Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 11 (11.11.1928)
- Date
- 1928-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4891256-5444708-5444903--0358-4891555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 11 Wir beabsichtig«», in Zukunft im Gemeindeblatt ähnlich wie in unseren Mitteilungen einen Bortragskalender zu veröffentlichen.. der tunlichst alle Vortragsveranstaltungen der hiesigen jüdischen Körperschaften, Organisationen und , Vereine sowie sonstige Vorträge von besonderem jüdischen ' Interesse enthalten toll. Wir bitten, uns entsprechende Mit- I teilungen regelmäßig zugehen zu lassen. Die Schriftleitung. religiös-geistige Richtung der Anstalt hat die zionistische Leitung j (nahala /ijonith) ^keinerlei Einflug. So hat die Tachkemoni-! schule es bis heute verstanden, nicht zuletzt dank dem Einfluß! des deutschen Komitees, ihre strengreligiöse Autonomie zu be- ' wahren. .Heute besitzt sie zwei hebräische Kinderi gärten als Unterbau. Die Schule selbst war anfangs, als > Mittelschule, mehr für kommerzielle Zwecke gedacht, jedoch schlten zuerst die geeigneten Lehrkräfte in genügender Zahl zur Erhaltung ihres Mittelschulcharakters, daher wurde sie zunächst > nur als Volksschule ausgebaut. Es besteht zur Zeit ein achtjähriger Kursus mit zwanzig teils parallelen Volksi jchulklasien. 'Weiterhin wurde im Jahre 1924 der Volksschule I einx' Oberrealschul-Abteilung von vier Jahrgängen angegliedert, mit allen Disziplinen eines deutschen Oberrealschul-Oberbaus. Diese Abteilung führt ihre Zöglinge bis zur U n i v e rf i t ä t s r e i f e, Das Abiturienten-Examen legen sie als Externe vor einem englischen Regierungskömnrissar ab. Aus den Lehrzielen verdient als bemerkenswert hervorgehoben zu werden: Die Schüler haben in drei Sprachen eine Prüfung zu bestehen, in Englisch. Arabisch und. als Unterrichtssprache, in Hebräisch-Lyrisch >fakultativ-wird auch Italienisch gelehrt). Außerdem erhalten , alle Schüler der Anstalt in allen>Abteilungen eine gründliche l und vertiefte alt- und neuhebräische und talmudische Ausbildung, die sich in den Oberklassen bis auf die Beherrschung beliebiger mittelschwerer Texte aus dem biblischen und talmudischen Schrifttum erstreckt. Die hebräische Schlußprüfung der Abiturienten erfolgt vor einer besonderen hebräischen Kommission. Ohne das Bestehen dieser hebräischen Prüfung wird keinem Schüler das.Zeugnis der Reife erteilt. Im Juli dieses Jahres haben nun die Abiturienten der Tachkemoni-Oberrealschule zum e r st e n Male die Feuxr- * probe der Schlußprüfung bestanden, und zwar mit einem geradezu verblüffenden Resultate. Gerade bei der Tagung der Weltkonferenz für Erziehungsfragen in Palästina sAugust 1928 in Danzig) erreichte den Direktor folgendes Telegramm: Bon 4 2 jüdischen Abiturienten, die sich aus allen palästinensischen Schulen der Reqierungsprüfung unterzogen, haben die Prüfung nur zehn bestanden, und von diesen lehn Schülern sind acht aus der Oberrealschul-Abteilung der T ach kemonischule heroorgegangen! Dieses glänzende Ergebnis zeigt in erfreulichem Maße! in wie vorbildlicher Weise die pädagogische Leitung der Schule die Oberrealschul-Abteilung äuszubauen und den allgemeinen Anforderungen altaufgebauter Schulen anzupassen verstanden hat. Natürlich ist. dies sei hinzu- ' gefügt, dieser Erfolg nach einer nur vierjährigen Spezialvorbereitung in vier Oberklasien nür dem Umstande zu verdanken. daß auch die V o l k s s ch u l - A b t e i l u n g e n der Schule auf einer an deutschen Volksschulen ungekannten Höhe stehen und den Wert und das Niveau einer deutschen Realschule erreichen. .Welches Maß von wissenschaftlicher Arbeit und vertieften Kenntnissen das schon im Volksschulbetrieb voraussetzt. kann nur der Fachmann richtig würdigen. Dieses glänzende Ergebnis ist um so höher zu veranschlagen, als die Schule zur Zeit immer noch mit den schwersten technischen und pädagogischen Unzulänglichkeiten zu kämpfen hat: Die Räumlichkeiten, zwar an Zahl und in hygienischer Beziehung genügend, sind in schultechnischer Ausstattung völlig unzureichend. die Schule besitzt keinen Physiksaal und kein chemisches Laboratorium (die Schüler werden zum Experimentieren in andere Schulen geführt), es fehlen die primitivsten Anschauungsmittel in fast allen Disziplinen, es fehlt an Büchern, Karten. Zeichenutensilien, an