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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-03-12 · 3 (12.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
3 (12.3.1929)
Date
1929-03-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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d wtnmner s . M Raijfifcep - Seminipl zu Berlin. 5. Jahrgang Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde'zu Hamburg DaS Gemeindeblatt jeden Monats und der Deutsch-Israel Hamburg kostii n ^scheint am 10. ird allen Mitglü tischen Gemein) > nlos zugestellt nneS dern e zu Hamburg, 12. März 1929. Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lepmann. ABC-Hof, ABC-Ltratze 57. Fernivrs: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737. Verantwortlich für den redaktionellen Dell: Syndikus Dr. R. M N a t h a n, für den Jn- .feralenteiti E. Loos, beide in Hamburg Anzeigenpreis 5Ü-Z p. Kgesp. Ronp.-Zeile. Das Rep seiner Sitzung vo Rechtsanwalt D Mitgliedern des : q ffe n t a it t Mi * ft o 11 e g iu in hat in M 12u o. M. die Herren Heinlrich Levy. v i d und Dr. Arnold H rzfeld zu Vorstandes der Gemeinde wtedergewählt. Liebe haben ihn er hatte auch da- IaKob Loe^veuberg, der deutsche Jude. Von Ernst Jacob. Diese Blätter kommen kurz nach dem 73. Geburtstag' Jakob Loewenbeyg? n die Hände der Leser. Er ist von aus seinem gesegneten Pinien l-eraus, ehe die fortfchrei erdi Schwäche des Alters der llnermüd lichcn zu unwillkpnissnener Rulw zwang. Dankbarkeit und iluf seinem setzten Gang beglntet. Aber seltene Glück, besonders vor drei Jahren an seinem 70. Geburtstag, zu erfahren, wieviele Menschen in innigster Verbundenheit an ihm hingen m d ihm ihre Zn Redest, Zeitungen und Zeitschriften haben seine Leistuststei als Schulmann, sein dichte: isches Schaffen, leine reine Menchlichkeit ihre Würdigung erfahren. An dieser Stelle seien |ehige Worte seiner Bedeut» rg für das Judentum gewidmet.; dfü scher Jude in der Selbstverständlichkeit Wesen ausmachte, ohne Vorrang der jüdischen Elements und ohne öindestriche. gerade unsere Besten an dem Problem der ltschtum und Judentum und Er war ein die in allem fl deutschen! oder bet Oft zerchiülen sich Synthese von ü>e nur zu einer äi Erlichen Verbindung, in der reiche ihres Sein; festige Durchdrinnrn i und Befruchtung. Bei wir die: lebensvolle „aus zwei Oue! le r' einigt. Eine Aiayc dessen war ihm fremd. „In dem Augen blich wo wir uns selbst betra ht^i, unser Wesen zergliedestn selber." Er braucht Thema, um jüdilch echt jüdische, echt wie sich jedes leblos nebeneinander liegen. >hne gegen Einheit, wie ein Strom ihm sahen die Wasser untrennbar in/ seinem Laufe oer fipb wir schon gar nicht in seinem Schaffen nicht dos - jüdische zu sein. Aus jedem seiner Werke spricht menschliche i Art: wie er ül leinste Erlebnis vertiefte in Freude und bringen es beide Be- Er schrieb: mehr wir es erlebte, im Leid. Die Wüidigung, die er erfahren hat, fällt auch auf die jüdische Gemeinschaft zurück: In seiner Bescheidenheit hat' er nicht veröffentlichen wollen, was ihm der Hamburger -ekrat schrieb: „Ihr 70. Geburtstag gibt dem Senat erwünschten Anlah, Ihnen für die [erfolurcidjc Arbeit eines von deutschem Geiste beseelten Lehens herzlichen Dank zu sagen. Als Lehrer und Erzieher Ihaben Sie für das hambucgische Schulwesen in hohem Matze verdienstvoll gewirkt. Sie waren als Freund der Jugend den