Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 11 (11.11.1928)
- Date
- 1928-11-11
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer II Als letzte, aber Bei weitem wichtigste Firma must die Firma M M. Warbu'rg A E o. genannt werden, die heute der. eigentliche Repräsentant Hamburgs in der Pankwelt Deutschlands und die repräsentativste deutsche Bankfirma für das graste internationale Finanzgeschäft ist. , Gestützt aus verwandtschaftliche Bestehungen zur Skew Parker Hochfinanz und auf die Beteiligung an der jungen, aber bereits höchst erfolgreichen IlNernänonal Acceptance Bank in New Park, hat cs dieic Firma sofort nach dem Kriege verstanden, ihr altes, in früheren »I^chrzehnten durch lange erfolgreiche Arbeit errungenes internationales Geschäft wiederzugewinnen. Sic hat der deui'chen Volkswirtschaft in einer langen Reihe von grasten Krediigeichäften neues Kapital aus dem Auslände zugeführt. «Geleitet von einem kleinen Gremium kaufmännisch und menschlich bedeutender Männer, djent die Firma nicht nur der denischerr Volkswirtschaft ber ihrer Wiedcreinfüaunq in Die Weltwirtschaft. sostdern auch der Vertretung Deutschlands in inlernalionalen wirtschaftlichen Gremien, wie im Finanzaustschust des Völkerbundes und an anderen Stellen. Die Firma ist die glückliche und erfolgreiche Verkörperung besten hanseatischen Kauimannsgcistcs. Ihre weltweiten kaufmännischen und persönlichen Beziehungen werden mit gröstter Amsicht gepflegt zum Bester» der hamburgiichen. der deutschen und der Weltwirtschaft. ' * Leon K o r n i Hers kantorales Werk, über welches wir in Skr. 7 des Gemeindeblcntes eine ausführliche Besprechung von G e o r.g d e Haas veröffentlichten, hat in Fachkreisen allgemeinen' Beifall gefunden. So schreibt der bekannte .Berliner Munter und Komponist LI r n o Nadel im Israelilischeiz Faniilienblatk: -- Wahrhaitia. endlich liegt ein „neues" Werk vor. Don nii wcnigtn Werken der letzten vier oder, fünf Jahrzehnte tongte man dies behaupten! Nach Lewandowski, der sich durch Gnehgic, Talent Find glückliche Umstände zum Meiitei hinauirana, haben wir. die wir die Snnagogenmustk mit Lic''e verfolgen und ßizim^rwieder neu erleben, nicht viel Sch» »sterisches' fc'titcllcrt können. Nun. plötzlich fast, kommt das 'itcrl des Hamburger Dbertanlors Körnitz er heraus, 'and iicbe: es ist ein neües Werk, ein neuer Schritt, ein neues Sieigen. ein neues Gleichen, eine neue Hoffnung für die Restauration unseres jüdischen Gottesdienstes. Kornitzer ist vor allem Reformator, bewußt und unbewiistl. Gr ichreihl nichts wie Lewandowski für seine Zeit und .'eine Snnarzoge. >onderii er will leine Zeit ein Stück fortreiste». .Klfrnitzer in der Snncigoge ist ein Erlebnis, sein Werk bx deürel ein völlig neues Erfassen und Daritellen unserer heiligen GebcUe.rte. Es gibt nur ein Mittel, das zu begreife«: einen Gottesdienst miij Kornitzers Kompositionen zu veran Italien. Man wird die' in iich eine neue A den anshorchen, werde mküinlicicn! Herstchlag Engelchor in der Ho tigei» Juden zurukt: bat wahrlich ein Jude ein bedeutender Musik Und, in der Bei berger Kantor Iuliuss K auf in an n im ichen Kantorenverbanties leien wir: Die vorliegende Arbeit ist das Werk eines sich seines Wollens klär bewustlsn Mnüters und Kantors, inhaltlich lind'Kornitzers Komvösilionen, das darf als feststehend gejlren, intuitive Seljbstbekenntnisie, plastisch erschaute und erfühlte Tonbildejc. In ihnen offenbart sich ein starkes tünitleriichss --elbstbeipustritin in fast durchweg subjektiven Gestaltungen, deren Grundlage das lyrisch-romantische Element bildet. Wohl darb, von wenigen Ausnahmen abgesehen, viele Munk als zeitgenössisch im besten Sinne des Wortes bezeichnet werden. Aber das allein ist bei weitem nicht ibr ^Vorzug und ihre Stärke. Ihre! innerliche Unabhängigieit und Freiheis, die ganz eigentliche, nur persönliche Musik macht, die' ein Gebet iclB.it empfindet und zu gestalten vermag, das ist dör statte Grundzu^»ie>es Werkes,... das wohl mit an der Spitze unserer zeiigeno^i'cheii innagogalen Muiikliteratur steht' und sicherlich darüber bina is ejzi belrächllickres Stück in die Zu iunft weist. . . Im Rahmen des ,c llgemeinen Vorlefunizsweiens der Uitiverjitär liest Herr D s. S. Birnbaum 'in diesem Wintcjriemester Wonragis von ö—4 bzw. st—5 Uhr nachmittags über „Einführung in die jiddische Philologie" und die „Erzählungen Rlabbi Rachmans"'. ■*— Unter den Vorlesungen Pastor W i n h - f u h r s ist bemerkenswert diejenige über „Die Juden als Kstlturocrmiltler im Mittsslalter". fMittwochs 8—10 abends.) j I i kn Chren nicht trauen .... Diele, affanung des Judentums erleben, werherrliche aufgeregte Gegenwart und fm Dienste des Ewigen erleben. Einen werden sie vernehmen, der den beucliiru ladonoj schir chodosch! Das kein