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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-11-10 · 11 (10.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
11 (10.11.1929)
Date
1929-11-10
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 11 genossen ehren wolle, und gelobte ihnen Treue um Treue. Ten Kranz des Fronlsoldatenbundes legte mit Worten ehrenden Gedächtnisses für dje 12 000 jüdischen Kriegsgefallenen Rechtsanwalt Tr .Fürth nieder. Schulter an Schulter hätten Christen und Juden im Weltkriege miteinander gestritten. gekämpft und unendliches Leid erduldet. Daher gelte die Ehrung des heutigen Tages allen Opfern des Krieges ohne Unterschied des Bekenntnisses. Weitere Kränze legten nieder Vertreter der Ortsgruppe Kiel des^Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Eold. In erniter Stimmung lauschte die Versammlung dem Kaddischgebet, das Rabbiner Tr. Italiener sprach, und während die Kapelle das Lied: Ich halt einen Kameraden intonierte, ging die Versammlung schweigend auseinander. Aus den Vereinen. Jahresbericht der Deutsch-jüdischen Jugend. Es wurden im vergangenen Jahre 37 Referate gehalten, die sich auf fast alle Wissensgebie.e erstreckten. So wurden u. a. ausgewählte Thetnen aus der jüdischen Geschichte und Musik, der jüdi chen und weltlichen Literatur, aktuelle Fragen der Wirtschaft und Politik von besonderen Sachkennern behandelt. Taiieben wurde allen wichtigen Tagesfragen und Problemen aufmerksamstes Interesse gewidmet. Es fand ein Vortragszyklus über „Kulturelle Strömungen der Gegenwart" statt, der sich mit den im Brennpunkt der Erörterungen stehenden Fragen aus Medizin, Pädagogik, Sozialpolitik. Justizreform auseinändersetzte. Die lebhaften Diskussionen spiegelten das Interesse an den beifällig aufgenommenen, anregenden Vorträge wieder. Tie Zahl der Teilnehmer an den Veranstaltungen war recht beträchtlich: sie schwankte zwischen 30 und 250. Neben den Vortragsabenden fanden noch zwei sich über mehrere Abende erstreckende Arbeitskurie statt, die sich mit „Soziologie des Judentums" und dem Tk)ema „Ter deutsche Jude auf deutscher Erde" beschäftigten. Ein besonderes Ereignis , war die Lessing-Morgenfeier, an der die weitesten Kreise lebhaftes Interesse bekundeten. Zu Ehanukkah und Purim wurden Feiern veranstaltet, die die Deutsch-jüdüche Jugend mit ihren Freunden in froher Festesstimmung vereinten. Ten Jnia sin des Altenhauses wie auch dem Kinderhort der Gemeinde bereitete man durch die Veranstaltung eines bunten Abends einige frohe Stunden. — An den isonntagcn wurden Ausflüge und Wanderungen unternommen. — Es fei noch be'onders auf die neu eingerichteten. vierzehntägig an den Montag- und Donnerstagabenden staltfindenden Arbeitsgemeinschaften hingewiesen, in denen man sich in intensiver Arbeit mit der „Einführung in das jüdische Schrifttum" und dem Thema „Deutsch-jüdische Grundfragen" beschädigt. Im kommenden Winter sollen an den Freitag-Abenden? insbesondere für diejenigen, die nicht die Gelegenheit haben, im Familienkreise den Sabbath zu begeben. Feiern veranstaltet werden. Die Deutsch-jüdische Jugend widmete am 22. o. M. dem Reichsaußenminister Stresemann eine Stunde des Gedenkens. Der Redner des Abends. Chefredakteur Rudolf Michael, M. d. B.. entwarf ein Bild des großen Menschen und Staatsmannes, der in dem Jahrhundert des Materialismus das Leben eines grohen Idealisten vorgelebt abe. Hierfür danke ihm das Volk, das in dem viel zu rüh Dahingegangenen nicht nur den bedeutenden Staatsmann und Politiker, sondern den grohen, guten Menschen beweint. t Ueber Gemeinde und Jugend sprach am 28. o. M. das Mitglied des Repräsentanten-Kollegmms der Gemeinde, Rechtsanwalt Dr. Ludwig Fränkel, im Kreise der deutschjüdischen Jugend. Der Redner ging von dem Gedanken aus, dah die vom RepräsentanteN-Kollegium jüngst beschlossene Verleihung des aktiven Wahlrechtes an' alle diejenigen, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, den Jugendlichen die Pflicht auferlege, vor Erreichung dieses Alters sich mit den Angelegenheiten der Gemeinde zu beschäftigen: der formellen Berechtigung, durch Abgabe des Stimmzettels in die Geschicke der Gemeinde mit einzugreifen, müsse die innere Berechtigung, die Verbundenheit mit -der Gemeinde zur Seite treten. Der Redner bekämpfte die in vielen Kreisen herrschende Vorstellung von der Gemeinde als einem reinen Verwaltungskörper ohne inneres Leben, mit dem der einzelne' nur durch seine Steuerlast in Verbindung stehe, als falsch, um dann an ihrem