Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 12 (14.12.1928)
- Date
- 1928-12-14
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 eindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 12 Einrichtungsgegenl^ände des Hauses iroy für den Beschenkungsausschuß der Henry Johnsallee 54. 5CXX) Mt. Jones Loge, 1000 Mart für die Veranstaltung von öffentlichen VqrtrSgen in Gemeinschaft mit dem Ausschuß der Logen für geistige und soziale Interessen, 900 Mk. für vom Statistischen >Landesamt anzustellend« Ermittlungen, 1000 Mk. für das neu, gegründete Heim kür schwer ^erziehbare Kinder in Marburg,, einen Betrag für die Freimachung des gemeindeeigenen Grundstückes Kielörtallee 13, sowie endlich 500 Mk. für den in; Dezember in Hamburg stallfindenden Bundestag der misrachiltiichen Jugend. > Den erstgenannten Antrag auf Bewillig ing von Mitteln, für das zweite Eeineindehaus bexfürwortete in Vertretung des Herrn Frischmann Herr Philipp. Die Gemeinde habe das Haus außer für die Biblio hek hauptsächlich für die schulpflichtige und schulentlassene T ugend! erworben. Die bisher in den Räumen der Talmud Tora Realschule und der Israelitischen Töchterschule unte gebrachten Knaben- und Mädchenhorte sollen in dem Hause usamnzengelegt und gleichzeitig mit der Schulspeisung oere nigt werden. Zu diesem Zwecke war ein Umbau der Kel eranloigen erforderlich, um eine den rituellen Erfordernisse» entsprechende Küche, Wasch- und Badegelegenheiten für die Hortkinder sowie die erforderlichen Abortanlagen zu schü fen. Fer ner emvfahl es sich, die sämtlichen Räume neu zu dekorieren und die Fußböden im Interesse ihrer Haltbarkeit und aus hygienischen Gründen mit Linoleum zu belegen. Endlich waren dze nötigen Möbel und sonstigen Einrichtungsgegei stände zu beschaffen.- uni die verschiedenen Räumlichkeiten ihien^ besonderen Aufgaben gemäß qps.zugestalteir. Rach Fei ligstellung des Umbaues und der Einrichtung wird die Gerne nde einen gut üingerichteteu Kinderhort, der täglich an 100 K nder aufnehmen und bciveüen kann, einem Vortragssaal für 120 Persone'Z, in dem auch Kurse abgehallen werden köni en. sqwie außer den Bibliothekräumen, ein gut eingerichtete- Jugtnd Heini besitzen, in welchem eine ganze Anzahl von 2 ugendpereinen gleichzeitig ihre Sitzurzgen, Kurie und Arb ütsabende werden abhallen können. Der Vorstand der Eeireinde ist überzeugt, daß er mit' dieser Einrichtung des Jugendheimes nür eine längst erkannte Pflicht gegen die d i s ch e' J-u gend erfüllt, verspricht sich aber auch sem Werke eine stärkere Bindung dör Iug an die. Gemeinde, wie an-die.jüdische (yeme l n - schüft überhaupt. Der 'Berichterstatter erwähr te sol ann noch, daß die in den Hausausschuß berufene Fra »Irma Schindler den vorerwähnten Aufgaben ihr gan-es Jrteresse zugewandt und dieses auch durch die Stiftung eines 2ugend-Klubzimmers besonders betätigt habe. Die ( rörte^ung brachte die einheitliche Zustimmung des Kollegiumzu dem Anträge des Vorstandes zum'Ausdruck. Die Frage, ob die Jugendvercine für die Benutzung der Räume eine Miete an die Gemeinde zahlen sollten, wurde verneint, und war nicht nur, weil diele Jusendvereine selbst finanziell um i,r Dasein zu ringen haben, sondern auch weil die Kosten »er freien Hergabe der Räume für die Vereine eine finau teile und moralische Förderung durch die Gemeinde bedeute», füll. Die Bewilligung von 5000 Mk. an l en Be schenkungsausschuß der Henry Jone > Loge wurde ooni Vorstand der Gemeinde mit einem Hi »weis auf die gegenwärtige Wirtschaftslage begründet, infolge deren dem Beschenkungsauslchuß nicht mehr die freie Bescha fung der erforderlichen. Mittel möglich war. Der Ausschus hat im Jahre 1927 185 Knaben, darunter 19 zur Barmizwoh, Anzüge, 64 Knaben Mäntel, 100 Mädchen Kleider. 64 Mädck'eN Mäntel. 280 Kindern Stiesel, ebenso vielen Ili terwäsch 224 Kindern weiße Wäsche und 330 Paar Stri mpfe zur Verteilung gebracht. Ter Vorstand betont in seinem Anträge, daß diese Tätigkeit des Beichenkungsausichusies viste Jahre hindurch eine wesentliche Entlastung der'Eemeindi bedeutet hat, io daß es gerechtfertigt sei, wenn die Gemeinde in eurer triiilchen Zeit, dem Ausschuß zu Hilfe kommt. In der Erörterung tomint zum Ausdruck, daß gleichwohl die Be willigüng des vom Vorstand beantragten Betrages.kein Prä judiz parstellen darf, sondern das; der Belchenkung-ausschuß, wenn i die Gemeinde in künfligen Jahren »ich a »ßerstande selze. Zuschüsse zu leisten, sich, in seinen BewilligungP» Zurückhaltung auferlegen Müsse. Eine längere Erörterung knüpfte sich an den LÜntrag des Vorstandes auf Bereitstellung eines Betrages von 1)00 M k. für gemeinsam mit den Logen zu o