesetzt haben, unter der sie zuerfolgen hat. mag dir Art und \V eise v_«in Interesse -ein. in welcher früher die Wohl eine.» (|beiraboiner» wir »reii ging. Bei den zahlreichen Andel Hilgen der Verfassung der jüdischen Genieinschäfl in Hamburg unterlag auch die Wahl des Ohtirabhiners diesen Titel fiihrte in Hamburg als erster Obrrrabbiurr Stern .». A. -- verschiedenen rBestimniiingen. über »1 im.in sich nur mühsam unterrichten [kann, da ja eine zii»anitucnfa»»eiide Geschichte der Haml.bü'rger Gemeinde bis heute noch uiciit vorhanden ist. Die' ersten deutschen Juden in Himburg halten keinen eigenen Rabbiner, und erst in den Jahren t-tSo1) bi.s 107(1 mite rstejltrn -ich _U Hamburger jüdisthe f amilien dem Altonaer Jtabbiiier. Dabei wurdevereiriltart. daß bei Nw Neuwahl e ine- Rabbiners die Mtona/f 12. die Hamburger aber nur. :'•< Stimmen haben sollten. Diese Vereinbaraug galt bis zum c;i)erraiM>iner. poine ai einen eiueneu [Oberral andere jjire kjnw illigu solle JO Jahre freiten in Jahre 17ljr. aus! dem <lie erste genaue \ erlautbarung über die Wahl eiiJrs Ofterrabbineis für die drei Gemeinden Altona. Hamburg und W andsbek datiert. Der damalige- ()beri abbinei der drei Gemeinden k/eehiol k a t / e n e I I en b dg c n erließ in Ge-nicin.schaft mit Heu \orstehern Joel Plhilip Oweibacii und Samiiel llelmau eine ..\erorduung über die Wahl eines Ober-Ralibiners". die im" we»eiitlHchen folgendes be»timiiil: Die .\lteaten in Altona und der Altonaer Gemeinde, in Hamburg wählen lt.. die Ältesten in Hamburg <> Männer. Die»e .'"i Männer wäjdc-ii nach einfacfier Stiipiuenmehrhcju^ den (>bc'rraN|iner. (Sollte aber Ihm einer Vakanz eine Gemeinde ibiner wählen wollen, »o mji»»e die UBC dazu geben. Diese- \ eror'tliiung ml erst dann e-» jeder Gemeiudie frei- »telien. einen ifnterrabbiner als Richter zu bestcllen/'und ihm einen Anwalt ai» Bevollmächtigten zur St-ittzu stellen; Man null' bei elie»e-r \ e-roreluuiig betjücksiditigen, aalt das Amt cies (Iberrabbiners damals auch ein durchaus wi-lilichr» war:<-r führte dc-ii Vorsitz in dem jüdischen Gerieht, von dein alle Streitigkeiten Her Gemeindemltglieclcr u^ter »idi und der Geine-iiiilc-niiiglie ler von Hamburg und Altona untereinander ridschieden wniden. Diese ßestpumung Itestand noch bis zum Julne \sb\ \n der (iül|ligkeit der ei«len l!abbiuc-i-W .ililxe-rordnun, ist hundert Jalire laug niehti» geiindeSri Dem um e» freilich niemals sc» gaiiz rc »hl. daß eineau»läiidi»chc Justiz in Hamburg da'die Verhältnisse |lamburg» zur hoksteinini kronv. der Altona unterstand, noch nicht und die Juden llumburgs .iiißerdem ihr lind l'.rbreeht hatten und man ihnen nicht weisen l iitsciieidiingeu »ie »icfi unterstellen » dabei. Der al» Gericli1»prä»ideut fungierend mußte c-in f rc-in.ler und mit keiner eiulieiw urde praktisch 1 l.uiiburger Senat gew isseraafien bjerrsthte. aber »clie-n (dänisch geregelt w a re i eigene» Khe bieten konnte. M Otiten, blieb i (Hierrabbiner mi-tiicii I: ieligic>se-ii lie verwandt sein, offiziellen Airlä»» zeit; Amtsantritt eil) keinem GcmciiidcmitgliiMlc Be»uciie abstatten; Im Laufe i Inner» auf iah ( ■i liieinilebeamteii. wei elenden )\ a J* Wahimänne '. Krsl ai am jQ; August w Ii rden. erklä 11 Mab auch flu ritt' er außer bei -Ii (flaumigen, kondoleuuncj die cladnrch häufiger rie friiheri.lteslimmC von Jahre wurde nur die Wahlzc-ii de» Obelfünf Jalire. eiil»precfiencl der aller andere II herabge»elzt. Iilc-n von Js statt, in miigenommen. Hamburg unter lrauzii.»i»clh lierüschaft kam und die fraiizosif.ciieii Gesetze eingefühii ijle der Senat jede Bindung mit dem Altonaer. binatsgc-riclit und jede* Funktion des Altonaer ()bc-rraphiners für HambuTg für aufgehoben. Zu gleuhe-r -Zc-il I n Ii i le die- Trennung der drei Gemeinden elnzn. daß die Juden Hamburgs ohne (Iberrabbiner blieben. Aber das Pariser ( ent ral-('oiisi»torium. dem die Hamburger Gemeinde in der französisdien Zeil unterstellt war.' forderte in einem Schreiben voll! *>. Xoveinher |S|| /ur Wahl eine» Oherruhhiner> auf. Diese fand bereits am J(>. \ovcMiiber statt und wurde nach fradzösischrm GeMeindestatuI durch die- „Notabi-In ,»orgi-- nommeh. Sie ficil auf einen el»ä»si»ehen Rabbiner. II. I.a/a r. und wurde durch kaiserliches Dekret vom IH. Icbruar 181J von Napoleon liesltijjgt. Man sandte Rabbiner l.azar das Gedcl zur Reise und [bewilligte die Anschaffung einer Wohnungseinrichtung, doih der Abzua dej- Krunzoseii/npuchtedie W ahl wieder hinfällig, und in clc-ii follgenden Jahrc-ii war voll ihr keine Rede mehr. Nun reichte eler .Senat der Biirgc-r»efiall den Kutwurf eines neuen Judengesetzes ein. dessen Artikel Ii die- Hrlaultnis vorsah, hier einen Ob.errabbiner. der Hamburger liiirger sein oder »"erden müske; aufzunehmen..Der kutwurf verfiel jedofii. ebenso wie ein weiterer Knlw nrf. der Ablehnung durch dief Bttrgersdiait, und die Grme|iuh'verhültni*se wurden nun. diilrch eine pro»isorischr Verfügung des, Sc-nal» sichergestellt. Die Rabbinerfifäge wurde dabei nicht besonders geregelt. Diedrei Dajanim,I R. Barnch Anstrich. Jakob Japha von II a 1 I o und M ich ael S p c- \ er. maciiten eine Eingabe an den Senat, die Reljeiotisangelegcnheiteii dem Verstände zu entziehen, wurden aber abschlägig bescjiiedeu. Nun erst sciirilt der Vorstand allein, ohne Assisleiiz vort VVanljnünnern, zur Wahl eine» Riibbiners and entschied »ieii isiji für den 25jahrigeii zu Mafnzj privatisierenden Iheologiebeflissenen Isaac B e r n a y s. Der I itel Oberrabbiner wurde dabei vermieden,^ »oiideru Brrnavs als „Geistlicher Beamter" angestellt. Der Senat mußte seine hin« illigung für ..eine solche, in dieser Stadl Doch nicht roritanden gewesene kirchliche kinriciituiig"