Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 4 (19.4.1934)
- Date
- 1934-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 6 Gemeindeblattder Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer t soziale Struktur geschaffen wird. Hin wjrel in Zahle-n sichtbar, was immer noch iiKiiHhin.il als theoretische Forderung empfanden wird: der Wert der Beriifsnmschichtung. Instruktiv leranschaiilicben gr^ßc Darstellungen die alles überragende Bedeutung des ke-ri-n kajemeth und «des Keren llajc««od. Diese beiden nationalen Feinds hal>eu überdie Bc-dc-utiiiig hinaus. diesie iinme-:r ~i4kmi gehabt haben, in ilic-cin Augenblick der Entwicklung Palästina« eine neue und dringende Aufgabe bekommen. W ir haben genug über IJoili ii-.pekiiLilioii jind Mietc-wucher in den Städten gelesen. Open diese üblen, nicht genug zu 'kritisierenden Erschciilfinden hilft keine Propaganda, keine Erziehung und kein moralischer Appell. Ks hilft nur die Stärkung der nationalen Fonds. < - hilft ih r Zeiejhniingsstheiii des keren llaje««oel. es hilft \or allem die bekannteblaue Xationulfiind«- baebse. deren Erträgnisse dei> Boden, indem sie ihn für die Uk'emeinlnit ri ttcit. dem Wiidher iind der Spekulation entziehen. ■ ' i ■ I'el-Awiw hat außer'seinem Stadtwappen.;das mehr den WC11 einer Originalität il« ejrneU künstlerischen Fahlem« baten durfte, eine echte Anschlagsäule geschickt, ein hiib- •-eher Gedanke, da" sicti an ihr'wirklieh das Leben dieser Stabil in allen «einen Teilen widerspiegelt. Besonders schöne Bilder '/eisen die. Vielfältigkeit der St idl Ji-ru«+lem. f'eherhaupt i-t da« Wort ...v beifällig" ein widitiges Wort in hc/tig .iiif Palästina. Es gibt im eisten Srockwerk eine Tafel, die die Vielfältigkeit..den dauernpleij Wechsel der Landschaft Palästinas mit großer Dentlidikeii wiedergibt. Diese \ ie-lfälturkeit. der ewige'Wechsel des Gesichtes diese« T andes gebort zu den stärksten Findrijckcn. die man bei einer Reise Gewinnt. Nicht minder vielfältig aber ist das Gesicht der \(enschen. da*'Nebeneinander von; alt und Jung, vem Orient und Ok/ident: auch d<is wird ««^ausgezeichneten Darstellui'- g*n wiedergegebe-n. Handel. Industrie und Verkehr sind in einem /immer vereinigt und werden dem Interessenten durch Kurven, Zahlen u nel-graphische Darstellungen deutlich gemacht, liier .dürften vor allem die Handelsbeziehungen /w'i-ehen Deutschland und Palästina interessieren, die durch be«iimli re Abkommen mit der deiftschein Regierung gerege lt sind: Daneben ein Verkaufsraum der \\ i/o mit künstle werblichen Arbeiten jemenitischer Jüdinnen. Hier legen dir Führer durch die AussieJIujng eine kleine Pauseein. man erfrischt «ich an Orangeade. Glane fruit und Apfelsinen, selbstverständlich auch das alles Tozereth Ilaare/, d. h. aus Palästina stammend.' Fin /immer" ze-igt die Verwandlung' de« Landes durch die neue Einwanderung. Fs ist Vielleicht das' /immer, das hihlmüßig den stärksten Findrnck liinterläl't. r)er Raum daneben infeirmiert über die geistigen und kulturellen Institutionen und Finrichtiingcn. Fs ist fast nicht möglich, die- Fülle des. Gezeigten bei einem einmaligen Besuch wirklich in sich aufzunehmen, End, dabei hat man vor jedem Bild, vor jeder Tafel, vor,jedem Modell da- Gefühl, daß gerade diese besonders wichtig sind, unter keinen fmständeh übersehen werden -dürfen und ganz besonders im Gedächtnis bleiben müssen. -Es ist gut. daß . immer wieder /wischen all dem Sachlichen und .Frusten Bilder hängen vom Leben den Kinder im Lande, von der Jhgend. Ausschliefe aus der Arbeit des Makkahi. der großen indischen Sportbewegung. Die Köpfe führender Menschen der zionistischen Bewegung. Zitate aus ihren Schriften und Reden weisen immer wieder hin auf den geistigen Grundgehalt der v ielen Tabellen und Zahlen, erinnern immer wieder an das. uas anfangs gesagt wurde, daß die Idee es ist. die dieses- Leben geschaffen hat. da« dann durch ökonomische Moment/-, durch Zwang und Willen, durch Glauben und durch Energie.durch Hoffe n und durch Disziplin, durch' Menschen Aon letzter Finsat/fähiirkeit gc-forjnt worden ist. "illles. Gehostete bekommt seinen Sinn davon.'daß es Appell zur Weiterarbeit ist. Fs gibt kein Ausruhen. Stillstand wäre l'od. Die Entwicklung in der Richtung des bisher gegangenen Weges ist eine« Frag«- der Einsicht und des Willens immer t...... r Menschen. Die Ausstellung, eine Wiedergaberl■» bisher Erreichten, ei.ne Demonstration unsc;rer