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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1934-08-16 · 7 (16.8.1934) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
10 (1934)
Issue
7 (16.8.1934)
Date
1934-08-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Des tsc h - Israelit isdien Gemeinde Nummer 7 Die deutschen! Juden haben es erlel>en niiissen. wie 'elementare Gewalt >ie aussonderte ans der Gemeinschaft, mit der sie sich seit Generationen verbunden fühlten, für die die Besten das Zeugnis des Opfertodes als sel-hstverständ- Ikfcer Pflicht geleistet hatten Eine künftige- Zeit wird ein Urteil dariil>er fällen, wie die deutschen Juden diese* Erlebnis getragen haben. Wir glauben, daß niemand ihnen — wie man auch einst urteilcn wirtl da- Bemühen, sich /u bewahren. <len festen Willen. Würde /u wahren, bestreiten wird. Allen — wo sie auch standen - haben diese Monate gezeigt, wie stark die Bande sind, die uns schicksalshaft mit deutsdiem Boden und deutscher Inie verbinden. \\er<lie Briefe der Ausgewanderten liest, ahnt das namenlose Leid dieser Menschen, die in* I lend r, d. Ii. das andere, fremde- Land — ziehen mufften. Welcher deutsdie-J-üde hat heute keinen ihm Nahen draallen. Man lese nur einmal die Tailiilienanzeigen unserer jüdischen Blatter - mau wird eine Wanderungschronik finden. Vi» Ziel war denen, die-sich lösen muBten, gegeben. (Um mehr'als Zuflucht werifeii kann: Ecez JisraeJ. Wenn es den Älteren .auch nie zur Heimat werden wird, die Jüngeren bauen -ich ein neues Haus, von dem wir alle Wünschen, dal! es ein festaegründetes werde, ein jüdisches naus. Nicht alle können diesen Weg gehen. Kann das Ende de- Gofuth de-- zweitausend jährigen Leides — so von au Ken kommend keiner wird dem-Wollen Theoddr Her/ls -eine. Bewunderung versagen, niemand anders als vidier Verehrung das Vnfhauwerkj wachsen sehen — aber sind auch danicht die Wege unserer Tage? l-t nicht für viele dieser Weg der leichtesje, modernste zum Judentum? Lud -ii bleibt-nur ein anderer Weg der Heimkehr zum Judentum, der religiöse. Kr ist mühsamer und ent-agung-- voller — w eilige, w erden ihn zu Endegehen —. aber viele, mühen -ich. W.ie in den Zeiten des Krieges der todnahe Alltag den Seddaten fromm werde» hell, so rufeH auch he*iile viele, ms der Qual ihrer Not zu Gott. Aus dem Schrei ihrer Ang-I steigt da- Gebet. Sie suchen den Weg und beneiden den in -einem I eben.skrei.s gefestigten Frommen — ohne zu ahnen, dal! auch ihm Zweifel nicht erspart bleiben. Aber im llltafg des Lebenskampfes, in der aufreibenden \rbeit. die überall fiagwünlig geworden — die kralle bis zum letzten spannt, bleibt es oft bei "dieser inneren Sehn- -ucht. Gewiß fi.ibeii die Gotteshäuser -ich wieder gefüllt, aber das i-t um ein Vafans — kann nur ein Beginnen sein. liier in Hamburg .bemüht («ich die Franz-RoSeuzweig- Gedäfhtnis-StiftuDg. deren") Werden und W irken dem um jüdische Bildungsarbeft soj unendlich verdienten Hermann Philipp zu d.ulken ist. Im Reich ist unter der Ägide der Keidisve rlre-tuii. .-ine Miltel-telle für Erwachsenenbildung1) geschaffen worden, der Marlin Buber und Emst S i in o n vorstehen. In einer \nzall von Tagungen (Herrlingen,-) -Kreuznach. Le-Iinilz'i hat die Mittelstelle vcrsudit. diesem Beginnen zitt jüdischen Arbeit weiteren Anstoß zu geben. Martin Bubei i-t heute Jeiner der führenden Köpfe des deutschen Judentums. I iid el>en-o eirtc-r der umkämpftesten. Wer einmal <(-- Gespräch auf Buber bringt, hört Kritik um diesen Mann. IVn einen sieht er zu nah der theologischen Wissenschaft. <i n andern iit er zu mystisdi — den deutsch Eingestellten, z wenig ' deutsch — und die zionistische Jagend (Ilabon h kann -ein religiöse« künden nicht vertragen', weil ihi;n. den „Bauleuten" des Heiligen Landes — ' »eiche Tragik der Zugang zum Religiösen fehlt. Wi r aber einmal ganz unbeschwert Tage mit Buber zu- - inline.....in durfte, wird -nlehe Stunden als reidien Gewinn seines Lebens se n Eins 'allerdings muH er sein, offenen Sinnes, bereit, zu nehmen iiiji einer W elt, in der es nicht JIM die äuHeren . Itralitiitei dieser. Erde, sondern um die letzten Fragen unsere.