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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1932-01-25 · 1 (25.1.1932) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
8 (1932)
Issue
1 (25.1.1932)
Date
1932-01-25
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Gemeinde blatt der Deutsch-Isr ■» aclitischen Gemeinde Nummer 1 M a ch I iles j ü d i s ch e n Geis C s bei in den igepc B G I;l Ii i> je a Ii die inis lebendig ist., Ks ist eine geschichtliche Erfahrung, daß gerade leiten, in Heuen das, jüdisdie Volk unter dem Drucke äußerer \ erhültni*se leidet, esich auf seine ureigfntlithe Bestimmung und auf die Wahrung seines e" (iciMc-iriifps besinnt, } Soweit ei die deutschen* Gemeinden und besonders die Ha"mburyer Gemeinde, die ich am besten kenne, betrifft, so .rlaiilie kh sagen /u dürfen.' dafl gerade die Jugend, ruf die es für die Zukunft allein ankommt, dieses Problem inj seiner ganzen Tiefe begreift and ernsthaft um die. Erhaltung und \eul>ele$uns unseres alten Geisfresgutes bemüht ist. Darum frone -ich mjdi gaitz besOiWets darüber, die jüdische Jugend l-fjunburgs hie.i s0 zahlreich vertreten /u scheu, •und'freite mich weiterhin der Begeisterung, die Ihre.Anwesenheit, sehr geehrter Herr Bialik. bei der Jugend erweckt. ' ' ' Das thlmndische Sdirifttu'm hat für die geistigen Führer I i«- schöne Wort „Bauleute" gepriig|. "pj^a K^K "J"33 H~ipT\ bx Bauleute] — das heißt: es muß ununterbrochen an dem Bestand« des Judentums gebaut werden., Ks mul? das alte [■ laminenwort der Schrift für jede Gegenwart-neu lebendig gemacht werden, denn ruiT auf die Gegenwart, auf da* Jei/t kommt es in jedem Augenblicke an. l'nd nur aus diesem Jetzt kann immer eine neue Zukunft geboren Wersen. Das d e ti t * ch e J u d e.n t am . das eine lansre Zeit hindurch diese Bauleute stellte, ist leider arm an Führern geworden. Wir hoffen und kämpfen alle dafür, dafl es seine gefährdete Position, im jüdischen Geistesleben wieder gewinnt. Aber tum Glück kennt das Geistesleben keine Grenzen und Zollschranken, wie sie gegenwartig die Völker im Wirtschaftsleben gegeneinander errichten. Wir blicken ohne Neid und in inniger Dankbarkeit und Verbundenheit auf die Bauleute, die aus den Ländern "qes Ostenjinerstanden und mit ungeheurer Energie bestrebt sind, fn Palästina ein neues Zentrum jüdischen Geistesleben4 zu' schaffen. Sit', sehr geehrter Herr Bialik. werden heute Abend liier den hm druck gewinnet?, daß Ihr Dienst an nusern . Brüderjn im Heileren l ande nicht auf dieses Land beschränkt bleibt, son,lern daß auch uns aus Ihrer Arbeit neues Ijeben erblüht: So darf ich denn dem Wunsche Ausdruck geben, daß Ihr Aufenthalt in Hamburg kein vorübergehendes Ereignis sein sondern nachhaltig befruchtend auf die Entwick- 1 it;iü des -(iei-tesichens unserer Gemeinde einw irken möge. Daher rufe ich Ihnen nun j|s Gruß der Hamburger Gemeinde das Wort zu. um einst IL KVttspr im Namen des IL ( h.iuina rl h ii "['jiä'K^JC T>33 X~\pP l'eiße Sie als einen der hei \ oi ragendsten Ba u meiste» des jüdischen Geisteslel>eiis der Gegem-wart herzlichst bei un« willkommen.; Personalien und kleine Mitteilungen. M. wurden auf In der! Xactit zi ge-schlo«seiieiJ Grindelfriedhof unserer Gemeinde, auf dem dem seil Jahren eü r in jüngster Zeil schon einmal beschriftete Marmorplatten aus den Grat steinen gelöst und teilw eise zertrümmert wurden Waren. 3 Grabsteine auf Kindergräbern und weitere "» Grabsteine an' den («räbern von Erwachsenen von frevlerisdier Hand umgeworfen, wobe i teilweise die Grabgitter durch die Gewalt der stürzenden Steine /erbrachen. Krf reulicherweise wurden die Täter von* einem Polizeibeanittti, der sie bei I ebeisteigen der Friedhofsmauer beobachtet hatte, festgenommei, als j-je den Friedhof wieder verlassen wollten. Bereits am folgenden läge, dem 6. d. M.. standen die Grabjrevter vor ihrem Rkhter. der sie zu 9 bzw. 6 Monaten Gefängnif verurteilte. Staatsanwalt und Hiditer gaben ihrem Mischen tilier das Verbrechen Ausdruck und beklagten eine Ueiinnung. die nicht einmal die Ruhe der Toten mehr achte, und der Richter] bedauerte in der Begründung seines L rteils. daß außer den Angeklagten nicht auch diejenigen vor dem Richterslnhj ständen, die moralisch für den Vorfall verntwortli<h seien. M ir Oborinltbiner Dr. S. Spitzer vj vollendete