Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 8 (1932)
- Issue
- 4 (3.5.1932)
- Date
- 1932-05-03
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Gemeindeblatl der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Nummer 4 Da ist der Fall denn wohl es ihm. /u einer |An- Verhältnisse wäre es kaum schlössen, und wenn dabei der Prozentsatz der Mischehen in ilie Wolltschnellte, ~,i zeigt clai, wie häufig bei ihnen das ..Verhältnis1" war bzw. ist. L ud Wiese Häufigkeit — undj wie es scheint, zunc-firncnde Häufigkeit — erklärt'zum Teil auch die Zunahme der' jüdisdien Misjehebe bei den jüdiskhen Männern. Zum feil aber erklärt sich diese aus zwei anderen Gründen, von denen der eine mit der \ erhälliiisf rage zusammenhangt. In früheren Zeiten. sind gebildete Mädchen ...in» .gut bürgerlichem Stande" Jselt|en ein Ncrhältuis einge- -.mgen. Das i*t in großem l mtwige ander« geworden. Die toziale Kla»sc. aus der diese Mädchen heule kommen, i-t in großem l knfange bereits die gleierhe. in der sich der jnd sehe Mann befindet, der sie nachher elielidit. I.i steigt also sozial nicht herunter, wenn er dies tim auch häufig, in dem Imstande ^tandspflidil machen. Ohne die»«r erklärlich] dal* in einer Zeit s(> ~t; rk zunehmenden Antiseniite-inudie Mischehe. des jüdist ich .Manne-» häufiger und häufiger wurdet Zum größten 'Teil aber dürfte Häufigkeit — und die. wenn ailch nidit ebenso Nehmende Häufigkeit der Mischehe der Jüdin — rortlall ift»s I iiterschieds im Glaubensbekenntnis erklären. Wold »inj beide Teile der MfsUlielie Iii eine andere Foh- [essiän hineingeboren, wasie abir g I a u b e n oder iieht ger nicht glauben, i-t bei beidin Teilen dasselbe. Jnd Ironie: keiner hat in weiten Krlisen der gebildeten, Prlte- -tanleii «u \ iel getan zur Zer uilagung des diristlicIn n Glaube?!«: Jei die seelische Matte {'gegen die jüdische Mi-dielie bildete] wie der Nazi, der damit zum Schrittmadier der dirlsilicht/itdischeii Mischehe geviirtlen i~t. ' Dil Ii (Iqr ProZent.sätznlcr Jüdil Iten, die eine Mischehe :in- Jegahgen sind, in der Krregszeit' Min 10 Prozent in die Höhe geschnei l[lj ist gegen 15 Prozc'nt bei den jüdisdien Müni ern Iii .1 liäliirlith auch an den Kr j?g-ehcn. Bei den Jüdinnen bind alter - iin Gegensatz zu den jjidischen Männern 4in den ersten Nachkriegsjaliren ein gewisser Ausgleich [der Steigerung ,der Mischehen eVr Kfriegszeit dadurch statt, dal! < lt ■ r Prozent-iitz der Mischehen bei ihnen von 55 auf Jii Prozent sank, das ist um 5 Piuzent mehr, als er seihst in den [ünl Vörkriegsjahreii bettaien hatte. Dal* aber rund .ich C iese «tark. zuaiis lein ein I' ünltcj iler jütlisth hauptsächlich auf drei en; m»täntle Mädiben ..sitzen bleibt ", dürfte zurückzuführen sein; I. den stärkeile Vntifiemitjsmus, j. da St^imm-slit-w ulhsein bei dir Jü< em <di ließt, einen Niehtjuden zu Bedenken, ein ..\ei lialtni-" einzl Am stärksten gibt In der vor ttnhl der, »«'linelle I! üikgang dt?» Pi ozeiilsntzek jüdischen E.heu. wie der. schncdlefi Rückgang ihrer 'Gefühl bzw. nicht sii leicht ihre größeren religiöse ID. tlie sich heiraten. 