- jüdischen Seingeht. So -teilt Btilter ') Frankfurt a. M.. l'nterKnaau 21. -i Ein ausführlicher BericllE iiiier die Herrlinger Konferenz ist in dem ersten von deT MitieisMIe herauagegehenen Hundhrief enthalten, der Interessenten nur Wun-c-li zugesandt wird. Der Bericht enthält u.a. eine kurze Kijif ihrung iihej- Jüdische Erwachsenen« Idldang von M. 15 u Ii e r und ilie Wiedergahc der iteferate von Prof. IT. E. Kantorowi •/.: Formen und Institutionen — Dr. E. It o - c n h I ii t h : Jüdisches Bildung-gut — Rahh. I)r. XI. I» r ii h e - vv ■ I d : Bündi-che Jagend Dr. 0. L n b i n s k i . Dr. H. Re i h k - n e r , S. A d I er - R u d e I : Berufstätige Jugend —. Ilannali Kar jo i u s k I : Krauehaufgahen. vor mir: unter den Gipfeln des märkischen Fichtenwalde-, den großen köpf, den die kleine Gestalt kaum tragen kann, gesenkt — die Augen geschlossen — in sich hineinjiörencl — 'mit den kleinen Händen, den kurzen zierlichen Fingern zu ertasten suchend, zu greifen trachtend. Aus der Rene kommt die Stimme, suchen die Worte zu formen was uns Menschen von heute die Bibel sein kann. ..Was über im Sprechen entstanden ist. kamt nur im Sprechen je und je wieder leben." So gilt heute Buber- 'Wirken'einer erneuten Lautgestall der Bibel. Wie im Hebräischen icwn eigentlich ausrufen heißt, seilen auch wir w ieder lernen, ilie Bibel zu sprechen. Nicht nur im l rtext sondern auch in der neuen Verdeutschung, die Bubei- Ko - e n z. w e i g ihr gegeben. Wiie gew allig hämmerten sidi die Heden de- Propheten Habaknk in ans ein. nls'Buher sie an einem Freitagabend las. Lud wenn er dann Stunde auf Stande den besoirdeten Stil biblischer Sprachezeigte, wie sich die Wortew icdcrholcn, um gerade in dieser Wiederholung den Sinn zu vertiefen, der Botschaft, die Gott dem Menschen gab. zu dienen - so w uehaus allbekannten Erzählungen DeUes Eeben. (Wer wenn Uiibe-r zeigt, wie die innere Dynamik eines Wortes — nie des gelesenen, sfets elos gesprochenen Wortes — wieetwa schabhos leblos techni.siert Wörden ist im Babbath unserer Übersetzungen. Uml wie er nun aus allen Stellen, da dieses Wort erwähnt wird, denil rsinn herausholt: feiern von der Arbvit, die der Mensch gemacht hatte, wie auch Gott um siebenten Lage der Schöpfüngsv\ oche feierte von de-r Arbeit, die er isenuirht hatte,*) So -neben Biiber-Uose-nzweig auch in ihrer Übersetzung den gleichen hebräischen Wortstamm V-Iets mit demselben deutschen Wort oder einer Abteilung aus seiner Wurzel zu geben, um im Gleichklang den SirfTfi auch „Laut" werden zu lassen: lud vergleichen wir das Wiederauf tauchen ehr gleichen Worte, so schlagen -ich Brücken über weit ausc iiinnderliegcnde. Stellen. Ein neuer' Sinii wird uuerschlcjssen. . f Ks mag-die Krage auftauchen, wie weit man in dem Tiefbohren des l rsiunea gehen darf, ob nicht manches Mal hinoiugedeub't wird. Aber nicht darum kann es gehen. Das Entscheidende bleibt die Klärung, die W ledernufiichtung. "die Neuerw ecku'ng alte-r. verbrauchter Worte und Vorstellungen. \ or allem, wenn sie durch die Vorslelluiigswe-lt eles Christentums gegangen und so w ie eler Mal'udi zum Engel, der Nabi' zum prophezeienden Propheten sich auch uns zu vervvaiideln drohen. ..— — End in seinem Innern richten sieh schon wieder Worte' auf, nicht ilie seinen (denn was wären seine.; "'- und wie schonend wäre-n sie ve-rtan), andere, harte: Eisenstücke, Steine, •il)ie er'sdimelzen muß wie ein \ ulkan. um sie in dem Ausbruch seines Mundes auszuwerfen---" (R. M. Rilke.> Das ist der künder — nabi — unsere:r Prophetie. Was kann aus solchen Stünden erwachsen? Nur wenigen wird es möglich gemacht werden können, solche Lernzeil mit <lem um die Erneuerung der Schrift ringenden B'uber zu verbringen.-) Aber jeder w inl dann in seinem Kreise weiter /ii wirken suchen. Audi das kann nur Anstoß sein: Anstoß zu nettem das. diesem Anspruch genügen. Das scheint eler Sinn Buherscheii Wirkens, ile-n Menschen von heute heranzuführen an jüdisches Erleben. Erschloß er uns vor Jahren den Zugang zum Chassidismus, so möchte er uns heute das Tojr öffnen zum Buch der Bücher. Daß wir es wieder sprechen, mehr in ihm leben. Niemand kann das Leid und die Qual des Tages uns nehmen, niemand den kämpf um die Existenz für uns Führen. Aber neileicht stärkt die Ahnung, um was wir leiden, unsere Seele. Vielleicht zündet auch in uns ein Funken jener Glut, von der B o s e n z. w e i g im „Stern eler Erlösung** sagt: ..die Glut, die nach innen glüht, weiß nicht^ von dem Dunkel, das von außen den Stern umgibt." f) Vgl. B u 1) e r : f'her die Wortwahl in einer Verdeutschung der Schrift. Beiheft zur Logenausgahc der Bücher der Weisung. *) Wir hoffen sehr, da.! Martin B u Ii e r im Laufe des Winters zu einer I.ernvveie-he nach llamhurg kominen vvirel. f ragen, neuem Bemühen alt-neuer Antwort. Daß Wort unserer Väter uns von neuem anspreche und wir

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