Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 9 (10.9.1930)
- Date
- 1930-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 9 k. kahrgang Geineindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg Das Gemeindeblakt erscheint am 10. eines jeden Monats und wird allen Mitgliedern der Deutsch - Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos zugestellt. Hamburg, 10. September 1930. Druck, Verlag und Geschäftsstelle: 1 M. Lehmann, ABC-Hof, ABC-Strahe 57. Fernspr.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Syndikus Dr. N. M. N a t h a n, für den Jnfrratenteil: L.Knudsen, beide in Hamburg Anzeigenpreis 50^ p. 6gejp. Aonp.-Zeile. 1 ««MUlM-'I .... 1 ' zu berlin. i Ablösung von Neujahrs wünschen!! > Wie erinnerlich, hat der Vorfland der Gemeinde in den letzten Jahren die Gemcinde-l Mitglieder gebeten, die schriftlichen Neujahrswiinschc an Bekannte und Freunde durch i v eine Geldspende für die Wohlfahrtsarbcit und die Anstalten der Gemeinde abzulösen, j I Dieser Ruf hat seine Wirkung nicht verfehlt. Auch in diesem Jahre bittet der .! Vorstand alle Gemeindeangehörigen, die Reujahrswünsche abzulösen. Zeder gebe nach seinem Können! Niemand stehe zurück! Auch die kleinste Gabe ist willkommen! Es gilt fo viel N o t zu lindern, so viele Tränen zu trocknen, so viele Zorge zu bannen, so viel Hunger zu stillen, wie wohl nie zuvor. Der Borstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Bankkonten: Deutsche Bank — Dresdner Bank. Depofiten-Kaffe Harvestehude — M. M. Marburg & Cie. — Postscheckkonto: Hamburg 4Sv. Die 'Jl amen der Spender werden in der am 18. September erscheinenden Nummer de» Familienblattes und in der Oktobernummcr des Gcmeindeblattes veröffentlicht. Juni Kampf für den Sabbath. In der letzten Nummer des Gemcindeblattcs haben wir kurz über die eindrucksvolle Kundgebung berichtet, die am 6. v. M. hier zum Protest gegen die den Sabbathgesährdende Kalenderreform stattgefunden hat. Die Kundgebung hat im Reich! lebhaften Widerhall gefunden, und mit besonderer Genungtuung ist überall vermerkt worden, in welcher Weise Herr Rabbinsr Dr. Italiener sich für die die E i n - heit des Judentums verbürgende Unverletzlichkeit des Sabbaths in der erchähnten Kundgebung eingesetzt hat. Inzwischen hat in Berlin in den Tagen "vom 2t, bis 26. v. M. der erste Sabbath-Weltkongretz stattgcfunden, an dem namens des Vorstandes der Gemeinde die Herren Jacob Heckscher und Rechtsanwalt David, namens der Gemeinde Altona Oberrabbiner Dr. C a r l e b a ch und namens des Verbandes der Gemeinden Schleswig-Holsteins und der Hansestädte Herr Alexander Lepy teilgcnommen haben. Der uns zur Verfügung stehende Raum gestattet uns nicht, ausführlich über diese bedeutsame Tagung zu berichten, die einzig und allein der Erhaltung des höchstes und heiligsten Gutes der Judenheit, der Erhaltung des Sabbaths, gewidmet war. Nur das eine sei hier berichtet, dag selbstverständlich auch die Verhandlungen dieses Kongresses der von der Judenheit bekämpften Kalenderrcform galten und ihren Niederschlag in der gleichen Resolution fanden, die in der Hamburger Kundgebung einstimmig angenommen wurde. — Welche Bedeutung dieReichsregierung und die Preußische Staatsregierung der Tagung beimahen, beweist die Entsendung eines Vettreters in der Person des Legationsrates Prof. Dr. Sobernheim, der den Kongreg namens beider Regierungen und zugleich namens der Stadt Berlin begrügte, und beweist ferner der Empfang einer Kongregdeputation durch den Reichskanzler B r ü n i n g, der sich von seinen Besuchern über die Besorgnisse der Judenheit über Ine geplante Kalenderresorm berichten lieg und ihnen die Zusicherung gaA das; die deutsche Regierung einer dem Judentum ungünstigen Reform nicht zustimmcn werde. 2m Anschlug hieran fordern ujir erneut b i c H a m - b.urger Juden zur E i n t r a gw n g in unsere Protest listen auf. Die Listen liegen in beiden Gemeindehäusern und in sämtlichen jüdischen Gotteshäusern Hamburgs aus. ———^——— Die Botschaft Jesajas. Bon Dr. Henri, Philipp-ffrankfurt a. M. Was unsere Propheten für die Geschichte des abendländischen Geistes bedeuten, das hat Hcrm.ann Holten seinen Zeitgenossen eindringlich kundgetan. Seine Darstellung^ der prophetischen Gedankenwelt war gleichzeitig ein Mahnruf an die jüdische Gemeinschaft, sich auf ihre hislorilch gegebene Eigenart zu besinnen. Der prophetische Geist, lebendigim jüdischen Gebet und damit im jüdischen Leben, immer von neuem erweckt durch die Prophetenvorkesung, welche zum Kernbestand des Gottesdienstes gehört. hat doch im Laufe einer mehrtausendjährigen Geschichte. manches von seiner ursprünglichen Kraft eingebüht. Zwar lebt noch bis auf den heutigen Tag etwas von der ethischen Leidenschaft der Propheten in der Seele ihrer späten Enkel, aber schwerlich kann von einer starken unmittelbaren Wirkung der groben prophetischen Persönlichkeilen auf das gegenwärtige Judentum geredet werden. Daran vermochte auch der Mahnruf Hermann Cohens nichts zu ändern, so tief er auch einzelne beqinflubt hat. Ja, es erscheint fraglich, ob es uns überhaupt noch möglich ist, den Weg zu der urtümlichen Schlichtheit und Grübe des prophetischen Wortes zu findest. Es steht der Kommentar der Jahrtausende, es steht die Philologie und Geschichtswissenschaft unserer Zeit hemmend zwischen uns' und diesem Schrifttum, das ursprünglich