pädagogischen Frrlschritten immer ein warmherziger Förderer und haben sich m des Erprobung und Gestaltung neuer Ideen von jener hohen Wärt« aus beteiligt, die Ihnen Ihr freies und reifes Me ischentum und Ihre hervorrag mde Lehrbegckbungen schufen. ' Es sei weiter daran erinner . datz Sie einer der freudigsten und lastkräftigsten Anreger und Förderer der Volksbildungsveranstastungen: der Literarischen Gesellschaft gewesen sind .und sich hohe persönliche Verdienste um die Erziehung weiter kreise Hamburgs zum literarischen und künstlerischen Verstehen erworben haben. Ihre Gesamt- Persönlichkeit, aber wirkten Sie ary klarsten in Ihrem, dichter! schen Werk aus, das Ihnen in ganz Deutschland dankbare Freunde und Verehrer geschaffen hat." Auch bei seinem Heimgang äutzerte sich der Senast im gleichen Sinne') und mit ihm unzählige Körperschaften und Einzelpersönlichkeiten. Jakob Loewenberg hat in seinem Leben keinen Aug^n- Und doch dürfen wir in Glauben wohl eine gewisse blick sein Judentum verleugnet seiner Stellung zum väterlichen Entwicklung und Wandlung fettt teilen. Er kam aus einem frommjüdischcn Elternhaus. Er! erwählte auch zuiiächst den Beruf einesjüdischen Lehrers und hat ihn jahrelang ausgeübt. Es scheint eine Zeit in seinem Leben gegeben zu haben, in der er fern von der üutzeren Form der jüdischen Lebensgestaltung sfch nur aus Pietät zum Elternhaus, aus Stolz auf die Propheten und die Geschichte der Juden zum Judentum bekannte. Dann aber hat er sich der jüdischen Wieder gebürt -und Selbstbesinnung der letzten Jahrzehnte gefreut. Er fand immer mehr zurück zu einem positiven Judentum. So war es wohl von symbolischer Bedeutung, datz er bis zuletzt an feinem nun unvollendet gebliebenen Drama „Sützkind von Trimberg" arbeitete, das jenem jüdischen Minnesänger ein Denkmal setzen wollte, der einst wohlgemut als deutscher' Dichter in die Lände gefahren war g,Nd schlief; lich lang: ' Blich trieben ja die Herren von ihrem Gut Den Mantel trag''ich .künftig lang.. r Tief ins Gesicht den Hut: Demütig werden soll mein Gang. Als alter Jude will mein Lebe» \; Ich fortan weiter; führen. Jakob Loewenbesg wird für uns das edle Beispiel eines deutjchen Iuden bleiben, der „aus jüdischer Seele'" mitgebaut . hat am Werke deutscher Mi.! *) Das Beileidsschreiben des Senats lautet: Rehme» Sie, bitte, zu dem herben Verluste, den Sie durch den Tod Ihres Mannes, des von uns allen hochverehrten Herrn Dr. Jakob Loewenberg, erlitten haben, den Ausdruck des herz lichen Beileids des Senats entgegen. Ein vorbildlicher Ex zieher der Jugend, ein feinsinniger Dichter, ein allzeit ochtiger und hilfsbereiter Mensch ist mit ihm dahmgegangen. Als' hervorragendes Mitglied jenes Kreises von Männern.) deren Schaffen um die Jahrhundertwende unsere Vaterstadt) -zu einlm Mittelpunkt deutschen literarischen Lebens und ru einem Vorort verantwortungsbewutzten, zulunflweisenden kulturellen Slrebens machte, verdankt Hamburg dem iKurenEntschafenen Wirken und Werke, die unvergessen bleiben werden. Möge diese Gewitzheit Sie und Ihre Minder trösten in Ihrem großen Schmerz und die Tatsache, dcttz mit Ihnen .alle Kreise Hamburgs trauernd an der Bahre dieses hervorragen den Mannes stehen. — Vgl. auch den Nachruf in der Hamburger Lehrerzeitung Nr, 7 vom 16. Februar, S. 153 f. und B. Diederich, Die Hamburger. 1909, S. 99—111.

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