Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 10 (1934)
- Issue
- 3 (8.3.1934)
- Date
- 1934-03-08
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 Gemeindeblatt der D|e utsch-Israelitischen Gemeinde Nummer Ii r. H cnry Philipp: Richard Beer Hofmann und das jüdifche Schickfal Dil Frage nach dorn Sinn unseres eigenen Seins liaben » tele, jüdische- Kiinstle.r-in den letzten Jahrzehnten zu!>eantu Orten \j-r-iulit: mancher, tief von der Fragwürdigkeit der jüdischen Existenz erfüllt, kaimi einer mit einem sp eindeutigen Willen zur Bejahung des jüdischen Daseins wie Richard Becr-Hofnuiiin. In seiner großen biblischen Tlilogie w ir besitzen bisber nur Teile dieses Werkes — 1k t suh IWr-llofmanii das Ziel gesetzt*, das Leben Davids in einer dichterischen NVusdiöpfuhg. vor mi^ erstehen zu lasse 1. Zugleuch iil>er unternimmt er in.diesem AVerk den Versuel . eine Sfnndeiitting der gesamten jüdischen Geschichte zu (jeben. Iiigeschieht vor allem in dem Drama ..Jaakobs Tra im"1), lern \orspiel der David-Trilogie.;welches die Auserw.iihlung I i ikohs ildes Ahnherrn David* zum Gegenstand hat. Tin modernes Drama-, in Jessen Mittelpunkt nicht etwa mir.ein religiöses Erlebnis steht, sondern ein Geschehen, das -ich «wischen Gült und Mensch vollzieht — ein solches Drama mul! imciiii vornherein als'ein Wagnis erscheinen. Dieses \\ .■ iii — w ii kt bei Beer-Hofmanii nm so kühner, als der Held -eine- Dramas uns zwar als eine Persönlichkeit von 'scharf trmrissener' Prägung entgegentritt, zugleich* aber doclj ganz . Ii-m I i< Ii itje Funktion tnnes Simonis zu erfüllen hat. Dieser Jaokob. 1|em zu Beth-EI die Gottheit im Traume erscheint. r .-i imht nur der Stammvater de* Volkes Israel, sondern er icfrkörperf das Volk selbst. Die Begegnung des jüdischen \ plkes nnt seluem'Gott. dieses Kernstück der jüdischen Überlieferung, wird Iiier zum 'Mittelpunkt einer dramatischen Handlung; j I ).if! einem künstlerischen Unternehmen von so gr rndioi Zielsetzung kein volles Gelingen zuteil wurde, isl nicht verwunderlich. Richard Beer-I lofmann ist seinem innersten Ui -i n nach zu viel Lyriker. Hinein dramatisches We k zur lijtzteu Vollendung führen zu kiiunen. Es bleibt abe ■ sehr fraglich, ob eine so gigantische "Konzeption einem Dramatiker girrz großen Stil* gelungen wäre. E« bleibt das vor allein nnli datfum fraglich, weil einem "solchen Drama doch wohl Ijeute der .Zuschauer fehlt. Jür den es geschrieben sein lnüfite.! n>c-rj /eil vermag zwar dem'Dichter /u folgen, wenn er - •-• Erlebnisse uns ij, überzeugender Sc'elönschilc erung . >.i Vugetj führt, schwerlich aber dann, wenn er uns dem Hicthisih'en Geschelljen unmittelbar gegenüberstellt. Dennoch geht das bestätigt der starke und innerliche l'rfolg, welch. i iKt Biihnejiidarstellung (dieses dramatischen Spiels ■Mehrfach bcschiesleii war — [eine nkht geringe dichte rische Wirkung von ihm aus. nnd ich glaube, wir dürfen ch rüber hin.uiauch Mm einer bedeutenden re ligiösen Wirkung dieses Dramas sprechen. Die religiöse Ergriffenheit des Diditrrs ist -o e.lii. -eine- \u-.li uekskraft so. zwingend, clafi das Werk. -einer! kün>tleri>chcin PrVibh-matik i-Teilendenie -nsrhlkhesBekenn cht1, i zum Trotz, doch ltnis zu unserem 1s ein Iterzen -i.uiel - Der Dichter bekenn! sich zu elcm Glauben an die uialllfheii Israels.-er bekennt -ich zu ihm. obwohl — -elb-t ausgedrückt Rat - Israel zum Prügelknabe Völker geworden ist..Seih Drama ist gleichsam eine ristBie I mischrcibirhf des Psalfnvi1rse<:_:.Denno'<h halte diii. mein Gent." Mit hob» r Kunst hat . er dies* religiöse Haltung. Vu-err» er der lichteich an reiche zum Kern c ines dramatischen Vorgangs gemacht. Di - Aus- -erwühlung i-t in seinem Drama zugleich göttliche Aprkündung rund nieosehlitthes Erlebnis zwar das Erlebni gläubigen Menschen, aber doch eines Menschen, welch fr aus leidenschaftlichem f n n e r e n Ringen heraus clei Weg zur letzte* Klarheit finde t. Nicht blindlings nimmt äakob die- Erwählung an.'Ihm steht das harte Schicksal klir vor Hijigen. we lche « für se ine- Nachkommen mit dieser Erw ihlung v* il>11n*le-n sein wird. In eler Freiheit seiner Entscheidung ruh» die dramatische Spannung! der Dichtung. In einem I löliepiuikt wird das Drama BeerJ-IIofmanns zum Spie relbild iiiii - ewigen-Dramas, welches für die religiöse Widtatif- Fflstung -ich zwischen Mensch und Gotl iminer von neuem violtzieht. Der Ilehd cler Dichtuhg steht vor uns'i ls der \! m-.Ii. in de-,(>ii Hand die Entscheidung über seine eigene Zukunft! und über die.'Zukunft cler Welt gelegt ist. Er wächst ischer-Verlag. Berlin •1825. 