einer Lehrer- und Schülerbibliothek usw. Erst im letzten Jahre ist aus den vom Hamburger Komitee aufgebrachten Mitteln die Schule steilweise!) mit modernen "Wandtafeln. Tintenfässern (auch diese fehlten) und einigen andern Schulgeräten versehen worden. Aus dem oben Skizzierten ergibt sich ein Doppeltes: Es ist fortan an der ExMenzsähigkeit und Existenzberechtigung der Tachkemonischule. der einzigen strengtraditionellen und in ihrer religiösen Führung über jeder politischen Richtung stehenden, unabhängigen Anstalt in Palästina nicht mehr zu zweifeln. Still und wenig gekannt, ohne große An- ' preisungen in der Oeffentlichkeit ist' sie bis heute ihren Weg zur steilen Höhe gegangen. Mit berechtigtem Stolze darf sie jetzt vor der breitesten jüdischen Oeffentlichkeit ihr Haupt erheben. Ihr jüdischer Geist und ihr innerer pädagogischer Ausbau sind mustergültig und schon für yranch andere Schule Palästinas vorbildlich gewesen. Dies ist schon von unzähligen Besuchern, u. a. auch von nichtjüdischen, englischen Regierungsvertretern bezeugt morden. Aber noch ein Weiteres: Der ungeahnte Erfolg der Tachkemonischule berechtigt uns wohl zu neuem Mut und zu der Hoffnung, daß ihr auch weiterhin ein Aufschwung beschicken sein wird. Vergessen wir jedoch nicht, daß sie die einzige thoratreue höhere jüdische Schule im Heiligen Lande ist und daß sie noch schwer um ihre Existenz zu kämpfctz hat. Wie ganz anders würde - das Ansehen des thoratreuen Jischuw im ganzen Heiligen Lande steigen, wenn es gelingen würde, noch andere ähnliche Stätten des Thorageistcs im Verein mit gediegener höherer weltlichen Bildung in den verschiedenen Städten Palästinas zu errichten und ein t h o r a - treues Schulwerk auf geheiligtem Boden zu schaffen! Dieses ist jedoch eine Aufgabe für die weitere Zukunft. Fürs erste gilt es, das Geschaffene mustergültig auszubauen und auf der Höhe zu erhalten. Vor allem muß es die nächste Ehrenaufgabe aller jüdischen Kreise, insbesondere des Hamburger Komitees (dessen Pflege- und Sorgenkind die Tachkemonischule in all den Jahren gewesen) sein, Mittel und Mitglieder zu werben, um die Schule mit den notwendigsten Realien, in erster Reihe mit einem P h y s i k s a a l und einer Bibliothek baldmöglichst versorgen zu können. >) >). Zu weiteren Auskünften und zur Entgegennahme von Beitrittserklärungen ist der Vorsitzende des Komitees, Herr Siegfried Levy, Klosteiallee 47, gerne bereit. Aufruf. Am 12. April 1915 hat Herr Leo Silbcrjchcin, geboren den 7. Juni 1891. uns das ihm gehörige Sparkasienbuch der Hamburger Sparkasse von 1827 Nr. 387 059, desien Aufwertungswcrt etwa 55 RM. beträgt, zur Aufbewahrung übergeben. Gemäß den damals vereinbarten Bewahrungsbedingüngen fordern wir Herrn Leo Silberschein hiermit auf. sich unter Ausweiß seiner Identität bei uns zur Wiederincmpfangnahme des Sparkassenbuches zu melden. Sollte Herr Leo Silberschein verstorben sein, so fordern wir seine Erben auf, sich bei uns unter Nachweis seines Todes und ihrer Erbberechtigung zur Inempfangnahme des Sparkassenbuches zu melden/ Sollten weder Herr Leo Silberschein noch seine Erben diesem Aufruf entsprechen, so werden wir 10 Jahre nach Ablauf de^ ^Weltkrieges 1914—1918 über das Sparkassenbuch verfügen. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Israelitische Töchterschule. Wir suchen zu April 1929 eine a k a d e m i s ch c L e h r kraft mit Uuterrichtsbefähigung in neueren Sprache». Außerdem wird an unserer Anstalt zu April 1929 die Stellung einer Lehrerin mit Unterrichtserfahrunq in der Arbeitsmethode her Grundschule! frei. Gehalt wie beim Staate. Pensionsberechtigung. Streng jüdische Lebensführung erforderlich. — Bewerbungen sind an die Schulleitung. Carolinen st ratze 35. zu richte». Vorstand der Israelitischen Töchterschule. ■ Kurs für schulrntlafsene junge! Mädchen unter Leitung des Herrn E. S t r e i m , Mittwochs 7'/ bis 8'/: Uhr abends, Grindelallee 184 I.! Jugendamt der Gemeinde.! Sprachkurse des Jugendamtes der Gemeinde. Leitung: Fräulein Lea Leoie, Jsestraßc 29. Montag und Dienstag, 8—10, Englisch, Mittwoch, 8—10, Französisch. Donnerstag, 8—10, Spanisch. Honorar je Kursus den Monat 5 Mark. Für die Leitung unserer Nähstube suchen wir eine geeignete, erfahrene Dame. Nur schriftliche Meldungen erbeten an die- Kommission für das Wohlfahrtswesen.