Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 4 (19.4.1934)
- Date
- 1934-04-19
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer 4 --1 - Eigenständigkeit weiter zu entfalten und zu entwickeln bestrebt sein. — (So erkennt a u eh die Religion der Rasse eine u n e r s c t z I i dl r Bedeutung für da s. E ii t W i de I U n g sg a 11 z e d c r M <• n S »Ii Ii e i t z u. Audi wir Mild eutsdiiedenr Gegner der Mischehe, einer gleichgültigen ind sinnlosen \ ermisihung (Iit Hassen. In Israel schätzte man stets die Teile des Volkes am höchsten, die ihre Fami ie rein von fremd ein Blute erhielten. Die Prie-tcr rom S amme Arm durften nur eine Frau aus ihrem \ t>lk<' heiraten Die höchste Anlage des jüdischen Stammes, die prophetische Begabung, hat sich nur in Familien gefunden, die reinblütig, ohne fremde Beimischung waren. Denn ' wo siil eine solche Slninmcsreinheit erhielt, da 'wurden die Eigentümlichkeiten und l'ranlagcn durch Vererbung immer wieder verstärkt. In den Fnkeln >und Urenkeln wuchs die Kraft der Väter zu noch höherer Stufe empor, t'beiall. wo man der Vergangenheit groller Persönlichkeiten nachspürt! zeigt es -ich. dal! nur durch ständige Höherentw icklung bestimmter Erbanlagen Generationen hindurch solche vollkommensten Typen lies Menschengeschlecht- Obcrrab,bincr Dr~. J. Carlebach'-iAltona) Menschheit und Rasse Einheit und Adel der Menschheit. -Idas i-t der erste reli- Gedanke der Bibel. Not) allen Wesen, von Pflanze und Tier meldet cler Schöp- 'fungsbericht. daß die Frde sie in Vielheit und Masse, hervorgi'bracht. Dann aber spricht Gott: ..Wir wollen einen- Men-chen machen, in Unserm Fbenbilde find in Unsrer Ähnlichkeit, dafi sie herrschen übe» f isch. Vogel und alles Getier."') Die Einheit der-Menscbheit bedingt ihre Gottähnlichkeit, die Gottähnlichkeit ihre Finheit. Kei'n Mensch ist auf iler Freie, in dessen Antlitz der Widerschein ilc~ Göttlichen fehlt, dessen Seele nicht vom ((dem dies Ewigen durchhatreht ist. „Adam wurde als einziger .. Stammvater der Menschheit ge-c'haffi-ii. um cler Guten und um der Schlechten willen: damit die Guten nicht sagen: wir stammen von jenem Besseren ab — luid die Schlechten nicht -.igen: »vir sind infolge unserer Abstammung von einem ■■lindigen Urahn unfrei und zum Bösen Mitbestimmt, ferner um der Völkerfamilien und der Rassen w illen, damit sie einander nicht befehden. Schon jetzt, wo sie alle von einem and demselben Men-chen abstammen, liegen sie dauernd miteinander im Streite: leiteten sie sicli wirklich von zweien her. wieviel schlimmer würde es -ein!" ..In dein biblisdien Bericht ton kajins Brudermord heißt M nicht: m (das Blut in der Einzahl).- •sondern 'QT (das Blut in der Mehrzahl), das Blut deines Bruders schreit zu mir auf \on d/r Erde5), sein Blut, das Blut seiner Kinder und Kindeskinder bis ans Ende aller Zeiten. Darum wurde nur eiH einziger Mensch geschaffen, um dir zu sagen: Aver einen Mord auf dem Gewissen bat.*dem wird es angerechnet, alhabe er eine ganze W elt \ernichtet. und wer eine einzige Seele (erhält, dem gilt e*s, alhabe er eine ganze Well erhalten."* (Talmud Sunhedrin.) In.tz der Einheit der" Abstimmung, troi/. ihrer gleichmäßigen Berufung zum höchsten Wirken und zur* Beherrschung der Natur sind dennoch die' Menschen und die Meii-chenlaniilieii töne ijraudcr verschieden. „Schaue Gottes Größe! Wenn-ein Mensch mit. cMjieni Siegel \icle Prägungen macht, so sind alle einander gleich: aber der Heilige, gelobt sei er.-.der König aller Könige, er prägt alle Menschen mit der Prägung Adams, und nicht einer gleicht (keinem Nächsten."" Die Verschieden!« t der Meeschen'ist gottgewollt. Aber ihr gemeinschaftlicher Ursprung von demselben, im Ebenbild Gottes geschaffenen Ahnherrn nifiß in ihnen -tets das Bewußt-ein lebemlig erhalten, daß keine Völkerfauiilie einen Vorzug, keine ein Prädestination zum Guten oder zum Bösen Hat. - „We lchei-t der w ichtjgste Satz der Thora? Rabbi Akiba sagte*: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Ben Asai aller - i.ie. Der Sal/, mit welchem dje Geschichte ch-r Menschheit in der Bibel eröffne't. wird .dieir-t da- Buch der Geühledltfr Adams, den Gott am Tage, da <t ihn sdmf. in -{■inciu Ebenbifde gestaltet hat' - dieser Satz ist noch größer linel wrichtiger." V\.ii-i der Sinn dieses Ausspruchs? Rabbi Akiba weist iiiiii iiif ein Gebot, ein du sollst, hin. auf