Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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I K Nummer S Rabbiner-teihsr 7ii Eerlin. K. Jahrgang Geineindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg Tns Gemeindeblatt erscheint um den eines jeden Monats und wird allen itgliedern der Deutsch - Israelitischen Gemeinde zu Hamburg kostenlos zugestellt. 1( D Hamburg, 15. Mai 1930. Truck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, ABC-Hof, ABC-Straße>57. Fernspr.: Sammelnummer C 4 Tammtor 0737. Verantwortlich für den redaktionellen Tejl: Syndikus Tr. R. M. R a t h a n, für denZnseraüntcil: L.Knudsen, beidi in Hamburg Anze genpreis 7,0^ p. 6gejzl^Laazu-Zeile. Mary Mareus Am Dienstag, dem 22. v. Mts., ist die verdiente ehemalige Leiterin der Israelitischen Töchterschule, Fräulein Silan) Marcus plötzlich ans diesem Leben abberufen worden. Ein Menschenleben, reich an Arbeit und Mühen, reich an Entsagung und Aufopferung, aber auch reich an Segen und Erfolg, hat sein Ende gesunden. Geboren am 16. August 1844 als Kind unserer Gcnfcinde, der sie Zeit ihres Lebens die Treue bewahrt hat, hat Mary Marcus sich schon in früher Fugend den Beruf der Lehrerin und Erzieherin gewählt. Ausgestattct tritt der glücklichen Mischung von Festigkeit der Per>önlichiLil und Sicherheit "des Auftretens auf der einen. Verständnis für die Kindesseele und der Fähigkeit, sic zu erschsteszcu. auf der anderen Seite, ferner erfüllt von einem unbeirrbaren Pflichtgefühl, war die Heimgegangene geradezu vorbeitinnnt fyr die Leitung einer jüdischen Schule niit ihren besonderen erzieherischen und kulturellen Aufgaben. So ward unsere Israelitische Töchterschule die Ausgabe und der Inhalt ihres Lebens: ihr blieb sie in ihrem Innersten verbunden, als sie unter der Bürde der Jahre — Weh im Herzen. Humor astf den Lippen — sich den Entschlusz abrang, sich 'von ihrem Amir zu trennen. Was sie ihren Mitarbeitern und ihren. Mitarbeiterinnen war, als Mensch, als Vorbild, als Führerin, als die Kraft, welche die vielen zur Einheit zusammenschlieht. was sie ihren Schülerinnen war. als Lehrerin — die Stunden, die sie erteilte, waren jedesmal em Fest für ihre Mädchen — was sie ihren Schülerinnen war als die verschwiegene Helferin in tausend Nöten, als die mütterlich verstehende Freundin — auch nach ihrer Schulentlassung — das bleibt ebenso, ü n v e r g essc n. wie ihr Name gesegnet bleibt, j ■! Tie Ueberführung der Verstorbenen! nach dem Begrübnisplatz der Gemeinde in Ohlsdorf fand! in den Nachmittagsslunden des folgenden Tages statt, nachdem Herr M. Wol - f e rm a n n, ihr ältester Mitarbeiter wn der Töchterschule, bewegten Herzens Abschied von der Toten genommen hatte. G r schilderte die Verstorbene als einen 'grohcn Menschen, grob im Reiche des Geistes und der Tugend. Ilnbestechlichkoit des Charakters und Treue zu sich selbst seien die Merkmale ihres Wesens gewesen. Mit den Worten Hiobs schilderte er den reichen Segen, den sic gestiftet habe. Darum geleite Ne Dank und Segen auf ihrem letzten Wege. — Die Beisetzung der Heimgegangenen erfolgte dann Donnerstag, den 24. v. M. Zur Trauerfeier erschienen Vertreter der Vorstände der Gemeinde und der Israelitischen Töchterschule, sowie fast der gesamte Lehrkörper der Anstalt. Ferner war eine grobe Anzahl ihrer ehemaligen Schülerinnen anwesend, Mädchen. Frauen und selbst Grobmütter. die Schülerinnen der Heimgegangenen gewesen waren und dann ihre Töchter Und Enkelinnen ihrer Erziehung anvertraut hatten. Herr Dr. U r i a s fand in seiner Rede zu Herzen gehende Worte für die Schilderung der Lebensarbeit der Toten. Wer, so fragte er. könne sich rühmen, sechs Jahrzehnte