anderer als ein Jude und doch ^r geschrieben. rechung des Werkes durch den. Rürn Drgan des Dcut- Religio»siintcrrichtsk»rse des Jugendamtes der Gemeinde. Die Bewohner des linken Alsterpfcrs werden hiermit erneut auf den Religionsunterricht hingcwiesen, det in unserem Auftrag jeden Donnerstag im! Lyzeum Lerchcnfcld stattfindet. Die Kurslciterin, Fraist W c i st m am n . nimmt Anmeldungen jeden Donnerstag! von :! Uhr an entgegen und gibt über Stundenplan, Schulgeld »sw. Austunst. In einer Elternversamnlung der Talmud T o r a -- R e a I sch u I e. welche Diesislag, den 2b. p. Ri.. stattfand. sprach Herr Tr. <3. Baruch über: Erziehungsfrckgen in Häüs und Schule. Ter Vortragende ging von der Forderung aus. dast Elternhaus und Schule keil und den persönlichen Wert jedes einzelnen Kindes anertennen müssen. . Auf dieser Grundlage aber müsse das Kind zuist Gehorsam und zur Pslichtetfüllung sowie zur Achtung vor den Errwachsenen und ihrer; reiferen Erfahrung erzogen werden. Wenn so einerseits die 'Kindersecle richtig gewertet und andererseits in ihr die richtige Grundlage der Erziehung gelegt würde, seien die Voraussetzungen für eine harmonische Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule gegeben. Der Redner ging dann auf.die moderne Schulgestaltung ein und forderte von den Ellern Verständnis für deren Bedeutung, ins besondere das Auslefeoerfahren. Vor allem forderte der Redner von den Eltern das rechte Verständnis für den Vollsfchulzug, in welchen sie vielfach noch immer nicht ihre Kinder übergeführl sehen möchten, auch wenn dieser ihrer Begabung »»nd ihrer Individuaiität viel inehr gerecht würde und in ihnen ein besseres Fundament für ihre Zukunft errichte, als der zu keineni Abschlust kommende Bestich eines Realichulzuges. An der von der zahlreich erschienenen Hörerichafl jnit Beifall mitgenommenen Vortrag schiost sich eine angeregte Erörterung. Herr Direktor Spier unterstrich die Ausführungen des Redners über den Real- und Volksschulzug. wobei er hcrvorhob, dast die Gefahr einer Benachteiligung der Schüler - durch das Auslcchoerfahren in der Talmud Tora Rcal'chule ausgeschloisen'sei. da ja die Lehrer die Cuticheiduiig i» Händen hätten, weiche die Schüler das ganze Iähr zu beobachten und kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hätten.' Er erörterte sodann Fragen der Schuldisziplin und wandte sich gegen eine zu starte Betätigung der jugendlichen Schüler in Vereinen' der verschiedensten Art. Endlich forderte der Direktor sofortige Mitteilung des Elternhauses, wenn ein Schüler ans, irgendwelchem Grunde den Unterricht versäumen müsse, da nur die ioiortige Mitteilung eine vom Elternhaus nicht beobachtete Schulveriänmnis zu verhindern in der Lage sei. — Herr Dr. Blau forderte ein stärkeres Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und der Lehrerschaft, wobei er auf die nicht leicht zu uiitcrichätzenden Dienste hinwies, welche die Lehrer den Eltern gerade in den Entwicklungsjahken ihrer Kinder zu leisten imstande seien. Auch der Schularzt könne in dieser Beziehung den Eltern manchen wertvollen Fingerzeig geben. — Rach weiteren Bemerkungen der Herren Halber st adt und B e n - Z > a n brachte Herr A. A u e r b a ch, ebenso veranlastt durch die Hinweise des Herrn Dr. Blau, wie durch die Berichteritattung der Tageszeitungen, die Rede auf die jüngsten Schülerprozesse, w.ibei er anregte, daß die Eltern ihre Kinder vor schlechter Zeitungslekküre bewahren und in ihnen mehr Verständnis und Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Lebens erwecken möchten. — Herr Dr. Z u n tz hielt es für unmöglich, die Anregung des Herrn Auerbach zu befolgen. Die Tegesereignisie könnten heute den Kindern nicht mehr verborgen gehalten werden. Einzige Abwehr könne nur sein,' dast die Eltern ernstlich und offen mit ihren Kindern die in Rede stehenden Dinge besprächen, nur so könnten sie sie vor Schaden bewahren. — Mit einem Schluszwort des Direktors fand der anregende Abend seinen Abschlust. Die hiesigen Tageszeitungen berichteten jüngst über eine Gerichtsverhandlung, in welcher zwei jüdische junge Leute wegen fortgesetzten Betruges an Angehörigen unserer Gemeinde vor Gericht standen. _ Sie verübten gemeinsam Diebstähle, bei denen sie nach einem ständig wiederholten Plane zu Werke gingen. Einer von ihnen liest sich bei dem Wohnungs- oder Geschäfts-> inhaber als Bittsteller melden und verschaffte durch essenlassen der Tür. wenn er vorgelassen wurde, seinem Genossen unbemerkten Zutritt, den dieser benutzte, um die in der Kleiderablage bewahrten Kleidungsstücke mitzunehmen. Eine andere Methode ihres gemeinsamen Vorgehens war, dast sie unter mistbräuchlicher Benutzung des Namens der Gemeinde telephonisch, namentlich in Familien, die kurz zuvor einen Todesfall zu be-.