5. t heil. lebenden Aufhellung I der rl-in absoluten Zahlen zu denken, die am Knde cter kurzen Periode IW5-T-5I fast pur muh halb so groß sind, wie am Anfang derselben, pin Bedenken, danur wenig tktdiiidi gemildert wird, daß irlie \iil.uiu«/.ilil wahisdieiiilidi abnorm hoch und die Endzahl —' MogLidierwei-iabnorm. niedrig ist. Die Ifkhtung. die ifiesC Zahlen anzeigen, wird dadurch nicht aus der Welt geschafft. Das Wort des labnudts: „Eine Gesamtheil stirbt nuht. und eine (.e-anitlnit ist nicht arm", trifft auf die liamblirgci Gemeinde riidit mehr zu. letztere» nicht, weil die wirtsjdrafl liehe I iitwjieklnug hinausläuft auf die Verdrängung i' - «-Ibstäntligon Mittelstandes in Handel iiutl Industrie, der t.i- Rüchgrat der Hamburger jüdenheit - war. ersten-» nicht, weil zum llüjckgang tler Geburten der Rückgüng der rc n j-üdisdien Eheschließungen hinzukommt. Im Durch- -tlin:ii der letzten drei Jahre ll'iJ«)^!) entfielen auf. je i «Ml I uiwohner der GesaiitlJeviflkcrung Hamburgs immerhin nodi 14.1 Gobur.t«n (und 11.6 Sterbc-fällei; auf dura ad JiMHHl Juden Hamburgs aber nur I 7 4 G e 1) u rton inis rein jücliic|ien Khcn. die doch allein, für die F.r°haltiing lies- Judentunis in Betracht koifinien. aNo nur >.6 auf je KMKi der j'ndi»cheii Bevölkerung. G e s t o r b e n "aber sind im Durch- 4dtuitt diesei .ilrei Ja Ii re über 5 00 'J u d e n! Nach' der ...)H Ijjemeinen deu'l-^hen Sterbetafel für die Jahre \')2i bis l'ijf)" trrehJien vofi den Geborenen das Heiratsaltcr bei den männlichen Ivnjh etwa J5 bis 55 Jahren) etwa Mt Prozent, bei eleu weiblichen (das Alter \oii Iii bis 50 Jahren! etwa S5 Prozent. So ilürhea von den 172 inj. rein jüdischen Ehen Geboreijon, s.igNi wir wegen iler giinstig-^n jüdisdien Sterblichkeii — elw'ä S5 Pro/enl das Heiratsalter erreichen, also \ou den I7J Gelx>renen 14'. Wenn bis dahin —' was nicht wahr- -cheinlidi ist noch 50 Prozent der heiratenden Juden eine rein jüdische I he eingehen und keiner der 145 durch wirtschaftliche Verhältnisse am Heiraten verhindert ist. dann haben wir aus jenen 145 des Ileiiatsalters etwa 5b rein jüdische Ehen zu gewärtigen, die *- da etwa 20 Prozent der ' heu unfruchtbar bleiben —, ange»idits des in der Praxis Schon angenommenen Zweikinclersv stems, etwa 60 Kindern HM Leben geben werden. F.» gehören 50 solcher Jahrgänge (lazu, um auch nur auf 2000 jüdische Geburten zu kommen, und wenn von ihren das llc-iiiilsalter Erlebenden wieder nur ">o Prozent rein jüdische- Fhen eingehen, dann geht in ihrer Generation die Dezimierung der jüdischen .Gemeinschaft wieder vor »ich. Die uürde audi nicht ausbleiben, wenn aus eleu 30 fruchtbaren rein jüdischen! Fhen statt durchschnittlich 2 durchschnittlich 5 Kinder hervorgingen (eine Zahl, cfie zur Erhaltung der gleichen Volkskahl für erforderlich gehalten wirrt, bei dein hohen Heiratsaltcr der westeuropäischen Juden dazu aber Kohl nicht plU>reicht), was in 59 Jahren stüti Juki ^immi jüdisdic Geburten bedeutete gegenüber WIM) solcher Geburten, die in den 50 Vorkriegsjaiir'cn. tnitzrdc-s Marken Rückganges der Geburten und der rein jüdischen ENeO in diesen immerhin noch stattgefunden haben, davon im letzten Jahrzehnt allerdings schon lOOli weniger als im ersten. ' Ks wäre also eigentlich richtiger, statt von Dezimierung. von Drittelung inj je 50 Jahren zu sjii echen. •. Bei die-e'r Rechnung ist angenommen, dalf-die Geburten- . zahl der rein jüdischen Fhen künftig die jetzige nicht unterschreite. Ist (Jas wahrscheinlich':'! Dal! die Hallte dieser Geborenen, wenn sie das Heiratsalier erreichen, auch wirklich beiratet. I»t das angesidits der w irtschaftlichen Entwicklung wahrscheinlich!'