sozialen und kulturellen, Wirken ihr reiches inneres Leben einerseits und anderseits an den Kämpfen, die in ihrer Mitte um die unsere Zeit.bewegenden Fragen (Zionismus, Frauenwahlrecht) ausgetragen werden, ihr lebendiges Bemühen um die jüdischen Probleme unserev Tage aufzuweisen. Ohne die Gemeinde sei daher jüdisches Leben in Hamburg gar nicht denkbar. Der Revner erörterte dann weiter, was die Jugend zumindest von der Gemeinde wissen müsse, und schilderte, was die Gemeinde ihrerseits der jüdischen Jugend leiste, durch ihre Fürsorge für den Unterricht der Schuljugend, für die Fortbildung der Schulentlassenen, durch ihre Waisen- und ihre ausgedehnte Jugendfürsorge sowie in jüngster Zeit durch den Erwerb des zweiten Gemeindehauses, das zu einem unschätzbaren Mittelpunkt der jüdischen Jugend Hamburgs geworden sei. Im letzten Teile seiner Ausführungen sprach sich der Vortragende endlich darüber aus, was die Jugend der Gemeinde leisten könne. Mit Recht hob er hier hervor, dah schon die Eristenz jüdischer Jugendvereine eine beachtliche positive Leistung sei, da diese Vereine die Jugestd, zusammenfassen und für die jüdischen Dinge intere'sierest. Ferner hätte die Jugend, abgesehen von dem eingangs bereits erwähnten Wahlrechte, durch die Wahl von sechs Jugendlichen in das Jugendamt der Gemeinde die Möglichkeit erhalten, unmittelbar in der. Gemeinde für ihre Ideale und Bestrebungen tätig zu sein. Endlich hätten sie die Möglichkeit, im Eemeindeblatt über ihr Wollen und ihr Wirken zu berichten und sich so das Ohr aller Eemeindeangehörigen zu sichern. — An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Erörterung. Der jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba E. B. durfte sich im vergangenen Monat neuer Erfolge freuen. Seine Hockey-Mannschaft errang einen Sieg gegen den führenden Hockey-Verein Kiels: seine 1. Damen spielten mit Erfolg gegen Klipper 1. Damen: in Handball spielten Bar Kochba 1. Schüler gegen Blankenese 1. Schüler, ferner kämpften Jugendliche der Handball-Mannschaft des Bar Kochba gegen Schüler des Polizei-Sportvereins. Ueber alle diese Wettkämpfe bringt die Sportpresse Berichte, welche die Leistungen des Bar Kochba anerkennen. Die Agudas Jisroel-Frauengruppr Hamburg-Altona beschloß am 3.- d. Mts. ihr erstes Arbeitsjahr- Die Gruppe hat sich zur Aufgabe gestellt, ihre Mitglieder mit den Zielen und' Arbeiten der Agudoh bekannt zu machen und zu aktiver Beteiligung heranzuführen. Als oornehmliche Arbeitsgebiete betrachtet die Gruppe sichere Stellungnahme gegenüber den jüdi'chen Tagesfragen, besonders zu allem, was die Erziehung der Kinder heute verlangt. Außerdem soll die jüdische Ausbildung der Frau erweitert und ihr Verständnis für ihre modernen Aufgaben für die jüdische Gesamtheit, für ihr Haus und ihre Kin? der vertieft werden. Die jüdische Lebensgestaltung soll den Frauen zur Durchheiligung des Lebens — ihrem wahren Sinne — werden. 2m Wintersemester 1928 29 fanden ein Dinim-Kurs bei Herrn B. S. Jacobson und ein Kursus über die neue jüdische Fibel bei Frau M. Flörsheim statt. In den monatlichen Versammlungen wurden folgende Themen behandelt: 1. Die Notwendigkeit aqudistischer Frauenqrupven von Lilly Freimann: 2. Soziale Idee im Judentum von Bernhard S. Jacobson: ,3. Die Gründung der Agudas Jisroel von Studienrat Lilly Freimann: 4. Die Aufgaben der Kenessio Eedaulo von Wolf S. Jacobson: 5. Di^ Kenessio Eedaulo und die Frauen von Studienrat Lilly Freimann: 6. Biblische Geschichten für die Kleinsten von Frau Jenny Baer: 7. Beis Jakob- Erlebnisse von Frau Käthe Jacobson. — Am 19. März fand der erste Tee-Nachmittag statt, bei dem ein Referat .»Kleidung und Mode" von Frau Käthe Jacobson großem Interesse begegnete. Der Weltkongreß jüdischer Frauen in Hamburg, auf dem der Weltbund jüdischer Frauen gegründet wurde, wurde von uns mit großer Anteilnahme verfolgt. Unser Vorschlag, die Ehe- und Scheidungsfragen, besonders das Problem der Agunaus, dem rabbinischen Rat der Agudoh zu unterbreiten, wurde angenommen, und ist auf der 2. Keneffio Eedaulo in Wien ausgeführt worden. Während des Weltkongresses hatten wir Gelegenheit, von Herrn Dr. Deutschländer, dem Leiter des Keren Hatorah und Direktor des Bes Jakob Schulwerkes, und von Fräulein Dr. Judith Rosenbaum Darstellungen über die Bedeutung und das Wachsen des Mädchenschulwerkes in Polen zu hröen. 2m Anschluß daran bildete sich ein Hamburger Komitee für Beis Jakob, dem Damen aller Kreise Hamburgs angehören.

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