1711 S. über seine eigene bedingte Existenz zum ewig Menschliche» empor, unil sein Dasein erweitert sich zugleich zum Dasein des Volke«, welches einst seinen Namen tragen wird. In seiner Entscheidung lieft Israels Entscheidung beschlossen. Israel, das von Gott erwählte, ist zugleich die 'Gemeinschaft, we lche Gott für isich wählt. So löst sich der Widerstreit zwischen der Gnadet der Erwähliing Israels und dem Fluch; weither mit dieser (Gnade schicksulsmäfiig verbünden ist. « Das Leiden, welches Israel in freier Entscheidung auf sich nimmt, hört auf. ein-Leiden zi) sein. Die Frage nach dem Sinn des jüdischen Schicksals findet ihre Antwort in der liebenden Hingabe an dieses Schicksal. -i ..Hin durch mein Blut" — so lädt der Dichter seinen Helden sprechen -■ ..lal! ewig fluten deine drei heiligen Ströme. Herr: Kraft - Stolz — Geduld! End trägst du Schuld will mit ich tragen - ladedu Gott — auf meine Schultern deine Schuld!" Diese Worte Jaakobs an die Gottheit sind mit der jüdischen I berlieferung kaum in Einklang zu bringen. Sie drücken aber in unüberbietbarer Schärfe das aus. was der Dichter ansei rücken will: die Bereitschaft, auch cla> t hermal! des Leidens auf sich zu nehmen, das grenzenlose Vertrauen des ^enthebenden Menschen,*der sich in aller Neil deich als Goitge.liebten weil!. Es bleibt noch zu sage n. Worin für Beer-I lofmann der geschichtliche Sinn der Aliser»ähllheit ließt, welches die We rte sind..dir Israel in seinem geschichtlicher». Dasein verwirklichen soll.-..Sei Licht de r VBlker!" rufen Engelsstiminen Jaakob zu. Und damit i-t scIimiVin engster Anlehnung an das biblische Wort ausgesprochen, was' Israels Bestimmung sein soll. 'f Ein Vorabdruck aus dem ersten Teil, der eigentlichen Trilogie dieser Vorabdruck ist im Sepleiiiberheft de r „Neuen Rundschau]5) erschienengibt uns die - Möglichkeit, das. was eler Dichter in ..Jaakobs Traum" über die Anserwähltltcit Israels ausgesagt hat. noch in seinem Sinne zu ergänzen. Der junge pavid. der Held des ersten Stückes der Trilogie, Welches der Dichter nunmehr vollende! hat, ist erfüllt von der Sehnsucht nach einer-neiien. besseren Zeit. Er steht mitten in einen: erbitterten Kampf um die Macht: aber in Wahrheit siuel Macht und Ruhm für ihn nur Schatten. Das künftige-. Geschlecht, dem seine Sehnsucht gilt, wird nicht seinen Sinn auf Macht und Größe richten. Es wird ein Geschlecht sein, ♦reiches ..nicht froh w irel. wenn es Qual ringsum weil!, nicht atmen kann, wenn Fron daneben keuch)". Ganz anders denken Davids Kampfgenossen, Sie erhoffen gerade1 Glan« und Macht für-das Volk", welches de r Herr doch „mit eigene r Hand" aus Agvpten gefühlt hat. David aber antwortet ihnen mit Worten. v\ eiche dem Geist und der Rede der Propheten aufs, innigsteverwandt sind.. Er weif!, daß.vor Gott alle Notker gleich shicl. dal!, w il- Arnos es ausgedrückt hat..ihm die- Israeliten nicht uüherstehen als die Söhne der \tliiopen. End als ''diesem Glauben an die Einheit der Menschheit -das stolze Wort-entgegengehalten wird: „Wir siml erwählt", da spricht Dayjd es aus', dal? Israels Erwin-' liing eine- Erwähliiiig ..zu tausend schweren Pflichten" ist. dal! sie die Bereitschaft euiscMirfit, sich hinzugeben, wenn der göttliche Ruf es fordert. Ja. Israel ist auch ihm erwählt, erwählt ober nicht für jene- Irdischen Ziele, denen andere Völker nachstreben. I-r-.ic-l- Eiwähluiig bedeutet für den Dichter - und damit stellt sich Beer-I lofmann mitten hinein in die-jüdische Tradition eTie Bindung des nuserwählten ■ Volkes an seinen Gott, Noch deutlicher wird die Traditionsgebundchheii des Dichters, wenn wir hören.' wie er die Form dieser Bindung sich denkt. Nicht nur eine- Bindung an Gott steht ihm vor Augen, sondern ebensosehr cjne Bindung an das göttliche Wort. .. .... zu euch , kam Wim. daüber aller Lage Tun nnd über aller Nächte Traum — ein Drittes — ein w iinclei ba i es seeliges Ahnen wölbt..." Beer-llofnianiis Dichtimg empfängt ihren besonderen Charakter dadurch, dal! das Geschehen seines Dramas sich fern von unserer Zeit vollzieht. Nur mittelbar spricht er durch dieses Geschehen zu uns: Aber an jenen Stellen, wo er von der Ausrrwähltheit Israels, von der Bildung Israels an ') ..Die Neue RundSctuM**, September 1H:t:i. S. Kischer-VerlaK. Herlin. Das neue Drama Hcer-Hotmaniits wird den Titel ..Der ju nitre David" tragen.