die jedem eii'r /einen gewordene iBcstimmung. in. seiner .Liebe alle Men-chen ilbrüderlzu u In lassen: Ben Asai aber stellt eine 1 ,i i - a ch e fest, daß' cliit Weltgeschichte eine Familiengeschichte i-t. daß alle Menschen Brüder sind und ihre (•Hite-ebeiibildlichkei} als unverlierbaren Be-itz in" sich tragen. Gleithwofrl aber i|-t die Differenzierung iler Menschheit in Rassen und Stämme und Familien ein Faktor von allergrößter sittlicher Bedeutung. Sie erst hat das vielfarbige!Bild der kulturellen Entwicklung zur Folge, den Reichtum allegeistigen Lebens. Jede körperliche und geistig-seelische In läge, die sich in den verschiedenen Mensthengnippen kundgibt, ist wertvol| und der Erhaltung wert: jede Rasse soll ,hi. drni ihr Eigenem heralis in originaler und eigenartig gerW.isr in das Buch der Menschheit ihren Anteil an.der' kiiliur eintragen. Darum darf -ich jeder voll Stolz mit dem Geluhl di r Gleichberechtigung und der Gleichwertigkeit -eine- Stamme- und -eine- Geblüts freuen, soll anderseits teder zu -einem feile seine Rasse fordern und in ihrer ten sind. In diesem Sinne ist auch die jiidiibe zunächst an die Nachkommen Abrahams len. Dajüdische Herz, der metaphysische t nur eine ideale Möglichkeit gewesen. dgi' der Geschlechter immer mehr zum erbu m der Kinder. Die angeborenen Anlagen und Dispositiv en -landen mit dem Fortschritt der .Zeit gewissermaßen immer weniger im Widerspruch mit den Forde- II Samen Abrahams aufgegebenen sittlichen "Irin Israel die Kraft des Blutes und die Beibbiologisdien Grundlagen] geschätzt wurden, niemals verkannt, daß das Blut nicht die Entscheidung über Wi rt und l nweri di ermöglicht wortl sehe I.ebeiisaufg geknüpft Wort Sinn, die zuer wurden in der liehen E'i g e n rnngen iler d Sfgensbf stimm Aber so h deutung der ei -O wurdidocl letzte/und ejnz einzelnen ist. dd! es schließlich noch in jedem Menschen ein F a f twas gibt, das stärker ist als Rasse und körperlich anlagung, etwas, was ihn über sich selbst emporhebt: r e i e r Wille, die K'T a f t seiner Seele ' i Ii e s Sei bis t. Unsere Gesabichte ist voll der herrlichsten Bcispjc fir. daß Kandelr fremden Stammes in Überwindung Vcr- 8 e i n il n d le da.- allei sidi zur M. Mos. i. -y,. I. Mos. 4. inj Gegebenheitentund Voraussetzungen ihres Blute: höih-tcn Stufe)[religiösen und ethischen Judentums emporgeschwungen haben. Des königlichen Sängers David Stammutter wajr R u t h . .die barmherzig!' Moabitiii: Rabbi Akiba. der gefeiertste Meister der mündlichen Lehre, war der Sohn eines 1 reindstümmigcu: Onki-los, der Schöpfer ini-ercs Targuin*), war ein Neffe des Kaisers Titus: die Enkel II am inwaren Präsidenten des jüdischen Sanhedrin. und Nachkomme« de- Assyrerkönias San.herib waren berühmt«' Gesetze-sichrer in Israel. Wer Blut und Rasse als einzige Faktoren in iler Bcwcrihmir des Menschentums betrachtet, leugnet das Prinzip der Freiheit und Göttlichkeit im Menschen; er verkennt den Adel cler freien menschlichen Persönlichkeit] Zunächst ist die Rasse nur e i n e r der Faktoren, die über Wesen und Eigenart des Menschen entscheiden.. Mindestens ebenso bedeutsam i-t iler zweite schon gern.....le Faktor, die große Lebensentscheidung des einzelnen Menschen, der in sieghafter Überwindung aller geschichtlichen Voraussetzungen die höchsten Ideale ergreift und verwirklicht So ragen aus jedem Nolk die Linzelpcrsöiilichkt-ilen heraus: die Propheten and Künstler, die Staatsmänner und Gesetzgeber, die mit ihren Gedanken und Entdeckungen und durch die Würde ihrer Lebenshaltung über alle* Zeiten und Rassen hinweg sich die. Hand reichen und das /.ukuuftsgut nicht nur ihres eigenen \olkes. sondern der gesamten Menschheit herausgestellt haben. Der dritte Faktor, der ebenso wesentlich und für die ganze breite Masse des Volkes gültig i-t wie das Blut, ist die l mgebung, in dienach /c-it und Raum eine bestimmte Gruppe bineingesetzt i-t. Die deutschen Angelsachsen, auf das Ihselland Britanniens verpflanzt.. haben aus sieh den ganz eigenartigen Typus des Engländers geformt: die deutschen Langobarden, nach Italien ausgewandert, sind völlig roinanisierl worden und innerhalb der italienischen Volksgruppen aufgegangen. Die Bevölkerung Nordamerikas, die Nachkommendrhaft von Einwanderern aus allen Völkern Europa-, hat durch die eigenartige Entwicklung des dortigen ') der aramäischen ßibclülicrsi'tz.um:.