! Dal* der- Prozentsatz der .rein jüdischen' 1 leiratcn. gerechnet von der Zahl der überhaupt heiratenden Juden, den jetzigen nicht wesentlich unterschreite. l»t das' wahrscheinlich ahgesiehts der Tatsache, dal* er in jnir 20 Jahren bei den Männern um 16 Prozent (bei den Jüdinnen« um Ii Prozent) zurückgegangen ist?! I nd zwar— wavFür die Richtung und -Stärke, mit der dieser Prozentsatz marschiert, charakteristisch ist — nicht plötzlich, sondern regelmälüg. unablässig! , Ich sprach oben vom se lbständigen Mittelstand in Handel und Industrie als dem Rückgrat der Hamburger Juth-nheit. . bzw. Hei jüdischen Gemeinde-. Aber auch das gute Finkoinmcn der zahlreichen jüdischen Aerzte und Anwälte spielte keine geringe Rolle uls Einkommensquelle der Gemeinde. Mit tler Zusammensein'ainpliing der Zahl der Selbständigen in llamlel und Industrie schrumpft aber auch tlie Zahl der Mandate tler Rechtsanwälte, insbesondere der jüdischen, zusammen, deren Klienten — namentlich seit I chcrhandiiflimt-n tlc-s Antisemitismus — in groÜem Matte tlie j ü d i s di cn Selbständigen wären. Und wenn die Frauen keine Kinder mehr bekommen, dann schrumpft das Ein}-" kommen de-r Aerzte im »ell«-n Verhältnis zusammen, in dem esyau» Einnahmen durch Kinderkrankheiten und Entbindungen bestaiul. I ml wenn ift der w irtsdialllicht-n Cnt-f wieklung an'die- Stelle des [Internehmcrs tler Angestellte tritt, bzw. trat, dann reduziert — bzw. reduzierte — sich das ärztliche hinkommen im selben Verhältnis, in dem die Krankenkasse weniger bezahlt als der Selbständige. Und wenq ,','r zahlreiche Nachwuchs an j üd wehen Werzlen und Anwälten dann ikc-ine Möglichkeil zur Gründung einer' Familie sieht, erhöht s-itb sein (feiratsalter und verminderj -ich wietler tili- Zahl tier jüdischen Geburten! untl die letztere hört ganz auf. wenn ein Jude eine Niihtjüdin heira'tet, zum Teil vielleicht.1 ilishalb. weil er glaubt, daß sie eher und länger ohne Dienstboten auskämmen wink an welche die; 1'ochter tles jüdisdien Mittelstandes gewöhnt ist. Aber außer Anwälten lrriil Acrzten gibt es ja noch eine ganze- Anzahl vod Berufen, deren Besetzung mit dem Rückgang tler Selbständigen und der Kinder zurückgehen muß -- es seien nur geiianiit: tler .jüdische Lehrer, Buchhändler 'Krämer. Schlachte*. Und sei treibt ein Keil den anderen mit dem Endresultat: d e- > w i r t-s eh af t I i dl e n und p h v s i - sehen, Dan in ich windens der jüdisdien Gern c i n s-di a f t. In de n \ oi krit gsjahren nahm tlie Bevölkerung Hamburgs jährlich um rund "miooo K«ipfe zu.'davon ein Drittel durch Geburienüberschujß aber zwei Dritlel durch Wanderungsüln'rschuß Es wäre wohl möglich, clafi die jüdisdie Gemeinschaft Hamburg» durdi WVanderuiigsiiberschufi .gerettet weitlen könnte. Ft abet die Ziiwänderung in solchem Umlange wahrscheinlich in 'einer Zeit des Rückganges der Selbstaiidigcn in Handel und Industrie?! Im Jahre 1951 sind in