und dazu in .solcher Weise gewirkt zu haben. Der Inhalt ihres Lebens wi gewesen das F ü r - Ä n d e r e - s e i n. Diese anderen waren in erster Reihe die Ihrigen, dann die jüdische Jugend Hamburgs und darum die Gemeinde. Herrlich sei die Saat Ihrer Hand aufgegangen, und als wie beglückend sie das empfunden habe, beweist, dab sie sich selbst dem Sämann verglich, der sich des Ertrages seiner Ernte freute. Als Köstlichstes umgebe ihre Bahre nun der Dank aller derer, denen sie einmal etwas Gutes getan. Namens des Vorstandes und des Lehrkörpers der Israelitischen dann Direktor Dr. I o n a 4. R geborene Führcrpcrsönlichkcit, gehabt. Ihr .Werl sei desha sie mit anderen" .. Töchterschule sprach 56 Jahre lang nabe sie, eine ■ die Leitung. der-schule inne- .Werl sei deshalb so segensreich TWdfen, weil _>eren reichen Gaben den Glauben an das Gute im Menschen verband. Tie allgemeine Anerkenstung habe sie bei ihrem Scheiden aus dem Amte, zu dem sie sich im Bewubtsein ihrer Verantwortlichkeit entichlosz. in den ihr nicht erwünschten Ruhestand geleitet. Tie wenigen Jahre, ihrer Mutze habe sie weiter der t ihrer Mutze habe sie weiter in den Ticnst der Schule, der zu ihren Ehren begründeten M a r n - M a r c u s - S-1 i f t u n g und des Vereius'; ur Bekleidung armer Schülerinnen der Sckule, der ihre letzten Zeilen galten, gestellt. Mit einem Gelöbnis des Tankes und der Treue an die ^Heimgcgangnie schlof; der Redner. Nachruf des Vorstandes und des Lehrkörpers der Israelitische» Töchterschule. Am 22. April entschlief sanft die ehemalige Leiterin der Israelitischen Töchterichul^, Fräulein Mar» Marcustn» Tie Heimgegangene leitete v6 Ighre uniere Säzule undj, führte in vorbildlicher Treue ihr verantwortungsvolles Amt^ Sie hat mit selbstloser Aufopferung und mit Hingabe if>tdE ganzen Persönlichkeit fum Wöhle der ihr anvertrauten Iuq»M und des Lehrkörpers gewirkt, Ihr Andenken wird bei .int stets in Ehren bleiben.. > Nachruf der Verwaltung der Marri-Marcus-Stiftung. Am 22. April entschlief sanft Frl. M a r n M a r c u s im 86. Lebensjahre. Die vor^ mehr als 2'> Jahren von der . Deutsch Israelitischen Gemeinde zu Ehren der Leiterin der Israelitischen Töchterschule ans Leben gerufenes Stiftung hat durch Gewährung von Erziehungsbeihilfen an ehemalige Schülerinnen die Heimgegangene beglückt und mit besonderer Freude erfüllt. Wir ehren ihr gesegnetes. Andenken, indem wir uns demühen, dauernd im ^inne der Verstorbenen, zu wirke».!! < .—.—— i » ’.'i .. i" Erste Sitzung des Nepräfentanten-Kollegiums Mittwoch, 23. April, abends 8', Uhr, im Sitzungsfaalc des Kollegiums. Anwesend: die Herren.und Dame» Bauer, Tr. Fr'än. k e I, Graetz. H e i neina n n, H o r o w i tz. I sa a c s e n, Tr. Kalmus. L i s se r, Leon. Tr. »L o ewen b erg. Tr. Marr, Tr. Vien er. Dr. Meuer Wedeil. Nathan. Pein e, Tr. P l a u r, R e ich, Stoppelmann, Dr.ll r i a s und Dr. W v h l g e m u t h. Entschuldigt Frau E a r o. A n w e s e n d für den Vorstand der G elm e i n d. e die Herren Alfred Leon. Heinrich Leon. Wardurg, R.-A. David, Heckscher, Philipp. Dr. Nathan. Tr. Tannenwald. 1. Ter Vorsitzende des Vorstandes, Herr Alfred Lev», eröffnet die Sitzung mit der nachstehenden Ansprache. „Ter Vorstand der Gemeinde heisst Sie. meine Damen und Herren, bei Ausnahme Ihrer Tätigkeit herzlichst will- Grus; gilt de» Frauen, die als in das Repräsenlanten-Kollcgium und denienigen uizter ihnen, welche lemeinde für dieses Kollegium^ in Vbrschlag gebracht und gewählt worden, sind. Der Vorstand begrübt Sie alle, meine Damen und Herren, diejenigen, welche kommen. Sein besonderer die ersten ihres Geschlechts unserer Gemeinde einziehen von der Jugend »»lerer t