e i a n st altende Vorträge. Herr Tr. Kalmus meinte, es fänden bereits genügend Vorträge statt, bei denen weniges der Inhalt'als die Persönlichkeit der Vortragenden geschäht werde. Die Gemeinde solle lieber an die Schaffung eines zeitdie-; n b Religionsunterrichtskurse des Jugendamtes der Gemeinde. Die Bewohner des linken Alsterufers werden hiermit erneut auf den Religionsunterricht hingewiesen, der in unserem Auftrag jeden Donnerstag im Lyzeum Lerchenfeld stattfindet. Die Kursleiterin, Frau Weißmann, nimmt Anmeldungen jeden Donnerstag von 3 Uhr an entgegen und gibt über Stundenplan, Schulgeld usw. Auskunft. gemäßen Lehrhauses oder einer jüdischen Volkshochschule herantreten, im Interesse derjenigen, die sich ernsthaft mit geistig-jüdischen Dingen beschäftigen wollten. Ihm widersprechen die Herren Philipp vom Vorstand und Dr. Frankel vom Kollegium, welche beide es für eine Aufgabe der Gemeinde erklärten, geistige Aufbauarbeit in ihrer Mitte zu leisten und auch auf dem Gebiete des Vortragswesens für diejenigen Gemeindeangehörigen zu sorgen, deren Bedürfnis nach Belehrung nicht Genüge geschehe durch die Vorträge der Logen, denen sie nicht angehörten. Herr Dr. Frankel bedauert insbesondere, daß der vor dein Kriege auch in Hamburg blühende Verein für jüdische Geschichte und Literatur nicht wieder zu neuem Leben erweckt worden sei. Trotz der bereits - vorgerückten Jahreszeit nahm bas Kollegium den Antrag des Vorstandes an, insbesondere um grundsätzlich - seine Zustimmung zu dem in dem Antrag dokumentierten Willest des Vorstandess mehr als bisher für die geistigen Interessen der Geineindeangchörigen zu tun, zum Ausdruck! zu bringen. Den Betrag von' 900 Mk! beantragte der Vorstand für die A u s f ü h r-ü n g h e st i m nt t e r st a t i st i s ch e r A r b e i - ten zur Schaffung ernles klaren Ileberblicks über die berufliche Gliederung der Hainbnrg e r Juden. Das Material will der Vorstand an die Akademie für di« Wissenschaft des Judentums in1 Berlin weiterleite«. Bei dieser besteht eine besondere st a t i st i s ch e Sektion, welche der beruflicheit Gliederung der deutschen Juden eine eingehende Untersuchung widinen will. Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung verdient die Verteilung der deutschen Juden auf die einzelnen Berufe und die Frage ihrer Berufsumschichtung und der neuen Berufsmöglichkeiten ganz besondere Beachtung. Diesen Erwägungen folgte dgs Kollegium durch -Annahme des Antrages des Vorstandes. Die Schaffung eines Heimes für schwer erziehbare j-üdisch« Kinder in Deutschland entspricht sinem seit langem emwfundenen! Bedürfnis. Bisher konnten solche Kinder. nur in nichtjüdüchen Anstalten untergebracht werden. Das einzige, was, May ihnen in solchen Anstalten bieten konnte, war ihre rituelle Verpflegung durch Schaffung von Sonderküchen, Es fehlte ihnen aber das noch uiel wichtigere Element einer jüdischen Uln - g e.b u n g , insbesondere der jüdüche Lehrer und die jüdische Erzieherin, welche dem Zögling in der Anstalt erst heimisch werden lassen. Einen ^Ansatz zur Besserung der Verhältnisse bedeutet die Umwandlung des früheren von den verewigten Herren' Geheimrat Prrfessor Hermann Cohen und Rabbiner-Dr. Leo Munk gegründeten Schüler-, und Lehrlingsheims in Marburg in ein Heim für schwer erziehbare Kinder. Da die Großgemeinden an Anstalten dieser Art naturgemäß ein besonteres Interesse haben, erfüllt die Gemeinde durch die Bewilligung eines Betrages von 100Q Mk. nicht nur eine Ehrenpflicht, sondern kommt mit - ihrdem Bedürfnis eines Teiles ihrer eigenen Jugend entgegen. Aus dem Äorstandsantrage sei hier noch erwähnt, daß auch der Vorsitzende der Gemeiiwe, Herr Alfred L e v y dem Ausschuß der neuen Ansta t angehört. Das Grundstück Kiflortallee 13 ist im Jahre 1923 von der Gemeinde erworben worden, um der zahlreichen ostiüdischen Kolonie in HaiNbnrg eine eigene A n d a ch t s st ä 1 t e und eine Amtswohnung für ihren geistigen Leiter zur Verfügung stellen zu können. Die -gegenwärtige Benutzerin des Hauses, die Ungeriche Schule, ist zur Räumung des Grundstückes verpflichtet, wenn die Geineinde ihr gleichzeitig Räuine oder einen Betrag von 10 000 Mk. zur Verfügung stellt. Andauernde Bemühungen der Geineinde, sich dieses schwere finanzielle Opfer zu ersparen, sind ergebnislos verlaufen. Da aber die in dem Verein Adas Jefchorim zusaminengeschlossenen Ostjuden während dieser ganzen Zeit auf völlig unzulängliche Räume angewiesen waren, deren Weiterbenutzung ihnen billigerweise nicht zugemutet .werden kann, und da anderseits die Gemeinde es als ihre Pflicht betrachtet, den religiösen Bedürfnissen ihrer Mitglieder nach Möglichkeit