Möglich» keilen, muß als e in Appell zur Mitarbeit wirken. Dann hat sie über die Information hinaus, in eineth tieferen Sinneihre Aufgabe erfüllt. Dann hat ehe Ideewieder einmal ihre k ra f t bewiesen, diese- Idee.die — im Bereich des jüdischen Lebens - diegrollte Utopie des neunzehnten Jahrhunderts zur einzigen Realität des zwanzigsten gemacht hat. Die Palästina-Aussiedlung wurde am 15. d. "M. vor einem kreise geladener Gäste eröffnet. Nach Ansprachen der Herren Dr. Marx. Rechtsanwalt B. Da\id und Dr. Mechucr übernahm der letztere die- Führung. . * I ber das TJieiua .. Vits der geistigen Werkstatt des neuen Palästina" sprach in einer \ eran*tnllung des '/ioni«ti«eh- \kadeini«chen klubs am 12. d. M. Herr Dr, Ernst Simon- Ii iüi in einer aiißi-rordi-ntlich fesselnden, interessanten und auch sprachlich «chöiien Weise. Der Redner scbilderle in längeren \!i«führiingen die Elemente, iius denen sich tlas geistige- Schaffen der neuen püliistinetisi«clieti Siedlung zusanrmensetzt, das Werden und die Entwicklung! «ier hehräisehen Sprache, el is spezifische- Leben der jüdi«ch-paln«tiiicusisehen Schule-, die bc-seindere Art der durch «Ii* I iiistände gebotenen Geschichtsbetrachtung, eleu spezifischen Charaktc-r der: Hebräischen l'nive-rsiiät. .elf-r ihr von dem Lande und den beiden bedeutendsten Bexülkcrungsteilcii, den Juden und den dem Islam anhängenden Arabern, aufgeprägt wird. Als letzten Punkt seines Vortrags behandelte der Redner elas literarische Schaffen de« he-lvräisclic-n Palästina in Presse, Theater; Literatur, und Dichtung. Es w ir ein außeiordeiitlich anre-gc-nele-r Abe-nd. — Am Dienstag, dem 8. ti. SIL. abeinls H'i I hr. spricht im ( urio-l lau« Rnhh. Dr. P r i n / (Berlin) über se inel\ilä«tina reise. * Ephraim Brände., kedem Taschen-Wörterbuch, hebräis<li-deutseli. 195-eV, \ erlag . kedem. Be-i liu-( harlotle-nburg^ \ III und >i6 Seite-n. Das xeirliege-iide- Werk will in c-inein durch de-n I tufaiig eines Ta«chen-\\ örte-rbuche« gebotenen Rahmen weitgehendste Prä/i«iun erreichen und darüber hinaus nach Möglichkeit auch «e>u«t der verständnisvollen Aneignung des .modernen Hehräisth dienen; Fs hat die Sprachentw icklung ■nach Möglichkeit bis in ihre letzten Phasen berücksichtigt. Da« Buch i.«t haudUch. auf gutem Papier und außerurdentlich . sauber gedruckt. * Das Palästina-Amt - B c-r I i n hat eine Mitteilung über neue An«iedliing«- tinil Tian«fe-i niöglichkeiten heraMSgeseben, auf welchewir wunschgemäß hier kurz hinweisen. Dr. Albert Holländer: Eindrücke von einer Palästinareise'> Meinen schon latijji/ gehegten Plan. Palästina zu sehen, verwirklichte'ich Im Herbst iu>\ Anlaß zu iler Reise w ir der W unsch, meinen dort ansässigen Sohn zu bjestuhen. Ich halie mich einen Monat 1u Palästina 'aufgehalten, und habe viel gesehen, wenn ich auch zum Teil,durch die I Ii ruhen, zum Teil, weil ich mit mc-iue-iu Sohne zusammen -ein wollte, nicht sf,\i(-| im Lande herumgekommen bin. wie »ich es gewünscht hatte. . Ich habe von Stadt und Land starke Eindrupie erhalten, bin mir aber darüber klar, daß dieser Aufenthalt zu kurz wa,r. um I aijd und Leutein jeder Beziehung richtig zu beurteilen. Zu Beginn meines Aufenthalt« hatte ich in Haifa das (iliick. mich mit Hermann Struck, cle-r ~c-it einigen Jahren dort wohnt, zu unterhalten. Struck, ein bewußter orthodoxer Jude und bewährter Zionist, jeehieh mit fe-«ler Verwurzelung in, deutscher kultur. äußerte seinen Unwillen darüber, dal! bekannte Zionistengegner, dienur c-inc- Woche in Palästina gewesen waren, sich erlaubt hätte-n. uiigiin.stige unrichtige I rteileüber Palästina /ij veri-ITe-ntlicheii. Ich nahm mir daher vor: nach meiner lliickkc-lir weihl in engerem .Kreise, nicht aber in der Pre««e. meine Eindrücke /ii schildern. Nicht ohne Bedenkien und le-diglieh auf W unsch der Schriftleitung des Geineindebluttes weicheich von diesem Entschlüsse ab. Jedoch gebe ich. wie- «ehon elie Überschrift besagt, lediglich meine persönlichen Eindrücke, kein maßgebliches I rteil Wieder. Zu statten kommt mir vielleicht, daß ich auf nie-juer Reise durch keinerlei Aufträge- oder Pläne gebunden war: die Re isegalt vielmehr lediglich de-r Erholung, dem Studium und dem familiären Interesse. Fre-ilirh kann wohl kein Jude, zumal in der heutigen Zeit. Palästina sc» wie autler,e Länder betrachten. Je-der, mag ') Dieser bereits im Dezember resebriebene Aufsatz kommt aus Raummaniiel erst jetzt ztlr Vc-reirtentlichung.