am 2. d. M. sein 6») zahlreidie Lebensjahr. Er war au> diesem Anlaß Gegenstand r Ehrungen. Für den Vorstand der Gemeinde erschien ziir ßeslückwünschunj! Vertretung des verhinderten ersten. Vorsitzenden Herrn Alfred Lei y der zweite Vorsitzende des Vorstandes Herr Heinrich L e v y in Begleitung des Syndikus Herrn Dr. Nathan. Für den vollzählig erschienenen Vorstand dc-s Synagogen-Verbandes sprach dessen Vorsitzender Herr Dr. Zuntz unter Ueberreichung eiires Geschenke». Die vereinigte Alte und Neue. Klaus, der Verein Mekor Chajim. die Ortsgruppe und die. Landesorganisation der Agudas Jisroel ließen durch ihre Vertreter unter herzlichen Glückwünschen Adressen in hebräisdier Sprache überreichen, in welchen hohe Verehrung und Liebe für den Jubilar zu beredtem Ausdruck kamen. Möge es Herrn Oberrabbiner Dr. Spitzer vergönnt sein, noch viele Jahre in steter Gesundheit und in ungeschwüchter Frische dc-s Körpers und des Geistes seinem Ideale in Treue zu dienen, ein Hüter cler I hora zu sein, ein MehrerI ihrer Kenntnis, ein Wächter der Tradition und der Wahrer der Institutionen des traditionellen. Judentums in unserer Gemeinde, die seiner Fürsorge anvertraut sind. Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer v<j - wirkt seit dem J4. November 1910 in Hamburg als Nachfolger desunvergefi- ' liehen Oberrabbiners M. A. Hirsch. Bei seiner feierlichen Einführung, die in der Genieindesynagoge Bornplatz stattfand, waren Vertreter des Senats und der Bürgerschaft, der Gemeinde und des Tempel Verbandes, der Nathbargemeindeti und zahlreicher jüdischer Institutionen Hamburgs anwesend. Die Begrüßungsansprache hielt der Vorsitzende 'des Synagogen-Verbandes Herr Dr. B. L o v y : den musikalischen Teil der Feier beitritt der Synagogenchor unter Führung von Oberkantor R o s e n b 1 a 11. * Am 22. v. M. starb nach kurzer Krankheit im Alter'von ~4 Jahren Herr Albert Wolff. Geboren am 13. lanuar 1857 als Sohn des in unserer Gemeinde und weit über sie hinaus noch un vergessenen L o u i s W o I f f hat der Heimgegangene in vielfacher öffentlicher Wirksamkeit sieh als der würdige Erbe seines Vaters erwiesen. Er gehörte lange Zeit dem Repräsentanten-Kollegium der Gemeinde und dem' Vorstände des Synagogen-Verbandes an und bekleidete außerdem Ehrenämter in der früheren Kommission für das Armenwesen der Gemeinde, in den Vorständen der Talmud- Tora - Realschule und der Israelitischen Töchterschule, in der Verwaltung des Kalke.r-Stifts und im Hilfsverein der deutschen Juden. Was er in diesen Aemtern leistete, wird aber bei weitem rioch übertroffen von dem« was er in, der Stille als ein stets bereiter Wohltäter Gutes (gewirkt hat. Bei der Trauerfeier, die in den überfüllten Räumen in der Wohnung des Toten stattfand, sprachen die Herren Oberrabbirter Dr. Spitzer. Hermann G u ni p e r t z . R.-A. Di. A. Holländer: außer ihnen, sprach auf den Begräbnisplatz der Gemeinde noch Herr Wolf S. Jacobson. 1 * / Am 29.tj M. verschied unerwartet'ini 6>. Lebensjahre der früfcere Lehrer Albert Neufeld. Der Heimgegangene amtierte bis zum Kriegsetide in der ehemaligen preußischen Provinz Posen und nahm dann seinen Wohnsitz in Hamburg. Er versah eine Reihe von Jahren das Amt eines Bibliothekars an der Bibliothek und Lesehalle, der Gemeinde und wirkte gleichzeitig an der Religionssdiule des Synagogen- Verbandes als Lehrer. Bei seiner Beisetzung auf dem Begräbnisplatz-der Gemeinde widmete' Lehrer M. Wolfer, - m a n n,dem Toten einen ehrenden Nachruf. Dein bescheidenen, stets dienstbereiten'Manne ist ein ehrendes Gedächtnis sicher. y * Frau Ulrike Heine, die anläßlich der Vollendung ihres 9U. Lebensjahres vor einigen Monaten allseitig gefeiert wurde, ist nadi kurzer Krankheit am 6. d. M. gestorben und ihrem Wunsche entsprehend in aller Stille am 8. d. M. auf dem Begräbnisplatz unserer Gemeinde beigesetzt worden. * Das Hamburger Fremd e n blatt veröffentlichte in meiner illustrierten Beilage am 7. d. IL ein Bild der Louise Grafemus, die an den Freiheilskriegen 1813 und 1814 teilgenommen hat. Es dürfte die Leser des Gemeindeblattes interessieren, daß diese Frau Jüdin war und mit ihrem richtigen Namen Esther Manuel hieß. Sie stammte aus Hanau und kehrte 1815 nach Abschluß der Kriege in ihre Heimat zurück.- •>

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